Mein sechsjähriger Sohn sitzt im anderen Kajak. Seine dünnen Arme strengen sich an; Schweiß klebt seine Locken an die Stirn. Er dreht den Kopf zurück, um zu sehen, wo ich bin, und ein Grinsen huscht über sein ganzes Gesicht. Dann werden seine riesigen braunen Augen ernst, und die langen Wimpern richten sich wieder auf das Wasser.
Ich habe ihm gesagt, dass er den Weg führen muss; er muss seine Mutter um die Landzunge herum zur Westseite des Campingplatzes führen. Sein ganzer Körper windet sich vor Freude darüber, die Rolle der Führung zu spielen.
„Mama, pass auf den Baumstamm auf!“, ruft er. Seine Stimme ist warm vor Freude, weil er etwas gefunden hat, wovor er mich warnen kann.
Mann im Werdegang
Wenn wir von Christus in Anspruch genommen werden, finden wir uns plötzlich mit einem neuen, perfekten Bruder wieder und einer großen Anzahl anderer Brüder, die nicht perfekt sind. Wie mein Sohn im anderen Kajak sind diese Männer alles Männer im Werdegang. Als Männer ruft Gott sie zu typisch maskulinen Formen von Initiative, Schutz und Aufbau (Genesis 2:15–19; Epheser 5:25–33) auf. Wenn alle Systeme gut funktionieren, werden Männer mit einem Verlangen nach Herausforderung geboren. Sie sehen harte Arbeit und Geschick als Weg zu Respekt, den sie sich von Herzen wünschen.
Als ich ein junges Mädchen war, war mein Vater der Prototyp für Männlichkeit. Seine freundliche Autorität, seine Neugier auf die Welt und seine Handfertigkeit legten den Standard fest. Später schaute ich mich um und bemerkte, dass es nicht nur Männer gab, sondern auch Jungen, die ich mit Staunen und Ehrfurcht beobachtete. Warum schienen sie so begierig darauf, neue Ideen aufzunehmen, unwegsames Gelände zu erkunden und so interessiert daran, Dinge zusammenzusetzen und sie zum Laufen zu bringen? Warum wirkten sie so entschlossen, miteinander zu konkurrieren und nach der Herausforderung Freunde zu sein? Ich machte mir in meinem Kopf Notizen wie eine Anthropologin.
Aber als ich älter wurde, lernte ich auch die dunkle Unterseite der Männlichkeit kennen. Initiative kann in lüsternes Greifen umschlagen. Stärke kann für Brutalität statt für Schutz eingesetzt werden. Aufbau kann in die „Aus“-Position umgeschaltet werden und Passivität, Torheit und faule Selbstgenügsamkeit hinterlassen.
Jetzt, als christliche Frau mit einigen Jahren auf dem Buckel, bin ich mir der Segnung gottesfürchtiger Männlichkeit und der Tragödie gescheiterter Männlichkeit bewusster denn je. Die Macht, die Frauen haben, das Männliche zu ermutigen und zu bekräftigen, ist mir klarer als je zuvor.
Frauen unter Brüdern
Die einzigartige Fähigkeit einer Frau, das Männliche hervorzurufen, überschneidet sich mit Paulus’ Gebot an alle Gläubigen in Philipper 4:8:
“Alles, was wahrhaftig ist, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, darauf seid bedacht.”
Wir sollen Kenner sein, klar und optimistisch, auf der Suche nach guten Dingen, über die wir in Gottes Welt nachdenken können. Wir trainieren unseren Verstand, liebenswerte und lobenswerte Dinge zu erkennen: Ein Junge, der seine Schwester über die Straße führt. Ein Mann, der dir die Tür aufhält. Dein Mann, der den Rasen mäht. Dein Pastor, der eine hervorragende Predigt hält. Indem du über „diese Dinge“ nachdenkst, trainierst du deine Augen, mehr von dem Guten in Männern zu erkennen, wie die Jagd nach einer bestimmten Wildblume im Wald, die du, einmal gefunden, plötzlich überall siehst.
