Nie zu alt, um dem König zu dienen

Komm mit mir hinüber, so will ich dich bei mir in Jerusalem versorgen. (2Sam 19:33)

David war an einem der letzten Tiefpunkte seines Lebens angekommen. Der geliebte König war dem Leid nicht entwachsen – und auch den Folgen seiner Sünde nicht entkommen. Das Kind aus seinem Ehebruch war gestorben. Und Gott hatte verheißen: „Das Schwert soll von deinem Haus nicht weichen“ (2Sam 12:10). Weil er Uria durch das Schwert der Feinde hatte töten lassen, dürstete nun das Schwert seines eigenen Sohnes nach seinem Blut.

David gab den Thron ohne Widerstand auf. Er floh, um Blutvergießen zu verhindern. Treue Männer – Männer, wie geschaffen für diese dunklen Tage – packten zusammen und zogen mit dem entthronten König fort, unter Einsatz ihres Lebens.

Der Klangteppich seines Aufbruchs war feindselig. Als sein Gefolge in die Wüste eilte, schleuderte ein Mann aus dem Haus Sauls Steine und Flüche auf David herab. Der erschöpfte König ließ das Schmähkonzert zu, obwohl seine Männer anboten, den „Sänger“ zum Schweigen zu bringen. Er trug die Schmach und fragte sich, ob der Herr ihn nun die Frucht seiner früheren Begierden ernten ließ (2Sam 16:5–13).

Doch ein anderes Lied begleitete sein Exil. Drei Männer traten herzu. Unter ihnen war ein alter Mann, den David nie vergessen sollte – Barsillai. Ein wohlhabender Mann von jenseits des Jordan, der dem König entgegenreiste, als dieser aus seinem Reich, von seinem Thron, aus seinem Reichtum und seiner Herrlichkeit floh. Dieser gebrechliche Mann kam, um den gekrönten König in seiner tiefsten Erniedrigung zu segnen. Er setzte sich dem Zorn des Feindes aus, um David in seiner Not zu versorgen. Barsillai und die Seinen brachten Betten und Schüsseln, Honig, Käse und Schafe und sagten: „Das Volk ist hungrig und müde und durstig in der Wüste“ (2Sam 17:27–29).

Barsillai war kein Schönwetteranhänger. Seine Hände streckten sich aus, um den König aufzuheben, als er am Boden lag. Er reichte Brotstücke an das hungrige Gefolge, einen Becher den Ermatteten. Wie kostbar. Wie unvergesslich. Viele hatten Davids Tisch umgeben. Viele hatten ihm über Jahre des Triumphs hinweg zugelächelt. Doch Not sondert die Falschen aus, schafft Distanz zu Halbherzigen und offenbart die Treuen. Hast du das nicht auch erlebt?

Wenige berührten Davids Herz in jener Stunde so tief wie Barsillai. Bald sollte David den Aufstand niederschlagen. Er würde wieder aufstehen; sein rebellischer Sohn würde fallen. David würde zu seinen Betten, seinen Herden, seinem Palast zurückkehren – aber die Erinnerung an Barsillais Barmherzigkeit blieb.

Als David sich anschickte, den Jordan zu überqueren und in Herrlichkeit durch die Tore seines Reiches zurückzukehren, wen wollte er an seiner Seite wissen? Barsillai. Wen wollte er an seinem Tisch? Barsillai. Wem galt die Einladung: „Komm mit mir hinüber, so will ich dich bei mir in Jerusalem versorgen“ (2Sam 19:33)? Barsillai. Und auf seinem Sterbebett, als die Zeit kostbare Erinnerungen zu verblassen drohte – an wen dachte er, als er Salomo seine letzten Anweisungen gab? An Barsillai.

„Erweise aber den Söhnen Barsillais, des Gileaditers, Gnade, sodass sie zu denen gehören, die an deinem Tisch essen; denn so sind sie mir begegnet, als ich vor deinem Bruder Absalom floh“ (1Kön 2:7).

Wie wirst du ihm begegnen?

Ich liebe diese Szene mit dem gebrechlichen Nachfolger und dem entthronten König. Was für ein bewegender Moment für David – und was für eine schöne Einladung für Barsillai. Sie erinnert mich daran, dass ich dem größeren Sohn Davids diene, und sie weckt in mir die Sehnsucht, „mit ihm in Herrlichkeit offenbar zu werden“, wenn er über den Jordan zieht (vgl. Kol 3:4). Geht es dir ebenso? Ich möchte, dass wir diesen betagten Heiligen nachahmen: dem König in der Wüste begegnen und ihm dienen bis zu unserem letzten Atemzug.

Lasst uns dem König in der Wüste begegnen.

Weil Barsillai sich offen zu dem verfolgten König stellte, wurde er eingeladen, mit ihm über den Jordan zurück in seinen Triumph zu ziehen: „Komm mit mir hinüber, so will ich dich bei mir in Jerusalem versorgen.“

Welch ein Vorrecht, König Jesus zu dienen, solange die Wolken noch seine Majestät verhüllen. Wie David hat er den Usurpator niedergeworfen – entscheidend, wenn auch noch nicht endgültig offenbar. Er sitzt auf dem Thron, doch „jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen“ (Hebr 2:8). Noch haben nicht alle Ohren die letzte Posaune gehört; noch haben nicht alle Augen ihn auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Auf sein Wort hin haben die Gräber ihre Toten noch nicht herausgegeben, und noch haben sich nicht alle Knie auf Erden vor ihm gebeugt.

Christus regiert – auch wenn nur wenige ihn anerkennen. Für viele ist er eine Randnotiz, kein König. Doch wir sehen den König in der Wüste. Er braucht nichts von uns, und doch nimmt er unsere Gaben gnädig an. Willst du jetzt zu ihm gehen? Jetzt für ihn leben? Dem Zorn des Fleisches, der Welt und des Teufels trotzen?

Lasst uns ihm dienen bis zu unserem letzten Tag.

Barsillai war nicht stark genug, um David bis nach Jerusalem zu begleiten. „Und der König küsste Barsillai und segnete ihn; er aber kehrte an seinen Ort zurück“ (2Sam 19:39). Er war zu alt, um die Früchte des Triumphs auszukosten – aber nicht zu alt, um seinen Teil zu tun und seinem König zu dienen.

Stehst du in deiner letzten Lebensphase? Sieh diesen achtzigjährigen Mann vor dir, wie er auf dem Pferd auf und ab wippt und dem König mit Vorräten entgegenreitet. An der Schwelle zur Ewigkeit war er damit beschäftigt, dem Gesalbten des Herrn zu dienen. Bist du es auch? Du bist nie zu alt, um dem Sohn Davids, Jesus Christus, zu dienen. Und auch er wird deine zitternde Hand nicht vergessen, wenn du ihm deine wenigen Brotstücke darreichst. Wenn dir noch ein Tag auf dieser Erde geschenkt ist, kann er genutzt werden, um Schätze im Himmel zu sammeln.

Allen, die sich in der Wüste zu ihm stellen, ruft unser König zu: „Komm mit mir hinüber, so will ich dich bei mir im neuen Jerusalem versorgen.“ Er schämt sich nicht, dich an seiner Seite in die Herrlichkeit zu führen. Bleibe ihm treu. „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebr 13:14). Ihr Barsillais, haltet fest – er wird euch nicht vergessen.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von John Schröder.
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