Dumm geboren und nichts dazu gelernt

Dumm geboren und nichts dazu gelernt
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Dieser Artikel ist die Verschriftlichung einer Predigt, die du dir hier anschauen kannst.


Wer die Sprüche aufmerksam liest, merkt, dass dort mindestens genauso viel über Dummheit und Torheit steht, wie über Weisheit. Wenn du also eine Anleitung dafür suchst, wie du dein Leben als Narr verleben kannst, bist du mit dem Sprüchebuch bestens beraten.

Verschiedene Menschentypen

Das Sprüchebuch kennt verschiedene Wörter, mit denen es den Dummkopf beschreibt; das sehen wir ganz gut zum Beispiel in Spr 1:22:

„Wie lange noch, ihr Einfaltspinsel, liebt ihr Einfältigkeit, wie lange gefällt den Spöttern ihr Spott und hassen die Toren Erkenntnis?“

Hier werden drei verschiedene Narren erwähnt, die alle auch ein bisschen unterschiedlich ticken: Der Einfaltspinsel, der Spötter und der Tor. Und diese drei Begriffe werden im ganzen Sprüchebuch an vielen anderen Stellen benutzt.

Der Einfaltspinsel

Der Einfaltspinsel wird oft als ein junger Mensch beschrieben, der sehr leichtgläubig und naiv ist, der sich schnell beeindrucken lässt, er ist denkfaul, unkritisch und er möchte das Für und das Wider einer Sache nicht abwägen. Aber, und das unterscheidet den Einfaltspinsel von den anderen, bei ihm ist noch Hoffnung da, er kann noch weise werden.

Der Spötter

Dem gegenüber steht der Spötter. Das Markenzeichen des Spötters ist der Stolz. Der Spötter ist derjenige, der den Einfaltspinsel beeindruckt. Er weiß viel und vor allem: er weiß viel besser. Er ist völlig unbelehrbar, er verursacht Streit und er hat den Zynismus zu seinem Lebensstil gemacht. Er ist superkritisch, er durchschaut alles, sodass er am Ende nichts mehr sieht.

Der Tor

Die dritte Person in Sprüche 1:22 ist der Tor. Und dieser Ausdruck ist im Sprüchebuch am häufigsten vorhanden. Das hebräische Wort, das dahinter steht, bedeutet eigentlich dick oder fett sein. Es geht hier um einen unangenehmen Menschen, der sich selbst und der Gemeinschaft, in der er sich bewegt, nur schadet. Wie eine dicke, fette Zecke, die sich an ihrem Wirt festgebissen hat.

Wenn wir das Sprüchebuch also fragen, was einen Narren ausmacht, dann würde es sagen: „Naja, es gibt verschiedene Arten des Dummen. Der Narr kommt in unterschiedlichen Gewändern einher.“ Es gibt zwar verschiedene Typen des Dummen und trotzdem gibt es Merkmale, die sich durchziehen, und die den Toren insgesamt charakterisieren.

Was macht den Dummkopf aus?

Unweisheit

Ein Dummkopf ist unweise. Spr 27:22:

„Wenn du den Dummkopf im Mörser zerstampfst, / wenn der Stößel ihn trifft wie die Körner, / seine Dummheit treibst du nicht aus.“

Jetzt müssen wir aber aufpassen, was die Worte genau bedeuten. Wenn wir heutzutage jemanden als „Dummkopf“ bezeichnen, dann denken wir meistens an Intelligenz. Da strengt sich jemand an und bekommt trotzdem nur schlechte Noten – „Dummkopf“ denken wir dann vielleicht. Dieses Denken finden wir in der Bibel zu Nullkommanull Prozent. Hier wird der Dummkopf nirgendwo anhand eines Intelligenzquotienten definiert. Es ist vielmehr so, dass die Sprüche davon ausgehen, dass Gott unserer Welt bestimmte Gesetze implementiert hat, nach denen unsere Welt funktioniert.

