In unserer heutigen Zeit ist es sehr untypisch über Sünde und Schuld zu reden. Man spricht lieber von Fehlern oder nicht einmal davon, sondern einfach von Entscheidungen, die nicht die besten waren. Als Einwand hört man immer wieder, dass wir als Christen niemanden verurteilen dürfen.
In dem Moment, in dem wir aufhören über Sünde zu sprechen, verlieren wir als Gemeinde unsere Berechtigung zu existieren. Wenn wir aufhören Sünde in Angriff zu nehmen, setzen wir die Relevanz des Kreuzestodes Jesu herab.
Aber wie sprechen wir über Sünde? Wie werden wir dem Auftrag des Neuen Testaments in diesem Punkt gerecht?
Gott gibt uns durch Paulus folgende Hilfestellung in Galater 6,1-2
Brüder, wenn auch ein Mensch von einer Übertretung übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht; und gib dabei acht auf dich selbst, dass du nicht auch versucht wirst! 2 Einer trage des anderen Lasten, und so sollt ihr das Gesetz des Christus erfüllen!
Wie kommt Paulus zu diesen Worten? Die Galater standen vor einer Weggabelung: Gesetz Mose oder Evangelium. Paulus macht klar: beides geht nicht. Die beiden Optionen sind auf den Folien aufgeführt:



Durch den Glauben an Jesus Christus, macht Gott uns zu seinen mündigen Kindern. Wir bekommen den Heiligen Geist. Es sind nicht mehr die Grenzen des mosaischen Gesetzes, sondern die Grenzen des in uns wohnenden Heiligen Geistes, die uns vorgeben, wo es lang geht. Der Heilige Geist bewirkt in uns Früchte, die die Dreieinigkeit verherrlichen. Wir sind frei vom Gesetz, aber nun Knechte Gottes. Sein Wille ist für jeden, der dem Heiligen Geist Raum gibt, das Schönste und Beste. Wir leben also in Freiheit vom Gesetz Mose.
Und wegen dieser Freiheit, sieht Paulus eine Gefahr und schreibt in Galater 5,13:
Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder; nur macht die Freiheit nicht zu einem Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe
Aus unserem Ursprungstext entnehmen wir, dass ein Leben als Kind Gottes nicht automatisch bedeutet, dass man nie wieder Dinge tut, die Gott missfallen. Deswegen nun diese Hilfestellung von Gott durch Paulus in Galater 6,2:
Brüder, wenn auch ein Mensch von einer Übertretung übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht; und gib dabei acht auf dich selbst, dass du nicht auch versucht wirst! 2 Einer trage des anderen Lasten, und so sollt ihr das Gesetz des Christus erfüllen!
Ich glaube, dass man 4 wesentliche Punkte aus dem Text ableiten kann, die uns helfen können:

1. Sünde wahrnehmen
Wir Menschen haben nur einen begrenzten Blick auf andere. Wir sehen niemals das ganze Bild. Aber dennoch, einen gewissen Einblick haben wir:

Es soll niemals das Anliegen sein, Sünde zu finden. Wir suchen nicht die Sünden beim anderen, sondern ihr Herz. Auf der Suche nach dem Herzen des anderen, begegnet einem dann, obwohl das nicht das Anliegen ist, Sünde. Man findet Motive, Denkmuster oder sogar schon vollbrachte Taten, die sündig sind.
Wie gehe ich dann damit um?
2. Seinen eigenen Balken ziehen

Wenn wir eine Sünde bei einem Bruder, einer Schwester sehen, gilt es, dass wir uns selbst prüfen. Folgende Fragen können helfen:
- Ist das, was ich ansprechen möchte, überhaupt Sünde? Oder handelt es sich lediglich um meine Meinung?
- wenn dem so ist, dann dürfen wir das ansprechen, aber nicht von „Sünde“ oder „Ungehorsam gegenüber Gott“ reden
- Wieso möchte ich diese Sünde ansprechen?
- Wie sieht es in meinem eigenen Leben aus?
- Keiner ist perfekt. Aber wie gehe ich persönlich mit der Sünde um?
Jesus findet folgende Worte:

Jesus warnt, dass man die Sünden des anderen nicht richtig sieht, weil eigene die Sicht trüben. Deswegen ermahnt er, man solle seine eigenen zuerst aus dem Weg räumen.
Paulus drückt es wie folgt aus in Galater 6,4:
Jeder aber prüfe sein eigenes Werk, und dann wird er für sich selbst Ruhm haben und nicht für einen anderen.
Außerdem nimmt er die „Geistlichen“ ins Visier. Sie sollen mit der Sünde helfen. Aber wer sind die Geistlichen? Das definiert Paulus zuvor: Kinder Gottes, in denen der Heilige Geist das Ruder in der Hand hat. Menschen, die im „Geist wandeln“.
3. Helfen
Sünde anzugehen bei einem Mitmenschen, wird in der Bibel grundsätzlich wie folgt bewertet:

Sünde bei einem Bruder/einer Schwester anzusprechen, ist ein Akt der Nächstenliebe.
Richard Baxter schrieb:
„Wer es nicht wagt, gegen die Sünde zu sprechen, weil der Sünder mächtig ist oder reich oder ein Freund, der ist kein treuer Diener Christi.“
Aber: es geht um helfen, nicht um zerstören. „Im Geist der Sanftmut“ sagt Paulus. Auf Sünde aufmerksam zu machen, ist niemals genug. Helfen bedeutet weit mehr. Wir sollen die Last der Sünde mit auf uns Legen. Wir sollen den anderen lieben. Wir sollen handeln, wie es Christus entspricht.
Was bewirkt unsere „Hilfe“? Sünde muss in erster Linie zu Jesus gebracht werden. Wenn wir es in Sanftmut schaffen, jemanden dahin zu bewegen, dass er reumütig und freiwillig zu Jesus kommt, haben wir ihm geholfen.
4. auf sich selbst aufpassen
Galater 6,1b
„Und gib dabei acht auf dich selbst, dass du nicht versucht wirst!“
Wie tragisch ist es, wenn man das, was man beim anderen anspricht, selbst übernimmt. Davor warnt Paulus. Wir alle sind im Stande zu sündigen, deswegen vertrauen wir beim Helfen nicht auf unsere Kraft, sondern auf Gottes!
Hier können uns zwei Fragen helfen:
- Entwickle ich ähnliche Denkmuster?
- Sinkt mein Anspruch an meine eigene Heiligung?
Wie genial wäre es, wenn wir einander sanftmütig und liebevoll mit unseren Sünden helfen – alles für den Herrn.
















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