„Keine Einäscherung — aber soll ich meinen Körper der Wissenschaft spenden?

Einige Nachfragen zu deinem Artikel zur Einäscherung.

Niki schreibt: „Hallo Pastor John, mit Interesse las ich deinen Artikel „Sollten Christen ihre Geliebten einäschern?“. Meine Mutter, eine Christin, möchte, dass ihr Körper nach dem Tod der Wissenschaft gespendet wird, da sie ihn ja nicht mehr brauche.“

Laura in St.Paul, Minnesota: „Pastor John, danke für deinen letzten Artikel über die Einäscherung im Vergleich zur Erdbestattung und über die Würde des menschlichen Körpers. Da ich in Biologie und Medizin studiert bin kann ich die Notwendigkeit menschlicher Leichname in der Ausbildung nur bestätigen. Was würdest du jemanden empfehlen, der darüber nachdenkt, seinen Körper der Wissenschaft zu spenden, zum Beispiel in ein Anatomie- Programm? Und wenn die Würde des menschlichen Körpers dagegenspricht, den Leichnam der Wissenschaft zu spenden, wäre das nicht auch ein Argument gegen das Spenden von Organen und Gewebe?“


Das ist eine sehr gute Frage, eine wichtige Frage und im Moment sogar eine aktuelle Frage. Denn vor einigen Wochen war ich auf der Beerdigung einer meiner liebsten Menschen, und ich wusste nicht, was sie geplant hatte. Der Leichnam war nicht da, also fragte ich eine ihrer engsten Freunde. Sie ist in ihren Achtzigern und hat ihren Körper der Wissenschaft gespendet. Also ist das Thema für mich relevant und aktuell. 

Der Grund, dass die im Menschen liegende Würde, die sich darin gründet dass Gott Schöpfer ist und darin, dass der Mensch zur Auferstehung gedacht ist, in meinem Artikel über Einäscherung moralisch wichtig ist, liegt daran, dass es eine Entscheidung zwischen der Verbrennung und der Begabung des Körpers gibt. Das ist die Wahl, um die es mir ging. Das war das Thema um das es ging. Ich halte es für ein wichtiges Thema, möchte seine Bedeutung aber auch nicht über das rechte Maß hinaus erhöhen. Das Verbrennen hat keine biblische Verbindung, die wir uns in Erinnerung rufen wollen, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Das ist eine meiner großen Sorgen. Im Gegensatz dazu hat das Beerdigen eine heilende und erlösende Bedeutung, wie zum Beispiel der Samen, der sprießt und in der Auferstehung in herrlicher Blüte aufgehen wird. Es gibt also positive und negative Assoziationen beim Einäschern oder Beerdigen. 

Nun ist die Frage: Ist die Spende an die Wissenschaft oder zur medizinischen Ausbildung ein neuer, moralischer Faktor, den ich meinem Artikel nicht behandelt habe? Die Antwort ist: Ja. Der erste Unterschied ist, dass das Spenden des Körpers zum Studium oder zur medizinischen Übung nicht zum Ziel hat, einfach eine Leiche zu verbrennen wie bei der Einäscherung. Die Einäscherung ist ein Weg zur Entsorgung des Körpers. Das ist Einäscherung. Es entsorgt einen toten Körper. Dies ist jedoch nicht das Ziel beim Spenden der Leiche an die Wissenschaft. 

Es kann sein, dass bestimme Teile des Körpers von den Wissenschaftlern verbrannt werden. Ich weiß es nicht. Ich habe in dem Bereich keine Nachforschungen angestellt, und ich weiß nicht, was mit den Leichen geschieht, wenn sie Ihren Nutzen erfüllt haben. Aber selbst wenn sie auf dieser Art und Weise entsorgt werden- was ich nebenbei bemerkt nicht befürworten würde, wenn ich Teil der Forschungen wäre- ist die Verbrennung der Leiche nicht das Ziel der Körperspende. Es geht nicht darum, dass der Körper verbannt wird. Das ist der erste große Unterschied. 

