Erinnere dich an Ostern an deinen Tod

In dem Jahr, in dem Liz wegen Krebs behandelt wurde, bemerkte sie, dass jeden Sonntagmorgen etwas Merkwürdiges geschah. Wenn sie die Gemeinde betrat, spürte sie eine feine innere Distanz – eine Lücke zwischen der begeisterten, triumphierenden Anbetung um sie herum und der Wirklichkeit, in der sie lebte. Freunde begrüßten sie mit einem Lächeln. Ermutigende Lieder erfüllten den Raum. Und sie stand da, gerade erst mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert, und fragte sich, warum die Gemeinschaft, die am besten darauf vorbereitet sein sollte, dem Tod ins Auge zu sehen, sich so sehr bemühte, genau das nicht zu tun.

Wir sagen das nicht als Kritik. Der Impuls zur Freude und zur Hoffnung der Auferstehung ist richtig und gut. Aber wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass wir oft nach dem Ostersonntag greifen, während wir das übergehen, womit uns der Karfreitag konfrontieren will. So berauben wir uns selbst der Fülle des Lebens, an dem wir durch die Auferstehung Christi Anteil haben.

Wir sind bemerkenswert gut darin, den Tod zu vermeiden

Psychologen haben dokumentiert, was die meisten von uns intuitiv wissen: Menschen sind stark motiviert, den Tod aus ihrem bewussten Wahrnehmen zu verdrängen. Die sogenannte „Terror-Management-Theorie“, die von drei Psychologen über Jahrzehnte empirischer Forschung entwickelt wurde, besagt, dass das Wissen um unseren unausweichlichen Tod einen großen Teil unseres Verhaltens antreibt – meist, ohne dass wir es merken.

Wenn wir an unsere Sterblichkeit erinnert werden, greifen wir instinktiv nach allem, was uns weniger endlich erscheinen lässt: Wir klammern uns stärker an unsere Weltanschauungen (die uns mit etwas Größerem verbinden) oder streben nach Status und Bedeutung (die uns das Gefühl geben, dass unser Leben zählt und in Erinnerung bleiben wird). Das sind unbewusste Versuche, dem Bewusstsein des Todes zu entkommen, und Forschungen zeigen, dass sie uns zu Starrheit, Abwehrhaltung und Selbstüberhöhung treiben können.

Auch Christen sind davor nicht gefeit. Mehrere Studien, die in medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, zeigen, dass religiös engagierte Menschen am Lebensende eher dazu neigen, aggressive, lebensverlängernde medizinische Maßnahmen in Anspruch zu nehmen – selbst dann, wenn diese nur geringen Nutzen bringen.

Ein festes Bekenntnis zur Heiligkeit des Lebens mag dabei eine Rolle spielen. Doch die Forschung zeigt, dass die häufigsten Gründe, die religiöse Patienten und ihre Familien für solche Maßnahmen angeben, Hoffnung auf ein Wunder sind, die Weigerung, „Gott aufzugeben“, und die Überzeugung, dass jeder Moment des Lebens um jeden Preis bewahrt werden müsse – Motive, die näher an der Angst vor dem Tod liegen als an einer durchdachten Theologie der menschlichen Würde.

Bemerkenswert ist zudem, dass gerade diese Maßnahmen – Beatmung, Wiederbelebung, Intensivbehandlung – am ehesten dazu führen, dass die Qualität und Würde des Sterbens abnehmen. Was auch immer hinter diesen Zahlen steht, es wirft eine ernste Frage auf: Haben wir mehr von der Todesangst unserer Kultur aufgenommen als von der Hoffnung des Neuen Testaments angesichts des Todes?

Unsere Gemeinden neigen dazu, diese kulturelle Verdrängung des Todes zu übernehmen, anstatt ihr zu widerstehen. Ein aufschlussreiches Zeichen dafür: Die traditionelle Beerdigung – mit ihrer ehrlichen Benennung des Todes, ihrer Trauer und ihrem Bekenntnis unserer Sterblichkeit vor Gott – wird zunehmend durch „Lebensfeiern“ ersetzt: wärmere, angenehmere Zusammenkünfte, die die härteren Realitäten leise umgehen können.

