Mahlzeiten sind Gotteszeiten, Gemeinschaft am Tisch pflegen

Mahlzeiten, Gemeinschaft, Gottes Zeiten

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„Essen gehen ist meine Liebessprache“ – das habe ich meinem Mann in den ersten Jahren unserer Ehe immer wieder gesagt. Ich war noch ungeübt in der Routine der täglichen Essenszubereitung und empfand diese Verantwortung als ziemlich überwältigend und manchmal auch entmutigend.

Mein ständiger Spruch war: „Essen schmeckt besser, wenn es jemand anders zubereitet.“ Meine mittlerweile legendären, in unserer Familie oft erzählten Kochpannen – wie die wunderschön aussehenden Brötchen, die mein frisch vermählter Mann bei Tisch wieder ausspucken musste – hielten mich lange davon ab, neue Rezepte auszuprobieren. Wer hätte gedacht, dass zu viel Natron, an sich köstlich aussehende Brötchen, völlig ungenießbar macht?

Aber meine mangelnden Kochkünste ließen den täglichen Bedarf an Nahrung nicht verschwinden; im Gegenteil, er wuchs mit jedem Kind das wir bekamen. Mit jedem Kind kam ein neuer Bauch, der gefüllt werden wollte, ein neuer Mensch, der wachsen sollte, und ein neuer, manchmal eigenwilliger Geschmack, den es zu formen und zu stillen galt. Essen zuzubereiten war kein Hobby, das ich bei Lust und Laune betreiben konnte – es war eine Notwendigkeit. Ich konnte sie entweder vernachlässigen und schlecht ausführen oder treu darin sein und dadurch für andere zum Segen werden.

Zu meiner großen Freude bewahrheitete sich: Übung macht den Meister – oder in meinem Fall, schafft es zumindest eine deutliche Besserung. Nach Jahren des Durchhaltens mit langweiligen Speiseplänen, einigen fantastischen neuen Gerichten und gelegentlichen Fehlschlägen begann ich, mich auf unsere gemeinsamen Abendessen zu freuen. Planen, Vorbereiten, Kochen, Tischdecken und Servieren wurden Ausdruck der Liebe zu den Menschen, die Gott mir anvertraut hat.

Als ich mich auf neue Gebiete wagte, war meine Kreativität am Esstisch nicht von Selbstdarstellung getrieben – nicht von dem Wunsch, mein Können oder meine Mühe zu zeigen. Sie war von Liebe getrieben – von dem Wunsch, ein Segen zu sein und unseren Tisch zu einem Ort der Freude und der schönen Erinnerungen zu machen.

Speise, die bleibt

Das Essen, das ich für unsere Familie zubereite, ist niemals für lange. Es wird verzehrt, gegessen und manchmal weggeworfen, wenn es zu lange im Kühlschrank steht. Jesus sprach zu seinen Jüngern von einer „Speise, die bleibt zum ewigen Leben, die der Menschensohn euch geben wird“ (Johannes 6:27).

Am täglichen Essen kommen wir nicht vorbei. Ohne tägliche Nahrung können wir nicht leben. Aber Jesus sagt, dass es eine Speise gibt, die noch wichtiger ist als alles, was auf unseren Esstisch kommt. Es ist eine bleibende Speise, eine Speise, die ewig hält. Und was ist diese Speise? Es ist Gottes Sohn. “Denn das Brot Gottes ist derjenige, der aus dem Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt.” (Johannes 6:33)

Es gibt eine Zutat bei unseren Familienmahlzeiten, die wirklich unverzichtbar ist: der Herr Jesus Christus. Wenn der Geist des Herrn Jesus an unserem Tisch gegenwärtig ist, wird selbst eine bescheidene Mahlzeit aus einfachsten, schlichten Zutaten wie Reis – oder sogar das kulturell am meisten verschmähte Essen wie z.B. ein McDonald’s Menü – zu einer Gelegenheit, Gott zu danken. “Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet.“ (1. Timotheus 4:4–5).

