Ich konnte den Schmerz in seinen Augen sehen. Und Angst.
Seine Frage bezog sich auf Zweifel an seiner Erlösung, und es war leicht zu erkennen, dass dies keine philosophische oder rein theoretische Frage war. Es war eine Seelenqual wegen einer Sünde die ihn bedrängte.
Es bedurfte nur einer klärenden Frage, um die Ursache aufzudecken: Schuldgefühle wegen seiner wiederholten Rückkehr zur Internetpornografie. Es war gut, dass er sich schuldig fühlte, wie ich ihm bald sagen würde. Es war ein Zeichen der Gnade Gottes.
Mittlerweile war ein solches Szenario in der Hochschulseelsorge keine Überraschung mehr. Hier auf einem christlichen Campus war das pastoralische Thema, das häufiger als jedes andere aufkam, die Heilsgewissheit. Und nach anfänglicher Verwirrung und einigen längeren Gesprächen war bald klar, was der Auslöser dafür war. Pornografie und Masturbation.
Epidemie in dieser Generation
Die Heilsgewissheit mag unter Christen angesichts der epidemischen Verbreitung von Pornografie durch den allgegenwärtigen Internetzugang einen historischen Tiefstand erreicht haben. Manchmal äußert sich dies in Form von existenzieller Angst und erkenntnistheoretischer Verwirrung, aber oft ist mangelnde Heilsgewissheit das Ergebnis einer tief verwurzelten Sünde. Kann ich wirklich erlöst werden, wenn ich immer wieder zu derselben Sünde zurückkehre, die ich mir so oft geschworen habe, nie wieder zu begehen?
Wir haben kürzlich 8.000 Leser von Desiring God befragt. Unsere Studie ergab, dass der fortgesetzte Konsum von Pornografie nicht nur erschreckend verbreitet ist, sondern auch unter jüngeren Erwachsenen immer weiter zunimmt. Mehr als 15 % der christlichen Männer über 60 gaben zu, weiterhin Pornografie zu konsumieren. Bei den Männern in den Fünfzigern waren es mehr als 20 %, bei den Männern in den Vierzigern 25 % und bei den Männern in den Dreißigern 30 %. Aber fast 50 % der selbsternannten christlichen Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren gaben zu, regelmäßig Pornos zu konsumieren. (Die Umfrage ergab einen ähnlichen Trend bei Frauen, allerdings in geringerem Umfang: 10 % der Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren, 5 % in den Dreißigern und zunehmend weniger in den Vierzigern, Fünfzigern und über Sechzig-Jährigen.)

Hör heute seine Stimme
Während das Thema des Online-Zugangs zu Pornografie für diese Generation neu sein mag und für diejenigen, die schon in jungen Jahren damit in Berührung gekommen sind, zunehmend verheerende Auswirkungen hat, ist die Aufforderung zur Umkehr von der Sünde, die uns bedrängt, ausgesprochen alt. Vielleicht gibt es keinen Bibeltext, der für die heutigen Kämpfe relevanter ist als die Kapitel 3 und 4 des Hebräerbriefes.
Das selbst schon zweitausend Jahre alte Buch der Hebräer verweist noch weiter zurück in die Vergangenheit, auf Gottes Aufforderung zur Umkehr in Psalm 95:7–8: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht“ (Hebräer 3:7–8, 13, 15; 4:7). Während dieses Angebot der Ruhe sich über die Jahrhunderte erstreckt, beschränkt sich die tatsächliche Anwendung auf einzelne Gläubige, auf diejenigen, die ihre Herzen noch nicht vollständig in Unglauben verhärtet und sich über die Buße hinausbewegt haben.
Der Hebräerbrief richtet sich an eine Gruppe verfolgter jüdischer Christen, die versucht sind, ihre Verehrung Jesu als Messias (der Grund für ihre Verfolgung) aufzugeben und zu dem Judentum zurückzukehren, dem sie einst ohne Jesus angehörten. Ein solcher Schritt ist nicht nur theologisch katastrophal (im Hinblick darauf, wie man Gott und seine Offenbarung versteht), sondern auch persönlich und für die Ewigkeit verheerend. Diese frühen Christen erlebten dieselbe Herzenshärte, die heute mit wiederholter Sünde und unbekämpftem Unglauben bei bekennenden Christen einhergeht.
