Caveat emptor („der Käufer möge sich in Acht nehmen“) ist ein guter Rat für jeden, der einen Kauf tätigt. Man sollte immer wissen, was man bekommt, bevor man sich zum Kauf verpflichtet. Glücklicherweise bietet das Verbraucherrecht einen gewissen Schutz, und Garantien sichern ein bestimmtes Leistungsniveau zu. Beide Parteien einer Transaktion tragen Verantwortung: Käufer sollten sich gründlich informieren, und Verkäufer sollten ihre Waren nicht irreführend darstellen.
Wenn es um das Evangelium geht, haben Prediger die ernste Pflicht, dessen Segnungen korrekt darzustellen. Andernfalls wird nicht nur die Botschaft verfälscht, sondern auch Gott selbst falsch dargestellt, und es besteht die Gefahr, dass diejenigen, die im Glauben darauf reagieren, enttäuscht und desillusioniert zurückbleiben. Das Wohlstandsevangelium, das Gesundheit und Reichtum verspricht, ist nur ein Beispiel für eine solche falsche Werbung.
Welche Vorteile kann also jeder Christ erwarten, der an das Evangelium Jesu Christi glaubt? Paulus beantwortet diese Frage, im Römerbrief, in seiner umfassendsten Darstellung des Evangeliums. Betrachten wir Römer 5:1–11, der eine gute Übersicht über solche Segnungen gibt und in dem die „Geld-zurück-Garantien“ des Evangeliums erstaunlich und äußerst ansprechend sind.
Dieser Abschnitt fungiert als Brücke und Wendepunkt zwischen den ersten beiden Hauptteilen des Briefes. In den Kapiteln 1–4 entfaltet Paulus das Evangelium von Gottes rettender Gerechtigkeit und der Zurechnung eines gerechten Standes vor Gott für diejenigen, die an Jesus glauben. Dann fasst 5:1 die Kapitel 1–4 zusammen und führt das Argument weiter hin zum Leben derer, die auf Jesus vertrauen: „Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, haben wir …“
Die Veränderung in Kapitel 5:1–11 betrifft nicht nur das Thema, sondern auch den Ton. Paulus wechselt von der nüchternen Argumentation in den Kapiteln 1–4, in denen er hauptsächlich Verben in der zweiten Person (du hast dies getan, du hast das getan) und in der dritten Person (Gott hat dies getan, Abraham hat das getan) verwendet, zu einer begeisterten Aufzählung der Segnungen des Evangeliums unter Verwendung von Verben in der ersten Person Plural (wir haben dies, wir haben das). Drei Vorkommen des Verbs „sich rühmen/freuen“ (V. 2, 3, 11) verleihen dem Abschnitt einen feierlichen Charakter.
1. Frieden mit Gott
Als Folge der Rechtfertigung aus Glauben genießen Gläubige Frieden mit Gott (V. 1). Als ein Schlüsselbegriff im Römerbrief hat der Segen des Friedens eine reichhaltige Vorgeschichte, gegenwärtige und zukünftige Dimensionen sowie ethische Implikationen. In 2:7–10 ist der Friede mit Gott ein eschatologisches Geschenk, zusammen mit Herrlichkeit und Ehre. Für diejenigen hingegen, „die selbstsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen“, ist die Zukunft düster (Zorn, Grimm, Bedrängnis und Angst).
Im Alten Testament ist Frieden ein beständiges Merkmal der endzeitlichen Erfüllung von Gottes Bundesverheißungen. In Jesaja 9:6–7 wird der kommende „Sohn“, der „Fürst des Friedens“, auf dem „Thron Davids“ herrschen, und „die Mehrung seiner Herrschaft und des Friedens wird kein Ende haben“. Mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Feindschaft bedeutet Frieden mit Gott wiederhergestellte Beziehungen zu Gott und zu allen Menschen in einer neuen Schöpfung.
An anderer Stelle im Römerbrief heißt es: Gott ist „der Gott des Friedens“ (16:20), „die Gesinnung des Geistes ist Leben und Frieden“ (8:6), und das Reich Gottes besteht in „Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist“ (14:17). Daraus folgt, dass Gläubige „den Weg des Friedens“ gehen sollen (3:17), sowie „mit allen Menschen in Frieden leben“ sollen (12:18) und „dem nachstreben sollen, was zum Frieden dient“ (14:19). Obwohl die volle Erfahrung des Friedens auf den ewigen Zustand wartet, betet Paulus: „Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und mit Frieden im Glauben“ (15:13).
2. Zugang zu Gottes Gnade
Der zweite Vorteil ist „der Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen“ (5:2), und er kommt „durch ihn“, das heißt durch Jesus Christus. Während Paulus das Wort „Zugang“ auch im Sinne des Eintritts in die Gegenwart Gottes verwenden kann (Eph. 2:18; 3:12), bezieht es sich in 5:2 auf die fortwährende Verfügbarkeit von Gottes Gnade für die Gläubigen, die durch das Werk Christi ermöglicht wird. Wir haben beständigen Zugang zu der Gnade, die uns rettet (3:24); wir sind nicht nur durch Gnade gerettet, sondern werden auch durch Gnade gestärkt und getragen, um ein dem Evangelium würdiges Leben zu führen.
3. Sichere Hoffnung
Der dritte Vorteil ist „die Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes“ (V. 2; siehe V. 4–5). Die Aussicht auf Herrlichkeit von Gott in der Zukunft ist verständlicherweise etwas, worüber man sich freuen, was man erwartungsvoll erhoffen und worauf man stolz sein kann. Das Verb „sich rühmen“ (kauchaomai) kann sowohl negative als auch positive Bedeutungen haben, und Paulus nutzt im Römerbrief beide Bedeutungsrichtungen. In Kapitel 3:27 und 4:2 wird selbstsicheres Rühmen als Grundlage für den eigenen Stand vor Gott untersagt. In Kapitel 5:2 und 3 und 11 hingegen ist es völlig angemessen, sich in Gott zu rühmen und ihn freudig für seine Segnungen, einschließlich der Hoffnung, zu preisen.
