Ein Grund zu leben: Hoffnung und die Auferstehung

Hoffnung und Auferstehung

Dieser Beitrag erschien zuerst bei BioLogos. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Lynn Wiebe.


Das Wunder der Auferstehung gibt uns Christen die Hoffnung, dass Jesus alles neu macht, und einen Grund zu leben.

Es war eine dieser großen Weihnachtsfeiern mit der Familie – Eltern, Kinder und Enkel füllten das Haus mit fröhlichem Lärm. Cousins, Schwiegerkinder und Enkel tummelten sich durcheinander wie zu viele Fische in einem Aquarium. Es fühlte sich an wie die Art von Weihnachten, die man in einem Norman-Rockwell-Gemälde oder in einem Hallmark-Film sehen könnte. Und genau dort nimmt diese Geschichte eine Art Hallmark-Wendung.

Mehrere Tage nach Weihnachten, als die Verwandten auf dem Heimweg waren, war Opa Rob noch in den Supermarkt gegangen, um ein paar Dinge zu besorgen. Als er nach dem Einkaufen zu seinem Auto zurückkehrte, fühlte er sich etwas merkwürdig. Kaum hatte er sein Auto erreicht, brach er auf dem Gehweg zusammen – Opa Rob erlitt einen massiven Herzinfarkt.

Ein anderer Kunde, der über den Parkplatz ging, entdeckte Rob. Er hatte aufgehört zu atmen. Der Mann rief einen Krankenwagen. Rob wurde bewusstlos ins Krankenhaus gebracht. Er hatte 7 Minuten ohne Sauerstoff verbracht – eine tödliche Zeitspanne. Die Ärzte sagten der Familie, dass es höchstwahrscheinlich sei, dass er aus dem Koma nicht aufwachen würde. Falls doch, wäre der Hirnschaden so schwer, dass er weder sprechen noch gehen noch irgendetwas normal tun könnte. Aber dass Opa Rob aufwachen würde, kam nicht einmal in Betracht. Die Familie, so sagten die Ärzte, müsse sich „darauf vorbereiten“. Die Familie wusste, was das bedeutete.

Während die Familie sprach und Pläne machte, um mit der Situation umzugehen, gab es eine Person, die die Hoffnung nicht losließ. Hoffnung auf eine Auferstehung. Und nicht nur eine ferne Hoffnung oder eine „Auferstehung am letzten Tag“. Es war eine unbeirrbare Hoffnung, die sich weigerte, eine Beerdigung zu planen. Eine gegenwärtige Hoffnung, die sie Tag für Tag weitermachen ließ. Nana Lori, Robs Frau seit fast vier Jahrzehnten, gab die Hoffnung nicht auf, dass Opa Rob es schaffen würde. Sie sagte den Ärzten: Er ist nicht weg. Er ist noch hier. Ich weiß es. Die Ärzte zeigten Verständnis für sie. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass sie eine solche Situation miterlebten. Aber ihre Meinung änderten sie nicht – Opa Rob würde nicht zurückkommen (auch das war nicht das erste Mal, dass sie so etwas erlebt hatten!).

Wenn medizinische Experten dir die schlimmsten Nachrichten überbringen und deine Familie sich auf das Schlimmste vorbereitet – was tust du dann? Was ist es, das dich weitermachen lässt? Was gibt Menschen den Willen zu leben? Oder den Willen, für das Leben anderer zu kämpfen?

Hoffnung als Grund zum Leben

Im Jahr 2017 brachte Netflix eine Serie mit dem Titel „13 Reasons Why“ (Deutsche Serie: Tote Mädchen lügen nicht) heraus. Es war eine Serie darüber, warum Menschen das Leben aufgeben. Sie löste in den Vereinigten Staaten eine landesweite Diskussion über den Tod und die Gründe zum Leben aus. Sie brachte Menschen dazu, sehr wichtige Fragen über das Leben zu stellen. Zum Beispiel: Was bringt Menschen dazu, leben zu wollen? Das ist eine wichtige Frage.

In einem Artikel aus dem Jahr 2017 in Psychology Today listet die Psychologin Ana Nogales ihre 13 Gründe zum Leben auf. Auf ihrer Liste stehen Dinge wie: „Das Leben ist eine Einladung zum Lernen“ und „Ein neuer Tag bedeutet neue Erfahrungen.“ Aber was passiert, wenn jemand weder gerne lernt noch neue Dinge erlebt? Ich habe noch nie gehört, dass jemand sagt, Lernen oder neue Erfahrungen seien der Grund, warum er lebt. Natürlich mögen Menschen es, zu lernen oder neue Erfahrungen zu machen, aber sind das wirklich Gründe zum Leben?

Am überraschendsten an der Liste von Nogales fand ich nicht das, was darauf stand, sondern das, was nicht darauf stand. Das, was meiner Überzeugung nach jeder Mensch zum Leben braucht, ist nicht Wissen oder Erfahrung. Es ist nicht einmal Liebe oder Annahme (auch wenn beides sehr wichtig ist). Ich glaube, die Antwort ist Hoffnung. Hoffnung ist es, die Menschen am Leben hält. So wie sie Nahrung, Wasser und Luft brauchen – brauchen Menschen Hoffnung. Wir brauchen keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Wir brauchen keine Informationen. Wir brauchen Hoffnung, um am Leben zu bleiben. Fjodor Dostojewski wird oft mit den Worten zitiert: Ohne Hoffnung zu leben, heißt aufhören zu leben.