Der Dummkopf erkennt diese Gesetze nicht an und lebt nicht nach ihnen. Ich gebe mal ein paar Beispiele: Gott hat Kinder so gemacht, dass sie erzogen werden müssen. Wer Erziehung schlecht findet, ist laut den Sprüchen ein Dummkopf. Gott hat unsere Welt so gemacht, dass gearbeitet werden muss. Wer diese Gesetzmäßigkeit ablehnt, wer also beispielsweise nicht arbeiten will, ist ein Dummkopf. Gott hat den Menschen so konzipiert, dass wir gute Freundschaft brauchen. Wem Freundschaften egal sind, der ist ein Dummkopf.

Und das zieht sich durch: Überall sind diese Gesetze in unserer Welt vorhanden. Ein weiser Mensch sieht diese Gesetze und lebt danach, weil er in Verbindung mit Gott steht und sein Wort kennt. Der Dummkopf nicht, er ist unweise.

Lernresistenz

Ein Dummkopf ist lernresistent. Sprüche 12:1:

„Wer Zurechtweisung liebt, der liebt es zu lernen, / wer keine Ermahnung erträgt, ist einfach nur dumm.“

Lernresistenz ist ein Markenzeichen des Narren im Sprüchebuch. Er begeht die gleiche Dummheit wieder und wieder, obwohl sie ihm und seinem Umfeld schadet.

Realitätsferne

Ein Dummkopf ist realitätsfern. Er lebt in einer Illusion.

Als ich in Gießen studiert habe, wohnte neben mir ein Student, der regelmäßig Drogentrips mitgemacht hat. Es war erstaunlich, wie sehr er sich von der Realität entfernt hat, in was für einer Parallelwelt er unterwegs war.

So ungefähr ist das auch mit dem Dummkopf in den Sprüchen. Der Dumme sieht sich selbst nicht realistisch, sondern überschätzt sich maßlos, und er hat seine Augen überall, nur nicht beim Wesentlichen. Die Sprüche sagen:

„Der Weise hat Weisheit vor den Augen, der Dumme aber hat seine Augen am Ende der Erde“ (Spr 17:24).

Der Narr beschäftigt sich mit Dingen, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Er ist realitätsfern.

Unzuverlässigkeit

Ein Dummkopf ist unzuverlässig. Er ist unzuverlässig bei der Arbeit:

„Wer Botschaft durch einen Dummkopf schickt, / hackt sich selbst die Füße ab.“ (Spr 26:6)

Er ist unzuverlässig in seinem Reden:

„Besser ein Armer mit unbescholtenem Lebenswandel als ein Dummkopf, der mit seinen Worten alles verdreht.“ (Spr 19:1)

Einem Dummkopf kann man nicht vertrauen.

Kontrollverlust

Der Dummkopf hat keine Selbstkontrolle. Er kann seine Emotionen nicht kontrollieren:

„Ein Trottel lässt jeden Ärger heraus, / ein Weiser hält ihn zurück.“ (Spr 29:11)

Er kann seine Worte nicht kontrollieren:

„Ein kluger Mensch hält sein Wissen verborgen, / doch ein Narr schreit seine Dummheit heraus.“ (Spr 12:23)

Er kann seinen Umgang mit Besitz nicht kontrollieren:

„Wertvolle Schätze und duftendes Öl sind in der Wohnung des Weisen, / doch ein Dummer vergeudet sie schnell.“ (Spr 21:20)

In all diesen Lebensbereichen zeigt sich, dass der Dummkopf völlig undiszipliniert ist.

Unbeliebtheit

Und zu guter Letzt: Den Dummkopf mag niemand. Sprüche 24:9:

„einen ´hochmütigen` Spötter verabscheuen die Menschen.“

Der Narr ist unbeliebt und das liegt daran, dass er allen anderen das Lebens schwer macht. Er bereitet seinen Eltern nur Probleme und schürt überall Streit.

Wie sollte man mit einem Dummkopf umgehen?

