Kein späteres Dogma: Zeugnisse der frühen Christen zur Gottheit Jesu

Gottheit Jesu in der frühen Kirche

Dass die Bibel Jesus nicht nur als Mensch, sondern als wahren Gott bezeugt, haben wir bereits an anderer Stelle ausgeführt (zum Artikel). Doch ein häufiger Einwand lautet: „Das mit Jesus als Gott ist doch eine spätere Entwicklung der Kirche, das stand am Anfang so nicht fest.“

Genau deshalb lohnt sich ein Blick in die ersten Jahrhunderte nach Christus. Was sagten die unmittelbaren Schüler der Apostel? Was die Bischöfe, die ihrerseits direkt von den Augenzeugen Jesu gelernt hatten? Und wie nahmen sogar heidnische Beobachter die Christen wahr?

Die Antworten sind überraschend eindeutig: Von den großen Theologen des 3. Jahrhunderts zurück bis zu den ältesten Briefen um das Jahr 100 zieht sich ein roter Faden – Jesus wurde von Anfang an als Gott bekannt, verehrt und angebetet.

Im Folgenden gehen wir Schritt für Schritt von den späteren Zeugen zurück zu den frühesten, bis ganz nahe an die Generation der Apostel selbst.


1. Origenes († 253/254)

Origenes schrieb in Über die Grundlehren:

„Zu weiterem Beweise von der Einheit (und Gleichheit) der Allmacht des Vaters und Sohnes dient auch die Stelle (Off. 1,8.): „Das sagt der Herr, der da ist, und war und seyn wird, der Allmächtige.“ Denn wer ist „der seyn wird“, ausser Christus? Und wie es Niemand anstößig findet, daß Christus Gott sey, wenn der Vater Gott ist: so darf man sich auch daran nicht stoßen, der Sohn Gottes allmächtig genannt wird, wenn der Vater allmächtig heißt“. Sagt er doch selbst (Joh. 17, 10.) „Alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, ist mein.“ Wenn Alles, was des Vaters ist, auch Christi ist, unter Allem, was ist, aber auch die Allmacht des Vaters begriffen ist, so muß unstreitig auch der Sohn allmächtig seyn, damit Alles, was der Vater hat, auch der Sohn besitze. „Und ich bin verklärt in ihnen“, heißt es weiter. „Denn im Namen Jesu werden sich alle Kniee beugen derer die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind, und alle Zungen werden bekennen, daß Jesus der Herr sey.“


2. Tertullian (ca. 150–220 n. Chr.)

Tertullian prägte den Begriff der Trinität, so nannte er Vater, Sohn, Heiligen Geist ‚drei Personen‘ (tres personae), die aber eine Einheit Gottes (una substantia) bilden.:

„[…] das Geheimnis der sogenannten Ökonomie [zerlegt] die Einheit in eine Dreiheit und [schreibt] drei Personen vor, den Vater, den Sohn und den hl. Geist; […] aber von einer Substanz, einer Wesenheit und einer Macht. Denn sie sind nur ein Gott, aus welchem jene Stufen, Formen und Einzelwesen unter dem Namen Vater, Sohn und hl. Geist hergeleitet werden. In welcher Weise dabei ein Zählen ohne Theilung statthaft ist, wird der Verlauf unserer Verhandlung darthun.“ (Gegen Praxeas, Kap. 2)

„Denn auch Gott ist Geist. Und wenn ein Strahl aus der Sonne ausgesendet wird, so ist er ein Teil vom Ganzen; […] In dieser Weise ist auch, was von Gott ausgegangen ist, Gott und Gottes Sohn, und beide sind einer.“ (Apologetikum 21)


