Es scheint, als würde heutzutage jeder über Einsamkeit sprechen. Dieses Gesprächsthema ist sogar so verbreitet, dass ich, wenn ich ehrlich bin, zugeben muss, dass ich begonnen habe, einen Teil dieses Lärms auszublenden.
Es ist ein bisschen so, wie wir als Kinder die vielen Warnungen unserer Eltern in verschiedene Schubladen stecken.
„Iss deine Erbsen, Johnny.“
„Renn nicht am Pool, Sally.“
„Benutz Zahnseide.“
„Lies den Lehrplan.“
„Schlaf acht Stunden.“
„Sei sozial!“
Und doch müssen wir erkennen, dass Gott möchte, dass wir zu seiner Ehre mit anderen Gläubigen Gemeinschaft haben. Betrachte, was David in Psalm 16:2–3 sagt:
„Ich sage zu dem HERRN: Du bist mein Herr;
ich habe kein Gut außer dir.
An den Heiligen, die auf Erden sind,
an den Herrlichen habe ich all mein Wohlgefallen.“
David verbindet seine Freude an Gottes Volk mit seiner Freude an Gottes Güte. Es sind nicht zwei verschiedene Flüsse der Freude, aus denen er trinkt: hier der Fluss „Freude am Volk Gottes“ und dort der Fluss „Freude an Gott“. Die Heiligen im Land sind ein Beweis für Gottes Güte und wenn David sich mehr an ihnen freut, freut er sich gleichzeitig mehr an Gott.
Der Apostel Paulus macht diesen Punkt in Epheser 3:20–21:
„Dem aber, der weit über alles hinaus zu tun vermag, über die Maßen mehr als wir erbitten oder erdenken, gemäß der Kraft, die in uns wirkt, ihm sei die Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“
Wenn Paulus Gott Ehre zuschreibt in der Gemeinde und in Christus Jesus, spricht er nicht von zwei verschiedenen Arten von Gottes Herrlichkeit: hier die Herrlichkeit Gottes in der Gemeinde und dort die Herrlichkeit Gottes in Christus Jesus. Wie David verbindet Paulus diese beiden und macht die erstaunliche Aussage, dass die Gemeinde die Leinwand ist, auf der Gott seine Herrlichkeit im Angesicht Jesu Christi zeigt.
Gott malt ein Bild von sich selbst. Und wenn du Jesus vertraut hast, dass er deine Sünden vergibt, und dein Leben seiner Autorität unterstellt hast, dann bist du Teil dieser Leinwand. Aber du bist nur ein Teil dieser Leinwand, ein Quadratzentimeter, der aus Milliarden anderer Quadratzentimeter besteht, Quadratzentimeter aus jeder Nation, jedem Stamm und jeder Sprache.
Wenn du die Genialität des göttlichen Künstlers vollständig würdigen willst, dann musst du das ganze Bild betrachten, auf dem er malt. Mit anderen Worten: Wenn du Gott mehr kennenlernen willst, musst du auch die Gemeinde mehr kennenlernen.
Lasst uns über vier Dinge sprechen, die sich angesichts von Gottes umfassendem Erlösungswerk in der Gemeinde ändern sollten.
1. Wenn die Gemeinde Gottes Herrlichkeit widerspiegelt, sollte sie unsere Sichtweise auf Christen ändern
C. S. Lewis reflektierte darüber, wie andere Menschen Eigenschaften unserer Freunde hervorbringen können, die wir sonst nie sehen würden, und wendet dieses Phänomen auf die christliche Gemeinschaft und unsere Gotteserkenntnis an:
„Denn jede Seele, die ihn auf ihre eigene Weise sieht, vermittelt zweifellos diese einzigartige Sicht allen anderen. … Je mehr wir so das himmlische Brot miteinander teilen, desto mehr werden wir davon haben.“1
Wenn du an deinen christlichen Brüdern und Schwestern in der Gemeinde vorbeigehst, gehst du an Gelegenheiten vorbei, Gott besser kennenzulernen.
