Nicäa I: die Gründe, Errungenschaften und Misserfolge

Einleitung

Das Konzil von Nicäa, das erste ökumenische Konzil,¹ wurde im Jahr 325 n. Chr. einberufen, um der Bedrohung durch die Lehren eines alexandrinischen Presbyters namens Arius zu begegnen, der behauptet hatte, der Sohn sei geschaffen worden und daher nicht von Ewigkeit her mit dem Vater gleich. Bevor wir jedoch seine Arbeit beurteilen, müssen wir den Konflikt in einen größeren Zusammenhang stellen.

An anderer Stelle habe ich zwischen der Lehre von der Dreieinigkeit und der Dreieinigkeit selbst unterschieden.² Gott ist von Ewigkeit her, und er ist immer Dreieinigkeit. Von Ewigkeit her ist er der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, ein unteilbares Wesen, drei nicht reduzierbare, selbstständig bestehende „Personen“. Er hat dies in der Schrift fortschreitend offenbart: im Alten Testament zunächst in verborgener Form, denn dort lag der überwältigende Schwerpunkt auf der Einzigartigkeit Jahwes im Kontext des Polytheismus der umliegenden Völker. Im Neuen Testament ist diese Wahrheit zwar meist implizit, aber allgegenwärtig und bemerkenswert selbstverständlich, was darauf hinweist, dass sie zum überlieferten Wissen der Kirche gehörte, ohne dass es einer Erklärung, Verteidigung oder besonderen Hervorhebung bedurfte.

Die Lehre von der Dreieinigkeit hingegen, also die ausgearbeitete Formulierung dessen, was die Kirche versteht, wie Gott sich selbst offenbart hat, wobei die Sprache gedehnt und verfeinert wurde, um die Wirklichkeit von Gottes Selbstmitteilung auszudrücken, entstand aus einer lang anhaltenden Auseinandersetzung mit dem biblischen Zeugnis. Zudem entwickelte sie sich als Antwort auf irrige Vorstellungen, die das Evangelium bedrohten.

Kurz gesagt: Die Bibel präsentiert uns keine formalisierten, wissenschaftlichen Lehrdefinitionen; diese Aufgabe ist der Kirche zugefallen, indem sie das Evangelium verteidigt und Irrlehren zurückweist.

Zwei abweichende Tendenzen

Bis ins frühe vierte Jahrhundert hinein gab es zwei potenziell abweichende Tendenzen, die das Verständnis der Kirche von der Dreieinigkeit beeinflussten. Die erste war der Modalismus, der die Unterscheidungen zwischen den drei Personen verwischte. Im dritten Jahrhundert vertrat Sabellius die Auffassung, dass der Vater, der Sohn und der Geist lediglich Erscheinungsweisen seien, in denen sich der eine Gott offenbare – wie ein Schauspieler, der verschiedene Rollen annimmt. Er behauptete, der eine Gott, der im Alten Testament Vater gewesen sei, sei im Neuen Testament Sohn geworden und habe nach Pfingsten die Kirche als Heiliger Geist geheiligt. Die drei seien aufeinanderfolgende Erscheinungsformen des einen, einpersonalen Gottes gewesen. Folglich sei Christus lediglich eine Erscheinung des einen Gottes gewesen, kaum anders als eine Theophanie, ohne eigene personale Identität. Nach dem Modalismus offenbarte Gottes Handeln in der Geschichte als Vater, Sohn und Heiliger Geist nicht, wer er in Ewigkeit ist; somit vermittle Christus uns keine wahre Erkenntnis Gottes. Darüber hinaus untergrub diese Auffassung Gottes Treue, denn wir könnten uns nicht auf ihn verlassen, wenn das, was er in Christus von sich offenbarte, nicht wirklich widerspiegelte, wer er von Ewigkeit her ist. Tertullian trat dem Modalismus in seiner Schrift Contra Praxeas entgegen. Später wurde Paulus von Samosata aus diesen Gründen auf dem Konzil von Antiochia im Jahr 268 verurteilt.

