Ich denke, wir können uns alle darauf einigen, dass der Muttertag zu den wichtigeren Tagen im Kalenderjahr gehört. Da ist einfach etwas Besonderes an der Mama, und wehe dem Kind, das sie am Muttertag vergisst.
Der Vatertag hingegen hat nie die gleiche emotionale Bedeutung, nicht etwa weil wir Väter weniger schätzen, sondern weil der Tag selbst eher wie ein Versuch wirkt, Papa nicht außen vor zu lassen. Es wird zum Beispiel geschätzt, dass die Umsätze am Muttertag die des Vatertags im Verhältnis 10 zu 1 übersteigen.
Tatsächlich ist dieser Unterschied zwischen Muttertag und Vatertag Teil der Geschichte dieser modernen „Feiertage“ in Amerika. Obwohl es in anderen Ländern und Kulturen Tage gibt, um Väter und ihr Vermächtnis zu ehren, ist die Feier des Vatertags, wie wir sie kennen, ein durch und durch modernes Phänomen. Hier sind einige Fakten über die moderne Feier des Vatertags:
1. Der Muttertag war der erste moderne Feiertag, der im 20. Jahrhundert erfunden und angenommen wurde. Die Begründerin war Anna Jarvis, die der Ansicht war, dass die heroischen Bemühungen ihrer Mutter nach dem Bürgerkrieg gewürdigt werden sollten. Ziel war es auch, zur Wiedervereinigung des Landes nach der Rückkehr des Südens in die Union beizutragen: Jeder hat eine Mutter, und das war etwas, das alle verbinden konnte. Die Idee des Muttertags wurde auch schnell politisch aufgegriffen und bereits 1914, nur sechs Jahre nach seiner ersten offiziellen Feier im Jahr 1908, von Woodrow Wilson offiziell als nationaler Feiertag eingeführt.
2. Der Ursprung des Vatertags wurde bewusst so gestaltet, dass er dem Muttertag ähnelt, allerdings aus anderen Gründen. Der Feiertag geht auf Sonora Louise Smart Dodd zurück, die ihren Vater ehren wollte, weil er nach dem frühen Tod seiner Frau sechs Kinder allein großgezogen hatte. Dodds Motivation war viel persönlicher, und im Gegensatz zu Jarvis nutzte sie nicht die politischen Spannungen im Amerika der Nachkriegszeit. Der erste Vatertag wurde 1910 in Spokane, Washington, gefeiert und die enge Verbindung zum Juni geht auf den Geburtstag von Dodds Vater zurück (5. Juni).
3. Wenn der Muttertag mit großem Erfolg eingeführt wurde, kam der Vatertag eher unscheinbar daher. Präsident Wilson unterstützte den Vatertag, schaffte es jedoch 1914 lediglich, eine Flagge zu Ehren des Tages zu hissen. Es wurde keine offizielle Maßnahme ergriffen, um ihn zu einem nationalen Feiertag zu machen.
4. In den 1930er Jahren entstand eine Bewegung, die beide Feiertage zu einem offiziellen „Elterntag“ zusammenlegen wollte. In New York wurden jährlich Versammlungen im Central Park abgehalten, um diese Tradition anzustoßen. Der Ursprung scheint jedoch erneut der Versuch gewesen zu sein, Väter mit dem Muttertag gleichzustellen.
5. Einzelhändler waren eine treibende Kraft hinter der Förderung des Vatertags, oft bezeichneten sie ihn als ein „zweites Weihnachten“ oder als Gelegenheit, dem Vater all die Krawatten, Pfeifen, Golfschläger und andere „typische“ Dinge zu kaufen, die er angeblich braucht. Der Juni war damals ein umsatzschwacher Monat, daher war die Kommerzialisierung des Vatertags von Anfang an Teil seiner Geschichte.
6. 1966 erließ Lyndon Johnson eine Proklamation, in der er dazu aufrief, den Vatertag am dritten Sonntag im Juni zu feiern. Offiziell wurde der Vatertag jedoch erst 1972, als Richard Nixon ihn dauerhaft festlegte.7. Im Allgemeinen wurde dem Vatertag keine besondere religiöse oder theologische Bedeutung beigemessen, auch wenn es in der Anfangszeit gelegentlich Predigten gab, die einige der Feierlichkeiten begleiteten. Der Muttertag hingegen wurde schnell Teil des kirchlichen Lebens, nicht unbedingt so, dass der Gottesdienst vollständig darauf ausgerichtet war, aber er gehörte doch zur Praxis dazu. Das ist ein Grund dafür, warum Gemeinden häufig Muttertagsfeiern, gemeinsame Essen und öffentliche Ehrungen von Müttern veranstalten, während der Vatertag in kirchlichen Kontexten oft weniger Beachtung findet.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler. Mehr von The Gospel Coalition.









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