3. Athenagoras von Athen (2. Jh.)

„Indes kennen wir auch einen Sohn Gottes. Halte es ja niemand für lächerlich, daß Gott einen Sohn habe! Denn unsere Gedanken über Gott Vater und Sohn weichen gar sehr von den Mythen der Dichter ab, die die Götter nicht im mindesten besser sein lassen als die Menschen; der Sohn Gottes ist das Wort (Logos) des Vaters als vorbildlicher Gedanke und schöpferische Kraft; denn nach ihm und durch ihn ist alles gemacht; Vater und Sohn sind eins. Da der Sohn im Vater und der Vater im Sohne ist durch die Einheit und Kraft des Geistes, so ist der Sohn Gottes der Gedanke (Nus) und das Wort (Logos) des Vaters. Sollte Euch aber bei Eurer überlegenen Einsicht die Frage belieben, was der Ausdruck Sohn bedeutet, so will ich Euch in Kürze folgendes antworten: Er ist dem Vater das Erst-Erzeugte, nicht als ob er geworden wäre; denn von jeher hatte Gott als ewiger Gedanke selbst das Wort in sich, da er nie ohne das Wort ist; sondern der Sohn ist hervorgegangen, um für alles Körperliche, das anfangs noch als qualitätslose Naturmasse ohne alles Leben existierte“ (Bittschrift für die Christen 10)


4. Irenäus von Lyon (ca. 135–202 n. Chr.)

Irenäus, Schüler des Polykarp, der wiederum ein Schüler des Apostels Johannes war, bezeugt die trinitarische Sicht:

„Sie [die Gemeinde] hat von den Aposteln und Schülern den Glauben empfangen, den Glauben an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde und der Meere und alles was in ihnen ist, und an den einen Christus Jesus, den Sohn Gottes, der zu unserem Heil Fleisch angenommen hat, und an den Heiligen Geist, der durch die Propheten die Heilsordnung Gottes verkündet hat, die zweifache Ankunft des Herrn, seine Geburt aus der Jungfrau, sein Leiden, seine Auferweckung von den Toten und die leibliche Himmelfahrt unseres geliebten Herrn Christus Jesus …“ (Irenäus, Gegen die Häresien, I.10.1)

„Weder der Herr, noch der Heilige Geist, noch die Apostel hätten den, der nicht Gott war, jemals Gott ohne Vorbehalt und Einschränkung genannt, wenn er nicht Gott in Wahrheit wäre, noch hätten sie ihrerseits jemand als Herrn bezeichnet außer dem allerhöchsten Gott Vater und seinem Sohn, der die Herrschaft über die ganze Schöpfung von seinem Vater empfing, wie geschrieben steht: „Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße“[Ps. 109:1]. D. h. der Vater sprach mit dem Sohne und gab ihm zum Erbe die Heiden und unterwarf ihm alle seine Feinde. Da nun der Vater Herr ist und der Sohn in Wahrheit Herr, so bezeichnet der Heilige Geist mit Recht beide als Herren. Und wenn die Schrift wiederum bei der Zerstörung Sodomas sagt: „Und es regnete der Herr über Sodoma und Gomorrha Feuer und Schwefel von dem Herrn des Himmels“[1.Mose 19,24], so bezeichnet sie hier ebenfalls den Sohn, der mit Abraham gesprochen hat und von dem Vater die Gewalt empfangen hatte, die Sodomiter wegen ihrer Gottlosigkeit zu bestrafen. Ähnlich heißt es: „Dein Thron, o Gott, steht in Ewigkeit. Ein Szepter der Gerechtigkeit ist das Szepter Deines Reiches. Du liebtest die Gerechtigkeit und haßtest das Unrecht, deshalb hat Dich, o Herr, Dein Gott gesalbt„[Ps. 44,7 f.]. Beide nämlich bezeichnete der Heilige Geist als Gott, den Sohn, der gesalbt wird, und den Vater, der salbt. Und ferner: „Gott steht in der Versammlung der Götter, in ihrer Mitte aber richtet er die Götter“[Ps. 81,1]. Vom Vater und vom Sohne spricht er und von denen, welche die Kindschaft empfangen haben, und diese sind die Kirche. Das nämlich ist die Versammlung Gottes, welche Gott, d. h. der Sohn selbst, durch sich zustande gebracht hat. Und abermals heißt es von ihm: „Gott, der Herr der Götter, hat geredet und rief die Erde“[Ps. 49,l]. Und wer ist der Herr, von dem er sprach: „Gott wird sichtbar kommen, unser Gott, und er wird nicht schweigen“[Ps. 49,3]? Das ist der Sohn, der in sichtbarer Gestalt zu den Menschen kam und spricht: „Offenkundig bin ich denen geworden, die mich nicht suchen“[Jes. 65,1]. Wer aber sind die Götter? Die, zu denen er spricht: „Ich habe gesagt, Götter seid ihr und Söhne des Allerhöchsten allzumal“[Ps. 81,6], die nämlich, welche die Gnade „der Kindschaft erlangt haben, durch welche wir rufen: Abba, Vater“[Röm. 8,15].“ (Gegen die Häresien III.6.1)