Eine erste Anweisung, die uns das Sprüchebuch gibt, ist, dass du den Dummkopf meiden sollst. Spr 14:7:

„Geh einem dummen Kerl aus dem Weg, denn du wirst aus seinem Mund nichts Vernünftiges erfahren.“

Spr 22:10 geht sogar noch weiter:

Vertreibe den hochmütigen Spötter, dann vergeht der Streit, und das gegenseitige Verurteilen und Schmähen hat ein Ende.“

Dumme Menschen solltest du meiden. Und hier geht es nicht darum, dass du niemals und unter keinen Umständen mit solchen Menschen Kontakt hast, sondern es geht darum, dass du dich von ihrer Haltung zu Gott und ihrem Verhalten anderen Menschen gegenüber nicht prägen lässt. Gottes Ziel für dein Leben ist, dass du ihn verherrlichst, indem du seine Gebote hältst, seinen Willen tust. Törichte Menschen werden dir bei der Erfüllung dieses Ziels nicht helfen. Deswegen tun wir gut daran, unser Umfeld immer wieder zu scannen und uns zu fragen: „Wo sind weise Menschen? Wo sind unweise Menschen?“ – und sich dann zu den Weisen zu halten und von ihnen prägen zu lassen.


Eine zweite Anweisung der Sprüche ist, dass du dem Narren nicht erlaubst, dass er dich auf sein Niveau herabzieht. Spr 26:4:

„Gib dem Dummkopf keine Antwort, die seiner Dummheit entspricht, / sonst wirst du ihm gleich.“

Es gibt Gespräche, die lohnen sich einfach nicht, weil du sonst selbst zum Narren wirst.


Ein Dummkopf sollte nicht geehrt werden. Spr 26,1:

„So unpassend wie Schnee im Sommer und Regen in der Trockenzeit ist Ehre für einen Dummkopf.“

Als Nachfolger Jesu gehört es zu unserer DNA, dass wir andere Menschen ehren. Das ist Teil des Liebesgebotes. Aber, es gibt Situationen, in denen man einen Menschen nicht ehren sollte, weil man ihn sonst in seiner Bosheit bestärkt. Stell dir einen korrupten Politiker vor, der in einer Rede Lügen verbreitet und anschließend klatscht das Publikum höflich. Diese Form der Ehrerbietung lässt man besser bleiben. Über die Witze, die ein Freund auf Kosten anderer macht, brauchst du nicht zu lachen. Das würde ihn nur bestärken. Daher: Wir wollen dem Verhalten des Narren nicht mit falscher Hochachtung begegnen.

Dummheit, Jesus und das Evangelium

Die Frage, wie du mit einem Dummkopf umgehen solltest, ist wichtig, aber mindestens genauso wichtig ist die Frage nach dem Umgang mit unserer eigenen Dummheit.

Dummheit = Sünde

Im Neuen Testament wird Dummheit mit Sünde gleichgesetzt. Im Epheserbrief schreibt Paulus, einer der ersten christlichen Theologen, Folgendes:

„Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens.“ (Eph 4:18)

„Dummheit“, beziehungsweise „Sünde“ ist der Modus, in dem alle Menschen von Natur aus unterwegs sind. Alle sind in sich selbst verkrümmt, sind nur an sich selbst interessiert, haben keinen Blick für Gott und ihre Mitmenschen. Paulus sagt, dass wir alle verhärtete Herzen haben – das ist Sünde. Und aus diesem Zustand gibt es aus eigener Kraft keine Rettung.

Man kann die Sprüche durchlesen und die ganze Zeit auf den Narren schauen, ohne sich selbst zu betrachten. Im Sinne von: „Gut, dass ich nicht so bin.“ Wer das tut, hat allerdings den Kern des Evangeliums nicht verstanden. Das Evangelium beginnt nämlich damit, dass jeder Mensch im Modus der Sünde unterwegs ist. In mir selbst bin ich sündiger, als ich jemals hätte glauben können. Und dümmer, und törichter.

Stellvertretung

Es gibt einen Vers in der Bibel, der es wert ist, dass man ihn jeden Tag liest, und das ist 2. Korinther 5:21. Im Griechischen sind das nur 15 Wörter, aber dieser Vers beschreibt das Evangelium trotzdem so hervorragend. Dort steht:

„Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.“

Wir sind im Modus der Sünde unterwegs, Jesus hat nie eine Sünde getan.

Wir sind im Modus der Narrheit, Torheit, der Dummheit unterwegs, Jesus war immer völlig weise.

Wir sind verkrümmt in uns selbst, Jesus hatte immer eine ungebrochene Verbindung zu Gott.