Am anderen Ende des Spektrums standen jene, die zwar die Unterscheidungen zwischen den dreien anerkannten, dem Sohn und dem Geist jedoch einen geringeren Rang zuschrieben. Sie betrachteten Gott als ein hierarchisches Wesen. Diese Sichtweise war damals weit verbreitet, denn die begrifflichen und sprachlichen Mittel fehlten, um zwischen der Weise zu unterscheiden, wie Gott einer ist, und der Weise, wie er drei ist. Das war eine instabile Situation, denn wenn Sohn und Geist nicht als wahrer Gott anerkannt würden, könnte das Evangelium nicht tragfähig verkündigt werden, denn wir hätten keine wahre Erkenntnis Gottes. Wenn Christus nicht uneingeschränkt Gott wäre, könnte er uns nicht retten; wenn der Geist ein Geschöpf wäre, wie könnte er uns verherrlichen? – so lautete die Gegenfrage.

Modalismus und Subordinatianismus waren Versuche, die Dreieinigkeit für die menschliche Vernunft verständlich zu machen. Am Ende bliebe entweder der eine Gott übrig, während Sohn und Heiliger Geist nur vorübergehende Erscheinungsformen wären, oder eine abgestufte Gottheit, in der Sohn und Geist “halbgöttlich” wären. Diese Mischung war eine Zeitbombe, die früher oder später explodieren musste. Das Hauptproblem bestand darin, die Einheit des einen Gottes mit dem Status Christi in Einklang zu bringen.

Arius

Plötzlich trat im Jahr 318 ein alexandrinischer Presbyter namens Arius auf den Plan, eine charismatische Persönlichkeit, bei Frauen beliebt und Verfasser dessen, was man heute wohl „Lobpreislieder“ nennen würde, angelehnt an Seemannslieder. Irrlehrer sind gewöhnlich populär, sonst würden sich ihre Ansichten nicht verbreiten; die Schrift jedoch stellt Treue über Dynamik.

Arius hinterließ nur wenige schriftliche Zeugnisse: ein Lied, ein oder zwei Fragmente, sodass wir seine Lehre größtenteils aus den Schriften seiner Gegner und aus den Beschlüssen von Nicäa kennen. Er vertrat die Ansicht, der Sohn sei nicht von Ewigkeit her mit dem Vater gleich, sondern aus dem Nichts ins Dasein gerufen worden und somit ein Geschöpf. Für Arius war Gott daher nicht von Ewigkeit her Vater, ebenso wenig wie ein Mann Vater ist, bevor er einen Sohn zeugt. Der Sohn hatte einen Ursprung, ex nihilo (aus dem Nichts). Es gab einen Zeitpunkt, an dem er nicht existierte; nun existiert er durch den Willen Gottes. Gott gebrauchte den Sohn als Mittler, um weitere Wesen zu erschaffen; so blieb Gott gewissermaßen auf Distanz zur Schöpfung. Folglich sei der Sohn ein anderes Wesen als der Vater, denn der Vater sei sein Gott. Jesu Aussage „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10:30) deutete Arius als harmonische Übereinstimmung im Willen, nicht als Wesenseinheit. Der Sohn war ein Helfer des Vaters, der auf dessen Befehl hin handelte. So blieb die Monarchie, die Einheit der Herrschaft Gottes, gewahrt, da der Sohn nicht wahrer Gott war und ist.

Dies stellte eine Bedrohung für das Evangelium dar. In Gottes Vorsehung war die Kirche nur wenige Jahre zuvor durch Konstantin legalisiert worden, sodass die Einberufung eines großen Konzils weniger problematisch war, als es zuvor gewesen wäre.

Das Konzil

Das Glaubensbekenntnis von Nicäa

Über die Verhandlungen des Konzils von Nicäa wissen wir nur wenig. Dort wurde Arius verurteilt und ins Exil geschickt. Eines wissen wir jedoch: Entgegen der populären Legende spielte Athanasius keine führende Rolle. Zwar war er als Sekretär Alexanders, des Bischofs von Alexandrien und Hauptgegners von Arius, anwesend, doch war er noch recht jung und wurde erst nach Alexanders Tod im Jahr 328 selbst Bischof.

