Bekämpfe die Sünde, indem du dich an Gottes Güte labst 

Vor nicht langer Zeit ging ich in die Küche und fand meine achtjährige Tochter dabei, wie sie die Spülmaschine ausräumte. Sie wurde nicht bestraft. Weder meine Frau noch ich hatten ihr dafür eine Belohnung versprochen. Niemand hatte sie darum gebeten. Und doch stand sie dort, räumte Teller, Tassen und Besteck weg und das mit einem Lächeln im Gesicht!

Etwas überrascht sagte ich zu ihr: „Wow, danke, dass du das gemacht hast, Schatz.“ Darauf antwortete sie: „Gern, Papa, ich helfe doch gerne!“

Es war ein Moment, der jeden Elternteil stolz machen würde. Gleichzeitig vermittelt er ein kleines Bild einer herrlichen Wirklichkeit, die im Zentrum des christlichen Lebens steht: Als Gläubige an Christus tun wir mit Freude Dinge, die Gott ehren, weil unsere Herzen von Empfindungen erfüllt sind, die Gott ehren. Ihm zu dienen macht uns froh.

Leben jenseits von Listen

Manche Menschen haben den Eindruck, das christliche Leben bestehe darin, Wünsche zu unterdrücken. Sie denken, Jesus nachzufolgen bedeute im Grunde selbstauferlegtes Elend in diesem Leben, während die Freude erst auf das kommende Leben verschoben wird. Doch das stimmt nicht. Es ist vergeblich, Gott mit den Lippen zu ehren, während unser Herz weit von ihm entfernt bleibt (Jes 29:13). Christsein ist mehr als eine Liste von Pflichten, die man befolgen muss; es ist ein Leben der Freude, das man genießen darf (Ps 119:47).

Der schottische Pastor Henry Scougal schreibt:

„Das Christentum kann mit dem Wort Leben beschrieben werden, weil es ein inneres, freies und aus sich selbst wirkendes Prinzip ist. Menschen, die darin Fortschritte machen, werden nicht von äußeren Kräften angetrieben … sondern sie sind kraftvoll zu dem hingezogen, was gut ist, und finden Freude daran, es zu tun.“ (The Life of God in the Soul of Man, S. 32)

Die Frage lautet: Woher kommt dieses innere Prinzip? Wie kann sich diese starke Hinwendung zum Guten in meinem Leben zeigen? Und wodurch werde ich zunehmend Freude am Gehorsam finden?

Die Antwort lautet: die Vereinigung mit Christus.

Die Vereinigung mit Christus beschreibt die neue Stellung des Gläubigen in Christus, die bei der Bekehrung begründet wird, im ganzen Leben erfahren wird und ewig Bestand hat. Wenn Gott uns rettet, verbindet er uns mit seinem Sohn. Diese Vereinigung verändert unsere grundlegende Stellung im Leben. Wir, die einst tot in der Sünde waren, werden mit Christus lebendig gemacht (Eph 2:1–5). Dieses neue Leben in Christus erleben wir durch eine Vielzahl neuer Wünsche und Sehnsüchte.

Neue Natur, neue Wünsche

Jeder geistliche Segen kommt uns in Christus Jesus zu (Eph 1:3), auch der geistliche Segen von Wünschen, die Gott ehren. Scougal schreibt: „Die Liebe, die ein Mensch zu Gott und zum Guten trägt, entsteht … durch eine neue Natur, die ihn lehrt und in diese Richtung bewegt“ (S. 32).

Wir kommen nicht mit einer natürlichen Ausrichtung auf freudigen Gehorsam gegenüber Gott zur Welt. Wir wurden in Rebellion geboren. Doch in Christus werden wir neu geboren. Und diese neue Geburt bringt ein neues Herz mit sich, erfüllt vom Geist Gottes, der unser Verlangen nach Gehorsam stärkt (Hes 36:26–27). Mit anderen Worten: Wir werden in Christus neu geboren, um wie Christus zu leben. Und „das Leben, das [Jesus] lebt, lebt er für Gott“ (Röm 6:10). Jesus lebt zur Ehre seines Vaters und er liebt es, dies zu tun.

An einer Stelle seines Dienstes forderten die Jünger Jesus nach einer anstrengenden Reise auf zu essen. Er antwortete ihnen: „Meine Speise ist, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat“ (Joh 4:34). Warum sagte er nicht: „Mein Ziel ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat“? Oder: „Meine Pflicht ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat“? Warum sagte er „meine Speise“? Er meinte damit nicht, dass er keine Nahrung brauche. Er war wirklich Mensch, und dazu gehörten auch körperliche Bedürfnisse nach Essen und Ruhe. Vielmehr benutzte er das Bild der Nahrung, um seinen Jüngern die Zufriedenheit zu zeigen, die er im Gehorsam gegenüber seinem Vater fand. Gehorsam war sein Ziel, aber auch seine Leidenschaft. Es war seine Pflicht, aber ebenso seine Freude.

