In der Zeit, als ich noch kein Vater war, war es nahezu unverhandelbar, täglich zwei Stunden dem Lesen, Nachsinnen, Reflektieren und den Gebets-Spaziergängen im Wald zu widmen. Heute, mit Kleinkindern, ist das nahezu unvorstellbar.
Tiefgründiges Nachsinnen? Ein bewundernswertes Ziel. Stille? Meine tägliche Bitte an den Herrn. Einsamkeit? Natürlich – aber wer schreibt dann den Scheck?
Die Spannung, ein junger Vater mit kleinen Kindern zu sein, zeigt sich nicht nur in geistlichen Dingen. Ich spüre sie, wenn ich an einem Fußballfeld vorbeifahre und mir wünsche, Zeit für eine Männermannschaft zu haben. Wenn ich höre, dass Paare in unserem Alter einen Quizabend machen. Wenn ein Freund fragt, ob wir uns treffen wollen, und ich in meinen zusammengeführten Google-Kalendern einen Termin für in zwei Monaten eintrage. Besonders spüre ich die Spannung, wenn ich Überreste eines Lebens sehe, das ich einmal hatte – in den Abenteuern, die viele meiner Millennial-Gleichaltrigen gerade zu genießen scheinen. Und ich kann nicht leugnen, dass ein Teil von mir diese Tage vermisst.
Doch am Grund dieser Unzufriedenheit liegt eine Lüge: „Für eine Familie zu sorgen, übersteigt meine Fähigkeiten und bedroht mein Glück.“
Gefahr: Ängstliche Mühsal
Diese Lüge wird besonders jungen Männern verkauft. Diese Doppel-Lüge hält uns davon ab, eine Ehe einzugehen und Kinder zu kriegen, und sie nimmt uns den Mut, der Verpflichtung nachzukommen, unserer jungen Familie zu dienen und für sie zu sorgen. Neben der Unzufriedenheit droht auch die Gefahr, sich verzweifelt abzumühen. Psalm 127:2 warnt, dass diejenigen, die in eigener Kraft arbeiten, solche sind, die „früh aufstehen, sich spät niederlegen und das Brot mühsamer Arbeit essen.“
Ich weiß was „ängstliche Mühsal“ bedeutet. Als ich in Vollzeit studierte, die meiste Zeit im Dienst war und gleichzeitig Ehemann und Vater war, wurde mir das rasante Tempo von Psalm 127:1–2 sehr vertraut:
Wenn der HERR nicht das Haus baut, dann arbeiten umsonst, die daran bauen; wenn der HERR nicht die Stadt behütet, dann wacht der Wächter umsonst. Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und spät aufbleibt und sauer erworbenes Brot esst; solches gibt er seinem Geliebten im Schlaf!
Was könnte einen Mann zu einem so erschöpfenden Arbeitstempo antreiben? Nun, vielleicht kleine Kinder, welche frühe Morgenstunden lieben, und ein geringes Einkommen aufgrund der noch jungen Karriere. Der junge Vater ist an einem Punkt, wo seine Stunden und seine Mühe unverhältnismäßig nah beieinander zu sein scheinen: Im Beruf verdient er wenig, doch mit den Kindern sind die Bedürfnisse endlos geworden.
In meine morgendlichen Gebete nehme ich oft die Bedürfnisse auf, die ich erfüllen muss, die Ressourcen, die mir voraussichtlich zur Verfügung stehen werden und die große Kluft dazwischen. Jeden Tag bringe ich dies zum Herrn und bitte um Hilfe. Psalm 127 gibt mir zwei Erinnerungen, die meine Stimmung von ängstlich und unzufrieden zu dankbar verändern.
Unsere tägliche Belohnung
Erstens: Kinder sind ein gutes Geschenk.
Ich bitte Gott um Segen für meine Kinder. Aber wie oft danke ich ihm für den Segen Kinder zu haben? Ich freue mich auf eine Zeit größerer finanzieller Freiheit. Ich freue mich auf einen Tag, an dem die Kinder nicht mehr so völlig abhängig sind – oder hoffe zumindest auf einen Tag, an dem wir nicht zum vierten Mal in Folge eine Verabredung absagen müssen, weil wieder jemand Durchfall hat. Doch meine Kinder sind jetzt hier, in diesem kostbaren, einzigartigen, unwiederholbaren Lebensabschnitt – mein Geschenk:
Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, die Leibesfrucht ist eine Belohnung. (Psalm 127:3)
Das ist ein Trost für jeden Elternteil, aber besonders für junge Väter, wenn wir die nächsten Verse betrachten:
Wie Pfeile in der Hand eines Helden, so sind die Söhne der Jugend. Wohl dem Mann, der seinen Köcher mit ihnen gefüllt hat! Sie werden nicht zuschanden, wenn sie mit den Widersachern reden im Tor. (Psalm 127:4–5)
Es ist eine besondere Ehre, Kinder zu haben, während man selbst noch jung ist. Diese Entscheidung wird sich später auszahlen, gewiss, aber sie ist auch schon jetzt ein Gewinn. Ich würde diese Jahre nicht eintauschen. Ich möchte mit meinem Ältesten raufen, solange er noch in seinen Teenagerjahren ist. Ich möchte, dass meine Töchter ihren Vater als starken und lebendigen Beschützer sehen. Ich möchte, dass meine Frau und ich noch die Energie haben, nicht nur unsere Kinder, sondern auch ihre Kinder zu lieben und zu genießen, wenn sie ebenfalls Psalm 127 beherzigen. Im Jugendalter Kinder zu haben ist schwierig. Und doch ist es auch wunderbar. Ich bin so dankbar für diese Belohnung, diesen Gewinn – ihn in Empfang zu nehmen sowie ihn zu genießen.