Eines der wenigen Elemente, über die wir klare Informationen besitzen, ist das Glaubensbekenntnis.⁴ Dabei handelt es sich nicht um das, was wir heute das „Nicänische Glaubensbekenntnis“ nennen, dieses ist das Ergebnis des späteren Konzils von Konstantinopel im Jahr 381, auch wenn das Bekenntnis von 325 die Grundlage für die spätere Fassung bildete. Das frühere Bekenntnis lautet:

Wir glauben an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge;

Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, als eingeborener vom Vater gezeugt, das heißt aus dem Wesen (ousia) des Vaters, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch den alles ins Dasein gekommen ist, sowohl im Himmel als auch auf Erden; der um der Menschheit willen, und zu unserem Heil herabkam und Fleisch annahm und Mensch wurde, litt und am dritten Tag auferstand, in den Himmel auffuhr und wiederkommen wird, um die Lebenden und die Toten zu richten;

Und im Heiligen Geist.

Die aber sagen: „Es gab eine Zeit, da er nicht war“, und: „Bevor er gezeugt wurde, war er nicht“, und dass er aus dem Nichtsein ins Dasein gekommen sei, oder die behaupten, der Sohn Gottes sei aus einer anderen Hypostase oder einem anderen Wesen (ousia), oder er sei wandelbar oder veränderlich, diese verurteilt die katholische und apostolische Kirche.

Die Aussage, der Sohn sei „aus dem Wesen (ousia) des Vaters“, war eine Neuerung. Athanasius berichtet, wie es zu ihrer Aufnahme kam. Als vorgeschlagen wurde zu bekennen, der Sohn sei „von Gott“, stimmten die Sympathisanten des Arius zu, da sie akzeptierten, dass alle Geschöpfe von Gott kommen. Um daher auszudrücken, dass der Sohn untrennbar vom Wesen des Vaters sei, stets im Vater und der Vater stets im Sohn, sahen sich die Bischöfe gezwungen, außerbiblische Begriffe zu verwenden, um „den Sinn der Schrift“ zu vermitteln. Sie erkannten, dass die ausdrückliche biblische Sprache allein nicht ausreichte, um die Wahrheit von der Irrlehre, die sie bekämpften, zu unterscheiden.⁵

Zusammen mit dem verwandten Ausdruck „eines Wesens (homoousios) mit dem Vater“ schuf diese Formulierung ein erhebliches Maß an Mehrdeutigkeit und wurde in den folgenden Jahrzehnten zu einem zentralen Streitpunkt. Das Problem lag im damaligen Bedeutungsspektrum von ousia. Der Begriff konnte die allgemeine Natur bezeichnen (das, was allen dreien gemeinsam ist) und damit aussagen, dass der Sohn dieselbe Natur wie der Vater habe. Er konnte jedoch auch die individuelle, spezifische Wirklichkeit (das, was einer der drei Personen eigentümlich ist) meinen, sodass der Sohn dieselbe Hypostase wie (also identisch mit) dem Vater wäre, was modalistisch klänge und jede Unterscheidung zwischen ihnen verwischte. Das abschließende Anathem scheint diese zweite Möglichkeit zu stützen, da es die Behauptung zurückweist, der Sohn sei aus einer anderen Hypostase oder Ousia als der Vater. In diesem Zusammenhang erscheinen ousia und hypostasis offenbar als Synonyme, wie es damals allgemein üblich war. Später jedoch gebrauchte das Konzil von Konstantinopel (381) hypostasis für die drei Personen; damit wurde die nicänische Aussage, der Sohn sei derselben Hypostase wie der Vater, verworfen.