Also verabrede dich auf einen Kaffee. Lege dein Handy beiseite und stelle deinem Freund eine Frage über sich selbst. Du sprichst mit jemandem, der dir einzigartige Aspekte von Gottes Charakter und Herrlichkeit zeigen kann. Das kann dadurch geschehen, dass er etwas mit dir teilt, was er kürzlich in seiner stillen Zeit gelesen hat, oder ein Gebet, das er betet, oder ein ermutigendes Wort für dich, oder die Geschichte, wie er Jesus kennengelernt hat oder eine von tausend anderen Möglichkeiten.
Der Punkt ist: Weil andere Christen uns die Gelegenheit geben, mehr darüber zu sehen, wer Gott ist, sollten wir bewusst und bedeutungsvoll mit ihnen umgehen.
Ich hoffe, das verändert deine Sicht auf Christen.
2. Wenn die Gemeinde Gottes Herrlichkeit widerspiegelt, sollte sie unsere Sichtweise auf die Ortsgemeinde ändern.
Was taten die Gläubigen in der Apostelgeschichte nachdem sie mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden? Sie gründeten örtliche Gemeinden. Und was taten sie, nachdem das Evangelium neue Regionen erreicht hatte? Sie gründeten noch mehr örtliche Gemeinden. Und an wen schrieb Paulus seine Briefe? An örtliche Gemeinden und an Pastoren örtlicher Gemeinden.
Wenn wir versuchen, mit Jesus zu leben, ohne gemeinsam mit einer örtlichen Gemeinde zu gehen, tun wir etwas, das Christen im Neuen Testament nicht getan haben. Und noch ernster: Wir verpassen eine Gelegenheit, mehr von Gott zu sehen. Gott hat Dinge wie treue Predigt, gemeinsames Singen, gemeinsames Gebet und sogar unsere Gemeindemitglieder besonders dazu bestimmt, uns seine Herrlichkeit zu zeigen (Eph 4; Röm 12:3–8; 1 Petr 4:10–11).
Lerne also die „Miss Shirleys“ kennen, die seit sechzig Jahren mit Jesus leben, durch Verwitwung, Depression und Krebs hindurch. Gott hat sie in dein Leben gestellt, damit du Aspekte von Gottes Charakter erleben kannst, die sonst wahrscheinlich unbemerkt bleiben würden.
Lerne deine Pastoren kennen, die Unterhirten des obersten Hirten sind. Gott kann zwar sogar einen Instagram-Clip von einer Berühmtheit gebrauchen, die du nie persönlich treffen wirst. Aber viel wichtiger ist, dass er dir Hirten in deiner eigenen Gemeinde gegeben hat. Jesus möchte dich durch diese Pastoren genau dort, wo du bist, als Hirte führen. Durch seinen Geist möchte er sein Wort ganz konkret auf dein Leben anwenden, und deshalb hat er Pastoren in dein Leben gestellt, die deine Ängste, deine Versuchungen und dein Leiden kennen.
Wenn du dich einer örtlichen Gemeinde anschließt, die sich ihrerseits dir verpflichtet hat, kannst du erwarten, im Verständnis und in der Liebe zu Gott zu wachsen, dem Gott, der dich gerettet und in seine Familie berufen hat.
Ich hoffe, das verändert deine Sicht auf die örtliche Gemeinde.
3. Wenn die Gemeinde Gottes Herrlichkeit widerspiegelt, sollte sie unsere Sichtweise auf andere Gemeinden ändern.
Welche Wahrheit kann Stammesdenken und Cancel Culture im modernen Evangelikalismus untergraben?
In 1. Korinther 3:21–23 sagt Paulus uns, dass andere Gemeinden Gnade besitzen, die auch wir genießen dürfen.
„Darum rühme sich niemand eines Menschen. Denn alles gehört euch: es sei Paulus oder Apollos oder Kephas oder die Welt oder das Leben oder der Tod oder Gegenwärtiges oder Zukünftiges – alles gehört euch; ihr aber gehört Christus, Christus aber gehört Gott.“
Es gab nichts, was Paulus, Apollos oder Kephas den Korinthern geben konnten, das nicht bereits durch Christus ihnen gehörte. Und weil die Korinther durch Christus alles hatten, gab es auch nichts, was Paulus, Apollos oder Kephas ihnen wegnehmen konnten.