In einem solchen Kontext greift der Hebräerbrief auf Psalm 95 und die unmittelbar darin enthaltene Ermahnung zurück: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.“ Das ist ein Wort, das unsere Generation dringend hören muss.
Wenn du ihn noch hörst
Die Betonung auf „heute“ ist entscheidend. Morgen ist nicht selbstverständlich. Was du hast, ist das Hier und Jetzt.
Wenn du heute Gottes Stimme hörst, die dich zu Christus und seiner Heiligkeit ruft, und diese Stimme ablehnst, wird dein Herz dadurch härter werden, und du solltest nicht davon ausgehen, dass du nächste Woche, nächsten Monat, in einem Jahr oder sogar morgen noch Zeit haben wirst, Buße zu tun.
Jedes Mal, wenn wir die überzeugende Stimme der Gnade ignorieren, kommen wir dem Gericht einen Schritt näher. Jedes bewusste Annehmen von Ungerechtigkeit verdunkelt die Seele und verhärtet das Herz. Irgendwann bleibt keine Wärme und keine Sanftheit mehr übrig. Dann wird es, wie bei Esau, der „keine Gelegenheit zur Umkehr fand“ (Hebräer 12:17), zu spät sein.
Aber heute – heute – wenn du noch immer seine gnädige Stimme in den Eingebungen seines Geistes hörst, wenn du noch immer die Schuld fühlst, wenn du noch immer die Scham spürst, wenn du noch immer eine gewisse Abneigung gegen die Unreinheit der Sünde empfindest, dann mach diesen heutigen Tag zu deinem Wendepunkt. „Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der redet“ (Hebräer 12:25).
Es ist gut, dass du dich wegen deiner anhaltenden Sünde schlecht fühlst. Das ist die Berührung der Gnade. Du hast noch die Chance, dich von der Kälte der Sünde abzuwenden und dich der Wärme eines vergebenden Christus zuzuwenden. Wenn dein Herz bereits unheilbar verhärtet wäre, würde dich die Sünde nicht stören. Das was dich überführt ist seine Güte.
Solange es heute heißt
Mach den heutigen Tag zu einem Tag, an dem du eine neue Initiative im Kampf ergreifst. Gib die Sünde auf, solange du noch die Kraft dazu hast. Beziehe einen christlichen Freund in deinen Kampf mit ein, mit dem du die unschätzbare Gnade aus Hebräer 3:12–13 ausleben kannst:
Seht zu, Brüder, dass niemand unter euch ein böses, ungläubiges Herz hat, das euch vom lebendigen Gott abfallen lässt. Ermahnt euch aber gegenseitig jeden Tag, solange es „heute” heißt, damit niemand von euch durch die Verführung der Sünde verhärtet wird.
Entscheide dich heute für die Gerechtigkeit. Jede konkrete Hinwendung zur Heiligkeit ist wichtig. Jede Entscheidung gegen das Böse, jede Tat der Gerechtigkeit in Herz, Verstand und Körper ebenso. Jedes Abkehren von der Sünde bereitet dich, zumindest in kleinem Maße, darauf vor, dich das nächste Mal für die Gerechtigkeit zu entscheiden. „Wir werden immer zu dem, was wir sein werden“ (Joe Rigney, Live Like a Narnian, 52), und das Heute ist wirklich wichtig. Das Jetzt zählt.
Wo wir unsere Hoffnung haben
Und vor allem: Richte deinen Blick heute neu auf deinen Fürsprecher und großen Hohepriester, der „mit unseren Schwächen mitfühlen kann“ und „in jeder Hinsicht wie wir in Versuchung geführt worden ist, jedoch ohne Sünde“ (Hebräer 4:15). Er ist bereit, Barmherzigkeit zu schenken und Gnade zu senden, „um in Zeiten der Not zu helfen“ (Hebräer 4:16). Wir sagen Nein zur Sünde, indem wir Ja zur Freude in ihm sagen.
Hier, zur Rechten Gottes, sitzt unsere letzte Hoffnung. Nicht in unserer Verantwortlichkeit oder unseren Vorsätzen und schon gar nicht in unserer Willenskraft. Nicht in unserer Vergangenheit, unseren gegenwärtigen Fähigkeiten oder unserem Potenzial für die Zukunft. Unsere große Hoffnung liegt nicht in uns selbst, sondern außerhalb von uns, in Christus, der überwunden hat und in dem auch wir überwinden werden.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
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