„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollständig sei, ausgerüstet zu jedem guten Werk.“ (2. Timotheus 3:16–17)
Wenn man davon überzeugt ist, dass es eine gute Sache ist, wenn Ortsgemeinden finanziell zusammenarbeiten, um die Christi Gemeinde aufzubauen, sollte man erwarten, in der Heiligen Schrift Anleitungen dafür zu finden, wie Gemeinden dies tun sollen. Die Mittel und Methoden finanzieller Zusammenarbeit zwischen Gemeinden sind nicht ausschließlich Sache von Buchhaltern und Finanzausschüssen. Vielmehr ist die Art und Weise, wie finanzielle Unterstützung innerhalb des Reiches Gottes auf Erden gegeben und empfangen wird, eine theologische und seelsorgerliche Frage. Die Antwort auf diese Frage beeinflusst die Reinheit des evangeliumsgemäßen Zeugnisses der Kirche gegenüber der Welt.
Zu diesem Zweck nennt dieser Artikel drei Kennzeichen gesunder finanzieller Zusammenarbeit.
Ein Reichtum an biblischen Informationen
Bevor diese Kennzeichen vorgestellt werden, lohnt es sich darauf hinzuweisen, dass es im Neuen Testament eine Fülle von Informationen über die finanzielle Zusammenarbeit von Gemeinden gibt. Die Jerusalemspende ist ein wesentlicher Grund für diese “Fülle”,¹ aber nicht der einzige. Kaum findet man einen Brief, in dem der Autor nicht finanzielle Unterstützung erwähnt, ausdrücklich erbeten oder gelobt hätte. Man könnte sagen, dass die Handlungslinie des Neuen Testaments, praktisch betrachtet, von der Großzügigkeit von Gottes Kindern vorangetrieben wird.
Tatsächlich liefern die Autoren des NT mehr Details zu ihren finanziellen „Richtlinien“ als zu einer Vielzahl anderer Fragen und Anliegen.² Das unterstreicht die Bedeutung dieser Themen und die Konsequenzen, wenn man anders handelt.
Gesunde biblische finanzielle Zusammenarbeit zwischen Gemeinden ist . . .
1. Abhängig von der Lehre
Lehre spielt in jedem Bereich des Gemeindedienstes eine Rolle, auch in der finanziellen Zusammenarbeit. Deshalb betont das Neue Testament, dass Einigkeit in der Lehre notwendig ist, bevor finanzielle Partnerschaften zwischen Diensten oder Gemeinden eingegangen werden. Gemeinden sollen potenzielle Partner sorgfältig prüfen und verifizieren, bevor sie bereit sind, ihre Arbeit zu unterstützen.
Paulus’ langer Brief an die Römer war zum Beispiel zugleich eine theologische Visitenkarte und eine Bitte um Unterstützung. Douglas Moo hebt diese beiden Motive hervor: „Dies würde den allgemeinen theologischen Fokus des Briefes erklären, denn Paulus wollte die Römer davon überzeugen, dass sie einen Missionar unterstützen würden, dessen Orthodoxie außer Frage stand.“³ Wenn jemand hätte behaupten können, dass sein Lebenslauf, seine Qualifikationen und die Prüfung durch andere Gemeinden völlig ausreichen müssten, dann wäre es Paulus gewesen.
Doch bevor er die römische Gemeinde bat, seine Mission nach Spanien finanziell zu unterstützen, nahm er sich die Mühe, „sehr kühn“ zu schreiben, unter anderem, um dieser Gemeinde zu beweisen, dass seine Lehre mit der Lehre Christi übereinstimmte und er ein Theologe ersten Ranges war. Dies macht deutlich: Die Berechtigung, finanzielle Unterstützung für Aufgaben im Reich Gottes zu erhalten, hängt von gesunder Theologie ab und es liegt in der Verantwortung jeder einzelnen Gemeinde, sich davon zu überzeugen.
Darüber hinaus unterstreicht 3. Johannes 5–8 dieses Prinzip, indem Gaius dafür gelobt wird, dass er Mitarbeiter „für die Wahrheit“ unterstützt. Wenn finanzielle Unterstützung ohne sorgfältige Rücksicht auf die Lehre gegeben wird, besteht das Risiko, falsche Lehren und unbiblische Praktiken zu fördern. Da finanzielle Unterstützung den Gebenden mit dem Werk des Empfängers verbindet, wird der Gebende zu einem „Mitarbeiter“ in allem, was der Empfänger tut, selbst dann, wenn dieses Werk das Evangelium untergräbt.
