Darf sich ein geschiedenes Ehepaar wieder heiraten?

Meine Freunde John und Leona haben drei Hochzeitstage. Zuerst heirateten sie standesamtlich an einem bestimmten Datum. Sechs Monate später wurden sie kirchlich getraut. Neun Jahre danach ließ sich Leona von John scheiden. Doch nach einem Jahr der Trennung rettete der Herr beide, und sie heirateten erneut einander. Deshalb muss John Leona mindestens dreimal im Jahr Blumen kaufen.

Wenn wir gewöhnlich über Wiederheirat nach einer Scheidung nachdenken, geht es meist um die Frage, ob jemand, der aus biblischen Gründen, wegen sexueller Untreue (Mt 19:9) oder Verlassenwerdens (1 Kor 7:15), vom Ehebund frei geworden ist, einen neuen Ehepartner heiraten darf. (Ich habe diese Fragen ausführlich in meinem Buch Marriage, Divorce, and Remarriage: Critical Questions and Answers behandelt.)

Die Schrift spricht jedoch auch die Möglichkeit an, dass geschiedene Menschen wieder zueinanderfinden. Der Apostel Paulus ermutigt ausdrücklich zu dieser Möglichkeit: „Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass die Frau sich nicht von ihrem Mann trennen soll, wenn sie aber doch getrennt ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich wieder mit ihrem Mann, und dass der Mann seine Frau nicht entlassen soll“ (1 Kor 7:10–11).

Auch Matthäus 19:9 deutet diese Möglichkeit an, wo Jesus lehrt, dass die Heirat einer anderen Person nach einer unbiblischen Scheidung Ehebruch ist. In vielen Fällen wäre die richtige Entscheidung also, dass die beiden einander erneut heiraten.

Was sollte man also als Pastor oder Seelsorger tun, wenn ein Gemeindemitglied fragt, ob sie ihren früheren Ehepartner wieder heiraten darf?

Gründe für eine Wiederheirat

Bevor man die praktischen Fragen betrachtet, sollten zunächst einige Fragen zur grundsätzlichen Zulässigkeit geklärt werden.

Erstens: Hat der frühere Ehepartner inzwischen jemanden anderen geheiratet? Deb suchte Rat mit der Frage, ob sie sich von ihrem neuen Mann scheiden lassen und zu ihrem ersten Mann zurückkehren könne. Sie war in ihrer neuen Ehe unglücklich und erkannte, dass es falsch gewesen war, ihren ersten Mann zu verlassen.

Ich zeigte ihr jedoch, dass die Schrift deutlich macht, dass sie nicht frei ist, zu ihrem ersten Mann zurückzukehren, selbst dann nicht, wenn ihr neuer Mann sich von ihr scheiden lassen würde oder sterben sollte (5 Mose 24:1–4). Debs Berufung besteht darin, alles daran setzen, dass ihre neue Ehe gelingt. Die Bibel gibt Hoffnung, dass Gott auch eine Ehe segnen kann, die einen sündhaften Anfang hatte (2 Sam 12:24–25).

Zweitens: Wandeln beide im Geist und bringen dessen Frucht hervor (Gal 5:16)? Was hat sich seit ihrer Scheidung in ihrem Glaubensleben verändert? Wenn einer der früheren Ehepartner nicht eng mit dem Herrn lebt, würde ich ihnen raten zu warten (5 Mose 7:3; 1 Kor 7:39).

Neben diesen Fragen der biblischen Zulässigkeit muss ein Pastor dem Paar helfen, weitere Aspekte ehrlich abzuwägen, bevor sie weitermachen. Gab es andere romantische oder sexuelle Beziehungen? Sind erhebliche Schulden entstanden? Gab es Abhängigkeiten oder Missbrauch von Drogen oder Pornografie? Es ist nicht immer eindeutig, ob solche Dinge ein Hindernis darstellen oder eher Fragen von Weisheit und Offenheit sind. Doch die Person, die man erneut heiraten möchte, hat das Recht, davon zu wissen und selbst zu entscheiden, ob sie diesen Weg weitergehen möchte.

Überlegungen zur Wiederheirat

Wenn eine Wiederheirat zulässig ist und beide Parteien diesen Weg gehen möchten, sollte ein Pastor sie durch die folgenden Überlegungen begleiten.

1. Klärt ihren ehelichen Status vor Gott.

Jesus erkennt an, dass selbst eine sündhafte Scheidung dennoch eine echte Scheidung ist (Mt 19:8–9). In diesem neuen Zusammenhang wurde der Ehebund gebrochen und besteht nicht mehr fort. Es mag gut sein, erneut zu heiraten, doch man sollte anerkennen, dass sie tatsächlich nicht mehr verheiratet sind, bis sie einen neuen Ehebund schließen. Das bedeutet auch, dass sie nicht frei sind, die Vorrechte ihrer früheren Ehe vor der erneuten Trauung auszuleben.

2. Besteht auf vorehelicher Beratung.

Als Voraussetzung dafür, dass ich an einer Wiedertrauung mitwirke, würde ich darauf bestehen, mich mehrmals mit dem Paar zu treffen – sowohl um die Grundlagen der Ehe zu besprechen als auch um sicherzustellen, dass die Probleme, die zur Scheidung geführt haben, wirklich aufgearbeitet wurden. Ich könnte ihnen beispielsweise Rob Greens Tying the Knot oder Tim und Kathy Kellers The Meaning of Marriage empfehlen.

