Der „gärtnerische“ Charakter des Glaubens

Mehr denn je müssen Christen mit der Gestalt und dem Wesen biblischer Frömmigkeit vertraut sein. Keiner von uns ist davor gefeit, vom Geist dieser Weltzeit angesteckt zu werden – wer meint zu stehen, der sehe zu, dass er nicht falle! In dieser Hinsicht ist nichts wichtiger, als dass wir eine wirklich biblische Perspektive auf das gewinnen, was John Owen die „gärtnerische“ Natur des Glaubenslebens nannte.

Owen verstand sehr gut, dass das Leben eines Christen nicht durch gleichmäßigen, ungehinderten, mechanischen Fortschritt gekennzeichnet ist. Wachstum ist vielmehr „gärtnerisch“ – unregelmäßig, schwankend und inkonsequent. Der Grund dafür ist leicht zu erkennen: Das Leben aus dem Glauben ist nicht immun gegen die Enttäuschungen und Schmerzen dessen, was Paulus „die Leiden der jetzigen Zeit“ nennt (Röm 8:18). Gott verschont seine Kinder nicht vor unerwarteten und zutiefst schmerzhaften Fügungen seiner Vorsehung. In 2. Korinther 1:8 berichtet Paulus, dass die Bedrängnisse und Nöte, die er und seine Freunde durchmachten, so schwerwiegend waren, dass sie „am Leben verzweifelten“! Selbst im vollendeten Glaubensleben unseres Herrn Jesus Christus finden wir Enttäuschung, Widerstand, Leid und Trauer. Nirgendwo gibt Gott uns zu verstehen, dass seine gläubigen Kinder in dieser gefallenen Welt in einem schützenden Kokon leben werden – im Gegenteil! Zusätzlich zu alldem sagt uns der Herr, dass „alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, Verfolgung erleiden werden“ (2Tim 3:12). Fehlt uns dieser geistliche Realismus, dann wird unser inneres Leben zu einem Spielball der Umstände – es steigt und fällt je nachdem, was in unserem Leben geschieht.

Aber der Herr hat uns unendlich mehr gegeben als nur geistlichen Realismus, damit wir mit den Schmerzen, Enttäuschungen und Geheimnissen umgehen können, die unser Leben unweigerlich berühren. Zunächst einmal hat er uns seine unfehlbare Gegenwart in allen unseren Nöten verheißen: „Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen“ (Hebr 13:5). Und noch mehr: Er hat zugesagt, der innewohnende Helfer seiner Kinder zu sein. Im Obergemach, angesichts des Kreuzes, versicherte Jesus seinen Jüngern: „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück; ich komme zu euch“ (Joh 14:18). Damit sprach er von seinem Kommen im Heiligen Geist – als ihr bleibender, innewohnender Heiliger und Freund. Welche Schwierigkeiten und Enttäuschungen auch immer dich treffen, wie schmerzhaft auch immer Gottes unerwartete Fügungen sein mögen – eines steht fest: Du bist nie allein! Der ganze Reichtum der Gottheit steht dir zur Verfügung – und wohnt in dir! Glaube das!

Mehr noch: Gott versichert uns, dass keine einzige unerwartete Fügung, die das Leben seiner Kinder betrifft, zufällig ist. Unser Gott ist derjenige, „der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens“ (Eph 1:11). Hier stehen wir Angesicht zu Angesicht mit Gottes bedingungsloser Souveränität. Aber diese Wahrheit wird in der Schrift nicht als ein Rätsel zum Lösen offenbart, sondern als Trost zum Umarmen! Wer ist dieser Gott, der über alles souverän regiert? Es ist der Gott, „der seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat“ (Röm 8:32). Er ist „der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes“ (2Kor 1:3). Es ist unser liebevoller himmlischer Vater, der alles tut, was ihm gefällt. Wer Gott für uns in Christus ist, gibt uns die Gewissheit, dass „die Hand unseres Vaters niemals eine Träne verursacht, die nicht nötig wäre“. Glaube das. Und schöpfe im Glauben den Trost daraus, ein geliebtes und kostbares Kind eines souveränen und gnädigen Vaters zu sein.

Es gibt noch einen weiteren Strang der Ermutigung, den Gott uns in seinem Wort schenkt. In 2Kor 1, wo Paulus von den großen Belastungen berichtet, unter denen er fast am Leben verzweifelte, sagt er: „Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt“ (2Kor 1:9). Gott gefiel es, seinen Knecht in solche bedrängten Umstände zu führen, um sein Vertrauen zu festigen und seinen Gehorsam zu bestätigen. Samuel Rutherford brachte es auf denselben Punkt: „Der Glaube gedeiht besser unter freiem Himmel und scharfem Winterwind. Die Gnade verwelkt ohne Anfechtung.“ In allem, was er mit uns tut, hat Gott immer sowohl unser ewiges als auch unser gegenwärtiges Wohl im Blick. John Newtons bekanntes Lied These Inward Trials (Diese inneren Prüfungen) bringt die Gnade von Gottes Umgang mit seinen bedrängten Kindern auf den Punkt. Nachdem das Kind Gottes um Wachstum in „Glaube, Liebe und jeder Gnade“ gebeten hat, sieht es sich plötzlich von allen Seiten von harten und schmerzhaften Fügungen überwältigt. Auf die verwunderte Frage des Christen, warum all das geschehe, antwortet der Herr:

Diese inneren Prüfungen wende ich an,
um dich von Stolz und Selbstvertrauen zu befreien,
um deine Pläne irdischer Freude zu zerbrechen,
damit du dein Alles in mir suchst.

Der Herr hat stets und in allem unser Bestes im Sinn. Er ist der Gärtner, der die Reben, die mit seinem Sohn verbunden sind, liebevoll zurückschneidet, damit sie noch mehr Frucht bringen (vgl. Joh 15:1–2).

Solange wir in dieser Welt leben, werden uns unerwartete und schmerzhafte Fügungen begegnen. Es kann gar nicht anders sein, denn der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Aber auch wenn wir von allen Seiten bedrängt werden – wir werden nicht erdrückt. Wenn wir auch ratlos sind – wir verzweifeln nicht. Wenn wir verfolgt werden – wir sind nicht verlassen (vgl. 2Kor 4:8–9). Gott wird uns die Tränen nicht ersparen und auch nicht die Schmerzen – aber er wird mit uns sein, ja in uns, auf jedem Schritt des Weges. Und er bringt die unendlichen Ressourcen seiner göttlichen Fülle gnädig zum Tragen, um uns zu erhalten und uns zu mehr als Überwindern zu machen. Denn: Der, der verheißen hat, ist treu.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Banner of Truth. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von John Schröder.
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