Aber worauf sollten Gemeinden achten? Welche Lehren entscheiden über Erfolg oder Scheitern einer Partnerschaft? Zunächst sollten Gemeinden sich nicht mit theologischem Minimalismus oder bloßer konfessioneller Übereinstimmung zufriedengeben. Natürlich können ökumenische Glaubensbekenntnisse und moderne Glaubensgrundlagen einen hilfreichen Ausgangspunkt bieten, doch sie reichen nicht aus, um Partnerschaften zuverlässig zu beurteilen. Gemeindeleiter sollten sowohl die theoretischen als auch die praktischen Seiten der Lehre einer Person oder eines Dienstes prüfen, bevor sie ihnen gegenüber eine Verpflichtung eingehen. Dabei können folgende Fragen hilfreich sein:
„Wie werden sie diese neue Gemeinde leiten und weiden?“
„Wie werden sie mit Geld umgehen?“
„Wie werden sie verletzte Schafe seelsorgerlich begleiten?“
„Werden sie das Evangelium recht verkündigen?“
„Wird ihr Dienst Einheit und Reinheit fördern oder Spaltung und Kompromiss?“
2. Offenkundig transparent, bewusst direkt
In 2. Korinther 9:5 sandte Paulus vertraute Brüder voraus nach Korinth, um eine Sammlung für leidende jüdische Christen in Jerusalem zu organisieren. Diese Brüder sollten sicherstellen, dass die Korinther nicht unter Zwang gaben, sondern bereitwillig und freudig. Von Paulus’ Seite aus war die gesamte Struktur des Sammelprozesses so gestaltet, dass jeglicher Verdacht unsachgemäßer Mittelverwendung vermieden wurde. In 2. Korinther 8:20–21 erklärt er, dass mehrere Personen mit der Überbringung betraut wurden, um jegliche Kritik zu verhindern, nicht nur vor den Augen des Herrn, sondern auch vor den Augen der Menschen. Ein Kommentator bemerkte: „Es schien Paulus’ Grundinstinkt zu sein, dass nur wenige Dinge seinen Dienst so effektiv zerstören würden wie Zweifel an seiner Aufrichtigkeit in finanziellen Angelegenheiten. Deshalb musste alles ‚offen und ehrlich‘ sein.“⁴
Ähnlich weist Paulus in 1. Korinther 16:1–4 die Gemeinde an, ihre Gaben für die Heiligen in Jerusalem zurückzulegen und sie durch vertrauenswürdige Männer zu senden: „Wenn ich komme, will ich die, die ihr für bewährt haltet, mit Empfehlungsbriefen aussenden, damit sie eure Gabe nach Jerusalem bringen. Wenn es aber ratsam ist, dass auch ich reise, sollen sie mit mir reisen.“ So wurde gewährleistet, dass das Geben persönlich, rechenschaftspflichtig und überprüfbar war.
Paulus’ Demut und Weisheit in diesem Abschnitt stehen in scharfem Kontrast zu den gängigen finanziellen Praktiken größerer Denominationen und Non-Profit-Organisationen. Die vorherrschende Auffassung lautet oft, ein guter Spender gebe „ohne Bedingungen“. Zwar sollten wir die Gefahren von Gegengeschäften und Selbstdarstellung im Geben erkennen (vgl. Apostelgeschichte 5:1–11), doch Paulus hätte es nicht gewollt, dass seine „Spender“ nach der Gabe von ihrer Spende getrennt werden. Ganz im Gegenteil: Für Paulus wünscht sich der ideale Spender, dass seine Mittel zu dem vorgesehenen Zweck eingesetzt werden und trifft Maßnahmen, um sicherzustellen, dass dies geschieht.
Offenkundige Transparenz wird unmöglich, wenn gespendete Gelder mehrfach den Besitzer wechseln, bevor sie ihren vorgesehenen Zweck erreichen. Die Mehrheit der Fälle finanzieller Unterstützung im Neuen Testament erfolgt direkt, das heißt, es gab keinen Vermittler zwischen Geber und Empfänger. Dadurch fällt der größte Teil der Finanzierung des Reiches Gottes eher in die robustere Kategorie der Gastfreundschaft als in die der Fundraising-Aktivitäten. Zwar gab es oft jemanden, der die Gabe überbrachte, doch in fast allen Fällen war dieser Überbringer ein Mitglied der sendenden Gemeinde.
Der Überbringer entschied nicht, wie die Gabe verwendet wurde. Stattdessen handelte er als beauftragter Kurier, eine Verlängerung der Reichweite der Gemeinde. Er ging direkt auf die Bedürfnisse des Empfängers ein und brachte Ressourcen von der Gemeinde mit einer klaren Absicht. Wenn das Geben nicht direkt erfolgen konnte und nur wenig bis keine persönliche Verbindung zwischen Geber und Empfänger bestand (wie es bei einigen Gemeinden in Kleinasien und Europa im Rahmen der Jerusalemspende der Fall war), war Transparenz bei Sammlung, Übergabe und Verwendung der Mittel entscheidend, um Vertrauen und Verantwortlichkeit zu wahren.