Jesus hat einen gesunden Hunger danach, den Vater zu ehren. Und weil wir mit ihm verbunden sind, lebt derselbe Hunger und dieselbe Freude auch in uns. Ja, unser geistlicher Geschmack muss noch verfeinert werden. Manchmal erscheinen uns Gottes Weisungen eher wie Hustensaft als wie Honig. Doch je mehr wir die guten Wünsche pflegen, die Gott in unsere Herzen gelegt hat, desto mehr werden wir die Süße seiner Gebote entdecken (Ps 119:103).

Freude etablieren

Wie können wir diese christusähnlichen Wünsche fördern, sodass unsere Freude am Gehorsam wächst und die Anziehungskraft der Versuchung abnimmt?

Erstens: Etabliere Freude am Gehorsam, indem du dich an Gottes Güte sättigst. Beachte, dass Jesus sagt: „Meine Speise ist, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ Hier geht es nicht um die Bindung an einen abstrakten Moralkodex. Es geht um Gemeinschaft mit einer Person. Der Sohn liebt den Vater und freut sich daran, seinen Willen zu tun.

Je mehr wir schmecken und sehen, dass der Herr gut ist, desto mehr werden wir uns danach sehnen, so zu leben, dass wir ihn ehren. John Owen schreibt: „Wer an der Güte Gottes satt geworden ist wie an Mark und Fett, wer täglich am Festmahl des Weines teilnimmt, an geläutertem Wein [Jes 25:6], der entwickelt eine heilige Geringschätzung gegenüber den Lockungen und Verführungen mächtiger Versuchungen und ist sicher“ (Overcoming Sin and Temptation, S. 215).

Willst du die Macht der Versuchung schwächen? Willst du ein Verlangen nach Gehorsam entwickeln? Dann sättige dich an Gottes Güte. Öffne die Schrift und denke über die Wahrheit, Schönheit und Weisheit seines Wortes nach. Preise an jedem Sonntag mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und aller Kraft den Herrn. Entdecke und genieße die Wunder der Schöpfung, die von seiner gewaltigen Macht und seiner gnädigen Liebe sprechen.

Zweitens: Etabliere Freude am Gehorsam, indem du gehorsam lebst. Manchmal denken wir, wir sollten erst dann gehorchen, wenn wir auch den Wunsch dazu verspüren. Schließlich sehen Menschen auf das Äußere, Gott aber sieht das Herz an (1 Sam 16:7). Wenn mein Herz also nicht dabei ist, soll ich mich dann überhaupt bemühen?

Ja, denn Gehorsam, selbst mühsamer und umkämpfter Gehorsam, ist immer besser als Ungehorsam. Und während wir im Gehorsam leben, entdecken wir zunehmend die Segnungen des Gehorsams. Natürlich sollten wir uns davor hüten, so zu tun, als wäre unser Herz voller Begeisterung, wenn es das nicht ist. Doch wenn wir unseren Mangel an Verlangen ehrlich bekennen, um die Gabe der Freude bitten und trotzdem gehorchen, haben wir guten Grund zu hoffen, dass Gott uns gerade darin begegnet.

Denk einmal darüber nach: Wie entdeckte der Psalmist den Segen, im Gesetz des Herrn zu wandeln (Ps 119:1)? Indem er im Gesetz des Herrn wandelte! Er gehorchte, und je mehr er das tat, desto größer wurde seine Freude an Gottes Weisungen (Ps 119:14).

Ist das nicht auch deine Erfahrung? Denk an eine Situation, in der du versucht wurdest, aber durch Gottes Gnade und Kraft gehorsam geblieben bist. Hast du es bereut? Natürlich nicht. Scham und Reue liegen auf der anderen Seite der Sünde. Dankbarkeit und Freude liegen auf der anderen Seite des Gehorsams. Deshalb sagt J. C. Ryle, dass das Streben nach Heiligkeit „der einzige Weg ist, wirklich glücklich zu sein“ (Holiness, S. 38). Und in der Vereinigung mit Christus können auch wir entdecken, dass es unsere Speise ist, den Willen des Vaters zu tun.

Darum: Kämpfe gegen die Sünde, indem du Freude förderst, Freude an Gott selbst und an allen seinen Wegen.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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