Wenn du den Begriff Wiedergeburt oder „neue Geburt“ hörst, was ist deine erste Reaktion? Vielleicht Dankbarkeit für Gottes Güte. Oder Demut darüber, dass Gott dich erwählt hat. Oder vielleicht sogar die Sehnsucht, dass Gott dieses Wunder bei jemandem tut, den du liebst. All das sind gute Reaktionen. Aber wenn deine spontane Reaktion auf die Wiedergeburt kein Staunen beinhaltet – dann verpasst du etwas.
Was Gott in der Wiedergeburt tut, sollte in uns ein Staunen entfachen, das in Anbetung übergeht. Um dieses Staunen neu zu beleben, möchte ich nur drei der vielen Segnungen der neuen Geburt betrachten: neues Sehen, eine neue Quelle und einen neuen Geschmack.
Neue Geburt bringt neues Sehen hervor
Die Schrift macht deutlich, dass wir, bevor Gott uns neues Sehvermögen schenkte, blind waren – völlig unfähig, Gottes Schönheit zu erkennen (2Kor 4:4). Wie ein Mann mit verbundenen Augen in einem Möbelgeschäft gingen wir umher, stießen uns die Schienbeine an der Majestät, stolperten über Herrlichkeiten, rannten wiederholt mit dem Gesicht voran in die Herrlichkeit Gottes in seinem Wort und seiner Welt – und dennoch konnten wir nicht sehen – weil wir nicht sehen wollten –, wie all diese Schönheiten auf Gott hinweisen. Besonders blind waren wir für den Höhepunkt aller Schönheit: „das Licht der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi“ (2Kor 4:6). Wir waren in verdammenswerter Weise ohne geistliche Sicht.
Das heißt: bis Gott sprach: „Es werde Licht.“ In einem Wunder, das der Erschaffung des Lichts in nichts nachsteht, schafft Gottes souveräner Ruf, was er befiehlt. Heiliger, du hast geistliche Augen, weil Gott sagte: „Sieh.“ Du erblickst, weil er dich rief. Die Wiedergeburt ist das Hervorbringen neuen Sehens.
Doch wie ein Säugling, der erst lernen muss zu sehen, ist auch unser neues Augenlicht noch schwach (1Kor 13:12). Wir sehnen uns danach, mehr von Gottes Majestät zu sehen. Wir beklagen die Sünde, die unsere Sicht verschleiert. Oft sagen wir mit Mose: „Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen“ (2Mo 33:18). Wir folgen Davids Suche nach Schönheit: „Eines habe ich vom HERRN erbeten, danach will ich trachten: … die Schönheit des HERRN zu schauen“ (Ps 27:4).
Aber vergiss nie: Sowohl das Schauen als auch das Sehnen sind Gottes Gabe. Die Schönheit selbst muss uns ergreifen, bevor wir sie sehen können. Bevor wir – wie David – sagen können: „Dein Angesicht, HERR, will ich suchen“, muss der König das schöpferische Gebot sprechen: „Sucht mein Angesicht“ (Ps 27:8). Wir schauen Gottes Schönheit nur, weil Gottes Gnade uns Augen geschenkt hat. Neue Geburt bringt neues Sehen hervor.
Neue Geburt führt zu einer neuen Quelle
In der Zeit unserer Finsternis, bevor Gott uns neues Sehvermögen schenkte, waren wir durstig – verzweifelt durstig, wie jemand, der in der Wüste verdurstet. Unsere Seelen waren knochentrocken. Wir sehnten uns nach lebendigem Wasser. Wie die Frau am Brunnen hatten wir einen Durst von ozeanischem Ausmaß. Und doch weigerten wir uns, zu der einzigen Quelle zu kommen, die ein so tiefes Verlangen stillen kann.
Wir gerieten unter Gottes vernichtendes Urteil in Jeremia 2:13: „Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, rissige Zisternen, die kein Wasser halten.“ Mit anderen Worten: Wir versuchten, unseren Durst zu stillen, indem wir unsere eigenen Brunnen gruben. Muss ich dich daran erinnern, wie trocken, leer und sinnlos dieses Unterfangen war?
Doch die Wiedergeburt lenkt uns zu einer neuen Quelle – zur einzigen Quelle, die Seelen füllen kann, die für Gott geschaffen sind. Die neue Geburt entthront die kümmerlichen Vergnügungen, die einst in unserem Herzen herrschten, indem sie sie durch eine überlegene Freude verdrängt. Die Gnade setzt eine Flut lebendigen Wassers frei. So beschreibt Jesaja diesen Strom:
„Wenn die Elenden und Armen Wasser suchen
und keines da ist
und ihre Zunge vor Durst vertrocknet,
so will ich, der HERR, sie erhören;
ich, der Gott Israels, will sie nicht verlassen.
Ich will Ströme hervorbrechen lassen auf kahlen Höhen
und Quellen mitten in den Tälern.
Ich will die Wüste zum Wasserteich machen
und das dürre Land zu Wasserquellen.
Ich will in der Wüste Zedern setzen,
Akazien, Myrten und Olivenbäume.