Ohne transparente Unterstützung werden finanzielle Beiträge anfällig für Missbrauch oder sogar Veruntreuung. Darüber hinaus sind bei jeder Form indirekter Unterstützung die geistlichen Vorteile gedämpft, da die Verbindung zum Empfänger und das Wissen über die Verwendung der Mittel nicht zugänglich sind.
3. Gestützt auf Vertrauenswürdigkeit
Dieses Kennzeichen ist eine Folgerung aus dem ersten Punkt und ein Argument vom Größeren zum Kleineren. Es folgt, dass, wenn Gemeinden von Anfang an Vorsicht walten lassen und die Theologie sowie die Praxis derjenigen prüfen sollen, die sie unterstützen möchten, sie dies auch während der gesamten finanziellen Partnerschaft fortsetzen sollten.
Fortlaufende finanzielle Unterstützung sollte nicht blind oder lediglich aus dem Grund gegeben werden, dass die Gemeinde dies früher für eine gute Idee hielt. Menschen und Organisationen ändern sich im Laufe der Zeit. Missionarisches Abdriften ist eine reale Bedrohung, ebenso wie das Abgleiten in Abfall oder Weltlichkeit. Zudem kann, wenn Gläubige ein tieferes Verständnis der wahren Natur von Menschen und Organisationen gewinnen, das ursprüngliche Urteil über sie, selbst bei sorgfältiger Prüfung zu Beginn, sich als falsche Wahrnehmung erweisen.
Paulus’ Lob von Stephanas, Fortunatus und Achaikus in 1. Korinther 16:17–18 ist ein Beispiel für dieses Prinzip. Diese Männer hatten ihre Vertrauenswürdigkeit und Treue im Dienst an Paulus bewiesen, und Paulus drängte die Korinther, sie weiterhin anzuerkennen und zu unterstützen: „Sie haben meinen Geist erfrischt, ebenso wie euren. Erkennt solche Menschen an.“ Ähnlich empfiehlt Paulus in Philipper 2:29–30 Epaphroditus der Gemeinde: „Nehmt ihn im Herrn mit aller Freude auf, und ehrt solche Menschen, denn er wäre beinahe für das Werk Christi gestorben, indem er sein Leben riskierte, um das zu vollenden, was in eurem Dienst an mir fehlte.“
Ihre fortwährende Vertrauenswürdigkeit rechtfertigte Paulus’ Empfehlung. Diese „Ehre“ und „Anerkennung“ schloss wahrscheinlich auch finanzielle Komponenten ein, nicht zuletzt aufgrund der hohen Reisekosten im ersten Jahrhundert (vgl. Jakobus 2:14–17).
Es bestand ein fortwährender Bedarf an Bestätigung der Treue durch eine glaubwürdige Quelle, die persönlich bekannt war. Die Gemeinde hatte genug Vertrauen in diese Männer, um sie zu Paulus zu senden. Doch das ursprüngliche Vertrauen der Gemeinde zu Beginn konnte nur bestehen bleiben, wenn diese Diener treu blieben. Deshalb hielt Paulus es für notwendig, der Gemeinde eine „aktualisierte“ Empfehlung zu geben. Ihre Treue bei der Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgabe bildete die Grundlage für ihr folgendes Ansehen als Leiter und als treue Diener.
Man darf diese Stellen und ähnliche nicht als bloße persönliche Zusätze abtun. Oft wird bei Predigtreihen oder Kommentaren der Detailgrad und die Exegese solcher Passagen oberflächlich. Doch die gesamte Schrift ist notwendig, damit der Mensch Gottes zu jedem guten Werk ausgerüstet wird. Der Heilige Geist inspirierte Paulus, diese Empfehlungen einzuschließen, damit wir davon profitieren. Sie dienen als ein wichtiges, von Christus sanktioniertes Beispiel dafür, wie wir Diener, Missionare und Dienste unterstützen.
Zusammenfassung
Die Einsätze sind hoch. Wenn Lehre, Transparenz oder Verantwortlichkeit in finanziellen Partnerschaften kompromittiert werden, bedeutet dies nicht nur Missmanagement, sondern auch eine Schwächung des evangeliumsgemäßen Zeugnisses. In einer Zeit, in der das öffentliche Vertrauen in Institutionen fragil ist, insbesondere das Vertrauen in die Kirche, ist unsere Hingabe an biblische Haushalterschaft entscheidend für die Wirksamkeit unseres Zeugnisauftrags für das Evangelium.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei 9marks. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
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