„Denn daß überhaupt keiner aus den Söhnen Adams schlechthin Gott genannt oder Herr geheißen wird, das haben wir aus den Schriften nachgewiesen. Alle aber, die nur ein wenig um die Wahrheit sich kümmern, können sehen, daß er allein von allen Menschen, die jemals gewesen sind, im eigentlichen Sinne als Gott und Herr und ewiger König und Eingeborener und fleischgewordenes Wort von allen Propheten und Aposteln und dem Geiste selber bekannt wird. Dies Zeugnis über ihn würden die Schriften nicht ausstellen, wenn er ähnlich wie alle ein bloßer Mensch gewesen wäre.“ (Gegen die Häresien III.19.2)

„Die Engel also haben uns nicht gemacht, noch gebildet, noch konnten sie uns nach dem Bilde Gottes machen, noch irgend ein anderer außer dem Worte des Herrn, noch irgend eine Kraft, die von dem Vater des Weltalls weit entfernt war. Auch bedurfte Gott keiner solchen Hilfe, um das zu machen, was er bei sich beschlossen hatte, gleich als ob er selbst keine Hände hätte. Denn immer ist bei ihm das Wort und die Weisheit, der Sohn und der Geist, durch die und in denen er alles aus freiem Willen und Entschluß geschaffen hat. Zu ihnen spricht er auch: „Laßt uns den Menschen machen nach unserm Bild und Gleichnis“, indem er aus sich selbst die Substanz der Geschöpfe und ihre Idee und ihre schöne reale Gestalt hernahm.“ (Irenäus, Gegen die Häresien, IV.20.1)

„Also ist Herr der Vater und Herr der Sohn, und Gott der Vater und Gott der Sohn; denn wer von Gott erzeugt ist, ist Gott.“ (Erweis der apostolischen Verkündigung II.1.47)


5. Justin der Märtyrer (ca. 100–165 n. Chr.)

„Ihn und seinen Sohn, der von ihm gekommen ist und uns diese Dinge gelehrt hat, auch das Heer der anderen guten Engel, die ihm anhangen und ganz ähnlich sind, und den prophetischen Geist verehren und beten wir an, indem wir ihn mit Vernunft und Wahrheit ehren und jedem, der ihn kennen lernen will, wie wir ihn kennen gelernt haben, neidlos mitteilen.


„Denn die den Sohn zum Vater machen, laden den Vorwurf auf sich, daß sie weder den Vater kennen noch wissen, daß der Vater des Alls einen Sohn hat, der als Gottes Logos und Erstgeborener auch Gott ist. Früher ist dieser in Feuersgestalt und auch unkörperlich dem Moses und den übrigen Propheten erschienen; jetzt aber in den Zeiten eurer Herrschaft ist er, wie wir früher gesagt haben (c. 46), nach des Vaters Willen zum Heile seiner Gläubigen durch eine Jungfrau Mensch geworden und hat Verachtung und Leiden auf sich genommen, um durch sein Sterben und Auferstehen den Tod zu besiegen. Was aber aus dem Dornbusch zu Moses gesagt wurde: „Ich bin der Seiende, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs und der Gott deiner Väter“ deutet an, daß jene auch nach ihrem Tode Leute Christi bleiben und sind“ (1. Apologie 63)

„Dass Christus, der Herr, Gott und Sohn Gottes, der einst wunderbar sich offenbarte als Mann und Engel, auch in Feuerpracht wie im Dornstrauch so beim Gerichte über Sodoma erschienen ist, wurde oben ausführlich dargelegt.“ (Dialog mit Tryphon, 128)


6. Ignatius von Antiochien (ca. 35–117 n. Chr.)

Ignatius spricht wiederholt von „unserem Gott Jesus Christus“:

  • „Denn unser Gott Jesus, der Christus, wurde von Maria im Leibe getragen nach dem Heilsplan Gottes […]“ (Epheser 18,2)
  • „[…] da Gott in Menschengestalt sich offenbarte […]“ (Epheser 19,3)
  • „Ich bete darum, daß ihr allezeit stark seid in unserem Gott Jesus Christus […]“ (Polykarp 8,3)
  • „[…] ohne Tadel in Jesus Christus, unserem Gott.“ (Römer, Vorrede)
  • „[…] unauflöslich verbunden mit dem Gott Jesus Christus […]“ (Traller 7,1)

7. Clemens von Rom (ca. 50–100 n. Chr.)

Clemens, Zeitgenosse der Apostel, schrieb an die Korinther:

„Denn es lebt Gott und es lebt der Herr Jesus Christus und der Heilige Geist (1. Clemens 58,2)

Damit stellt er Jesus Christus und den Heiligen Geist unmittelbar neben den ewig lebendigen Gott.


8. Nichtchristliche Zeugnisse

Auch außerchristliche Quellen bestätigen die göttliche Verehrung Jesu:

Gajus Plinius Caecilius Secundus (auch bekannt als Plinius der Jüngere 61-113 n. Chr.), röm. Autor, erfolgreicher Anwalt und Konsul, schrieb über die Christenprozesse an Kaiser Trajan, als er so viele Christen getötet hatte, dass er sich fragte, ob er weiterhin jeden Christen töten solle:

„Sie [die ehemaligen Christen] versicherten darüber hinaus, ihre ganze Schuld oder ihr ganzer Irrtum habe darin bestanden, daß sie sich gewöhnlich an einem bestimmten Tage vor Sonnenaufgang versammelten, Christus wie einem Gott einen Wechselgesang darbrachten und sich durch Eid nicht etwa zu irgendeinem Verbrechen verpflichteten, sondern keinen Diebstahl, Raubüberfall oder Ehebruch zu begehen, ein Versprechen nicht zu brechen, eine angemahnte Schuld nicht abzuleugnen. Danach seien sie gewöhnlich auseinander gegangen und dann wieder zusammengekommen, um Speise zu sich zu nehmen und zwar ganz gewöhnliche und unschädliche.“ (Briefe X.96)

Der griechische Satiriker Lukian (Lucian) von Samosata (120-ca.180 n. Chr.) schrieb um das Jahr 170 n. Chr. über das Lebensende des Peregrinus:

„Denn diese armen Leute haben sich in den Kopf gesetzt, dass sie mit Leib und Seele unsterblich werden, und in alle Ewigkeit leben würden: daher kommt es dann, dass sie den Tod verachten und viele von ihnen ihm sogar freiwillig in die Hände laufen. Überdies hat ihnen ihr erster Gesetzgeber beigebracht, dass sie untereinander alle Brüder würden, sobald sie den großen Schritt getan hätten, die griechischen Götter zu verleugnen, und ihre Knie vor jenem gekreuzigten Sophisten zu beugen, und nach seinen Gesetzen zu leben.“ (De morte Peregrini, 11)

Auch das Spottkruzifix (Graffito) zeigt, dass die Christen wegen der Anbetung des gekreuzigten Gottes verspottet wurden – so wie Paulus schrieb: „Wir predigen Christus als gekreuzigt, den Juden ein Ärgernis und den Nationen eine Torheit.“ (1 Kor 1:22–23)

Ebenso bezeugt das Mosaik von Megiddo (3. Jh.) die bewusste Anbetung Christi: Die Inschrift lautet „Die Gottliebende Akeptous hat den Tisch dem Gott Jesus Christus dargebracht zum Gedächtnis.“


Fazit

Von den späteren Theologen wie Origenes und Tertullian zurück bis zu den apostolischen Vätern Clemens und Ignatius, ja selbst in außerchristlichen Quellen, ist das Zeugnis einheitlich: Jesus wurde als Gott bekannt, verehrt und angebetet.

Die Göttlichkeit Jesu ist somit keine spätere dogmatische Entwicklung, sondern schon im Neuen Testament eindeutig bezeugt und wird durch die frühesten außerbiblischen Quellen bestätigt.

Avatar von Markus Buller

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