Paulus versteht, dass Hoffnung wie ein fragiles Konzept erscheinen kann. Hoffnung ist per Definition ein noch nicht erfülltes Verlangen: „Die Hoffnung aber, die man sieht, ist keine Hoffnung. Denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht?“ (8:24). Es gibt verschiedene Arten von Hoffnung. Man kann auf eine Gehaltserhöhung hoffen, auf gutes Wetter oder auf die Genesung eines geliebten Menschen von einer schweren Krankheit. Die Erfüllung solcher Hoffnungen kann unsicher und unwahrscheinlich erscheinen.
Die Hoffnung des Evangeliums verbindet tiefes Verlangen mit zuversichtlicher Erwartung, eine feste und sichere Hoffnung, die nicht zu Enttäuschung oder Schande führt (5:5), denn sie ist durch Gottes Liebe garantiert. Auf die Herrlichkeit Gottes zu hoffen bedeutet ein tiefes Verlangen, die Güte und Gnade des lebendigen Gottes zu erfahren; es ist die Sehnsucht, bei Gott zu sein.
4. Lohnenswertes Leid
Der vierte Segen der Rechtfertigung kommt gewissermaßen überraschend: „Wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen“ (V. 3). Das hier mit „Bedrängnisse“ übersetzte Wort (thlipsis) ist ein allgemeiner Begriff für alle Arten von Schwierigkeiten und Leiden.
Paulus behauptet, dass wir uns über unsere Nöte freuen können und zwar nicht aus einer widernatürlichen Freude am Schmerz, sondern weil wir wissen, dass sie bedeutende Frucht bringen: „Bedrängnis bewirkt Standhaftigkeit, Standhaftigkeit aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung“ (V. 3–4). Eine solche Sichtweise setzt natürlich voraus, dass wir großen Wert darauf legen, so zu leben, dass es Gott gefällt, und dass wir uns nach dem Tag unserer Erlösung sehnen.
5. Gabe des Heiligen Geistes
Der nächste Vorteil der Rechtfertigung aus Glauben findet sich in Kapitel 5:5: die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen ist. Auch hier gibt es einen wichtigen Hintergrund für die Gabe des Geistes an alle Gläubigen. Paulus scheint auf Joel 2:28–29 anzuspielen: „Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch … In jenen Tagen werde ich meinen Geist ausgießen“ (vgl. Apg. 2:17.18.33; 10:45; 1. Kor. 12:7).
In Erfüllung dieser Prophezeiung Joels schenkt der Geist Gottes den Gläubigen die Erfahrung von Gottes überströmender Liebe, versichert uns seine Fürsorge und seine Anteilnahme in Prüfungen und gibt uns einen festen Grund für Hoffnung.
6. Gewissheit der Liebe Gottes
Der sechste Vorteil besteht in der Gewissheit, dass Gott uns liebt (V. 6–8), was daran erinnert, wie Paulus die Christen in Römer 1:7 anspricht („an alle in Rom, die von Gott geliebt sind“). Der Tod Christi „für uns“ (V. 8; vgl. V. 6) ist der unwiderlegbare Beweis dafür, dass Gott uns liebt.
Die völlig unverdiente und außergewöhnliche Natur von Gottes Liebe zeigt sich in drei Beschreibungen derer, für die Christus gestorben ist: für „Gottlose“ (V. 6), „Sünder“ (V. 8) und seine „Feinde“ (V. 10). Sie zeigt sich auch im Kontrast zu zwei Situationen menschlicher Liebe, in denen eine solche aufopfernde Liebe äußerst unwahrscheinlich und selten ist (V. 7). Dass Christus „zur rechten Zeit“ (V. 6) für uns starb, weist auf seinen Tod als Höhepunkt der Heilsgeschichte hin.
7. Gott selbst
Der letzte Vers in Römer 5:1–11 gipfelt im siebten Vorteil der Rechtfertigung aus Glauben: „Wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben“ (V. 11).
Sich in Gott selbst zu freuen, ist der passende Höhepunkt von Paulus’ Darstellung der Segnungen des Heils. Die Gerechtfertigten, Geretteten und Versöhnten haben Frieden mit Gott, Zugang zu Gottes Gnade, die Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes, eine Erfahrung von Leiden, die sie näher zu Gott bringt, die Gabe von Gottes Geist und die Gewissheit von Gottes außergewöhnlicher Liebe, die im Tod seines Sohnes sichtbar wurde. Diese sechs laufen zusammen und erreichen ihren Höhepunkt in Paulus’ abschließendem Aufruf, sich in Gott selbst zu freuen.
Die „Geld-zurück-Garantien“ der Gnade Gottes im Evangelium sind unermesslich. In Römer 5:1–11 freuen wir uns über Gott den Vater, mit dem wir Frieden haben, der uns liebt und von dem wir Herrlichkeit empfangen werden. Wir freuen uns über Gott den Sohn, der für uns gestorben ist und durch den wir Frieden mit Gott haben, durch dessen Blut wir gerechtfertigt sind, der uns vor Gottes Zorn rettet und durch den wir versöhnt sind. Und wir freuen uns über Gott den Heiligen Geist, der uns beständig die unfehlbare und außergewöhnliche Liebe Gottes zusichert.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler. Mehr von The Gospel Coalition.
















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