Die Vereinigung mit Christus setzt eine Kettensäge an die Beine des Stammesdenkens, denn durch Christus gehört dir alle Gnade Gottes in allen Menschen Gottes.
Der evangelistische Eifer der großen Gemeinde in der 4th Street gehört dir. Die Frucht des Geistes in der kleinen Gemeinde, an der du jeden Sonntag vorbeifährst, gehört dir. Das treue Gebet in der pfingstlichen Gemeinde in Tokio gehört dir. Die lehrmäßige Treue der baptistischen Gemeinde in Kairo gehört dir.
Du bist Bürger eines vielfältigen Reiches, einer endlosen, weitläufigen Stadt voller sichtbarer Gnade und das alles gehört dir. Jede Gemeinde ist eine neue Straße, die eine einzigartige Herrlichkeit verspricht. Jede Gemeinde ist ein neuer Gipfel mit einer Landschaft, die du noch nie gesehen hast. Also geh los. Entdecke. Erforsche.
Wie soll das geschehen? Offensichtlich nicht dadurch, dass du jeden Sonntag die Gemeinde wechselst, statt dich einer örtlichen Gemeinde verbindlich anzuschließen. Stattdessen kannst du zum Beispiel Bücher von treuen christlichen Autoren außerhalb deines eigenen Umfelds lesen und wertschätzen. Sprich gut über Gemeinden in deiner Stadt. Ermutige deine Gemeinde, mit anderen Gemeinden in Evangelisation und Gemeindegründung zusammenzuarbeiten. Weise andere zurecht, wenn sie über die Schwächen christlicher Leiter scherzen.
Es steht zu viel auf dem Spiel, um andere Gemeinden zu ignorieren oder herabzusetzen. Gottes Herrlichkeit ist auch in diesen Gemeinden.
Ich hoffe, das verändert deine Sicht auf andere Gemeinden.
4. Wenn die Gemeinde Gottes Herrlichkeit widerspiegelt, sollte sie unsere Sichtweise auf Nichtchristen ändern.
In Offenbarung 7:9–10 erhält der Apostel Johannes eine Vision der vollständigen, weltweiten Gemeinde, einen Vorgeschmack auf eine Leinwand, die vollständig mit Gottes Herrlichkeit ausgefüllt ist.
Doch diese Leinwand ist noch nicht vollständig gefüllt. Das bedeutet, dass wir mit dem Evangelium bis an die Ränder dieser Leinwand gehen müssen. Wenn die volle Zahl dieser großen Schar aus Offenbarung 7 Jesus nachfolgt, wird das Bild von Gottes Herrlichkeit im Angesicht Jesu Christi vollendet sein, und wir werden Jesus von Angesicht zu Angesicht sehen.
Die Vollendung des Missionsauftrags und Gottes Offenbarung in Jesus stehen nicht unabhängig voneinander. Wir brauchen alle Heiligen auf der Erde, um uns vollständig an der Güte Gottes zu freuen (Ps 16:2–3).
Darum: Frage deine nichtchristlichen Arbeitskollegen, ob sie mit dir die Bibel lesen wollen. Mach ein Praktikum in Dubai. Verbringe den Rest deines Lebens in Japan.
Lasst uns zusehen, wie Gott die Leinwand mit seiner Herrlichkeit füllt. Lasst uns die Gemeinde vollständig kennenlernen. Lasst uns Gott vollständig kennenlernen. Die Epidemie der Einsamkeit hat nicht das letzte Wort über den Christen, dem so viel geschenkt worden ist.
- Lewis, C. S., zitiert in Tim Kellers Buch The Prodigal God: Rediscovering the Heart of the Christian Faith (New York: Penguin Books, 2008), 141–142. ↩︎
Dieser Beitrag erschien zuerst bei 9marks. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
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