„Tut mir leid, dass ich zu spät bin; ich wollte gar nicht kommen.“
Ich lachte. Dann seufzte ich. Hier war eines der Lieblings-T-Shirts meines inneren Menschen.
Magst du große Gruppen nicht? Würdest du lieber ein Buch lesen oder bei einem Geschworenengericht dienen oder dir den Knöchel verstauchen, als dort zu sein, wo die Menschen sind?
Es ist nicht ihre Schuld; du bist einfach nicht gut im Umgang mit vielen Menschen. Einen nach dem anderen schaffst du, aber du bist nicht Simson. Du wünschst dir, du könntest frei durch einen Raum schwirren und Menschen, die du kaum kennst, mit halben Gesprächen unterhalten. Doch die Erfahrung hat — nicht gerade subtil — gezeigt, dass du kein besonders funkelnder Gesprächspartner bist. Du wirkst schnell ein wenig langweilig und kraftlos wirken. Wenn du das nicht über dich wüsstest, würdest du neue Leute vielleicht mehr genießen. Wahrscheinlich aber auch nicht.
Unweigerlich ist einer der schlimmsten Teile jeder kleinen Party oder jedes Gemeindepicknicks, dass du in jedem Gespräch, in das du hineingerätst, selbst vorkommst. Dein Gesicht schmerzt von deinem eigenen merkwürdigen Grinsen. Dein Humor — nicht gerade legendär. Ist es schon Zeit zu gehen?
Aber du hast aus verlässlicher Quelle gehört: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Auch darauf hat die Erfahrung schon hingewiesen. Also bist du hier, zu spät. Besser spät als nie (sagst du dir immer wieder), aber auch besser spät als pünktlich. Während du mitten in der Menge stehst, beneidest du die Schildkröte um ihren Panzer, den Vogel um seine Flügel, den Gefangenen um seine Einsamkeit. Nachdem du zum dritten Mal so tust, als würdest du die Toilette benutzen, wird dir klar: Eher kann ein Leopard seine Flecken ändern, als dass du ändern kannst, was auch immer das hier ist.
Großzügig mit deiner Energie
Lieber Bruder oder liebe Schwester, ich verstehe deine Lage. Aber anstatt Persönlichkeitstests zu machen und sich dann von deren Ergebnissen festlegen zu lassen, anstatt einfach Frieden mit dem Unbehagen und der Ungeschicklichkeit zu schließen — was wäre, wenn wir den Blick von uns selbst weg auf andere richten würden? Was wäre, wenn wir den Rat eines Gesangslehrers aufgreifen, großzügig mit unserer Energie umzugehen? Du musst kein Komiker sein, kein großartiger Geschichtenerzähler und auch nicht der Mittelpunkt jeder Feier. Frag dich einfach: „Bin ich wirklich da, bin ich beteiligt und schenke ich mich anderen? Bin ich ich selbst?“
Energie — wie gehe ich als Haushalter mit meiner Energie um?
Oft nicht besonders gut. Wie oft haben du oder ich bei der Arbeit oder bei einem Freund oder bei etwas, das wir lieben, unser bestes, lebendigstes Selbst gegeben — nur um dann zu Hause oder in der Gemeinde flach und farblos anzukommen? Wie oft haben du und ich lieber auf Autopilot geschaltet, um uns für andere Zeiten und andere Menschen zu schonen? Ich frage noch einmal: Wie gehst du mit deiner Energie, mit deiner Lebendigkeit als Haushalter um?
Die Versuchungen sind hier für Introvertierte und Extrovertierte unterschiedlich. Introvertierte zahlen in Gruppen eine hohe „Energiesteuer“. Ihr kleineres Budget ist schneller aufgebraucht. Nach ein oder zwei Stunden beim Treffen wandern ihre Augen unwillkürlich zur Tür.
Bei Extrovertierten ist das anders. Sie kommen herein und scheinen — wie Monster in Comicbüchern — Energie von anderen aufzunehmen, von dir. Mit jedem lauten Witz werden sie stärker, wachsen förmlich, können länger bleiben. Wie schlecht ihr Tag auch gewesen sein mag: Sie haben noch nicht einmal ihre Mäntel ausgezogen, da übertreffen sie schon die Dynamik ihrer weniger lebhaften Geschwister. Dich. Je mehr diese nach außen verarbeitenden Menschen reden, desto mehr haben sie zu sagen. Sie müssen sich eher auf das große Pedal links konzentrieren als auf das schmalere Pedal rechts. Aber diejenigen, die mehr Beschleunigung brauchen, können die Energie dieser lebhaften Menschen nachahmen.
Praktische Hilfen
Dauerhafte Veränderung entsteht, wenn wir einen willigen, großzügigen Geist der Liebe kultivieren, der bereit ist, das mit anderen zu teilen, was wir haben. Wie kannst du also lernen, deine begrenzte Energie als guter Haushalter einzusetzen, während du solche Liebe praktisch lebst? Solltest du vorher Kaffee trinken? Vielleicht.
Einige weitere praktische Hilfen:
Bete. Bitte den Herrn — sowohl vorher als auch währenddessen — dass diese Zeit um ihn und um andere kreist. Bete für gute Gespräche. Bete darum, die richtigen Menschen anzusprechen. Bete, dass du abnimmst und er zunimmt. Bitte ihn, dich mit Liebe zu anderen zu erfüllen, sodass echtes Interesse an ihnen sichtbar wird. Bete, dass die Freude am Herrn deine lebendige Stärke ist.