Wir bringen den Herrn Jesus an unseren Tisch, indem wir gemeinsam sein Wort aufschlagen, oder einfach die Ereignisse des Tages im Licht seines Wortes besprechen, oder einen Psalm oder ein Lied singen, das von den Wahrheiten seines Wortes erfüllt ist. So wie wir täglich physische Nahrung zu uns nehmen müssen, um zu überleben, so müssen wir auch täglich Gottes Wort „essen“, um geistlich zu leben. Und so wie unsere physischen Mahlzeiten dazu bestimmt sind, an einem Tisch in Gemeinschaft mit anderen eingenommen zu werden, so ist auch das Essen von Gottes Wort eine Familienmahlzeit – die gemeinsame Speise einer ewigen Gemeinschaft.

Kulinarische Siegel der Gemeinschaft

Es hat etwas Tiefgründiges, mit anderen an einem Tisch physischer Speise zu sitzen, denn es steht für eine tiefere Gemeinschaft. Paulus warnt sogar die Korinther, nicht mit einem Menschen zu essen, der sich zu Christus bekennt und doch beharrlich in offenkundiger Sünde lebt (1. Korinther 5:11–13). Gemeinsam als Christen zu essen, ist ein Zeichen unserer geistlichen Gemeinschaft miteinander.

Das bedeutet: Jedes Abendessen ist eine Gelegenheit, Kinder (ebenso Nachbarn, Freunde und Fremde) in eine Gemeinschaft Christi einzuladen, die zwischen Vater und Mutter besteht. Es ist eine Gelegenheit, physische Nahrung zu reichen, die nährt und erfreut, während wir zugleich die ewige Speise Christi anbieten, die für immer bleibt.

Wenn das nun wie ein utopisches Ziel klingt, wie eine christliche Version eines Norman-Rockwell-Gemäldes, dann möchte ich uns von dieser Illusion befreien. Familienmahlzeiten bestehen aus echten Menschen. Und echte Menschen kleckern, weinen, streiten und sind manchmal wählerisch. Aber: Übung macht den Meister – oder wenn nicht den Meister, dann schafft es zumindest eine deutliche Verbesserung. Meine Kochkünste sind nicht ohne viele Versuche, Fehler und Jahre voller Arbeit gewachsen.

Familienmahlzeiten werden nicht automatisch zu freudigen Momenten der Gemeinschaft, nur weil wir uns um 17:30 Uhr an einen schön gedeckten Tisch setzen. Gemeinschaft ist Arbeit. Sie erfordert Übung und Geduld. Sie bedeutet, “kurze Rechnungen” zu führen – kleine Sünden bekennen, um Vergebung bitten, Vergebung gewähren, eine falsche Haltung korrigieren, sich weigern, als Eltern träge oder nachlässig zu sein, wenn unsere Kinder liebevolle Erziehung brauchen. Gemeinsam physische Speise und die Speise aus Gottes Wort am Tisch zu teilen, ist eine mühsame, sich wiederholende, aber lohnende, gute Arbeit für die Ewigkeit.

Mahlzeiten zubereiten wie Gott

In einer Sache hatte ich in jenen frühen Jahren des Kochen-Lernens recht: Essen schmeckt tatsächlich besser, wenn es jemand anders zubereitet – zumindest dann, wenn diese Person kochen kann. Darum lieben Kinder das Essen ihrer Mutter. Darum ist es etwas Besonderes, wenn man in einem Restaurant von einem talentierten Koch bekocht wird. Und darum ist die Speise, die Gott selbst für uns bereitet – sein eingeborener Sohn, das Brot des Lebens – die beste Speise überhaupt.

Die Speise, die Gott zubereitet, entsteht ohne unsere Hilfe. Er lädt uns nicht zu einem Mitbring-Buffet ein. Wir bringen nichts mit außer unserem Hunger und unserer Not. Wir kommen an seinen Tisch voller Glauben, Hoffnung und freudiger Erwartung. Er lädt uns ein, an seinen Tisch zu kommen und schenkt uns die Gemeinschaft mit sich selbst und mit seinen Freunden. Er ist der Versorger; er ist der Zubereiter der ewigen Speise; er ist für immer der Ernährer von Leib und Seele. Und wir haben das Vorrecht, ihm ähnlich zu sein, wenn wir unsere Familien um den Tisch versammeln, um von der Arbeit unserer Hände zu essen und Anteil an der Versorgung und Gemeinschaft Christi zu haben.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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