Blicke in ausweglosen Situationen auf Gott

Ein gottesfürchtiger König

Als Joschafat1 König von Juda wurde, gestaltete er seine Regierung nach Gottes Maßstäben. Im Gegensatz zum nördlichen Nachbarstaat Israel ließ er für sich den Götzenkult beiseite und folgte Gott nach. Dann ließ er die Kultstätten verschiedener Götter beseitigen. Damit kein geistliches Vakuum entstand, schickte er einige Leviten aus, um das Volk die Gesetze Gottes zu lehren. Damit tat Joschafat etwas, was die meisten seiner Vorgänger und die Könige im Nordreich Israel nicht gemacht hatten: er legte den alleinigen Fokus auf die Anbetung des einen Gottes, der Israel erwählt und in das verheißene Land gebracht hatte. Das honorierte Gott dadurch, dass er Joschafat und seine Regierung segnete.

Trotz seiner vorbildlichen Regierung ließ sich Joschafat aber von Ahab, dem König des Nordreichs verleiten, einen Krieg gegen Ramot zu führen – trotz der Warnung eines Propheten – und kassierte dafür eine Rüge durch den Seher Jehu.

Anschließend reformierte er die Rechtsprechung, indem er Richter einsetzte, die nach den Maßstäben Gottes Recht sprechen sollten. Er schärfte ihnen ein:

„Geht entschlossen ans Werk! Jahwe wird mit dem sein, der Gutes im Sinn hat.“ 2. Chronik 19:11

Getreu diesem Motto handelte er bei der Herausforderung, die nun auf ihn zukommen sollte.

Feindliche Übermacht

„Einige Zeit danach zogen die Moabiter, die Ammoniter und einige von den Mëunitern zum Krieg gegen Joschafat heran. Man meldete dem König: ‚Ein riesiges Heer ist gegen dich heraufgezogen. Sie kommen von der anderen Seite des ‹Toten› Meeres aus Edom und stehen schon in Hazezon-Tamar.‘ Das ist ein anderer Name für En-Gedi.“ 2. Chronik 20:1f

Dass dies kein nebensächliches Problem war, wird durch drei Faktoren deutlich:

Der Angriff richtet sich gegen Joschafat selbst. Das gegnerische Heer ist riesig. Und es ist schon nahe herangerückt.   

Wenn einer dieser drei Faktoren nicht erfüllt gewesen wäre, hätte es vielleicht noch einen menschlichen Ausweg gegeben. Im Falle, dass das Heer noch nicht nahe wäre, hätte Joschafat selber noch Soldaten rekrutieren können. Wenn es nicht riesig wäre, könnte er es vielleicht mit einer ebenbürtigen oder überlegenen Streitmacht schlagen. Und falls sich der Angriff nicht gegen Joschafat gerichtet hätte, wäre es auch offensichtlich kein Problem gewesen. Nun sind aber alle drei Faktoren erfüllt und es bestand aus menschlicher Sicht kein Ausweg.

Angst

„Da erschrak Joschafat…“ 2. Chronik 20:3

Die Reaktion ist nur nachvollziehbar. Vielleicht kennst du das: Ein „gegnerisches Heer“, was so übermächtig erscheint, nahe an dir dran ist und dich direkt bedroht. Das kann eine existenzielle Sorge um den Lebensunterhalt sein, eine kaputte Beziehung, ein Todesfall, eine Krankheit, eine Sünde oder vieles mehr. In solch einem Fall ist es nur normal, sich zu erschrecken, genauso wie Joschafat es tat. Das schöne ist aber, dass er nicht dabei stehen blieb.

Die richtige Adresse

„…Er beschloss, sich an Jahwe zu wenden, und ließ ein Fasten in ganz Juda ausrufen.“ 2. Chronik 20:3

Die erste Reaktion auf seine Angst war, sich an Gott zu wenden. Joschafat wusste, dass seine Angst bei Gott in guten Händen sein würde. Dabei beließ er es nicht bei einer persönlichen Reaktion, sondern machte einen ganzen Staatsakt daraus: Alle Bewohner von Juda sollten zusammenkommen und fasten.

In der Volksversammlung machte er zuerst klar, wer und wie Gott ist:

„Jahwe, du Gott unserer Väter! Du bist doch der Gott im Himmel, du bist doch der Herrscher über alle Reiche der Welt! In deiner Hand sind Kraft und Macht, und niemand kann vor dir bestehen!“ 2. Chronik 20:6

Er führte sich und den Menschen vor Augen, dass sie das Privileg haben, mit dem Gott in Verbindung zu stehen, der allein mächtig ist und helfen kann. Er hatte den Israeliten das Land und die Möglichkeit gegeben, den Tempel zu bauen.