Über das bloße Erkennen guter Dinge hinaus haben wir guten Grund, auch von ihnen zu sprechen. „Eure Rede sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt, sodass ihr wisst, wie ihr jedem einzelnen antworten sollt“, sagt Kolosser 4:6. Wenn wir zu Ungläubigen gnädig sprechen sollen, wie viel mehr zu Brüdern und Schwestern in der Familie Gottes? „Lasst uns nun, solange wir Zeit haben, an allen Gutes tun, am allermeisten aber an den Hausgenossen des Glaubens“ (Galater 6:10).
Wir sollten die Art von Frauen sein, die alle möglichen Menschen sehen und loben, Männer und Frauen gleichermaßen, Alt und Jung. Und dann können wir noch einen Schritt weitergehen und die besondere Gabe der Weiblichkeit entwickeln, das Männliche zu ermutigen und zu schmücken.
Wie man einen Mann im Werdegang ermutigt
Es gibt viele Wege, ein warmer Resonanzboden für Männer-im-Werdegang zu sein. Natürlich sieht die Verantwortung je nach Mann anders aus. Sie verändert sich, während wir durch die Kreise der Beziehungen in unserem Leben gehen.
Unsere Ehemänner stehen im ersten Kreis. Unsere Söhne und Väter im nächsten. Weiter draußen finden wir Mitchristen in unserer Gemeinde, Brüder, Schwäger, Onkel, Vettern, Neffen, unsere Lehrer und Schüler, Chefs und Kollegen. Fremde auf der Straße oder im Restaurant. Unseren Uber-Fahrer. Wir sind berufen, jeden dieser Männer zu lieben und sie auf ihrem Weg zu ermutigen, ihren Blick, wann immer möglich, auf die Berufung zu lenken, die sie als Söhne Adams erhalten haben. Wir wissen, dass Liebe „alles hofft“ (1. Korinther 13:7).
Sicherlich haben wir ihnen gegenüber nicht dieselbe Verantwortung. Zum Beispiel bin ich berufen, besondere Verantwortung für den Körper meines Mannes zu übernehmen (1. Korinther 7:4), was bedeutet, dass ich mit ihm ganz anders umgehe als mit irgendeiner anderen Person. Ich bin berufen, mich seiner Autorität zu unterwerfen (Epheser 5:21–24), seinen Haushalt zu führen (Sprüche 31; Titus 2:5), unsere Kinder zu lieben und bei ihrer Erziehung zu helfen (Titus 2:4) und ganz besonders auf die Art und Weise zu achten, wie ich mit ihm spreche (1. Petrus 3:1–6).
In letzter Zeit habe ich gelernt, dass das bedeutet, ihn Entscheidungen treffen zu lassen, ohne „hilfreiche“ Vorschläge hinzuzufügen, wenn sie nicht ausdrücklich gewünscht sind. Ich habe gelernt, dass es bedeutet, wenig oder nichts über seine harmlosen Fehler zu sagen. Es bedeutet, ihn mehr zu loben und zu danken als jeder anderen Person in meinem Leben. Wie Wasser, hilft es, Frucht in seinem Leben hervorzubringen – mehr Stärke, Fröhlichkeit und Mut.
Mit meinem Sohn spreche ich respektvoll und nutze kleine Gelegenheiten für eine “Trainingseinheit” von Eigeninitiative. Ich bitte ihn, mir eine Tür aufzuhalten, etwas aufzuheben, das ich „schwer“ nenne, oder über ein Essen zu beten. Das sind keine Akte der Unterwerfung unter meinen Sohn. Es sind Akte nachgeahmten Respekts, um sein junges und zerbrechliches Gefühl von Männlichkeit herauszulocken und zu fördern.
Den Männer in deinem Leben, denen du nicht direkt verantwortlich bist, kannst du dennoch Respekt zeigen und bestätigen, ja sogar die guten Dinge, die Gott durch sie wirkt, durch einen weiblichen Umgang hervorlocken. Suche und nimm Hilfe an, wo es angemessen ist. Frage nach Rat oder Informationen, von denen du weißt, dass bestimmte Männer sie geben können. Sag „Danke“ mit einem Lächeln.
Bete für die Männer in deinem Leben, lobe das Hervorragende in ihnen und lass die Lehre der Freundlichkeit jederzeit auf deiner Zunge ruhen. Durch deine weiblichen Bemühungen kannst du die Art von Atmosphäre schaffen, die männliche Anstrengung in dieser Welt lohnenswert macht.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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