Der Wunsch, das Leben eines Menschen zu würdigen, ist gut. Doch wenn die Feier die Klage vollständig verdrängt, geht etwas Wesentliches verloren. Wenn sich diese Haltung auch in unseren Gemeinden ausbreitet, eilen wir zum leeren Grab, ohne uns wirklich damit auseinandergesetzt zu haben, was darin lag. Die Auferstehung wird dann zu einer Tatsache, die wir bejahen, statt zu einem ernsten und kostspieligen Sieg.

Eine Praxis, die die Gemeinde einst gut kannte

Es gibt einen lateinischen Ausdruck – memento mori, das heißt: „Bedenke, dass du sterben musst“ –, der in weiten Teilen der christlichen Geschichte nicht als morbide galt, sondern als zutiefst klärend.

Die Regel des heiligen Benedikt wies die Mönche des sechsten Jahrhunderts an, die Erwartung des Todes täglich vor Augen zu haben (4.47). Über Jahrhunderte hinweg waren Kirchen buchstäblich von Friedhöfen umgeben. Gläubige gingen jedes Mal an den Gräbern der Verstorbenen vorbei, wenn sie sich zur Anbetung versammelten – eine eingebaute Erinnerung daran, dass die Gemeinschaft der Heiligen beide Seiten des Todes umfasst.

Mittelalterliche Gläubige meißelten Totenschädel auf ihre Grabsteine – nicht als Ausdruck der Verzweiflung, sondern als Einladung, weise zu leben. Die Puritaner pflegten dieselbe geistliche Übung. Charles Spurgeon predigte häufig über den Tod und forderte seine Gemeinde immer wieder auf, sich ihren eigenen Tod lebhaft vor Augen zu führen und sich mit ihrer Errettung auseinanderzusetzen.

In jüngerer Zeit hat der Theologe Todd Billings eindrücklich darüber geschrieben, warum es wichtig ist, memento mori wiederzuentdecken: Wenn wir uns daran erinnern, dass wir sterben werden, erinnern wir uns daran, dass wir nicht die Hauptfigur der Geschichte sind. Gott ist es. Die Welt ist größer als unsere gegenwärtigen Umstände, und unser Horizont reicht weit über dieses Leben hinaus.

Karl Barth argumentiert in seiner Kirchlichen Dogmatik: „Memento mori! ist das gerade Gegenteil jeder krankhaften Entfremdung vom Leben oder krampfhaften Verleugnung desselben. Denn was kann es anderes heißen, als dass der Mensch wachen und nicht schlafen soll … Memento mori! heißt konkret: Memento Domini!“ Barths Punkt ist: Die Erinnerung an unseren Tod soll immer eine Erinnerung an unseren Herrn sein.

Hier liegt die entscheidende Einsicht. Für den Christen ist die Betrachtung des Todes keine Übung im Fatalismus. Sie ist ein Akt theologischer Ausrichtung – eine Weise, unseren Platz innerhalb der Geschichte zu bestimmen, die die Schrift erzählt. Mose betet: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir ein weises Herz erlangen“ (Ps 90:12). Salomo stellt fest, dass das Haus der Trauer etwas bietet, was das Haus des Feierns nicht geben kann (Pred 7:2). Die Praxis von memento mori greift diese biblischen Impulse auf und gibt ihnen konkrete Gestalt.

Was es bewirkt, dem Tod ins Auge zu sehen

Nach ihrem Jahr der Krebsbehandlung bemerkte Liz eine Veränderung an sich, die sie nicht erwartet hatte. Es gibt dieses besondere, beklemmende Gefühl – vielleicht kennst du es –, das sich in der Magengrube festsetzt, wenn etwas unser Sicherheitsgefühl bedroht: eine erschreckende Diagnose, eine zerbrechende Beziehung, ein Anruf, den man nicht entgegennehmen möchte.