Ich will in der Steppe Zypressen pflanzen,
Platanen und Kiefern zusammen,
damit sie sehen und erkennen,
bedenken und verstehen zugleich,
dass die Hand des HERRN dies getan
und der Heilige Israels es geschaffen hat.“ (Jes 41:17–20)
Der dreieinige Gott ist in sich selbst erfüllt und überströmend. Er verwandelt unsere innere Wüste in Eden. Was einst eine endlose Fläche aus rissigem Boden und zerbrochenen Zisternen war, wird zu einem fruchtbaren Garten. Der brennende Durst wird ersetzt durch das, was Augustinus „die nüchterne Trunkenheit von [Gottes] Wein“ nennt (Bekenntnisse 5,13,23). Wunder über Wunder: Das Evangelium öffnet die Schleusen von Gottes Fülle und lädt uns ein, für immer vom Strom seiner Wonnen zu trinken. Welch eine Errettung!
Neue Geburt schenkt einen neuen Geschmack
Ich hasse Koriander. Leider liebt meine Frau ihn – und liebt es, damit zu kochen. Im Lauf der Jahre habe ich versucht (wirklich!), Koriander zu mögen. Ich habe all meine Willenskraft aufgebracht, um Gefallen an diesen verfluchten grünen Blättern zu finden. Aber Willenskraft hat wenig mit Geschmack zu tun. Es stellt sich heraus, dass ich nicht die Fähigkeit habe, Koriander zu genießen. Menschen, die dieses Kraut hassen, besitzen eine genetische Variante, die dafür sorgt, dass die Aldehyde im Koriander wie Seife schmecken. Wir können ihn buchstäblich nicht genießen (es sei denn, man mag Spülmittel auf seinen Tacos).
So geht es uns allen, bevor die Gnade einbricht. Wir haben nicht die Fähigkeit, uns an Gott zu erfreuen. Wir besitzen eine geistliche Ausrichtung (wir nennen sie völlige Verdorbenheit), die Freude an Gott unmöglich macht. Wie Spülmittel auf einem Burrito hassten wir den Geschmack der Heiligkeit. Wir brauchten neue „Seelen-Geschmacksknospen“, bevor wir Gott genießen konnten.
Darum muss die Bekehrung eine völlig neue Fähigkeit schaffen. Augustinus beschreibt seine Wiedergeburt bekanntlich als den Triumph eines neuen Geschmacks:
„Wie süß war es für mich auf einmal, von jenen fruchtlosen Freuden befreit zu werden, die ich einst zu verlieren fürchtete! … Du hast sie von mir vertrieben, du, der du die wahre, die höchste Freude bist. Du hast sie von mir vertrieben und ihren Platz eingenommen, du, der du süßer bist als alle Lust … Du hast gerufen und laut geschrien und meine Taubheit zerschmettert. Du warst strahlend und leuchtend und hast meine Blindheit vertrieben. Du warst duftend, und ich sog den Duft ein und dürste nun nach dir. Ich habe dich gekostet, und nun hungere und dürste ich nach dir. Du hast mich berührt, und ich bin entbrannt im Verlangen nach deinem Frieden.“ (Bekenntnisse 9,1,1; 10,27,38)
Hier ist tatsächlich ein neuer Mensch – ein christlicher Hedonist, befreit von allen Fangarmen der Begierde, die ihn so viele Jahre gefangen hielten. Hier ist der Glaube, der Gott wohlgefällt. Wie John Piper uns erinnert: „Unter, hinter und in dem Akt des Glaubens, der Gott gefällt, ist ein neuer Geschmack geschaffen worden – ein Geschmack für die Herrlichkeit Gottes und die Schönheit Christi“ (Desiring God, 62).
Vielleicht noch erstaunlicher ist, dass sich dieser neue Geschmack an Gott als Gottes eigener Geschmack an Gott in uns erweist. Piper fährt fort: „Der Geschmack an Gott, der rettenden Glauben hervorbringt, ist Gottes eigener Geschmack an sich selbst, der uns durch den Heiligen Geist in gewissem Maß mitgeteilt wird“ (Desiring God, 63). Oder mit Augustinus’ eigenen Worten zu Gott:
„Wenn Menschen diese Dinge mit Hilfe deines Geistes sehen, dann bist du es, der in ihnen sieht … Was ihnen um deinetwillen gefällt, gefällt dir in ihnen. Die Dinge, die uns mit Hilfe deines Geistes erfreuen, erfreuen dich in uns.“ (Bekenntnisse 13,31,46)
Heiliger, du erfreust dich an Gott, weil Gott sich an Gott in dir erfreut. Wenn das kein Grund zum Staunen ist, dann weiß ich nicht, was es ist.
Neue Freude
C.S. Lewis sagte einmal: „Der wahre Weg, den Geschmack eines Menschen zu bessern, besteht nicht darin, seine Lieblingsdinge herabzusetzen, sondern ihn zu lehren, etwas Besseres zu genießen“ (An Experiment in Criticism, 112).
Das ist eine wunderbare Zusammenfassung unserer Errettung. In der neuen Geburt lehrt der Vater uns, etwas weit Besseres zu genießen – nämlich König Jesus –, indem er uns seinen Geist gibt, um neues Sehen hervorzubringen, zu einer neuen Quelle zu ziehen und einen neuen Geschmack zu wecken.
Mit anderen Worten: Bekehrung ist die Erschaffung eines christlichen Hedonisten – eines Menschen, der sich am Vater freut, durch den Sohn, im Heiligen Geist. Und wie könnte es anders sein? Wenn Gott uns ein neues Sehen seiner Schönheit gegeben hat, eine neue Quelle überlegener Freude in ihm und einen neuen Geschmack für all die goldene Güte Gottes – wie könnten wir dann nicht unermüdlich unser Glück in ihm suchen? Und wie könnten wir nicht unaufhörlich andere in diesen wunderbar glücklichen Lebensweg einladen?
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von John Schröder.
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