Unsere nächtliche Ruhe
Zweitens: Das Gegenmittel gegen ängstliche Mühsal ist laut dem Psalmisten Schlaf: „…solches gibt er seinem Geliebten im Schlaf!“ (Psalm 127:2). Schlaf – diese tägliche Dosis Endlichkeit, dieses Bild göttlicher Zuneigung.
Der Name „Geliebter“ schüttelt die Angst aus meinen Knochen. Wer ist der Geliebte? Noch mehr: Von wem wird der Geliebte geliebt?
Ach, welch ein Fundament der Ruhe. Welch guter Grund, einen freien Tag zu genießen. Was für eine Motivation, rechtzeitig schlafen zu gehen (wenn es möglich ist!). Ich bin der Geliebte des Herrn.
Im Auto, im Kinderwagen, im Hellen, im Dunkeln – wenn meine Kinder ihre kleinen Körper sagen hören: „Zeit zu schlafen“, folgen sie diesem Ruf. Sie denken nicht: „Aber wie komme ich nach Hause? Wie komme ich ins Bett? Wer parkt das Auto oder räumt die Einkäufe aus?“ Nein, sie schließen einfach ihre Augen.
Und ich, als ihr Vater – halte ich sie dann auf, lasse sie fallen, schüttele oder verspotte sie? Gehe ich selbst schlafen, da sie es sich gerade offensichtlich auch gemütlich gemacht haben? Nein – ich kümmere mich um all ihre Bedürfnisse. Wenn wir uns um unsere Kinder kümmern, während sie schlafen, wie viel mehr wird unser himmlischer Vater sich um seine Geliebten kümmern?
Herr, lehre uns den Schlaf des vertrauenden Ruhens.
Söhne und Väter
Ich habe bisher nicht erwähnt, wer diesen Psalm geschrieben hat: Salomo. Er, als Autor, ist aus zwei Gründen bedeutsam.
Erstens war Salomo nicht nur ein Vater, sondern auch ein Sohn – konkret der erste Sohn, den Gott in 2. Samuel 7 verheißen hatte. Er war Gottes erste Antwort auf Davids Gebet, sein Haus zu festigen (2. Samuel 7:25.29): Der Herr baute das Haus (den Tempel) durch Salomo.
Aus dieser Perspektive ist der Psalm ein Ausdruck der Dankbarkeit. Der Herr baute das Haus, den Tempel. Und der Herr wachte über die Stadt – er schenkte Israel Ruhe vor den Feinden, während Salomo an der Macht war (2. Samuel 7:11). Deshalb kann Salomo als Vater hoffen, weil er Gottes Treue zu ihm als Sohn erlebt hat. Vielleicht sollten auch wir junge Väter dies beachten und Gott zunächst als Sohn preisen, bevor wir ihn als Vater bitten.
Zweitens war Salomo nicht nur der Mann, der den physischen Tempel baute. Er war auch der erste Stein im geistlichen Tempel – der erste Stein im Haus Davids, die erste Schicht im Fundament der Linie, die zu Christus führen würde.
Wenn wir diesen Psalm mit Blick auf Christus lesen, sehen wir Gottes Bundestreue im größeren “Haus Davids”, welches durch den größeren “Sohn Davids” erbaut wurde. Wir haben in Psalm 127 nicht nur Hoffnung für unsere eigenen Haushalte aufgrund von Gottes allgemeiner Souveränität; wir haben Hoffnung auf ein besseres Haus durch Jesus, Gottes Sohn.
Strebe ich danach, eines Tages ein eigenes Haus zu besitzen? Als von Gott eingesetzter Versorger – unbedingt. Aber ich ruhe in einem Messias, nicht in einer Hypothek. Ich freue mich, dass er sein Haus gebaut und dort einen Platz für mich bereitet hat. So sehr ich mich auch darauf freue, für meine Kinder ein Zuhause zu schaffen, noch viel mehr freue ich mich in Hoffnung und Glauben darauf, sie einmal an der himmlischen Wohnung zu begrüßen und zu ihnen zu sagen: “Willkommen zu Hause”.
Gesegnet sei dein Haus
Wenn Schlaf das Gegenmittel für ängstliche Mühsal ist, dann ist dankbare Mühe das Gegenteil davon.
Der Zimmermann gibt sein Projekt nicht auf, noch der Wachmann seinen Posten; sie tun ihre Arbeit gerne, dankbar für die Gelegenheit, etwas zu bauen oder etwas zu beschützen. Dankbare Mühe beginnt mit der Anerkennung von Gottes guter Fürsorge. Wir beginnen mit Vertrauen und arbeiten mit Dankbarkeit. Unsere Arbeit ruht in seinem Wirken.
Kleine Kinder im Jugendalter sind Gottes größtes Geschenk an mich. Wenn er mir das große Geschenk der Kinder anvertraut hat, kann ich ihm auch in den kleineren Notwendigkeiten vertrauen. Aber mehr noch: Liebe junge Väter, wenn ihr entmutigt seid angesichts der gewaltigen Aufgabe, euer eigenes Haus zu bauen, freut euch, dass Gott sein Haus gebaut hat. Wenn er für seinen Messias gesorgt hat, kann er auch für seine Millennials sorgen. Also: Strebt danach in eine Ehe zu gehen, seht Kinder als Segen, arbeitet von Herzen in allen euren Bemühungen – und esst das Brot dankbarer Mühe.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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