Ein Lob auf gottesfürchtige Schwiegermütter

Meine Schwiegermutter ist eine meiner besten Freundinnen. Wenn ich das sage, fallen den meisten erst einmal die Kinnladen herunter. Noch bevor die Höflichkeit zu Wort kommt, platzt das Erstaunen heraus: „Wie ist das denn passiert?“

So jedenfalls nicht: über Nacht. Frisch gegossener Beton braucht vier Wochen, um seine volle Festigkeit zu erreichen. Und wenn es um eine junge Ehe geht, kann es Jahre dauern, bis ein neues Zuhause eine tragfähige Beziehung zu einem alten entwickelt. Meine Schwiegermutter und ich sind von den typischen tränenreichen Spannungen nicht ausgenommen. Gehöre ich wirklich zur Familie? Wie nah ist zu nah? Wie oft sollten wir uns pro Woche, Monat oder Jahr sehen? Doch beständiger als jeder Konflikt war das entschlossene Bemühen meiner Schwiegermutter, unsere Ehe zu segnen statt sie zu belasten.

Das ist ein wesentlicher Grund, warum sie heute eine meiner besten Freundinnen ist. Indem ich sie öffentlich lobe, möchte ich sowohl Schwiegertöchter als auch Schwiegermütter ermutigen. Mögen Ehefrauen sich bemühen, das Liebenswerte in den Müttern ihrer Männer bewusster wahrzunehmen, und mögen diese Mütter danach streben, durch Gnade im Glauben über die Jahre hinweg deutlich und zunehmend liebenswert zu sein – genau wie meine Schwiegermutter.

Also, für all die erstaunten Gesichter da draußen: So ist es geschehen.

Die Liebe einer Schwiegermutter

Wenn ich 1. Korinther 13 lese, Paulus’ meisterhaftes Kapitel über die Liebe, denke ich manchmal: Genau das ist es. Das macht meine Schwiegermutter so lobenswert. Besonders die Verse 4–6 sprechen mich an:

„Die Liebe ist langmütig und freundlich; die Liebe beneidet nicht; sie prahlt nicht; sie bläht sich nicht auf; sie ist nicht unanständig; sie sucht nicht das Ihre; sie lässt sich nicht erbittern; sie rechnet das Böse nicht zu; sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sondern freut sich an der Wahrheit.“

Auch wenn Schwiegerverwandte gut daran tun, jede Formulierung zu bedenken, konzentrieren wir uns hier nur auf drei Kennzeichen der Liebe: „langmütig und freundlich“, „beneidet nicht und prahlt nicht“ und „sucht nicht das Ihre“. Angesichts dessen, wie sehr Schwiegertöchter und Schwiegermütter darum ringen können, miteinander auszukommen (geschweige denn sich zu genießen), bedenke, welch starkes Zeugnis Christen vor der beobachtenden Welt ablegen könnten, wenn biblische Liebe – und nicht romantische Komödien – ihre Beziehung zu den Schwiegereltern prägen würde.

Langmütig und freundlich

Nach Gottes guter Ordnung sind neue Ehefrauen jünger als ihre neuen Mütter. Und weil sie jünger sind, haben neue Ehefrauen (meistens) noch viel Reife zu gewinnen. Und während sie reifen, werden sie Fehler machen. Sie werden sich an Weihnachten im Badezimmer einschließen und weinen und unbedachte Nachrichten verschicken; sie werden die Loyalität ihrer Männer infrage stellen und seinem Blick ausweichen. Auf welche Weise Gott junge Ehefrauen auch wachsen lässt – es gibt kaum etwas, das sie von ihren Schwiegermüttern mehr brauchen als Geduld und Freundlichkeit.

Gewiss heiligt der Geist auch gläubige Schwiegermütter (manchmal sogar in besonderem Maß). Doch in unserer Beziehung hat meine Schwiegermutter ihrem Alter entsprechend gehandelt: älter und weiser. Sie weiß, dass ich Zeit brauche, um zu sehen, zu verstehen und aufzublühen – und sie gibt mir diese Zeit. Dabei begegnet sie mir als Freundin und nicht als Gegnerin, selbst wenn wir aneinandergeraten. Sie ist „nicht müde geworden, Gutes zu tun“ an mir (Gal 6:9).

Bist du ein müder Schwiegerverwandter? Lass dich von Geduld und Freundlichkeit aufrichten.

