Ich habe oft gesagt: „Bücher verändern Menschen nicht, Absätze schon – manchmal auch Sätze“
Das mag den Büchern gegenüber vielleicht nicht ganz fair sein, da Absätze ja durch Bücher zu uns gelangen und ihre besondere Kraft oft gerade aus dem Zusammenhang schöpfen, den sie im Buch haben. Doch der Punkt bleibt: Ein einziger Satz oder Absatz kann sich so tief in unser Denken einprägen, dass seine Wirkung enorm ist, selbst wenn alles andere längst vergessen ist.
Es könnte hilfreich sein, dies anhand von zwei Büchern von Jonathan Edwards zu veranschaulichen, die mich am meisten beeinflusst haben. Hier sind die entscheidenden Absätze und die Lehren aus diesen Büchern. Den größten Teil ihres übrigen Inhalts habe ich längst vergessen (aber wer weiß, was im Unterbewusstsein geblieben ist und weiterhin tief wirkt?).
1. Das Ende für das Gott die Welt erschuf
Außerhalb der Bibel ist dies vielleicht das einflussreichste Buch, das ich je gelesen habe. Sein Einfluss war untrennbar verbunden mit seiner Aufnahme in den Lehrplan des Kurses Einheit der Bibel bei Daniel Fuller im Seminar. Zwei gewaltige Wahrheiten wurden mir dadurch klar. Erstens:
Alles, was in der Schrift jemals als letztes Ziel von Gottes Wirken bezeichnet wird, ist in diesem einen Ausdruck enthalten: die Herrlichkeit Gottes. (Yale, Bd. 8, S. 526)
Das Buch war eine Lawine von Bibelstellen, die eine der prägendsten Überzeugungen meines Lebens formten: Gott tut alles zu seiner Ehre. Dann kam die lebensverändernde Folgerung:
Im Erkennen, Schätzen, Lieben, Erfreuen und Loben Gottes durch das Geschöpf wird die Herrlichkeit Gottes dargestellt und auch anerkannt; seine Fülle wird empfangen und zurückgegeben. Hier geschieht sowohl eine Ausstrahlung als auch eine Reflektion. Der Glanz strahlt auf das Geschöpf und in es hinein und wird auf die Lichtquelle zurückgeworfen. Die Strahlen der Herrlichkeit kommen von Gott, sind etwas von Gott und kehren wieder zu ihrem Ursprung zurück. So ist das Ganze aus Gott, in Gott und zu Gott; und Gott ist Anfang, Mitte und Ende in diesem Geschehen. (Yale, Bd. 8, S. 531)
Für mich war das einfach schön. Diese Darstellung der Größe Gottes war überwältigend. Die Wirkung wurde noch verstärkt durch die Tatsache, dass die letzte Zeile ein klarer Widerhall von Römer 11:36 ist:
„Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen.“
Doch der zentrale, lebensprägende Eindruck war der Satz: „Im Erkennen, Schätzen, Lieben, Erfreuen und Loben Gottes durch das Geschöpf wird die Herrlichkeit Gottes dargestellt und auch anerkannt.“ Um es zu präzisieren: „Im Erfreuen des Geschöpfes an Gott wird die Herrlichkeit Gottes dargestellt.“ Gottes Herrlichkeit wird sichtbar in meiner Freude an ihm. Oder wie Edwards früher sagte: „Das Glück des Geschöpfes besteht in der Freude an Gott, wodurch Gott auch verherrlicht und erhöht wird.“ (Yale, Bd. 8, S. 442) Wenn es bedeutet, Gott seiner Herrlichkeit zu berauben, indem man nicht über allem in ihm glücklich ist, dann verändert das alles.
Das war die vereinende Botschaft meines Lebens: Gott wird in uns am meisten verherrlicht, wenn wir in ihm am meisten zufrieden sind.
2. Die Freiheit des Willens
Das war ein atemberaubendes Buch. Der Umfang und die Strenge seines Arguments machten es zu einem der anspruchsvollsten Bücher, die ich je gelesen habe. David Wells nennt es ein Wendepunkt-Buch: Wie man dieses Argument beurteilt, entscheidet, in welche Richtung alle Wasser des eigenen Lebens fließen werden. Mein Urteil lautete: untrüglich überzeugend. Hier ist der unvergessliche Schlüsselsatz:
Gottes moralische Regierung über die Menschheit, sein Handeln mit ihnen als moralische Wesen, indem er sie zu Objekten seiner Gebote, Ratschläge, Berufungen, Warnungen, Ermahnungen, Verheißungen, Drohungen, Belohnungen und Strafen macht, steht nicht im Widerspruch zu einer bestimmenden Führung aller Ereignisse, jeglicher Art, im gesamten Universum, durch seine Vorsehung, sei es durch positives Wirken oder dadurch dass er es zulässt. (Yale, Bd. 1, S. 431)
Gott regiert alle Ereignisse jeglicher Art, einschließlich meines Willens, und doch auf eine Weise, dass ich weiterhin für Belohnungen und Strafen verantwortlich bin. Seine Souveränität und meine Verantwortlichkeit sind miteinander vereinbar. Die Konsequenzen daraus sind gewaltig.
Eine der wichtigsten Einsichten für mich in der Auseinandersetzung mit diesem Thema war Edwards’ Unterscheidung zwischen natürlicher Unfähigkeit, etwas zu tun, und moralischer Unfähigkeit, etwas zu tun. Hier der entscheidende Absatz:
Man sagt, wir seien natürlich unfähig, etwas zu tun, wenn wir es nicht tun können, selbst wenn wir es wollen, weil das, was gewöhnlich „Natur“ genannt wird, es nicht zulässt oder weil ein behindernder Mangel oder ein Hindernis vorliegt, das dem Willen äußerlich ist, entweder im Erkenntnisvermögen, in der körperlichen Verfassung oder in äußeren Umständen. Moralische Unfähigkeit besteht in keiner dieser Dinge, sondern entweder im Mangel an Neigung, in der Stärke einer gegenteiligen Neigung oder im Mangel an ausreichenden Beweggründen, die den Willensakt veranlassen und anregen könnten, oder in der Stärke gegenteiliger Beweggründe. (Yale, Bd. 1, S. 159)
Wenn wir von Natur aus unfähig sind, etwas zu tun, sind wir nicht verpflichtet, es zu tun (wie wenn man versucht, aus einem Stuhl aufzustehen, es wirklich will, aber angekettet ist). Wenn wir jedoch moralisch unfähig sind, etwas zu tun, sind wir dennoch dafür verantwortlich (wie wenn man versucht, Gottes Gesetz zu halten, es aber nicht kann, weil man es hasst). Diese Einsicht war entscheidend für das Verständnis von Römer 8:7 („das Trachten des Fleisches kann sich dem Gesetz Gottes nicht unterwerfen“) und 1. Korinther 2:14 („der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes“).
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke und darauf, was ich in Gottes Wort sehen und genießen durfte, danke ich für diese bedeutsamen Sätze und Absätze und für die gottbegeisterten Menschen, die sie geschrieben haben. In diesem Fall danke ich Gott für Jonathan Edwards.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
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