Kritik an DBK-Papier zur Vielfalt sexueller Identitäten

Mehrere deutsche Bischöfe haben Kritik an dem von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Dokument „Geschaffen, erlöst und geliebt. Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule.“ geäußert. Nachdem der Passauer Bischof Stefan Oster eine ausführliche Stellungnahme vorgelegt hatte, schlossen sich am 14. November 2025 auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki seiner Kritik an. Dies teilten die offiziellen Webseiten beider Bistümer mit.

Das Dokument empfiehlt einen wertschätzenden und offenen Umgang mit queeren Menschen an katholischen Schulen. Neben einer humanwissenschaftlichen Bestandsaufnahme zur Situation queerer Jugendlicher formuliert es konkrete Anregungen für pädagogische Praxis und Schulkultur.

Bischof Oster erkennt in dem Text zwar ein ernst gemeintes Bemühen um die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen und ausdrücklich auch von Menschen, die sich als queer identifizieren (S. 5). Gleichzeitig sieht er jedoch zentrale theologische Fragen nicht ausreichend berücksichtigt.

Unter der Überschrift „Glauben wir noch, was wir glauben?“ kritisiert Oster, der Begriff „Identität“ werde nahezu ausschließlich sexual- und geschlechterbezogen verstanden, ohne das christliche Verständnis von Identität einzubeziehen. Die Schule erscheine im Dokument lediglich als „Geburtshelferin“ (S. 2), die eine bereits angelegte Identität lediglich freilegen müsse. Dies vermittle aus seiner Sicht den Eindruck, Erlösung werde in den Schöpfungsakt vorverlegt und jeder Mensch sei bereits im geschaffenen Zustand vollständig „in Ordnung“ (S. 3f.). Dem hält Oster entgegen, dass der Mensch theologisch gesehen auch ein „gebrochenes, desintegriertes Wesen“ (S. 3) sei. Erst ein „Leben mit Christus“ (S. 4) führe zu tieferer Integration der eigenen Persönlichkeit und zu innerem Frieden.

In dieser anthropologischen Grundfrage siehtOster eines der Hauptprobleme des Synodalen Weges: Das sakramentale Verständnis von Menschsein stehe seiner Ansicht nach auf dem Spiel.

Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Wenn auch auf dem Umschlag der Broschüre steht: ‚Die deutschen Bischöfe‘, dann spricht der Text trotzdem nicht in meinem Namen.“ (S. 5) Dieser Einschätzung haben sich nun auch Voderholzer und Woelki öffentlich angeschlossen.

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