Der Geber ist die Gabe

Als kleiner Junge habe ich immer auf Weihnachten und meinen Geburtstag hingefiebert. Das Aufregendste war, die liebevoll verpackten Geschenke aufzumachen, die schon auf mich gewartet haben. Diese beiden Termine waren für mich die Gelegenheit im Jahr, mir die Dinge zu wünschen, die ich gerne haben wollte. Am liebsten waren mir neue Spielsachen von Playmobil. Natürlich war ich meinen Eltern dankbar, dass sie das möglich gemacht haben, aber die größte Freude bezog sich damals auf das Geschenk an sich. Wer könnte das einem kleinen Jungen verübeln?

Geber und Gabe

Ich denke, es gibt vier unterschiedliche Arten, wie derjenige, der ein Geschenk macht, im Verhältnis zu seinem Geschenk stehen kann.

Erstens kann er gänzlich unabhängig vom Geschenk sein. So wie meine Eltern, die die neue Wikingerfestung von Playmobil lediglich gekauft und natürlich nicht selber hergestellt haben oder anderweitig damit in Verbindung stehen, außer dass sie sie eben gekauft und verschenkt haben.

Zweitens kann er das Geschenk selbstständig hergestellt haben, ohne dass das Geschenk direkt auf ihn hinweist. So wie wenn ein Kind ein Bild von einer Blumenwiese für seine Eltern malt: Das Geschenk trägt die Handschrift des Kindes, es trägt Spuren des Kindes, hat jedoch keinen inhaltlichen Bezug zu ihm.

Drittens kann das Geschenk einen direkten Bezug zu ihm haben. So wie ein Foto, das ein Freund dem anderen schenkt, auf dem beide zu sehen sind. Oder die Halskette mit den eingravierten Initialen eines Paares, die ein Mann seiner Frau schenkt. In beiden Fällen weist das Geschenk auf den Geber hin, ohne dass es von ihm selbst hergestellt sein muss.

Viertens kann es sein, dass man einen Menschen an sich als Geschenk empfindet. Das können die Eltern sein, der Ehepartner oder ein guter Freund. Dann ist der Geber – der sich einem anderen hingibt, für ihn da ist, sich investiert – mit dem Geschenk identisch.

Gott als Geber

Bei Gott ist es unmöglich, dass der erste Fall auf ihn zutrifft:

„Denn wer hat jemals die Gedanken des Herrn erkannt, wer ist je sein Berater gewesen? Wer hat ihm je etwas gegeben, das Gott ihm zurückgeben müsste? Denn von ihm kommt alles, durch ihn steht alles und zu ihm geht alles. Ihm gebührt die Ehre für immer und ewig! Amen.“ Römer 11:34-36

Gott hat in seiner Größe alles geschaffen, alles kommt von ihm, sodass alles (Gute), was wir in dieser Welt haben, mit ihm in Verbindung steht.

Der zweite Fall trifft aber ein. Alles Gute, was wir im Leben erfahren dürfen, das äußerlich nichts mit Gott zu tun hat, kommt von ihm: Freunde, ein gutes Getränk, leckeres Essen, Gesundheit, ein gelungener Schulabschluss, schönes Wetter, eine funktionierende Familie, das Dach über dem Kopf.

„Vom Vater der Himmelslichter kommen nur gute und vollkommene Gaben. Bei ihm gibt es keine Veränderung, auch nicht den Hauch eines Wechsels.“ Jakobus 1:17

Er ist indirekt für diese guten Dinge verantwortlich, da er uns und unsere Welt so konzipiert hat, dass diese Dinge prinzipiell möglich sind. Und wenn wir einige dieser Dinge erleben, ist er auch direkt dafür verantwortlich, weil es in seiner Macht stehen würde, uns diese Dinge zu nehmen.

Auch der dritte Fall trifft auf Gott zu. Es gibt mehrere Beispiele von Gegebenheiten und Dingen, die auf Gott als den Geber hinweisen. Da wäre zum einen die Natur:

„Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen bekannt, weil Gott es ihnen längst vor Augen gestellt hat. Seine unsichtbare Wirklichkeit, seine ewige Macht und göttliche Majestät sind nämlich seit Erschaffung der Welt in seinen Werken zu erkennen. Die Menschen haben also keine Entschuldigung.“ Römer 1:19f

Zum anderen gibt es die Bibel, die hauptsächlich die Geschichte der Israeliten mit diesem Gott erzählt. Außerdem bezeugt sie die Menschwerdung Gottes selbst in Jesus Christus, seine Reden und seine Taten. Das sind zwei Beispiele von Geschenken, die uns auf Gott und seine Größe hinweisen.

Gott als Gabe

Das höchste Anliegen der biblischen (neutestamentlichen) Autoren ist aber, Jesus Christus selbst als die größte Gabe darzustellen. Er verließ seine Herrlichkeit im Himmel und wurde Mensch, um uns nahe zu sein:

„Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt; das wird der künftige Herrscher sein. Und dieser Name gehört zu ihm: wunderbarer Berater, kraftvoller Gott, Vater der Ewigkeit, Friedensfürst.“ Jesaja 9:5

Er wurde Mensch, um uns von unserer Sünde zu erlösen. Er hätte nicht mehr geben können als sich selbst. Nichts war kostbarer, nichts war wertvoller als sein Leben. Das gab er als Schöpfer dieser Welt hin, um seinen erlösungsbedürftigen Geschöpfen die Rettung zu verschaffen.

„Er (= Gott, der Vater) hat nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont, sondern ihn für uns alle ausgeliefert: Wird er uns dann noch irgendetwas vorenthalten?“ Römer 8:32

Wenn wir Jesus Christus kennen, haben wir das größte Geschenk. Er selbst als Geber ist die größte Gabe.

Avatar von Michael Klein

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