In einem zentralen, jedoch weniger umstrittenen Punkt richtete sich die Formulierung „gezeugt, nicht geschaffen“ gegen die arianische Behauptung, der Sohn sei ein Geschöpf, indem sie Zeugung von Schöpfung unterschied. Das Wort homoousios („von identischem Wesen“) wurde verwendet, weil Arius es nicht auf das Verhältnis der Geschöpfe zum Vater anwenden konnte. Allerdings war dieser Begriff zunächst nicht eindeutig definiert und blieb eine Zeit lang problematisch, bis Basilius der Große in den 370er Jahren klarere begriffliche Unterscheidungen vorschlug.⁶

Entscheidungen

Das Konzil verbot die Lehre des Arius. Sie wurde als ernsthafte Bedrohung für das Evangelium angesehen. Indem das Konzil handelte, bekräftigte es nachdrücklich, dass der Sohn wesensgleich mit dem Vater ist. Damit untermauerte es unter anderem Jesu Aussagen wie „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10:30) sowie seine Worte zu Philippus: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Johannes 14:9).

Gleichzeitig wurde Arius, der kein Bischof, sondern Presbyter war, seines Amtes enthoben. Im Jahr 337 erreichten seine Anhänger seine Wiederaufnahme in die Kirche. Doch ausgerechnet am Tag seiner geplanten Wiedereinsetzung starb er plötzlich: Er brach in einer Latrine zusammen. Seine Gegner betrachteten dies als einen besonders passenden Akt göttlicher Vorsehung.

Kurz gesagt: Die wichtigste Leistung von Nicäa bestand darin, endgültig festzuhalten, dass der Sohn nichts Geringeres ist als wesensgleich mit dem Vater. Damit versetzte das Konzil dem Subordinatianismus einen tödlichen Schlag.

Mehrdeutigkeiten

Es überrascht nicht, dass die Monarchianer unter der Führung von Marcellus von Ankyra am zufriedensten waren. Er und seine Anhänger vertraten die Auffassung, dass es in Gott nur eine Hypostase gebe, eine Behauptung, die vielen Zeitgenossen als ausgesprochen modalistisch erschien. Später im Jahrhundert, als Hypostase für die drei Personen reserviert und vom einen Sein oder Wesen (ousia) unterschieden wurde, wurde eine solche Auffassung verurteilt. Doch so weit war man damals noch nicht.

Öffnete das Glaubensbekenntnis tatsächlich die Tür zum Modalismus? Immerhin hatten viele auf dem Konzil diesen entschieden abgelehnt. Wahrscheinlich war die Absicht der Formulierung, auszudrücken, dass der Sohn aus der Person des Vaters hervorgegangen ist, da der Vater den Sohn gezeugt hat und beide desselben Wesens sind. Dennoch wurde dies zu einer erheblichen Quelle der Verwirrung. Insgesamt gilt, in den Worten Hansons: „Die Alten litten nicht unter derselben Leidenschaft für exakte Genauigkeit, wie sie die moderne Wissenschaft an den Tag legt.“⁷

Bemerkenswert ist zudem, dass Eusebius von Cäsarea, der Verfasser der berühmten Kirchengeschichte und ein Unterstützer des Arius, das Dokument ebenfalls unterzeichnete. Er und andere meinten, die Wendung „gezeugt, nicht geschaffen“ unterscheide den Sohn von den Geschöpfen, die durch den Sohn geschaffen wurden. Für Eusebius war der Sohn vermutlich ein Geschöpf, doch sollte er nicht als „etwas Gemachtes“ bezeichnet werden. Die Verurteilung der Aussage „Bevor er gezeugt wurde, war er nicht“ verteidigte er mit dem Argument, dass alle anerkannten, der Sohn habe vor der Inkarnation existiert und diese, so behauptete er, sei der Zeitpunkt gewesen, an dem er gezeugt wurde.⁸

Die Mehrdeutigkeit des Konzilsbeschlusses ermöglichte es sehr unterschiedlichen Gruppen, das Glaubensbekenntnis zu akzeptieren. Im Hintergrund stand die machtvolle Präsenz Konstantins, der um der Einheit des Reiches willen eine möglichst weitgehende Übereinstimmung erreichen wollte.