3. Helft ihnen, ihre Beweggründe zu prüfen.

Es gibt mehrere schlechte Gründe für eine Wiederheirat, etwa finanzielle Vorteile oder unrealistische Erwartungen an ein „glücklich bis ans Ende ihrer Tage“. Doch es gibt auch gute Gründe. Wollen sie Gott gefallen (2 Kor 5:9), indem sie die Gelegenheit nutzen, den Bund wiederherzustellen, den sie einst gebrochen haben (Mt 19:6)? Möchten sie in ihrer Ehe die Liebe Christi widerspiegeln? Wird ihre Wiederheirat Christus ehren, indem sie die Dauerhaftigkeit des Ehebundes sichtbar macht? Könnte ihre Versöhnung vor Familie und Freunden ein Zeugnis für Gottes heilende Gnade im Evangelium sein?

4. Besteht auf vollständiger Offenheit.

Gab es vollständige Offenheit bezüglich möglicher schwerwiegender Probleme? Geschiedene Menschen teilen gewöhnlich nicht alle Einzelheiten ihres getrennten Lebens miteinander. Wenn jedoch eine Wiedervereinigung in Betracht gezogen wird, könnten Dinge geschehen sein, von denen der andere das Recht hat zu erfahren, bevor er sich erneut auf eine Ehe einlässt. Vertrauen könnte schwer beschädigt werden, wenn solche Dinge erst nach der Wiederheirat ans Licht kommen.

5. Führt sie durch biblische Versöhnung.

Wurden frühere Sünden und Konflikte auf biblische Weise aufgearbeitet? Die Entscheidung zur Scheidung war eine bedeutende Entscheidung, für die sie damals offenbar gewichtige Gründe sahen. Es mag verlockend sein, die Vergangenheit einfach unter den Teppich zu kehren und zu hoffen, dass die Liebe alles überwinden wird. Doch die Vergangenheit muss biblisch aufgearbeitet werden.

Unkraut, das jetzt nicht entfernt wird, wird wahrscheinlich erneut wachsen und den Garten der Ehe überwuchern. Frühere Sünden gegeneinander sollten bekannt (Mt 7:1–5), angesprochen (Gal 6:1) und vergeben werden (Mt 18:21–35; Spr 19:11). Weitere hilfreiche Materialien zur biblischen Konfliktlösung sind Ken Sandes The Peacemaker oder die Audioreihe Biblical Peacemaking des Institute for Biblical Counseling and Discipleship.

Einen neuen Ehebund einzugehen bedeutet auch, dass vergangene Sünden, einschließlich Untreue, die vergeben wurden, künftig nicht mehr als Grundlage für eine erneute Scheidung verwendet werden dürfen.

6. Geht die Muster an, die zur Scheidung geführt haben.

Hat sündiger Zorn dem Teufel Raum in ihrer Familie gegeben (Eph 4:26–27)? Gab es häufige Konflikte über Sexualität oder Geld? Waren sie uneins darüber, wie ihre Kinder erzogen werden sollten? Wurde Vertrauen durch Lügen und Täuschung zerstört? Wenn ja: Wie wollen sie diese Muster durchbrechen? Sind beide bereit, Hilfe von gottesfürchtigen Seelsorgern oder Beratern in der Gemeinde anzunehmen, wenn einer von ihnen meint, dass dies nötig ist?

7. Helft ihnen, neue Gewohnheiten aufzubauen und nicht nur alte zu beseitigen.

Welche neuen Muster wollen sie in ihrer neuen Ehe entwickeln? Es reicht nicht aus, nur das Unkraut aus dem Ehegarten zu entfernen. Ihre Aufgabe muss vielmehr darin bestehen, Blumen zu pflanzen und wachsen zu lassen: gemeinsam täglich Gottes Wort zu lesen und zu beten, nach tieferer und aufbauender Kommunikation zu streben (Eph 4:29), miteinander Freude zu erleben und zu lernen, Glück darin zu finden, einander Freude zu bereiten (Pred 9:9), und ihre gemeinsame Zeit bewusst zu planen. Andernfalls kann das Unkraut durch Vernachlässigung zurückkehren (Spr 21:5; 24:30–34).

8. Ruft sie zu einer erneuerten Verpflichtung zur Bundestreue auf.

Sind sie bereit, ihre Eheversprechen auch dann zu halten, wenn die Ehe wieder schwierig wird? Die traditionellen Ehegelübde spiegeln die herausfordernde Realität wider, dass zwei Sünder sich verpflichten, den Ehebund in einer gefallenen Welt zu bewahren, in guten wie in schlechten Zeiten, in Reichtum und Armut, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod sie scheidet. Sie sollten sich fest vornehmen, niemals selbst die Ursache für die Trennung dessen zu sein, was Gott (wieder) zusammengefügt hat (Mt 19:6).

Alles neu

Am 1. Mai 2026 war es genau 50 Jahre her, seit John und Leona erneut geheiratet hatten. Der Herr hat sie weiterhin bewahrt und ihre Beziehung gestärkt. Sie dienen treu in ihrer Gemeinde. Seit vielen Jahren lesen John und Leona gemeinsam christliche Bücher und hören inzwischen fast jeden Abend Predigten verschiedener reformierter Pastoren und Theologen. Beide sind dankbar und glücklich über das, was Gott in ihrem Leben getan hat.

Ihre Geschichte ist keine Formel und keine Garantie. Doch wenn echte Buße vorhanden ist, dürfen wir bemerkenswerte Momente der Gnade im Leben von Gottes Menschen erleben. Als Pastoren haben wir das Vorrecht, Ehepaaren dabei zu helfen, Heilung und Wiederherstellung dessen zu suchen, was einst zerbrochen war. Und wir freuen uns über den Gott, der, was wenig überraschend ist, immer noch dabei ist, alles neu zu machen.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.

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