Sprich lauter als gewöhnlich. Das ist so etwas wie ein kleiner „Cheat-Code“, um mehr Energie auszustrahlen. Was wir Persönlichkeit nennen, hängt stark damit zusammen, wie wir unsere Stimme einsetzen. Wenn du deine Stimme häufig, frei, laut und mit Energie benutzt, wirkst du eher extrovertiert. Sprichst du dagegen leise, sparsam und vorsichtig, wirst du als introvertiert wahrgenommen. Unabhängig von solchen Etiketten: Eine Möglichkeit, eine gastfreundliche, auf andere ausgerichtete Energie auszustrahlen, besteht darin, etwas lauter zu sprechen, als du es normalerweise tust. Du sollst nicht schreien. Aber oft schätzen Introvertierte falsch ein, was „zu laut“ und was „zu leise“ ist. Ihre normale Sprechstimme liegt einige Stufen zu niedrig, und ihre geringe Projektion kann leicht als Desinteresse missverstanden werden.
Denke (lange) nach, bevor du sprichst. Manche von euch haben wenig zu sagen, weil ihr euch keine Zeit genommen habt, darüber nachzudenken, was ihr sagen wollt. Ihr setzt euch an den entferntesten Tisch, bleibt am Rand stehen oder verkriecht euch in der letzten Bank, weil ihr wisst, dass ihr nichts zu sagen habt — und nicht möchtet, dass das offensichtlich wird. Komm also mit etwas, das du sagen kannst. Dir wurden dieselben Fragen schon hundertmal gestellt: Wie war deine Woche? Wie geht es deiner Familie? Was gibt es Neues? Wie können andere für dich beten? Es ist kein „Schummeln“, sich vorher zu überlegen, wie man darauf antwortet. Und noch mehr: Komm mit durchdachten, interessanten Fragen für andere.
Achte auf diejenigen am Rand. Schau nach Menschen, die so aussehen, wie du aussahst, als du noch nicht darauf bedacht warst, andere zu segnen. Achte auf die Schüchternen, die Unbeholfenen, die Verlorenen und die Einsamen — und heiße sie willkommen. Statt am anderen Ende des Raumes zu stehen, ganz mit deinem eigenen unangenehmen Gefühl beschäftigt zu sein und darauf zu warten, dass jemand auf dich zukommt, geh du auf andere zu.
Fröhliche Geber
In Gottes Wort heißt es: „Jeder gebe, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht widerwillig oder gezwungen; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“ (2 Kor 9:7).
Gott selbst ist der fröhliche Geber, und es gefällt ihm, wenn wir mit Freude geben. Diene fröhlich — diese Worte sollten in deinem Inneren nachklingen, wenn du jeden Raum betrittst.
Gib, was du hast, im Namen der Liebe; gib sogar mehr als das, was du zu haben meinst — handle mit der Kraft, die er schenkt. Die meisten von uns werden nicht dazu berufen sein, Jesus-ähnliche Liebe dadurch zu zeigen, dass wir buchstäblich unser Leben für andere hingeben. Aber wir können uns einsetzen, uns ausgießen, uns hineingeben — über uns selbst hinausgehen, um uns um andere Seelen, andere Nöte, andere Leben zu kümmern. Er kann deine wenigen Fische, deine empfundenen Begrenzungen, die du ihm zum Dienst darbringst, nehmen und vermehren, um eine große Gruppe von Menschen zu segnen.
Und ist das wirklich ein Opfer? Manchmal fühlt es sich durchaus so an. Vielleicht brauchst du danach etwas Zeit, um dich zu erholen. Aber es ist ein Preis, der den Geber am Ende reicher macht. Gottes Ökonomie sprengt unsere Mathematik, widerspricht sauberen Tabellenkalkulationen. Ihr Gesetz lautet: Gib, um zu gewinnen. In Abhängigkeit von ihm und aus Liebe zu seinem Volk: Gib aus, investiere, gieße dich aus — und es wird mit Zinsen zu dir zurückkehren. Unter Gott gilt: „Mancher teilt reichlich aus und wird doch reicher; ein anderer spart mehr als recht ist und wird nur ärmer. Eine segnende Seele wird reichlich gesättigt, und wer tränkt, wird auch selbst getränkt werden“ (Spr 11:24–25). Lerne diese Worte auswendig, vertraue ihnen und handle danach.
Hast du The Giving Tree gelesen? Darin nimmt ein Junge in verschiedenen Lebensphasen immer mehr von einem Baum: zuerst die Äpfel, dann die Zweige, schließlich den Stamm. Am Ende bleibt nur noch ein Stumpf übrig, auf den er im Alter zurückkehrt, um sich darauf zu setzen. Der christliche Baum ist anders: Er „bringt seine Frucht zu seiner Zeit, und sein Blatt verwelkt nicht; und alles, was er tut, gerät wohl“ (Ps 1:3).
Ja, er gibt seine Frucht, seine Zweige, sich selbst — und sie wachsen wieder nach. Immer tiefer geht er hinab — doch am Ende (sogar am Ende der Welt) steht er höher da, als wenn er von Anfang an nichts gegeben hätte. Er ist ein wunderbarer Baum, geboren aus unvergänglichem Samen. Gott gibt ihm Leben; er gibt es für Christus aus und gewinnt das ewige Leben.
Wie wirst du also in deinem Herzen entscheiden? Du musst nicht jemand anders werden; wir wünschen uns, dass du du selbst bist. Aber dein innerer Mensch kann dennoch ein anderes T-Shirt tragen:
„Tut mir leid, ich bin ein wenig früh; ich freue mich, hier zu sein und bin gespannt, andere zu segnen.“
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von John Schröder.
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