Der verborgene Gewinn des Fastens

christliches Fasten

Wir neigen dazu, über das Fasten in negativen Begriffen zu denken. Das ist verständlich. Fasten bedeutet Enthaltung. Es bedeutet, auf Essen und Trinken zu verzichten oder auf ein anderes, an sich, gutes Geschenk Gottes. Vielleicht fasten so viele von uns so selten, weil wir Fasten hauptsächlich damit verbinden, worauf wir verzichten, statt damit, was wir dadurch empfangen.

Aber christliches Fasten bedeutet nicht nur Verzicht. Es ist nicht bloß Enthaltung. Das Ziel des christlichen Fastens ist tatsächlich nicht das Weglassen, sondern das Empfangen. Unser Verzicht dient immer einem größeren Zweck und einem höheren Ziel. Letztlich führt es zu Gewinn und nicht zu Verlust. Christliches Fasten ist Enthaltung um eines bestimmten christlichen Zwecks willen, wenn nicht ist es nicht wirklich christlich.

Jesus war sich sicher, dass seine Gemeinde fasten würde. „Wenn ihr fastet“, sagte er, nicht „falls“ (Matthäus 6:16–17). „Sie werden fasten“, versprach er (Matthäus 9:15). So fastete die frühe Kirche (Apostelgeschichte 9:9; 13:2; 14:23), und seit zwei Jahrtausenden fasten Christen. Und wenn wir es wirklich auf christliche Weise getan haben, war das Ergebnis nicht Verlust, sondern Gewinn. Doch damit christliches Fasten zu einem geistlichen Fest wird, müssen wir uns seinen Zweck und seinen Gewinn wieder neu vor Augen führen.

Der Grund für (christliches) Fasten

Fasten ist heute in vielen Bereichen wieder im Trend und genau deshalb müssen Christen umso sorgfältiger darauf achten, sich in diesem Thema von Jesus leiten zu lassen und nicht von der Popkultur. Noch vor einer Generation behaupteten immer mehr Stimmen, Fasten sei ungesund. Heute hat sich das Blatt gewendet. Immer mehr Ernährungsexperten verkünden: „Richtig durchgeführt kann Fasten körperlich vorteilhafte Effekte haben“ (Celebration of Discipline, S. 48). Doch worin unterscheidet sich modisches Fasten von christlichem Fasten?

Der entscheidende Unterschied ist der christliche Zweck. Wir könnten sagen: der geistliche Zweck, „geistlich“ im Sinne des Heiligen Geistes. Nicht nur geistlich im Gegensatz zu materiellen Dingen, sondern geistlich im Gegensatz zu natürlichen Dingen. Für Christen ist ein wesentlicher, unverzichtbarer Aspekt des christlichen Fastens ein christlicher Zweck. Sei es, um das ernste Gebet zu stärken (Esra 8:23; Joel 2:12; Apostelgeschichte 13:3) oder um Gottes Führung zu suchen (Richter 20:26; Apostelgeschichte 14:23), seine Rettung oder seinen Schutz (2. Chronik 20:3–4; Esra 8:21–23). Um uns vor ihm zu demütigen (1. Könige 21:27–29; Psalm 35:13) oder um Buße zu tun (1. Samuel 7:6; Jona 3:5–8) oder um zu trauern (1. Samuel 31:13; 2. Samuel 1:11–12), Anteilnahme an seinem Werk auszudrücken (Nehemia 1:3–4; Daniel 9:3) oder um Versuchungen zu überwinden und uns ihm hinzugeben (Matthäus 4:1–11). Am schönsten: um Liebe und Hingabe zu ihm auszudrücken (Lukas 2:37) und mit unserem Fasten zu sagen: „So sehr, o Gott, wünsche ich mir mehr von dir.“

Ohne einen geistlichen Zweck ist es kein christliches Fasten. Es ist nur hungern.

Nutzen des (christlichen) Fasten 

Christen mögen aus gesundheitlichen Gründen fasten und wegen der verschiedenen körperlichen Vorteile, die von Ernährungswissenschaftler heute hervorgehoben werden. Aber gesundheitliche Ziele sind nicht das, was Fasten zu christlichem Fasten macht. Entscheidend ist: Welche geistlichen Früchte können wir von Gott empfangen als Antwort auf unser bewusstes christliches Fasten? Wie belohnt Gott ein Fasten, das im Glauben geschieht?

Dass christliches Fasten belohnend ist, macht Jesus selbst an einer sehr prominenten Stelle deutlich. In der Bergpredigt fordert er uns auf, im Verborgenen zu fasten, nicht zur Schau, mit der Verheißung: „Dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten“ (Matthäus 6:18). Gott belohnt Fasten. Aber wie?