Kurz gesagt: Nicäa hinterließ der Kirche ein begriffliches Minenfeld, das in den folgenden Jahrzehnten erhebliche Unruhe und zahlreiche Opfer verursachte. Die wichtigsten Mehrdeutigkeiten waren die folgenden.

Hypostase/Ousia

Diese Begriffe wurden im Griechischen sowie von den griechischen Kirchenvätern austauschbar verwendet. Für viele waren sie Synonyme. Ihre späteren Bedeutungen (Person/Wesen) entsprachen im größten Teil des vierten Jahrhunderts keineswegs dem damaligen Verständnis, und es ist anachronistisch, diese späteren Bedeutungen in eine frühere Zeit zurückzuprojizieren, in der sie noch nicht zutrafen.

Damals gab es kein einzelnes Wort für das, was Gott als Drei ist, das breite, geschweige denn allgemeine Zustimmung gefunden hätte. Der Begriff hypostasis hatte in der griechischen Philosophie seit etwa 50 v. Chr. unterschiedliche Bedeutungen: Bei den Stoikern bedeutete er etwas anderes als bei den Neuplatonikern, auch wenn er im Allgemeinen so viel wie „Verwirklichung, die zur Erscheinung wird“ meinte.⁹ Im Neuen Testament bedeutet hypostasis meist „Zuversicht“ oder „Gewissheit“ (z. B. Hebräer 11:1), doch an einer Stelle (Hebräer 1:3) bezeichnet es den Sohn als den „Abdruck des Wesens“ Gottes.

Zur Zeit von Nicäa galt daher: (1) Hypostasis und ousia konnten Synonyme sein und sowohl das bezeichnen, was Gott als Drei ist, als auch das, was er als Einer ist; (2) Hypostasis konnte sich auf die Drei beziehen, während ousia entweder ignoriert oder abgelehnt wurde; (3) Hypostasis konnte „eigenständige Existenz“ bedeuten und ousia „Natur“; (4) oder aber es herrschte begriffliche Unklarheit.

Mitunter wechselten einzelne Autoren sogar zwischen diesen Bedeutungen. Es gab also nicht nur keinen allgemein anerkannten Begriff für die Dreiheit, sondern selbst das zugrunde liegende Konzept war kaum auf dem theologischen Radar erschienen.

Genetos/gennetos, agenetos/agennetos

Genetos („ins Dasein gekommen“, also geschaffen) und agenetos („nie nicht existierend“, ohne Anfang, ewig seiend) bilden ein Gegensatzpaar, ebenso wie die beinahe gleichlautenden Begriffe gennetos („gezeugt, hervorgebracht“) und agennetos („ungezeugt, nicht hervorgebracht“). Die große Ähnlichkeit in Schreibweise und Bedeutung war eine weitere massive Quelle von Verwirrung und Streit. Im dritten Jahrhundert hatte man nie klar zwischen etwas Geschaffenem und etwas Gezeugtem unterschieden. Arius verwendete beide Begriffspaare für Christus austauschbar, da er ihn als Geschöpf betrachtete. Auch Athanasius zeigte sich in einem frühen Werk noch unsicher.¹⁰ Die Gegner des Arius mussten daher betonen, dass der Sohn sowohl agenetos (ewig) als auch gennetos (vom Vater gezeugt) sei – gennetos, nicht genetos (gezeugt, nicht geschaffen).

