Lieber Pastor,
Mir ist aufgefallen, dass die fröhlichsten Menschen in meinem Leben und meinem Dienst auch die dankbarsten sind, und dass freudige Menschen bei ihrem Dienst eine gewisse Frische erleben. Gottes Gnade ist ein Mittel, das über lange Zeit hinweg Frische schenkt.
Dankbarkeit für diese Gnade und die Freude, die sie hervorbringt, erfrischt uns ebenfalls in unserem Dienst. Nachdem Paulus davon gesprochen hatte, wie Gott ihm in einer äußerst schmerzhaften Erfahrung geholfen hatte, sagte er: „Gott aber sei Dank, der uns allezeit in Christus im Triumphzug mitführt und durch uns den Duft der Erkenntnis von ihm an jedem Ort verbreitet“ (2. Korinther 2:14). Er sagt, dass diejenigen, die vom Geist erfüllt sind, „allezeit für alles Gott Dank sagen“ (Epheser 5:20). An anderer Stelle ermahnt Paulus: „Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch“ (1. Thessalonicher 5:18). Wenn wir davon sprechen, den Willen Gottes zu tun, wie oft erwähnen wir dabei die Dankbarkeit!
In den drei genannten BIbelzitaten habe ich die Worte hervorgehoben, die zeigen, dass Dankbarkeit (und Lobpreis) jederzeit auf unseren Lippen sein sollen. Manchmal entsteht eine Haltung der Dankbarkeit erst, nachdem wir im Seufzen und Klagen mit Gott gerungen haben. Wir müssen die Gewohnheit entwickeln, mit Gott zu ringen, wenn Dinge schiefgehen, bis die Perspektive der Gnade in unser Leben durchbricht. Doch nach diesem Ringen wird Dankbarkeit folgen, sodass die bleibende Grundhaltung unseres Lebens eine dankbare Haltung gegenüber Gottes Gnade ist.
Freude
Die Emotion, die der Dankbarkeit zugrunde liegt, ist die Freude. Freude ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal eines Christen. Freude ist ein bedeutendes hebräisches Konzept, welches durch die vielen verschiedenen Begriffe sichtbar wird, die es dafür gibt. Das Alte Testament kennt dreizehn hebräische Wortstämme, die für verschiedene Aspekte der Freude verwendet werden1, was sich auf dreiundzwanzig oder mehr unterschiedliche Wörter für Freude ausweitet. Ebenso durchzieht das Thema der Freude das Neue Testament. Es beginnt mit der Ankündigung der Geburt Christi als „große Freude“ bringende gute Nachricht (Lukas 2:10), was schließlich dazu führt, dass unsere Botschaft Evangelium genannt wird, also gute Nachricht. Der britische Reformator, Bibelübersetzer und Märtyrer William Tyndale (ca. 1494–1536) brachte seine Begeisterung über das Evangelium im Vorwort zu seiner Übersetzung des Neuen Testaments zum Ausdruck. Er schrieb, dass das Wort Evangelium „gute, fröhliche, glückliche und freudige Botschaft“ bedeute, die das Herz eines Menschen froh macht und ihn zum Singen, Tanzen und Springen vor Freude bringt.2
Der christliche Zugang zum Leben
Die Zusammengehörigkeit der grundlegenden Aspekte des christlichen Lebensansatzes kann man gut mit einer Entdeckung beschreiben, die ich vor einigen Jahren gemacht habe, als ich mich mit zentralen griechischen Wörtern beschäftigte, die etymologisch auf dieselbe griechische Wortwurzel zurückgehen: char-.
- Das erste Wort ist charis, die Gnade, die uns das Heil schenkt und dazu führt, dass wir Kinder Gottes werden. Das betrifft die Frage der Identität: Wir sind Kinder Gottes.
- Diejenigen, die durch Gnade gerettet sind, empfangen auch Gaben, die sie zur Ehre Gottes einsetzen sollen. Das Wort für solche Gaben ist charisma. Das verleiht unserem Leben Bedeutung; wir haben eine Aufgabe von ewigem Wert.
- Wenn die tiefen Bedürfnisse nach Identität und Bedeutung gestillt sind, werden wir zufriedene Menschen, was sich in einer Haltung der Dankbarkeit ausdrückt. Das Wort für Dank ist eucharistia.
- Dankbare Menschen sind freudige Menschen. Das Wort für Freude ist chara.
- Aus der Kraft der Freude heraus sind wir fähig, freigiebig zu handeln. Dieses Wort lautet charizomai. Charizomai wird manchmal mit „vergeben“ übersetzt (Epheser 4:32; Kolosser 3:13). Gnade macht uns gnädig, sodass wir die Kraft haben zu vergeben.
Charis — Gnade
Charisma — Gabe
Eucharistia — Dankbarkeit
Chara — Freude
Charizomai — freigiebig geben, vergeben
Dienst ist also ein Überfließen der Freude, die Gott uns geschenkt hat. Das sehen wir in Jesu Worten in Johannes 15:11–13. Er sagt: „Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde“ (Johannes 15:11). Aus dieser Freude heraus haben wir die Kraft, uns dem selbstaufopfernden Dienst hinzugeben. Jesus fährt fort: „Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. Größere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben hingibt für seine Freunde“ (Johannes 15:12–13).