Nach ihrer Diagnose bestimmte dieses Gefühl stillschweigend mehr von Liz’ Verhalten, als ihr bewusst war. Sie suchte Wege, Erinnerungen an Leid zu vermeiden, weil die darunterliegende Angst zu unangenehm war.

Doch nach ihrer Behandlung verschwand dieses Gefühl weitgehend. Zunächst befürchtete sie, abgestumpft geworden zu sein. Dann verstand sie, was geschehen war: Weil sie ihrer Sterblichkeit direkt ins Auge gesehen hatte, ordnete sie ihr Leben nicht länger darum herum, ihr auszuweichen. Paradoxerweise wurde sie empfänglicher für Menschen in Not – nicht weniger –, weil sie keine emotionale Energie mehr darauf verwenden musste, wegzuschauen.

Das deckt sich mit zumindest einem aufschlussreichen Befund aus der Psychologie: Wenn Versuchspersonen dazu angeleitet wurden, über ihren Tod als eine reale, unmittelbar bevorstehende Wirklichkeit nachzudenken und nicht als vage Abstraktion, zeigten sie weniger der typischen Abwehrreaktionen, die sonst durch die Erinnerung an die eigene Sterblichkeit ausgelöst werden. Stattdessen setzten sie sich reflektierter mit ihrem Leben und ihren Beziehungen auseinander. Es scheint: Dem Tod direkt zu begegnen, ist weniger destabilisierend, als ihm ständig auszuweichen.

Genau diese Freiheit beschreibt der Apostel Paulus, wenn er schreibt, dass wir „mit [Christus] begraben worden sind durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt worden ist, auch wir in einem neuen Leben wandeln“ (Röm 6:4). Unsere Identifikation mit dem Tod Christi ist kein Umweg an dem Auferstehungsleben vorbei – sie ist der Weg hinein.

Der Ostersonntag braucht den Karfreitag

Deshalb sind wir überzeugt, dass die Gemeinde memento mori braucht – vielleicht gerade an Ostern.

Die Hoffnung der Auferstehung ist keine Verleugnung des Todes; sie ist sein Sieg über den Tod. Doch ein Sieg, der nie wirklich wahrgenommen wurde, kann auch nicht angemessen gefeiert werden. Wenn wir hastig an unserer Sterblichkeit vorbeigehen, um beim leeren Grab anzukommen, stellen wir womöglich fest, dass die Freude dort dünner ist, als wir erwartet haben – weil wir das Gewicht dessen, was überwunden wurde, nie wirklich gespürt haben.

Memento mori zu praktizieren, erfordert keine dramatischen Gesten. Es kann bedeuten, Psalm 39 langsam und ehrlich zu lesen. Es kann bedeuten, sich jeden Tag ein paar Minuten bewusst zu machen, dass dieses Leben endlich ist – und Gott nicht. Es kann bedeuten, im Gebet die eigene Angst vor dem Tod vor den zu bringen, der selbst durch den Tod hindurchgegangen ist.

Für Gemeinden kann es bedeuten, die Praxis wiederzuentdecken, die Namen der Gemeindemitglieder laut zu verlesen, die im vergangenen Jahr gestorben sind (wie es manche Traditionen am Allerheiligentag tun) – ein einfacher Akt gemeinsamer Anbetung, der sich weigert, so zu tun, als habe der Tod die Gemeinschaft nicht heimgesucht. Oder es kann bedeuten, den Aschermittwoch bewusst zu begehen und sich als Gemeinde zu versammeln, um die alten Worte zu hören, die über jedem Menschen ausgesprochen werden – vom ältesten Mitglied bis zum jüngsten Kind: „Du bist Staub, und zum Staub wirst du zurückkehren.“

Karl Barth hatte recht: Sich an den eigenen Tod zu erinnern heißt, sich an seinen Herrn zu erinnern. Und vielleicht gibt es keinen besseren Zeitpunkt dafür als die Tage, bevor wir vor dem leeren Grab stehen und erneut hören, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzt von John Schröder. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.

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