Hast du dir Christi Himmelfahrt im Kalender markiert? Wie viele von uns haben überhaupt schon einmal von Christi Himmelfahrt gehört? Oder zumindest eine Predigt über Jesu Himmelfahrt gehört? Es ist unmöglich, die Bedeutung von Karfreitag, an dem Jesus für unsere Sünden starb, und Ostersonntag, an dem er von den Toten auferstand, zu überschätzen aber Jesu irdischer Dienst endete nicht dort.
Nach der Auferstehung lehrte Jesus seine Jünger vierzig Tage lang über das Reich Gottes (Apostelgeschichte 1:3), und dann wurde er in den Himmel „emporgehoben“ (Apg. 1:2.11). Das Kreuz und das leere Grab stehen im Zentrum der Evangeliumsbotschaft, die Jesu Nachfolger seit Jahrhunderten verkündigen (siehe 1. Korinther 15:1–4). Doch für viele evangelikale Christen und Gemeinden ist Jesu Himmelfahrt lediglich ein Nachgedanke nach Ostern und Karfreitag.
Hier möchte ich sechs Aspekte von Jesu Himmelfahrt beziehungsweise Erhöhung hervorheben, in der Hoffnung, dass dieses bedeutende Höhepunkt im Leben Jesu für dich nicht länger nur eine Randnotiz bleibt.
1. Jesus wirkt auch nach der Himmelfahrt weiter.
In Apostelgeschichte 1:1–2 lesen wir: „Den ersten Bericht habe ich verfasst, Theophilus, über alles, was Jesus angefangen hat zu tun und zu lehren bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde …“
Das kleine, aber wichtige Wort angefangen zeigt, dass Jesu Himmelfahrt nicht das Ende, sondern die Fortsetzung seines Wirkens als Herr und Messias markiert. Genau darum geht es in Lukas’ zweitem Buch: um die „Taten des auferstandenen Herrn Jesus“, die er vom Himmel aus wirkt, durch sein Volk, durch den Heiligen Geist zur Erfüllung von Gottes Absichten.
2. Der erhöhte Herr Jesus sendet seinem Volk den Heiligen Geist.
Nach seiner Auferstehung sagte Jesus zu seinen Nachfolgern: „Und siehe, ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch. Ihr aber bleibt in der Stadt, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe“ (Lukas 24:49). In seiner Pfingstpredigt erklärt Petrus: „Nachdem er nun zur Rechten Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat er dies ausgegossen, was ihr seht und hört“ (Apostelgeschichte 2:33). Gott hatte in Joel 3:1 (bzw. Joel 2:28) verheißen: „Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch“, und diese Verheißung erfüllt sich durch den erhöhten himmlischen Herrn Jesus.
Der aufgefahrene Herr sandte den Geist, damit er bei seinem Volk gegenwärtig ist (Johannes 14:16), damit er sie zur weltweiten Mission bevollmächtigt (Apg. 1:8; 4:31) und damit er Gläubige verändert, damit sie ein neues Leben führen, das ihren König widerspiegelt (Römer 8:9–11; 2. Korinther 3:18).
3. Jesu Himmelfahrt ist seine himmlische Thronsetzung als König.
Bei Jesu Himmelfahrt wird er als der wahre König der Welt eingesetzt. Nach dem Apostolischen Glaubensbekenntnis ist er „aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“. Jesus wird in einer Wolke in den Himmel aufgenommen (Apostelgeschichte 1:9–11), und Stephanus erklärt, dass er den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen sieht (Apg. 7:56). Diese Texte deuten darauf hin, dass Jesu Himmelfahrt die bedeutende Prophetie aus Daniel 7:13–14 erfüllt:
„Ich sah in den Nachtgesichten, und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie ein Menschensohn; und er gelangte zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gebracht. Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, damit ihm alle Völker, Nationen und Sprachen dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum wird niemals zerstört werden.“
Jesu Reich kann nicht zerstört werden und wird niemals vergehen! Nach Offenbarung 3:21 hat Jesus überwunden und sich mit seinem Vater auf seinen Thron gesetzt, wo er unaufhörlichen Lobpreis empfängt (Offenbarung 5:6–13). Jesus wird zur Rechten Gottes herrschen, bis alle Feinde unter seine Füße gelegt sind (Psalm 110:1; Apg. 2:34–35; 1. Korinther 15:25; Hebräer 1:13). So wurde Gottes Reich durch die Thronsetzung Jesu eröffnet. Er sitzt jetzt auf dem himmlischen Thron und wird wiederkommen, um sein Reich auf Erden zu vollenden, wie im Himmel, so auf Erden.