Aber was ist Hoffnung? Einmal hörte ich einen alten Prediger, der Hoffnung als „Verlangen, gemischt mit Erwartung“ beschrieb. Das gefällt mir. Hoffnung bedeutet, dass ich mir etwas wünsche, das ich noch nicht habe, aber fest damit rechne, es zu bekommen. Wie die junge Mutter, die gerade eine Krebsdiagnose erhalten hat. Sie wünscht sich, gesund zu werden. So lange zu leben, dass sie ihre Kinder aufwachsen sehen kann. Und dank eines sorgfältigen Behandlungsplans erwartet sie, dass all ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Der Weg wird schwierig sein. Aber Hoffnung macht den Weg lohnenswert. Das ist die Kraft der Hoffnung.

Für Nana Lori war es die Hoffnung, die sie weitermachen ließ. Es war die Hoffnung, dass Opa Rob noch nicht wirklich fort war – und tatsächlich überleben könnte –, die Nana Lori vom frühen Morgen bis spät in die Nacht an seinem Bett hielt. Ihr Verlangen, gepaart mit der Erwartung, dass er leben würde, ließ sie nicht aufgeben oder auf den Rat der Ärzte hören. Es war ihre Hoffnung, die ihn am Leben hielt.

Opa Rob lag neun Tage im Koma. Am zehnten Tag wachte er auf. Am elften Tag nahmen sie ihn von der lebenserhaltenden Maschine. Er begann zu sprechen. Sein Gedächtnis war noch etwas verschwommen, aber er erinnerte sich an Namen, Daten und wer Präsident war. Man zeigte ihm Bilder all seiner Enkelkinder. Er kannte jeden einzelnen Namen. Rob war zurückgekommen. Hoffnung hatte Opa Rob am Leben gehalten.

Hoffnung auf Auferstehung

Wir haben eine Hoffnung, die wissenschaftliche Fakten nicht erklären können. Martha verstand diese Art von Hoffnung, wie es in Johannes 11:21-22 zu lesen ist. Nachdem ihr Bruder Lazarus gestorben (und bereits vier Tage tot) war, traf Martha Jesus bei seiner Ankunft. Sie sagte zu ihm: „Herr, wenn du hier gewesen wärst, mein Bruder wäre nicht gestorben! Doch auch jetzt weiß ich: Was immer du von Gott erbitten wirst, das wird Gott dir geben.“ Auch jetzt noch? Vier Tage nach dem Tod ihres Bruders hatte sie immer noch Hoffnung? Ja. Sie wünscht sich, dass ihr Bruder wieder lebt, und erwartet fest, dass Jesus dies Wirklichkeit werden lässt. So lernen wir es auch in den folgenden Versen:

„Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen! Martha spricht zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag. Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr! Ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ (‭‭Johannes‬ ‭11‬:‭23‬-‭27‬)

Marthas Hoffnung richtete sich auf Jesus. Ihr Glaube galt dem, der die Auferstehung und das Leben ist. Als Christen haben wir dieselbe Hoffnung. Wir haben eine Hoffnung, die über die Rationalität hinausgeht, aber nicht irrational ist. Sie erfordert Glauben und scheint dennoch vielen unglaubwürdig. Sie liegt jenseits des Rahmens wissenschaftlicher Untersuchung und ist doch eine historische Tatsache. Wir haben die Hoffnung der Auferstehung Jesu.

Die Auferstehung Jesu ist die Grundlage der christlichen Hoffnung. Weil Jesus von den Toten auferstanden ist, haben wir die Hoffnung, dass der Tod letztlich besiegt wird. Wir haben die Hoffnung, dass wir vollständig erlöst werden. Wir haben die Hoffnung auf eine neue Schöpfung. Wir haben die Hoffnung, dass alles, was in der Welt falsch ist, wieder in Ordnung gebracht wird. Unser Wunsch, dass alles neu wird – verbunden mit der Erwartung, dass es wirklich geschieht – macht das Leben lebenswert. Das ist die Kraft der christlichen Hoffnung.
Hoffnung auf Auferstehung verändert das Leben. Sie widersetzt sich manchmal medizinischer Weisheit. Sie blickt dem Tod ins Gesicht und sagt: „Du verlierst.“ Sie starrt unüberwindbaren Widrigkeiten ins Auge und verlangt das Unmögliche. In seinem Buch „Von Hoffnung überraschtbeschreibt der Neutestamentler N. T. Wright es so: „Hoffnung ist für Christen kein Wunschdenken oder blinder Optimismus. Sie ist eine Art des Wissens, eine Art, in der neue Dinge möglich sind, Optionen nicht ausgeschlossen sind und eine neue Schöpfung entstehen kann.“ Christliche Hoffnung blickt über die Gebrochenheit der gegenwärtigen Welt hinaus in eine Zukunft erneuerter Schöpfung. Und diese Hoffnung macht unseren Weg lohnenswert. Diese Hoffnung ist unser Grund zu leben.

Avatar von Mario A. Russo

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