Wenn dir also ein riesiges Heer entgegensteht, mach dir klar, dass es einen Gott gibt, der weit größer und mächtiger ist. Und, dass du dich an diesen Gott wenden kannst:

„Wenn ein Unglück über uns kommt, ein Krieg als Strafgericht, die Pest oder eine Hungersnot, und wir treten vor dieses Haus und so vor dich – denn dein Name wohnt in diesem Haus – und schreien zu dir aus unserer Not, dann wirst du uns hören und helfen.“ 2. Chronik 20:9

Diese Worte hatte Salomo in ähnlicher Weise bei der Eröffnung des Tempels zu Gott gebetet (vgl. 1. Könige 8:31-38). Joschafat knüpfte also sehr bewusst an einen großen Moment der Geschichte Gottes mit seinem Volk an und hielt es seinen Leuten vor Augen. Vielleicht hast du auch so Situationen, in denen du Gottes Versprechen empfangen oder sogar sein Handeln erfahren hast. Wenn ja, dann erinnere dich bewusst daran und lass dieses Bewusstsein deine Ausrichtung heute auf gute Weise prägen.

Anschließend schilderte Joschafat Gott das Problem des heranrückenden Heeres. Was für ein guter Gott, dem man seine Probleme schildern kann. Schäm dich also nicht, mit deinen Anliegen zu Gott zu kommen. Wenn es nötig ist, mehrfach, immer wieder.

Joschafat gestand Gott ein, dass er und sein Volk zu schwach sind, um die Gefahr abzuwehren. Dann kommt sein entscheidender Ausspruch:

„Wir wissen nicht, was wir tun sollen, und richten deshalb unsere Augen auf dich!“ 2. Chronik 20:12

Die Erkenntnis, dass seine Feinde zu stark, er zu schwach und Gott allein mächtig ist, führte ihn dazu, bei Gott Hilfe zu suchen und von ihm Rettung zu erwarten. Das Eingeständnis eigener Unzulänglichkeit kann im ersten Moment schwer, aber letztlich befreiend sein. Die Rettung ist nicht von dir abhängig, sondern von einer höheren Instanz. Also wirf all dein Vertrauen auf diesen Gott.

Gegenseitige Ermutigung

„So standen die Judäer mit ihren Frauen und Kindern vor Jahwe.“ 2. Chronik 20:13

Joschafat stand nicht alleine vor Gott, sondern mit dem ganzen Volk. Anschließend ließ Gott durch einen der Teilnehmer sagen:

„Habt keine Angst und erschreckt nicht vor dieser großen Masse! Denn das wird nicht euer Kampf sein, sondern es ist Gottes Sache!“ 2. Chronik 20:15

Wie gut ist es, wenn man zusammen vor Gott stehen und sich gegenseitig ermutigen kann. Such dir Menschen, die mit dir gemeinsam vor Gott stehen und für dich einstehen. Und sei ein solcher Mensch auch für andere.

Wichtig ist die Aussage, dass letztlich nicht die Israeliten kämpfen, sondern Gott den Kampf übernimmt. Das zieht sich wie ein roter Faden durch den Text:

„Doch ihr müsst nicht kämpfen, Juda und Jerusalem. Stellt euch auf, tretet vor und schaut euch an, wie Jahwe euch rettet. Habt keine Angst und erschreckt nicht! Zieht ihnen morgen entgegen, und Jahwe wird bei euch sein!“ 2. Chronik 20:17

Die Israeliten sollten zwar selber aktiv werden, aber in dem Wissen, dass Gott der eigentlich Handelnde ist. Danach dankten sie Gott schon im Voraus für das, was er tun würde:

„Da verneigte sich Joschafat tief gebeugt. Auch das ganze Volk von Juda und die Bewohner Jerusalems warfen sich vor Jahwe nieder und beteten ihn an. Danach standen die Leviten von der Sippe der Kehatiter und Korachiter auf und priesen Jahwe, den Gott Israels, mit mächtiger Stimme.“ 2. Chronik 20:18f

Das zeugt von einem tiefer Gewissheit, dass Gott die Situation zu einem guten Ende führen wird.

Ein gutes Ende

Als die Israeliten im Schlachtfeld ihren Jubelruf anfingen, sorgte Gott durch einen Hinterhalt für den Sieg. Joschafats Männer brauchten nur noch die Beute der gefallenen Gegner einzusammeln. Dankbar kehrten sie siegreich nach Hause zurück. Die Nachbarvölker bekamen das natürlich mit:

„Der Schrecken Gottes fiel auf die umliegenden Königreiche, als sie hörten, dass Jahwe mit den Feinden Israels gekämpft hatte. Von da an konnte Joschafat in Ruhe regieren. Gott hatte ihm an allen Grenzen Ruhe verschafft.“ 2. Chronik 20:29

Was für ein Ausgang: vom Schrecken zur Ruhe, von der Angst zum Frieden. Dafür war kein Kriegsheld nötig, aber dennoch ein gewisser Wagemut. Joschafat und das Volk vertrauten auf Gott trotz oder gerade wegen ihrer Angst. Das kann ein Vorbild sein. Wirf dein Vertrauen auf Gott nicht weg, egal wie ausweglos die Situation zu sein scheint:

„Wir wissen nicht, was wir tun sollen, und richten deshalb unsere Augen auf dich!“ 2. Chronik 20:12

  1. Alle Schilderungen hier im Artikel lassen sich in 2. Chronik 17-20 nachvollziehen. ↩︎
Avatar von Michael Klein

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