John Owen über das Sterben in Frieden

Ab dem 26. September 1680 predigte John Owen drei aufeinanderfolgende Predigten über 1. Korinther 15:31 und legte dabei Pauls Aussage „Ich sterbe täglich“ aus. An manchen Stellen ist er dabei äußerst persönlich; er predigt gleichsam zu sich selbst und bereitet sich auf seinen eigenen Tod vor, der fast drei Jahre später, am 24. August 1683, eintrat. Er war sich auch anderer bedeutender Männer bewusst, die kurz zuvor gestorben waren: Thomas Goodwin (gestorben im Februar 1680), Stephen Charnock (gestorben im Juli 1680), Matthew Poole (gestorben 1679) und Theophilus Gale (gestorben 1678). Während der Zeit, in der Owen diese Predigten hielt, starb auch Thomas Brooks.

Owen erklärt Pauls Aussage „Ich sterbe täglich“ als ein Zeugnis für die Standhaftigkeit seines Glaubens an den Herrn Jesus Christus und an die Auferstehung der Toten. Dieser Glaube war es, der ihn durch alle Arten von Schwierigkeiten hindurchtrug. Er kommt zu dem Schluss, dass es die Pflicht aller Gläubigen sei, sich darauf vorzubereiten, froh und getrost zu sterben. Er stellte fest, dass sich dieser Glaube äußerlich in den verschiedenen Umständen und Ursachen des Todes zeigen werde, die der Vorsehung Gottes überlassen sind, sowie auch innerlich. Doch im Inneren werde dieser Glaube nicht immer sichtbar.

Anschließend erklärt er drei wesentliche Punkte, von denen er den ersten in den ersten beiden Predigten behandelt. Von vorrangiger Bedeutung ist die ständige Übung des Glaubens im Hinblick darauf, unsere scheidenden Seelen in die Hand und den souveränen Willen Gottes zu legen. Wenn die Zeit kommt, werden wir in eine unsichtbare Welt eintreten. Über diese Welt wissen wir nichts, außer dem, was Gott in seinem Wort offenbart hat. Die Heiligen Gottes glauben, dass Gott eine mächtige Kraft entfalten wird, wenn wir in diese unsichtbare Welt eingehen. Sie ergeben sich der souveränen Gnade Gottes, seiner Macht, seiner Weisheit, seinem Wohlgefallen, seiner Barmherzigkeit und seiner Treue. Das größte Beispiel einer solchen Ergebung sehen wir im Herrn Jesus Christus, als er mit lauter Stimme rief: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ (Lukas 23:46).

Owen geht auf die Ängste unserer Herzen ein, auf die Unsicherheiten und die Dunkelheit im Blick auf die Zukunft sowie auf den Widerwillen, den wir gegenüber der Auflösung unseres Leibes empfinden. Doch er sagt, all dies müsse gegen Gottes Fähigkeit abgewogen werden, uns aufzunehmen und bis zu jenem Tag zu bewahren und uns besser zu sein als all diese Dinge, die uns zu Fall bringen wollen.

In der zweiten Predigt unterstreicht er den besonderen Charakter dieser Pflicht und betont, dass es unsere Verantwortung ist zu prüfen, ob wir diesen Glauben an die Macht Gottes besitzen. Er verweist seine Hörer auf Psalm 31:6 (die Worte, die Christus am Kreuz gebrauchte) und fragt, was dem Psalmisten Zuversicht gab. Mit Bezug auf Psalm 16:1–2 und Psalm 31:15–16 zeigt er, dass der Glaube die erlösende Gnade ergreift, die durch die Wahrheit der Verheißungen Gottes vermittelt wird. Der Glaube bedenkt Gottes Fähigkeit, die Seinen zu bewahren, wenn sie in die unsichtbare Welt eingehen (2. Timotheus 1:12), sowie die Treue Gottes (1. Petrus 4:19). Weiter erklärt er, dass dies ein „Anvertrauen“ und „Übergeben“ unserer Seele an Gott ist, indem wir sie Gott zur treuen Verwahrung überlassen. Dies soll ausdrücklich geschehen, wie bei David und beim Herrn Jesus in den bereits betrachteten Schriftstellen. Owen hält daran fest, dass dies täglich geschehen soll, damit die Souveränität, Macht und Treue Gottes stets in unseren Gedanken und Herzen an erster Stelle bleiben. Dies allein wird uns tragen, was immer wir vor unserem Tod auch erleiden mögen. Die einzigen Menschen, die dies tun können, sind diejenigen, die eine klare Gewissheit über ihren Anteil an Christus und eine klare Sicht auf die ewigen Dinge haben. Sie und nur sie sind fähig, sicher und getrost zu sterben.