4. Jesu Himmelfahrt ist seine Rückkehr zum Vater
Vor und nach seinem Tod und seiner Auferstehung erklärt Jesus, dass er vom Vater gesandt wurde und zum Vater zurückkehren muss:
„Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“
(Johannes 16:28; vgl. 13:1.3)
Jesus sprach zu Maria: „Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“ (Johannes 20:17)
Es hat in der Geschichte der Welt keine süßere Wiedervereinigung gegeben als Jesu Rückkehr zu seinem Vater. Vielleicht ist das beste Bild dafür ein mutiger, verwundeter Soldat, der nach einem schweren Sieg zu seinen Geliebten heimkehrt. Jesus hat seinen Auftrag vollkommen erfüllt und den Vater auf der Erde verherrlicht. Bei seiner Himmelfahrt verherrlicht der Vater nun den Sohn im Himmel (Johannes 17:4–5). Das darf uns Mut machen: Jesu Heimkehr zum Vater bereitet den Weg für unsere Heimkehr, damit wir für immer bei Jesus sein dürfen (Johannes 14:2–4).
5. Der erhöhte Herr Jesus ist unser himmlischer Mittler und Hohepriester
Jesus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (1. Timotheus 2:5). Durch seinen Tod und seine Auferstehung schenkt er uns Vergebung, Rechtfertigung und Versöhnung mit Gott (Römer 4:25–5:1; 2. Korinther 5:18–21). Der erhöhte Herr Jesus ist jetzt im Himmel und tritt als unser wahrer Hohepriester und Fürsprecher für sein Volk ein (Römer 8:34; Hebräer 1:3; 7:25; 8:1; 1. Johannes 2:1).
Während seines irdischen Dienstes war Jesu Wirken geografisch begrenzt, er konnte nicht gleichzeitig in Äthiopien lehren und in China heilen. Jetzt aber wirkt er überall zugleich und hört die Gebete seiner Nachfolger unabhängig von Ort und Zeit.
Er kennt unsere Kämpfe und hat Mitgefühl mit unseren Schwächen und verspricht, zu tun, was wir in seinem Namen bitten (Johannes 14:13–14; Hebräer 4:15–16).
6. Der erhöhte Herr Jesus wird als König und Richter wiederkommen.
In Apostelgeschichte 1:11 erklären zwei Engel den Jüngern: „Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel auffahren sehen.“
Jesu Herrschaft im Himmel wird eines Tages vollständig auf der Erde sichtbar werden (Offb. 11:15; 19:10–16; 22:3). Genau darum beten wir, wenn wir sprechen: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ (Matth. 6:10) Bei seiner Wiederkunft wird der Herr Jesus göttliches Gericht ausüben. Er wird sein bedrängtes Volk rechtfertigen und seine Feinde richten.
Was das für unser Leben bedeutet
Zusammengefasst: Die Himmelfahrt wird oft übersehen, doch sie vollendet Jesu irdische Mission und zeigt seine Thronsetzung als himmlischer König. Jesus hat den Auftrag seines Vaters erfüllt. Jetzt regiert er mit aller Autorität und tritt mit vollkommenem Mitgefühl als unser Mittler und Hohepriester für uns ein.
Ich schließe mit vier Konsequenzen, die Christi Himmelfahrt, für unser Leben hat:
- Denke daran, dass Jesus jetzt als König regiert und weiterhin aktiv in unserer Welt und in unserem Leben wirkt.
- Lebe deshalb mutig, zuversichtlich und zielgerichtet als Diener des erhöhten Königs des Himmels. Deine Arbeit im Herrn Jesus ist nicht vergeblich (1. Kor. 15:58).
- Wenn du leidest, dann fasse Mut: Jesus ist deinem Kampf gegenüber nicht gleichgültig. Er selbst hat großes Leid getragen und ist deshalb der barmherzigste und verständnisvollste Ratgeber und Mittler. Bring deine Sorgen zu deinem erhöhten Herrn, der deine Gebete hört und mit aller Autorität des Himmels handeln kann.
- Hoffe auf eine herrliche Zukunft. Der erhöhte Herr wird als Richter und König wiederkommen. Er wird Ungerechtigkeit abschaffen, Leiden beenden, den Tod vernichten und sein Reich der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe aufrichten. Und das Beste daran: Wir werden für immer bei unserem König sein.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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