Bleiben Sie auf Kurs
Wenn Sie sich diese Ziele während des gesamten Prozesses der pastoralen Seelsorge vor Augen halten, werden Sie weder vom Weg abkommen noch die Orientierung verlieren. Um ein Bild aus dem Bauwesen zu gebrauchen: Sie sind wie Baupläne, die zeigen, was umgesetzt werden soll. Es gibt drei einfache Ziele in der pastoralen Seelsorge.
1. Das vorgebrachte Problem ansprechen.
Erstens – und vielleicht am offensichtlichsten – wollen wir das Problem angehen. Seelsorge ist ihrem Wesen nach problemorientiert. Wie alle anderen Dienste ist sie christuszentriert und vom Wort Gottes bestimmt, doch entsteht Seelsorge in der Regel als Reaktion auf einen konkreten Bereich der Not. Die regelmäßigen Dienste am Wort sind wie Tankstellen und Werkstätten für den Ölwechsel – sie versorgen und warten Ihr Fahrzeug.
Wenn jedoch der Ford liegen bleibt, bringt man ihn in die Werkstatt. Ebenso suchen Christen, die Woche für Woche unter der Verkündigung des Wortes sitzen, in der Regel erst dann das Büro des Pastors auf, wenn in ihrem Leben etwas nicht stimmt. Pastoren dürfen ringenden Menschen helfen, weise auf ihre Probleme zu reagieren: Zorn braucht Selbstbeherrschung (Eph 4:26); Traurigkeit braucht Trost (2 Kor 1); Furcht braucht Ruhe (Ps 56:3–4). Ehepaare mit Schulden brauchen klare Budgetziele und finanzielle Disziplin; Jugendliche, die sich selbst verletzen, brauchen konkrete Verhaltensstrategien, um damit aufzuhören; Berufstätige, die von Schmerzmitteln abhängig sind, benötigen medizinische Hilfe. Pastoren müssen Probleme ganz praktisch anpacken. Menschen brauchen durchdachten Rat für ihre realen Lebensnöte.
Doch praktische Strategien allein reichen nicht aus. Seelsorge, die wirklich christlich ist, wird weit mehr beinhalten: Die Person und das Werk Christi bilden ihr theologisches und praktisches Zentrum. Christus und sein Evangelium müssen Fundament, Mittel und Ziel unserer Seelsorge sein. Wenn Sie am Ende Ihrer gemeinsamen Zeit dieser Person nicht geholfen haben, Christus ähnlicher zu werden, dann war das keine christliche Seelsorge. Das führt uns zu unserem zweiten Ziel.
2. Die Relevanz des Evangeliums aufzeigen.
Zweitens wollen wir, dass die Person die Relevanz des Evangeliums erkennt. Menschen leben nur dann richtig, wenn sie durch Christus gerecht gemacht worden sind. Wenn ihre tiefsten Wertvorstellungen, ihre verborgenen Sehnsüchte und ihr Weltverständnis nicht mit Gottes Sicht übereinstimmen, führt das zu anhaltender Frustration und Fehlentwicklung. Ihre Perspektive auf das Problem wird wahrscheinlich rein irdisch sein.
Doch das Evangelium ist relevant, weil es jede irdische Not in den Horizont der Ewigkeit stellt. Das Wort Gottes deckt das Herz auf wie nichts anderes; es bringt chirurgisch ans Licht, was krank ist (Hebr 4:12–13), damit das, was in Unordnung geraten ist, wiederhergestellt werden kann (Hebr 12:12–14). Der Glaube ist das Mittel, durch das ein Mensch die Gerechtigkeit Christi empfängt, sodass Wesen und Charakter seines Herzens und seines Lebens verwandelt werden (Röm 1:16–17; 6:22–23). Auch wenn der Glaube an das Wort Christi schwerfällt, wird ein Mensch Christus mit seinem Leben immer als vollkommen vertrauenswürdig erfahren (Mk 9:24).
Wir müssen uns unser ganzes Leben lang auf diese Weise auf das Evangelium stützen. Das Evangelium ist immer relevant, und eines Ihrer Ziele als Seelsorger ist es, diese Tatsache so deutlich wie möglich vor Augen zu führen. Das geschieht, indem Sie die selbstgenügsamen Lügen aufdecken, die wir uns alle erzählen: „Ich kann das allein in Ordnung bringen.“ „Dieses Evangelium mag in der Gemeinde hilfreich sein, aber in den wirklich wichtigen Bereichen meines Lebens bewirkt es nichts.“ „Wenn Christus mich lieben würde, hätte er dieses Problem längst beseitigt.“ „Das ist einfach zu schwer. Ich gebe auf und es ist mir egal.“
Der Pastor sollte mitten in ein solches Denken eine Granate werfen. Er muss darauf bestehen, dass Probleme im Leben Gelegenheiten sind, in denen geplagte Menschen die einladende Stimme Christi hören sollen – weder auf ihren eigenen Lösungen beharrend noch in Hoffnungslosigkeit resignierend. Nichts von alledem wird die tiefere Abhängigkeit vom Evangelium hervorbringen, die Gott im Herzen derer wirken will, die er liebt.
3. Menschen helfen, in der Christusähnlichkeit zu wachsen.
Drittens – und am wichtigsten – wollen wir Menschen helfen, Christus ähnlicher zu werden (Eph 4:22–24; 5:1). Der Mensch wurde geschaffen, um Gott widerzuspiegeln. Je mehr wir seinem Bild gleichgestaltet werden, desto mehr entsprechen wir Gottes Ideal für das menschliche Leben (Röm 8:29–30). In dem Maß, wie ein Mensch in der Heiligung wächst, legt er das ab, was seine Seele verdorren lässt, und zieht an, was auf Christusähnlichkeit ausgerichtet ist. Denken Sie daran: Christus ist sowohl das Mittel als auch das Ziel der Seelsorge.
Uns ist bewusst, dass dieses dritte Ziel für jemanden, der mitten in einer Depression steckt oder versucht, den Tod seines Kindes zu verarbeiten, zunächst vielleicht nicht besonders hilfreich klingt. Ihre Herausforderung als Pastor besteht darin, anderen auf überzeugende Weise zu zeigen, warum dieses Ziel – ein Leben in der Gleichgestaltung mit Christus – weit besser ist als ihr unmittelbarer Wunsch nach Glück oder nach Linderung des Schmerzes. Gewiss bemühen wir uns darum, dass die Niedergeschlagenen neuen Mut fassen und die Trauernden Erleichterung finden. Doch dabei bleiben wir nicht stehen. Wir wollen, dass sie die Herrlichkeit erkennen, die darin liegt, Christus nachzufolgen und ihm ähnlicher zu werden. Für Gläubige wie für Ungläubige ist der Rat eines Pastors letztlich einfach: Christus ähnlich zu sein bedeutet, wirklich zu leben (Joh 10:10).
Ehrlich gesagt macht das die Wirksamkeit von Seelsorge schwerer messbar. Wie misst man genau die Gleichgestaltung mit Christus? Sicher gibt es Anzeichen: veränderte Wünsche und Verhaltensweisen, neue Denkmuster und gereinigte Anliegen. Aber es ist nicht wie beim Streichen eines Zauns, bei dem man die Farbe des Fortschritts sehen und genau erkennen kann, wie viel noch zu tun ist. Die Hauptzuversicht des Pastors besteht darin, dass Gott sich selbst verpflichtet hat, jeden zu erneuern, der zu Christus gehört. Das war auch der Grund, warum der Apostel Paulus seinen Dienst fortsetzte: „… weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu“ (Phil 1:6). Das ist auch unser Grund.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Crossway. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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