Freude verleiht uns Stärke
Dienst bringt viele Schläge mit sich. Die meisten Menschen im vollzeitlichen geistlichen Dienst erlangen weder großen Reichtum noch irdische Ehre. Aber wenn wir freudige Menschen sind, dann sind wir reich! Freude gibt uns die Kraft, Prüfungen zu bestehen und dem Leben mit einer zuversichtlichen Haltung zu begegnen. Beachten wir: Als Jesus davon sprach, den Jüngern seine Freude zu geben, stand er kurz davor, den schmerzhaftesten Tod zu erleiden, den ein Mensch je ertragen musste. Und doch blieb die Freude bei Christus, selbst als er sich auf seinen Tod vorbereitete.
Ich hörte einmal David Sitton, den Gründer von To Every Tribe Mission, eine Geschichte aus seinen Teenagerjahren erzählen. Ein neunzigjähriger Missionar sprach zu der Jugendgruppe seiner Gemeinde. Er war seit zweiundsiebzig Jahren Missionar gewesen. Zu Beginn seines Vortrags sagte der Missionar immer wieder dasselbe: etwa so: „Das eine möchte ich, dass ihr euch merkt. Ihr könnt alles andere vergessen, was ich sage, aber das dürft ihr nicht vergessen.“ Er wiederholte das mehrere Minuten lang, und die Jugendlichen wurden ungeduldig und wünschten sich, er würde endlich sagen, was er meinte. Schließlich sagte er es: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke. Wenn die Freude geht, geht auch die Stärke.“ Dann setzte er sich wieder! Er zitierte Nehemia 8:10: „Die Freude am HERRN ist eure Stärke.“
Paulus stellt die Freude als ein Gebot für den Christen dar. Er sagt: „Freut euch im Herrn allezeit! Noch einmal will ich sagen: Freut euch!“ (Philipper 4:4). Freude ist etwas, das wir aktiv und mit Ausdauer verfolgen müssen. Einmal sagte George Müller (1805–1898) in einer Neujahrsansprache: „Das Wohlergehen unserer Familien, der Erfolg unserer Geschäfte, unsere Arbeit und unser Dienst für den Herrn mögen die wichtigsten Dinge sein, um die man sich kümmern sollte; aber nach meinem Urteil ist der wichtigste Punkt, um den man sich kümmern sollte, folgender: vor allem anderen darauf zu achten, dass eure Seelen im Herrn glücklich sind.“ Er fuhr fort: „Andere Dinge mögen auf euch drücken; selbst das Werk des Herrn kann dringende Ansprüche an eure Aufmerksamkeit stellen“, aber die Verfolgung dieser Freude sei „von höchster und überragender Bedeutung … Tag für Tag solltet ihr bestrebt sein, dies zum wichtigsten Anliegen eures Lebens zu machen.“3
Die Freude am Herrn ist ein wunderbarer Schatz. Wir dürfen das Haus nicht ohne sie verlassen! Wenn wir diese Freude stets besitzen, werden wir eine positive Einstellung zum Leben haben. Dann ist es unwahrscheinlich, dass uns die Frische des Lebens und des Dienstes verlässt. Egal, was uns begegnet, die Wurzeln unserer Erneuerung und Kraft sind zuverlässig und unveränderlich. Ein täglicher Vorrat an Erquickung steht zur Verfügung, um uns begeistert für Leben und Dienst zu halten.
Müller begann im Alter von siebzig Jahren einen reisenden evangelistischen Dienst, den er bis zu seinem siebenundachtzigsten Lebensjahr fortsetzte. Während dieser siebzehn Jahre reiste er zweihunderttausend Meilen, wirkte in zweiundvierzig Ländern und predigte vor etwa drei Millionen Zuhörern. Diese Zahlen sind erstaunlich, wenn man bedenkt, dass dies vor der Zeit von Flugzeugen und Lautsprechersystemen war. Als jemand Müller nach dem Geheimnis seines langen Lebens fragte, nannte er drei Gründe. Der dritte war das Glück, das er in Gott und in seinem Werk empfand.4
Dieser Artikel ist adaptiert aus Joyful Perseverance: Staying Fresh through the Ups and Downs of Ministry von Ajith Fernando.
Fußnoten:
- Clinton E. Arnold, „Joy,“ The Anchor Bible Dictionary, hrsg. von David Noel Freedman (New York: Doubleday, 1992), 3:1023. ↩︎
- Ich habe dieses Zitat in zeitgenössischem Englisch wiedergegeben, aus Robert Mounce, „Gospel,“ Evangelical Dictionary of Theology, hrsg. von Walter Elwell (Grand Rapids, MI: Baker, 1984), 472. ↩︎
- Spiritual Secrets of George Mueller, ausgewählt von Roger Steer (Wheaton, IL: Harold Shaw, 1985), 111–112. Hervorhebung im Original. ↩︎
- George Mueller: Man of Faith, hrsg. von A. Sims (Privatverlag in Singapur durch Warren Myers), 51. ↩︎
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Crossway. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
Mehr Ressourcen von Crossway.
















Schreibe einen Kommentar