Seien wir ehrlich: Evangelisation ist für viele von uns ein beängstigendes Wort. Obwohl ich regelmäßig das Evangelium weitergebe, schlägt mein Herz jedes Mal schneller, wenn ich es tue.
Ich werde nie einen Abend vor einigen Jahren vergessen, als mich eine Kollegin zu Hause anrief, um nach meiner Entscheidungsphilosophie zu fragen. Es war eine seltsame Situation, da wir außerhalb unserer Arbeit als Ingenieure keine wirkliche Beziehung hatten. Als sie eine so tiefgehende und persönliche Frage stellte, wusste ich, dass ich an einem Scheideweg stand.
Würde ich die unangenehme Situation umgehen, indem ich ein Selbsthilfebuch empfehle, oder würde ich offen über meine Beziehung zu Jesus sprechen? Was würde sie, ebenfalls Absolventin des MIT, denken, wenn ich ihr sagte, dass die Bibel meine Quelle für Wissen und Weisheit ist? Wie sollte ich ihr bei der Arbeit begegnen, nachdem ich meine Abhängigkeit vom Gebet zugegeben habe? Was, wenn sie fälschlicherweise zu dem Schluss käme, ich sei ein „Wissenschaftsleugner“?
Solche gedanklichen Abwägungen machen wir oft, wenn sich uns eine Gelegenheit zur Evangelisation bietet. Viel zu oft gewinnt die Angst die Oberhand, und wir ziehen uns zurück. Es ist normal, sich unsicher zu fühlen, wenn wir das Evangelium weitergeben. Wir erzählen Menschen die wichtigste Botschaft, die sie je hören werden, und wir wollen es richtig machen. Außerdem wünschen wir uns, dass sie daran glauben.
Ein großer Teil unserer Angst wurzelt jedoch in Selbstschutz. Wir fürchten Ablehnung und das zu Recht. Jesus wurde von einigen seiner eigenen Jünger abgelehnt, als er behauptete, der einzige Weg zum ewigen Leben zu sein (Joh 6:57–66), und er warnte, dass wir um seines Namens willen ähnlich behandelt werden würden (Joh 15:18–21). Das Evangelium ist ein Anstoß (Gal 5:11), und manchmal sind wir uns nicht sicher, ob wir die negative Reaktion eines Ungläubigen darauf aushalten können.
3 Wege um die Angst zum Evangelisieren zu überwinden
Wir wissen, dass Menschen Christus brauchen, aber wir fürchten die Unbeholfenheit, die Gespräche über das Evangelium mit sich bringen können. Wie können wir diese Angst überwinden?
1. Ändere deine Erwartungen.
Viele Jahre lang zögerte ich, meinen Glauben weiterzugeben, weil ich davon ausging, dass Evangelisation nur dann erfolgreich ist, wenn sie sofort zu einem Glaubensbekenntnis führt. Ich habe die Grenzen zwischen Gottes Werk und meinem eigenen verwischt und nicht erkannt, dass Gott durch jede Verkündigung des Evangeliums verherrlicht wird, unabhängig davon, ob der Zuhörer mit Glauben darauf reagiert.
Wir setzen uns selbst enorm unter Druck, wenn wir erwarten, dass jedes Evangeliumsgespräch sofort zu einer Bekehrung führt. Wenn wir jedoch verstehen, dass Menschen das Evangelium oft mehrfach hören, bevor sie glauben, können wir realistischere Erwartungen haben. Wir können mit Hoffnung in solche Gespräche gehen, offen dafür, was der Herr tun könnte, und gleichzeitig damit rechnen, dass die Person vielleicht noch nicht bereit ist zu glauben.
Wir müssen keine Angst haben, dass eine ausbleibende Reaktion bedeutet, wir hätten unsere Aufgabe nicht erfüllt. Paulus spricht davon, als er an die Gemeinde in Korinth schreibt. Er hat die Samen des Evangeliums „gepflanzt“; Apollos kam nach ihm und hat sie „begossen“, möglicherweise durch eine weitere Verkündigung; doch „Gott ließ wachsen“ (1 Kor 3:6). Unsere Aufgabe ist es einfach, anderen zu sagen, was Christus getan hat, und ihnen die Möglichkeit zu geben, darauf zu reagieren. Den Rest überlassen wir dem Herrn.
2. Lerne Nichtgläubige kennen und liebe sie.
Ich habe einmal eine Gruppe von Müttern gefragt, warum es ihnen so viel leichter fällt, ihren erwachsenen Kindern das Evangelium weiterzugeben als fremden Erwachsenen. Die Antwort ist vielleicht offensichtlich, aber auch herausfordernd: Mütter lieben ihre Kinder viel mehr als Fremde. Ihr Wunsch nach der Rettung ihrer Kinder überwindet die Angst und rechtfertigt das zwischenmenschliche Risiko.
Ein Weg, die Angst vor Evangelisation zu überwinden, besteht also darin, in der Liebe zu Menschen zu wachsen, die den Herrn nicht kennen. Wir können Zeit investieren, Beziehungen zu Nichtgläubigen aufzubauen, und dabei wird unser Wunsch, dass sie zum Glauben kommen, ganz natürlich wachsen.
3. Denke über die Lehre von der Hölle nach.
Ein weiterer kraftvoller Weg, die Angst vor Evangelisation zu überwinden, ist, über die Lehre von der Hölle nachzudenken. Glauben wir wirklich, dass die Hölle ein Ort unaufhörlicher Qual ist, an dem verlorene Menschen die Ewigkeit verbringen werden (Mt 13:41–42; Mk 9:43; Offb 14:11)? Verstehen wir wirklich, dass es nach dem Tod keine zweite Chance mehr gibt (Hebr 9:27)?
Das Letzte, was wir tun möchten, ist, über etwas so Furchtbares nachzudenken. Doch das Evangelium ist gerade deshalb so kostbar, weil die Hölle so real ist. Wenn wir über die Lehre von der Hölle nachdenken, fürchten wir weniger, was uns passieren könnte, wenn wir das Evangelium weitergeben, wir fürchten mehr, was mit denen geschieht, die es nie hören oder daran glauben werden.
Gottes Mission
Mein Herz setzt immer noch einen Schlag aus, wenn ich das Evangelium weitergebe. Es ist eine enorme Sache, einem anderen Sünder von der rettenden Gnade zu erzählen, die Gott durch seinen Sohn Jesus Christus anbietet. Doch ich werde ermutigt, meine Ängste zu überwinden, wenn ich daran denke, dass es unzählige andere Wege gäbe, wie Gott sein Werk tun könnte, um Herzen zu sich zu ziehen.
Zu wissen, dass Gott uns erlaubt, Teil seiner Mission zu sein, sollte uns motivieren, richtig über Evangelisation zu denken, Beziehungen zu verlorenen Menschen zu suchen und über Lehren nachzudenken, die uns an die Nähe der Ewigkeit erinnern. Während wir treu darin vorangehen, die gute Nachricht zu verbreiten, wollen wir uns an Gott festhalten und daran denken, dass er vor uns hergeht, mit uns ist und sein Volk retten wird.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.









Schreibe einen Kommentar