Gegensätzlicher kann es eigentlich kaum sein. Und dann steht hier, dass ein Tausch stattfindet: Der, der von keiner Sünde wusste, wird zur Sünde; der, der ungerecht ist, wird zur Gerechtigkeit. Das kann man auch Identifikation nennen. Jesus identifiziert sich mit uns Menschen. Wir Menschen dürfen uns mit Jesus identifizieren. Jesus ist am Kreuz für unsere Sünden gestorben, damit wir nicht für den Preis für unsere Sünden bezahlen müssen. Christus hat unsere Sünde, unsere Torheit getragen, er wurde so behandelt, wie man eigentlich nur einen Narren behandelt sollte. Er wurde gemieden, bestraft, nicht geehrt, davongejagt. Er wurde an unserer Stelle wie ein Dummkopf behandelt.

Das ist Stellvertretung und das ist die Art und Weise, wie Gott unsere Sünde aus der Welt schafft. Im ersten Korintherbrief schreibt Paulus dann:

„Aus Gott kommt es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung.“ (1Kor 1:30)

Das ist die neue Realität: Wer an Christus glaubt, der ist nicht mehr töricht, weil seine Sünden vergeben sind. Das ist die Liebe unseres Gottes. In Christus bin ich geliebter, als ich jemals hätte hoffen können. Und heiliger und weiser und gerechter.

Vielleicht hörst du das alles grade zum ersten Mal oder verstehst es zum ersten Mal, dann lade ich dich ein und fordere dich auf, das einfach zu glauben: In mir selbst bin ich sündiger, als ich jemals hätte glauben können, aber in Christus bin ich geliebter, als ich jemals hätte hoffen können. Das ist im Grunde die Botschaft des Evangeliums. Wenn du da noch Fragen hast, kannst du gerne Kontakt mit uns bei Dreieinigkeit.de aufnehmen.

Vielleicht hörst du das alles aber nicht zum ersten Mal, sondern zum hundertsten Mal. Dann lade ich auch dich dazu ein und fordere dich dazu auf, das zu glauben. Das Evangelium brauchen wir nämlich nicht nur, um Christen zu werden, sondern auch, um Christen zu bleiben. Wir wollen uns in das Evangelium vertiefen und aus dem Evangelium heraus ein Leben in Dankbarkeit und Hingabe führen.

Also: Wie gehst du mit deiner eigenen Narrheit um?: Überlasse Gott deine Narrheit, deine Sünde, indem du an Jesus Christus glaubst.

Nachfolge

Wie geht es jetzt weiter? Zwar sagt die Bibel einerseits, dass wir in Christus vollkommen heilig und weise geworden sind, aber gleichzeitig sagt sie auch, dass wir noch nicht vollendet sind. Zwar wurde die Macht der Sünde durch Christus besiegt, aber ihr Einfluss auf uns ist nicht ungebrochen. Deswegen macht Paulus zum Beispiel in Epheser 5:15 die Aufforderung:

„So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise.“

Wenn die Identifikation mit Christus stattgefunden hat, wenn du also „in Christus“ bist, dann bist du verpflichtet auch entsprechend zu leben. Diese Verpflichtung ist möglich, weil Gott dir seinen Geist gibt, der das in dir wirkt, aber du sollst es dann auch tun. Du sollst leben, was du bist:

Du bist weise, dann lebe weise.

Du bist heilig, dann lebe heilig.

Du bist gerecht, dann lebe gerecht.

Das Christenleben ist ein Kampf. Ein Kampf gegen die Sünde, die immer wieder Besitz ergreifen will über dich, obwohl ja jetzt der Geist in dir lebt. Jesus hat davon gesprochen, dass seine Jünger sich selbst verleugnen sollen, ihr Kreuz auf sich nehmen sollen und ihm nachfolgen sollen. Und genau darum geht es: Stirb jeden Tag für die Sünde, kreuzige jeden Tag die Torheit in dir und lebe in der Weisheit, die Gott dir geschenkt hat. Vertraue dich jeden Tag der Herrschaft Gottes an und halte seine Gebote. Durch den Geist bist du dazu befähigt. So solltest du mit deiner eigenen Narrheit umgehen.

Avatar von John Schröder

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