Die dritte Predigt beginnt mit einer Frage und endet mit einer Warnung. Owen fragt, ob wir bereit und willig sind zu sterben. Als wahrer Seelsorger geht er auf die natürliche Abneigung der Seele gegen das Sterben ein. Er erwähnt Menschen, die im Grunde sagen: „Ich wäre gern tot, aber ich möchte nicht sterben.“ Er erklärt diese Abneigung: Die Seele hat nie ohne den Leib handeln müssen. Der Tod löst die Verbindung von Leib und Seele auf. Als Gott uns schuf, gab es zwei getrennte göttliche Handlungen: Zuerst formte er den Leib aus Staub, dann hauchte er den Atem des Lebens in die Nase. Eine neue Vereinigung von Leib und Seele wird es erst bei der Auferstehung geben.

Im Moment des Todes wird Christus unsere Leiber befreien, doch wir sterben nicht wie die Tiere. Unser erstes Verlangen ist es, „weiter überkleidet zu werden“ (2. Korinther 5:4). Doch es ist nicht Gottes Weg, dies im Tod zu tun. Vielmehr bringt er uns an den Punkt, an dem wir bereit sind, uns von unserem Leib zu trennen. All unsere Bemühungen im irdischen Leben, die Sünde aus uns zu entfernen, scheitern. Der Tod ist Gottes Läuterungsofen, der Weg, wie er uns reinigt. Wir begehren, aufzubrechen und bei Christus zu sein (Philipper 1:21), doch zuvor muss die Sünde im Leib durch den Tod selbst ausgerissen werden. Wir müssen zum Staub zurückkehren. Owen schließt: „Es gibt keinen Stachel im Tod, keine Finsternis im Grab … sondern ein Niederlegen in die Hände des großen Läuterers, der dich reinigen, läutern und wiederherstellen wird.“

Seine letzten Worte bilden eine Warnung. Lasst nicht zu, dass euch der Tod überrascht und euch überkommt, während ihr euch in einem falschen geistlichen Zustand des Herzens befindet. David fiel aus einem guten Zustand heraus, gewann aber seine Kraft wieder (Psalm 39:14). Owen spricht über einige der Schwierigkeiten, denen wir begegnen, die Welt, Versuchungen und Selbstliebe. Es ist allzu leicht, menschliche Beziehungen überzubewerten. Was ist nötig? Eine aktive Betrachtung und ein beständiger Blick auf das, was droben ist, also die Bewahrung einer geistlichen Gesinnung. Wenn wir diese Dinge vernachlässigen, wird uns der Tod unvorbereitet antreffen und überraschen. Owen ermahnt uns, dafür zu beten, dass Gott unseren Geist durch seinen Heiligen Geist aufrechterhält.

Owens persönliche Ernsthaftigkeit tritt in einigen seiner abschließenden Bemerkungen deutlich hervor: „Mit einfachen Worten: Ich spreche zu sterbenden Menschen, die nicht wissen, wie bald sie sterben werden. Möge Gott mein eigenes Herz unterweisen, dass ich arbeite und wache, damit der Tod mich nicht ohne einen Blick auf die ewigen Dinge antrifft! Wenn es so wäre – wenn unser Bauch am Staub klebt und unsere Augen zur Erde gerichtet sind; wenn wir mit anderen Dingen erfüllt sind und der Tod naht – meint ihr, es werde eine leichte Sache sein, eure Gedanken und Zuneigungen zu sammeln, um ihm zuzustimmen und ihn willkommen zu heißen? Ihr werdet feststellen, dass es nicht so ist“ (Gospel Life, S. 236–237).

Dieser Artikel erschien erstmals in der Dezemberausgabe 2023 des Banner of Truth Magazine, Ausgabe 723. Ausgabe kaufen oder abonnieren.

Das Titelbild (sichtbar, wenn der Artikel in sozialen Medien geteilt wird) ist Henry Brights On the Norfolk Broads (Yale Centre for British Art, gemeinfrei).

Die oben genannten drei Predigten können in Gospel Life gelesen werden, einem Puritan Paperback, das einen Teil des Materials aus Band 9 von The Works of John Owen enthält.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Banner of Truth. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
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