Der zweite Unterschied ist, dass das Spenden des toten Körpers an die Forschung zum Ziel hat, den erstaunlichen Körper zu ehren. Das ist jetzt etwas ironisch, ich denke, das verstehen wir alle. Sich selbst einer scheinbaren Entwürdigung hinzugeben, die die Zergliederung des Körpers vor vielen Menschen nun mal ist, dient paradoxerweise dazu, die Würde des Körpers zu erhöhen, den man zur scheinbaren Entwürdigungen gespendet hat. 

Betrachten wir einmal ein paar Ähnlichkeiten, zum Beispiel die Ähnlichkeit zur Organspende. Wenn du dich aufschneiden lässt, um ein Organ, sagen wir eine Niere, herauszunehmen, ist das höchst unnatürlich und in einigen Kulturen oder Situationen würde es als Folter gesehen werden. Igitt. Aber dein Motiv ist deine Niere deiner Schwester zu spenden um das Leben ihres Körpers zu retten. Genau das ändert alles über unsere Ansicht über das Aufschneiden und das Herausnehmen der Organe. 

Das gleiche gilt, wenn man einen toten Körper der Erniedrigung der Zergliederung aussetzt. Es ist einfach sich vorzustellen, folgende Ansicht zu haben: Die Sichtweise gab es schon immer und in der frühen Geschichte war es ekelig und böse und aus einer verwerflichen Motivation heraus, den Leichnam auszugraben und an ihm herumzuschneiden. Igitt. Es kann so gesehen werden.  Aber wenn man bedenket, dass das Zeil der Entdeckung und Verbesserung der Heilkünste dient oder zur Ausbildung der Doktoren beiträgt, dann nehmen die sogenannte Entwürdigung eine Art Schönheit an, angesichts der Tatsache, dass es der Würde des menschlichen Körpers dient. 

Hier ist eine andere Ähnlichkeit über die ich sprach. Diese berührt mich am meisten. Man kann in diesem Punkt Ähnlichkeiten zu dem Körper Christi ziehen. Sicherlich war der menschliche Körper Christi nicht dazu geschaffen worden, gefoltert, gepeitscht und zerrissen zu werden und an das Kreuz genagelt zu werden wie ein Stück Fleisch. Aber alle dieser Entwürdigungen nahm Christus auf sich. Er wählte sie. Er unterwarf sich ihnen. Er gab sich selbst hin, nicht nur zur Rettung unsere Seelen, sondern auch dazu, dass unsere Körper vom Tod auferstehen können- und alle Erniedrigungen durch Krankheit, Tod, Folter überwunden werden, weil Christus seinen Körper gab. 

Hier ist die Lösung. Ich würde die Spende, die so motiviert ist, nicht in dieselbe Schublade stecken wie die Einäscherung. Was mich zu einer anderen, drängenden Frage führt, die Nikki nicht gestellt hat, aber geklärt werden muss: Sollen demnach alle von uns ihre Körper nach dem Tod an die Wissenschaft spenden? Meine kurze Antwort ist: Nein. Das ist, was ich denke: Da sind viele Familien Umstände, die bedacht werden müssen. Zum Beispiel wenn kleine Kinder involviert sind, die ein Elternteil verloren haben und den Prozess des Todes anders verarbeiten müssen, als wenn sie wissen dass der Leichnam an einer Universität zerlegt wird. Ein Grab zum Besuchen zu haben, kann manchmal sehr, sehr wichtig sein. 

Das Prinzip, das uns leiten könnte, wäre folgendes: Gibt es einen so offensichtlichen Mangel an Leichen, dass das versprochene Gute, das aus ihrer Nutzung entsteht, ernsthaft gefährdet wäre durch meine Weigerung zu spenden? Ich glaube nicht, dass dies der Fall ist. Hier ist das Prinzip: Je enger die Verbindung zwischen der Dringlichkeit des Bedarfs in der Medizin und der Unmittelbarkeit meiner Entscheidung zu geben oder nicht zu geben ist, desto größer ist die Verpflichtung zu spenden.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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