Zunächst eine wichtige Klarstellung: Das Fasten, das Gott belohnt, ist keine Demonstration unserer Willenskraft, sondern ein Ausdruck unserer Leere, unserer Sehnsucht, von ihm erfüllt zu werden. Christliches Fasten entspringt nicht unserer eigenen Kraft, sondern einem Herzen, das Gott selbst in uns wirkt (Philipper 2:12–13), und einer Stärke, die Gott selbst schenkt (1. Petrus 4:11).

Wenn wir begreifen, dass es hier nicht um unsere eigene Stärke oder Entschlossenheit geht, welche Belohnungen werden uns dann, durch seine freie und ungebundene Gnade, zuteil? Wenn wir nur für seine Augen fasten und nicht zur Schau vor anderen?

1. Antworten auf ernstes Gebet

Die erste und unmittelbarste Antwort ist die Belohnung dessen, wofür wir fasten. Was war der konkrete, oben genannte Zweck? Fasten dient als eine Art Helferin des Gebets. Es tritt an die Seite einer bestimmten Bitte, die wir vor Gott bringen, durch den Zugang, den wir in Christus haben (Römer 5:2; Epheser 2:18; 3:12) und drückt eine außergewöhnliche Eindringlichkeit aus. Fasten, als Dienerin des Gebets, bringt ein besonderes Anliegen vor Gott, mit einer Intensität, die über das gewöhnliche Alltagsgebet hinausgeht.

Fasten ist eine Art besondere Maßnahme im Leben des Glaubens. Das normale Leben besteht nicht im Fasten. Das normale Leben besteht in einem stabilen, beständigen Gebet und darin, den Geber durch seine Gaben, von Essen und Trinken, zu genießen. Fasten ist ein besonderer Modus für außergewöhnliches Gebet und um dem Geber zu zeigen, dass wir ihn mehr genießen als seine Gaben.

2. Mehr von Gott selbst

Dies führt uns zum höchsten Lohn des christlichen Fastens und zu dem besten aller Zwecke, die wir oben hervorgehoben haben: Gott selbst. Wichtiger als Gottes irdische Führung, Bewahrung, Rettung und Versorgung ist unsere ewige Aufnahme Gottes und unsere Freude an ihm.

Gott hat uns als Essende und Trinkende geschaffen, um uns etwas über sich selbst zu lehren. Er machte unsere Welt essbar und trinkbar, damit wir seine Güte besser schmecken können, wenn unser Mund gefüllt ist und damit wir uns daran erinnern, dass er besser ist als Speise und Trank, wenn unser Bauch leer ist. Fasten dient als Erinnerung daran, dass unser Gott selbst das große Festmahl ist: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt, kauft und esst! Kommt, kauft ohne Geld und ohne Preis Wein und Milch!“ (Jesaja 55:1).

Gott selbst, in Christus, ist derjenige, der mehr sättigt als die beste Speise und unser Verlangen mehr stillt als das reinste Wasser, die reichste Milch und der edelste Wein. In ihm essen unsere Seelen „das Gute“ und wir „laben uns an fetter Speise“ (Jesaja 55:2). Er ist es, der sagt: „Ich will dem Durstigen geben aus der Quelle des Wassers des Lebens umsonst“ (Offenbarung 21:6). Wir, die wir seine Güte geschmeckt und gesehen haben (Psalm 34:9), stimmen nun mit seinem Geist ein: „Und wen dürstet, der komme; und wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst“ (Offenbarung 22:17).

Richte deine Schmerzen auf Jesus

Wenn wir fasten, erinnern uns das Ziehen im Magen und die Schmerzen im Bauch daran, dass Jesus die wahre Speise ist, nicht unser tägliches Brot und dass Jesus der wahre Trank ist, nicht unsere alltäglichen Getränke. Christen werden fasten, wie Jesus es verheißen hat, weil wir als Glaubende wissen, dass „an ihn glauben“ bedeutet, zu ihm zu kommen, damit er den Hunger unserer Seele stillt und den Durst unserer Seele löscht (Johannes 6:35) und eine der besten regelmäßigen Erinnerungen daran kann darin bestehen, zeitweise auf andere Speise und Getränke zu verzichten.

Die große (und oft verborgene) Belohnung des Fastens ist Gott selbst. „Tu deinen Mund weit auf“, sagt er, während wir unsere Mägen leeren, „und ich will ihn füllen“ (Psalm 81:11). Gott belohnt christliches Fasten, weil es uns auf den eigentlichen Zweck Gottes im Universum einstimmt: sich selbst dadurch groß zu machen, dass wir ihn begehren, genießen und in ihm zufrieden sind. Und er belohnt es nicht nur mit dem, worum wir durch unser Fasten bitten, sondern letztlich mit sich selbst, als unserem Begehren, unserem Genuss und unserer Zufriedenheit.

Beim Christliches Fasten geht es nicht in erster Linie darum, worauf wir verzichten, sondern darum, von wem wir mehr wollen.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
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