Ich erwachte in einem dunklen Wald. Geister huschten durch die Schatten, und der Tod machte leichte Beute unter den Menschen.
Wie sollte irgendjemand den schmalen Pfad der Sicherheit in einer so ungläubigen Welt finden? Mann, Frau und Kind stiegen über die Erschlagenen hinweg ins Grab hinab, einer nach dem anderen.
Der Wald trug den Namen Ohne Hoffnung und Ohne Gott. Ich hörte das Seufzen, Stöhnen und Schluchzen der bereits Verurteilten. Sie klagten:
„Wir hoffen auf Licht, und siehe, da ist Finsternis,
auf Helligkeit, doch wir wandeln im Dunkel.
Wir tasten an der Wand entlang wie Blinde,
wir tasten wie Menschen ohne Augen;
wir stolpern am Mittag wie in der Dämmerung,
mitten unter den Lebenden sind wir wie Tote.
Wir brummen alle wie Bären
und gurren und stöhnen wie Tauben;
wir hoffen auf Recht, doch da ist keines,
auf Rettung, doch sie ist fern von uns.“
(Jesaja 59:9–11)
Wie können solche Menschen gerettet werden?
„Ihr seid das Licht der Welt“, flüstert eine Stimme durch die Bäume. Zu wem spricht sie?
Ja, jetzt wo ich genauer hinsehe, erkenne ich kleine Lichtblicke in der Dunkelheit. Drei Lichter vor mir verhalten sich auf seltsame Weise.
Das erste, ein Herr namens Allzu Ängstlich, hatte sich unter einem Korb verborgen.
Ich: Entschuldigen Sie, mein Herr, ich glaube, die Stimme, die eben sprach, meinte vielleicht Sie?
Allzu Ängstlich: Mein lieber Freund, Sie verwechseln mich wohl. Ich bin nur ein Baumstumpf dieses Waldes wie jeder andere auch.
Ich: Aber mein Herr, obwohl Sie unter einem Korb verborgen sind, sehe ich doch Lichtstrahlen durch das Geflecht dringen. Dieser Wald braucht Licht, mein Herr. Wollen Sie uns nichts von Ihrem Licht geben?
Allzu Ängstlich: Ich nehme an, Sie haben recht. Mein Meister hat mich angezündet und anders gemacht als die anderen, zumindest anders als den, der ich einmal war. Ja, vielleicht waren diese Worte tatsächlich an mich gerichtet.
Ich: Sehr gut, mein Herr. Dann lassen Sie mich diesen schweren Korb von Ihrem Rücken nehmen, damit Sie für die Wanderer nützlicher sein können.
Allzu Ängstlich: Hände weg, mein Herr! Ich würde hell leuchten, wirklich, aber wenn Sie nur wüssten, wie diese Wanderer in diesem trostlosen Wald mit dem Licht umgehen, würden Sie niemals verlangen, dass ich meinen Korb ablege. Wenn sie dem Licht freundlich gesinnt wären, würde ich wie die Sonne strahlen. Aber diese Menschen hassen das Licht und kommen nicht ans Licht, damit ihre Taten nicht aufgedeckt werden. Stattdessen misshandeln sie Lampen, verspotten Laternen und löschen Dochte aus, sie sind böse. Vielleicht hat der Meister andere Leuchten, die mutiger sind. Es tut mir leid.
Als ich weiterging, sah ich ein zweites Lichtbündel, verborgen hinter einem Busch. Sein Name war Herr Allzu Bescheiden.
Ich: Mein Herr, ich konnte nicht umhin, Ihren kleinen Schein in dieser Welt voller Mitternacht zu bemerken. Aber warum, wenn ich fragen darf, kauern Sie hinter diesem Busch? Ich sah ein Stück weiter hinten an der Straße einen Leuchter. Wenn Sie darauf steigen würden, könnten Sie in diesem Wald von großem Nutzen sein. Darf ich Ihnen helfen, den höheren Platz einzunehmen?
Allzu Bescheiden: Ich erröte über Ihre Schmeichelei, mein guter Mann, aber ich muss ablehnen.
Ich: Darf ich fragen, warum Sie sich weigern würden, denen zu helfen, die in der Dunkelheit sterben?