Hanson bemerkt: „Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen verwendeten dieselben Worte wie ihre Gegner, gaben ihnen jedoch, ohne es zu merken, andere Bedeutungen als jene, die ihre Gegner darunter verstanden.“¹¹ Ayres kommentiert: „Die Terminologie von Nicäa ist daher ein Fenster in die Verwirrung und Komplexität der theologischen Debatten des frühen vierten Jahrhunderts, nicht die Offenbarung, dass bereits ein endgültiger Wendepunkt erreicht worden wäre.“¹² Wenn man noch die schwindelerregende Geschwindigkeit der kirchlichen, politischen und theologischen Ereignisse hinzunimmt, wundert es nicht, dass es über fünfzig Jahre dauerte, bis sich das Durcheinander klärte. Es waren verworrene Zeiten. Ist das Leben nicht oft genauso? Und doch wurde schließlich eine Lösung gefunden, allerdings nicht in Nicäa.

Folgen

Die historischen und theologischen Details der Zeit nach Nicäa sind verwirrend und voller labyrinthischer Komplexität. Politische Intrigen standen fast immer im Vordergrund. Die Literatur schildert diese Machenschaften oft in unerquicklichster Ausführlichkeit. Die Lage war im Fluss, ständig im Wandel, und die verschiedenen Parteien waren bei weitem nicht so klar voneinander abzugrenzen, wie es jede Einteilung nahelegt.¹³

Ein unmittelbares Problem stellte Marcellus dar. Seine nachdrücklichste Überzeugung war, dass Gott eine Hypostase in einer Ousia sei. Der Sohn sei lediglich ein Wort. Der Logos sei mit Gott vereint, ewig, „hervorgebracht“, nicht gezeugt, ein und dasselbe mit Gott, im Vater gleichsam schweigend. Erst nach der Inkarnation werde der Logos „Sohn“ genannt. Zwar werde Gott mit den Namen Vater und Sohn bezeichnet, doch gebe es nur eine Hypostase und nur eine Ousia; homoousios bedeute für ihn „wesensidentisch“, sodass der Sohn mit dem Vater identisch sei. Die Drei seien lediglich Namen. Das klingt nicht nur modalistisch, es ist es auch und Marcellus berief sich zur Unterstützung auf Nicäa, da dort Hypostase und Ousia gleichgesetzt worden waren.¹⁴ Eine bedeutende Gruppe stand Marcellus nahe. Erst auf dem Ersten Konzil von Konstantinopel (381), als Hypostase für die drei Personen reserviert und vom einen Sein oder Wesen (Ousia) unterschieden wurde, erfolgte eine entscheidende Zurückweisung dieser Position.

Nicäa beendete die arianische Krise nicht, es bestätigte vielmehr ihre Existenz. Zur Mitte des Jahrhunderts traten fähigere Gestalten als Arius selbst auf, um ähnliche Gedanken weiterzuentwickeln. Weitere heftige Spannungen erschütterten die Kirche, bevor das Konzil von Konstantinopel die Frage endgültig klärte.

Das Scheitern von Nicäa lag größtenteils an sprachlichen und terminologischen Problemen, am Fehlen eines klaren und allgemein anerkannten Wortschatzes sowie einer gemeinsamen theologischen „Grammatik“, auf deren Grundlage ein Konsens hätte erreicht werden können. Das ist eine Folge der Tatsache, dass die Kirche aus Menschen besteht: Neue Fragen brauchen oft Zeit zur Klärung; eine neue, präzise und tragfähige Formulierung dessen, was geglaubt und bekannt wird, entsteht nicht über Nacht. Sie erfordert harte Arbeit, strenge kritische Reflexion, Entschlossenheit, Geduld, Ausdauer und die Bereitschaft, sich mit gegensätzlichen Ideen auseinanderzusetzen, eine Mischung aus sanfter Überzeugung bei manchen und entschiedener Widerlegung bei anderen, suaviter in modo, fortiter in re (mild in der Form, fest in der Sache).

Dafür ebnete später im vierten Jahrhundert Athanasius den Weg; weitergeführt und vollendet wurde dieses Werk durch die drei Kappadokier: Basilius, Gregor von Nyssa und insbesondere Gregor von Nazianz. Die Krise um Arius wurde in Nicäa zunächst und unvollkommen abgewehrt, jedoch erst mehrere Jahrzehnte später wirklich gelöst.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Banner of Truth. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
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