Beneidet nicht und prahlt nicht

Wenn die Liebe einer Schwiegermutter „langmütig und freundlich“ ist, dann gibt es auch Dinge, die sie nicht tut. Konkret: Sie „beneidet nicht“ und „prahlt nicht“ (1Kor 13:4). Liebt eine Schwiegermutter ihre Schwiegertochter aufrichtig? Dann wird sie sie nicht beneiden und sich nicht ihrer eigenen Verdienste als Ehefrau oder Mutter rühmen – weder in Gedanken noch im Wohnzimmer.

Ich weiß wenig darüber, wie meine Schwiegermutter meinen Mann und seine drei Schwestern erzogen hat. Ich weiß nicht, wie viele Geburten sie ohne Schmerzmittel hatte, ob die Kinder mit zwei Jahren trocken waren oder ob sie morgens, mittags und abends putzte. Ich weiß es nicht, weil sie nicht prahlt – nicht einmal subtil. Sie stellt ihre Entscheidungen nie so dar, als gehörten sie in ein Wohnmagazin, während meine einen Reinigungsdienst und einen Lebenscoach bräuchten.

Unter dem fehlenden Prahlen meiner Schwiegermutter liegt auch kein Neid. Sie sieht mich nicht als Konkurrentin in allen Fragen von Ehe und Mutterschaft. Sie sieht mich als die Ehefrau ihres Sohnes, der nun mir seine erste Loyalität schuldet. Sie sieht mich als ihre „adoptierte“ Tochter, eine junge Frau mit Ängsten, Bedürfnissen und Träumen – wie all ihre Kinder. Letztlich sieht sie mich als eine, „für die Christus gestorben ist“ (Röm 14:15) – als eine Schwester, die sie für immer haben wird, lange nachdem Ehen und Bezeichnungen wie „Schwiegermutter“ und „Schwiegertochter“ vergangen sind.

Möchtest du deine Schwiegerverwandten lieben? Handle so, wie die Liebe handelt: Beneide nicht und prahle nicht.

Sucht nicht das Ihre

Meine Schwiegermutter hielt auf unserer Hochzeit eine Rede. Als sie meinen Mann ansprach, wandte sie sich dann mir zu. Mit festem Blick versprach sie mir sinngemäß, ihn loszulassen. Er sei nun meine Verantwortung, nicht mehr ihre. Sie werde sich nicht einmischen; sie werde keine ungefragten Ratschläge geben. Während sie sprach, sah ich eine Mutter von über zwanzig Jahren darauf bestehen, dass unsere neue Familie – nur wenige Stunden alt – die Priorität meines Mannes und meine sein sollte. Und sie freute sich darüber.

Sie hat ihr Versprechen gehalten.

Was für ein Geschenk, wenn die Liebe einer Schwiegermutter „nicht das Ihre sucht“ (1Kor 13:5). Wenn alte Familien wachsen und neue entstehen, gibt es zahllose Gelegenheiten, eigensüchtig „darauf zu bestehen“ – zu beanspruchen, zu fordern, niederzudrücken. Von Traditionen bis Urlaubsplanung, vom Gottesdienstbesuch bis zu Schlafenszeiten: Eine Mutter hat Jahrzehnte „eigener Wege“ hinter sich. Mit einem einzigen Ringwechsel treten Hunderte „anderer Wege“ auf den Plan, wenn Mann und Frau sich daranmachen, einander anzuhangen.

Wird eine Mutter im Gegenzug an ihren Wegen festhalten? Oder wird sie danach streben, soweit es ihr möglich ist, nicht nur auf das Eigene zu sehen, sondern auch – ja vor allem – auf das ihres Sohnes und seiner neuen Frau (Phil 2:4)?

„Nicht darauf zu bestehen“ ist eine Straße in beide Richtungen. Man stelle sich nur vor, wie schön Beziehungen zwischen Schwiegerverwandten aussehen würden, wenn Mütter und Töchter Paulus’ Worte in Kopf, Herz und Haus mit sich trügen.

Die Liebe hört niemals auf

Als Mutter junger Söhne kenne ich die Herausforderungen des Schwiegermutterseins noch nicht aus eigener Erfahrung. Aber dank der Mutter meines Mannes weiß ich, wie es aussieht, dessen Komplexität mit Gnade zu begegnen. Ich genieße zwar die überraschten Reaktionen der Leute, doch es gibt einen wichtigeren Grund, warum ich von unserer tiefen Freundschaft erzähle: Unser Gott wird groß gemacht, wenn die typischen tränenreichen Spannungen zwischen Schwiegerverwandten nicht so groß sind, dass die Liebe sie nicht überwinden könnte. Denn „die Liebe hört niemals auf“ (1Kor 13:8).


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von John Schröder.
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