Allzu Bescheiden: Ich strebe nicht nach Bedeutung, junger Mann. Versuchen Sie nicht, mich mit Ehrenplätzen zu verführen, denn ich habe den niedrigen Platz gewählt, hier, hinter diesem Busch.
Ich: Tiefer als auf dem Boden kann man wohl kaum kommen. Aber haben Sie nicht vorhin die Stimme gehört, die sagte: „Ihr seid das Licht der Welt“? Doch Sie scheinen eher das Licht dieses Busches zu sein.
Allzu Bescheiden: Lange Gebete an Straßenecken gibt es von mir nicht, nein mein Herr. Die besten Lichter sind nicht dafür bestimmt, von Menschen gesehen zu werden. Mein Vater sieht im Verborgenen, und dort leuchte ich allein für seine Augen.
Ich: Aber sagte die Stimme nicht auch, dass Lampen nicht hinter Büschen versteckt werden sollen, sondern auf einen Leuchter gestellt werden, damit sie allen im Umkreis Licht geben? „Lasst euer Licht vor den Menschen leuchten“, so lauteten die Worte, glaube ich. Sollten Lampen sich vor den Augen derer verbergen, denen sie Licht bringen sollen?
Ist es nicht vielmehr demütig, so hell wie möglich zum Wohl möglichst vieler zu leuchten, mit dem Ziel, dass alle es sehen „und euren Vater im Himmel preisen“? Gute Werke und gute Worte dienen dem Wohl anderer und der Ehre eines Anderen.
Allzu Bescheiden: Fast überzeugend, mein Herr. Ich hoffe lediglich auf bescheidenes Gutes für einige wenige Bescheidene und kümmere mich nicht um Erhöhung auf irgendeinen anderen Platz. Ich würde mir niemals anmaßen, vielen ein Segen zu sein. Hinter diesem Busch in die Erde gepflanzt, bleibe ich niedrig, wenn auch vielleicht nicht nützlich. Erhöhte Menschen sind gefährdete Menschen. Gute Nacht.
In Gedanken verloren und über Grabsteine stolpernd kam ich schließlich zum dritten Licht, einer Kerze namens Lord Zu Faul.
Ich: Mein Herr, ich freue mich sehr, Sie an einem angemessenen Platz gefunden zu haben! Ich hatte gerade ein ziemlich seltsames Gespräch mit jemandem, der sich weigerte, seinen Platz einzunehmen. Darf ich dennoch fragen, warum Sie so schwach brennen? Offen gesagt wusste ich nicht, dass jemand so matt flackern und trotzdem noch brennen kann. Aus der Ferne konnte ich Sie kaum erkennen, und selbst aus der Nähe sehe ich mehr Rauch als Flamme. Darf ich Sie aus diesem Glimmen heraus anfachen?
Zu Faul: Nein, mein lieber Junge, Ruhe und Entspannung sind am Ende die strategischste Vorgehensweise. Andere sprühen und lodern und vergehen dann wie Sternschnuppen. Sie brennen aus, weil sie zu schnell auflodern und weit über das Maß vernünftiger Zurückhaltung hinaus strahlen.
Ich: Aber mein Herr, Sie wirken beinahe schon erloschen. Was ist mit dem Wohl anderer?
Zu Faul: In den Augen übermäßig ehrgeiziger und gesetzlicher Menschen sieht eine ausreichende Flamme immer verbraucht und rußig aus. Solche Leute erwarten von einem Menschen, dass er sich freiwillig rasch verzehren lässt und bald nur noch eine geschmolzene Wachspfütze, „zum Wohl anderer“, ist. Kerzen sind nicht dazu bestimmt, sich selbst auszubrennen oder zu kleinen Stummeln zu schrumpfen. Nein. Ich werde mich nicht bis zum Tod verausgaben, selbst nicht für das Wohl anderer. Das Gute, das ich gebe, ist ein lang lebendes Flackern.
Ich konnte nicht mehr antworten, denn genau in diesem Moment erwachte ich aus jenem düsteren Land.
Die Bibel lag noch immer geöffnet vor mir auf meinem Schreibtisch:
„Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“
(Matthäus 5:14–16)
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
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