Die meiste Zeit meines Lebens habe ich an eine Lüge geglaubt.
Ich war fest davon überzeugt, dass ich ein Versager bin.
Es begann schon früh in meinem Leben und mit den kleinsten Missgeschicken. Ereignisse so alltäglich wie das Herunterwerfen eines Buches vom Regal oder das Nicht-Wissen einer Antwort in der Schule dienten als deutliche und ständige Erinnerungen an meine Schwächen und Unvollkommenheiten.
Seit ich Christin geworden bin, bin ich in der Gnade Christi gewachsen – aber das berüchtigte „Versager“ hat meine Identität weiterhin geprägt: als Mutter, Ehefrau, Missionarin und Freundin.
Vor ein paar Jahren stieß ich auf die Geschichte einer jungen Frau, die – wie ich – für sich selbst eine Enttäuschung war. Ihre Großmutter riet ihr, jeden Tag ihr Spiegelbild anzuschauen, all die kleinen Dinge wahrzunehmen, die sie an sich selbst nicht mochte, dann zu der Frau im Spiegel zu sprechen. Sie sollte einfach sagen: „Ich liebe dich.“
Die junge Frau dachte, es wäre ein lächerlicher Vorschlag, aber da sie keine besseren Ideen hatte, tat sie es. Jeden Tag über ein Jahr hinweg begegnete sie sich selbst im Spiegel und sagte: „Ich liebe dich.“
Sie beschrieb es als „lügen“ sich selbst gegenüber – jeden Tag über ein ganzes Jahr hinweg. Bis sie eines Tages in den Spiegel sah, diese Worte sprach und erkannte, dass sie wahr waren.
Als ich die Geschichte dieser Frau las, war ich traurig über die unzähligen Mädchen und Frauen, die diesen humanistischen Weg zur Selbstannahme einschlagen. Sich mit seiner Identität wohlzufühlen basierend auf ein paar narzisstischen Aussagen, die man erhält, während man vor dem Spiegel steht, scheint ungefähr so tragfähig wie Treibsand.
Falsch, aber entschlossen
Ich brauche sicherlich festeren Halt als das, wenn ich mit der Tiefe meiner eigenen Sünde und meines Vergehens konfrontiert bin. Und doch hat mich die Geschichte dieser Frau überführt. So humanistisch ihr Ansatz auch ist – er ist entschlossen.
In anderen Worten: Die Welt besitzt etwas, das wir als Christen manchmal nicht haben: Zielstrebigkeit.
Die Geschichte dieser Frau brachte mich dazu, nach einem biblischen Ansatz für eine gesunde Identität zu suchen – eine, die nicht auf Spiegelbildern und leeren Aussagen beruht, sondern auf dem Evangelium von Christus.
Ich entdeckte es in Römer 6. In diesem Kapitel fand ich nicht nur die Erlaubnis, über mich selbst nachzudenken (Vers 11), sondern auch eine Anleitung, wie ich denken soll. Biblisches Denken beinhaltet, innerlich zu prüfen, darüber nachzusinnen und zu einer klaren und spezifischen Schlussfolgerung zu kommen. Weitaus tiefer als leere Selbstgespräche, bedeutet biblisches Denken, bewusst darüber nachzudenken, was das Blut Christi für mich erkauft hat.
Hier fand ich Freiheit. Meine eigene Einschätzung von mir selbst ist nicht das, was mich definiert.
Wenn ich mein Versagen und meine Sünde nehme und sie in den Kontext des Kreuzes stelle, finde ich einen erstaunlich Halt:
- Ich bin der Sünde gestorben. Ja, ich bin ein Sünder. Ja, ich habe gerade total versagt. Ja, ich werfe Dinge herunter und bin tollpatschig. Aber aufgrund des Blutes Christi und dessen, was er für mich erkauft hat, definiert mich diese Sünde oder dieses Versagen nicht mehr.
- Ich bin lebendig für Gott. Durch sein Handeln bin ich in Christus Jesus zu guten Werken geschaffen. Ich bin von Gott erwählt und ausgesondert für edle, würdige und heilige Zwecke. Das ist meine Identität.
Das sind Wahrheiten, die ich aus schierer Notwendigkeit ganz bewusst berücksichtigen muss. Ohne sie bin ich gelähmt von meinen Unvollkommenheiten.
Die Kraft des Evangeliums
In der vergangenen Woche wurde ich eingeladen, eine Präsentation im örtlichen US-Konsulat zu halten. Neben mir traten zwei weitere Redner auf, und ehrlich gesagt war ich der schwächste von uns dreien. Doch anstatt mich minderwertig zu fühlen, ging ich — ausgestattet mit 1. Korinther 1:5 und 30 — in die Präsentation: „Denn durch ihn seid ihr in jeder Beziehung und jeder Art von geistlicher Rede und Erkenntnis reich gemacht worden […] Euch aber hat Gott mit Christus Jesus verbunden, mit ihm, der uns zur Weisheit wurde, die von Gott kommt, zur Gerechtigkeit, zur Heiligkeit und zur Erlösung.“
Auf solch fester Wahrheit zu stehen, ermöglichte es mir, einige meiner Werte als Christ mit einer Gruppe von Menschen zu teilen, die an der Existenz Gottes zweifeln.
Die Wahrheit des Evangeliums befähigte mich, der Wohlgeruch Christi zu sein. Das ist es, was ich brauche, um mich zu unterstützen, wenn ich vor einer Menschenmenge zittere. Es ist die Art von Erlösung, die ich brauche, wenn ich gerade im Umgang mit meinem Kind versagt habe. Es ist das Fundament, das ich brauche, um jeden Morgen aus dem Bett zu kommen und der Berufung gerecht zu werden, die ich in Christus habe, denn keine noch so oft wiederholte Aussage wie „Du bist gut genug“ reicht dafür wirklich aus.
Nur der Fels Christus und das, was er für mich erworben hat, können das bewirken. Gott sei Dank für sein unbeschreibliches Geschenk!
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
Mehr Ressourcen von Desiring God.
















Schreibe einen Kommentar