Gebet fällt mir schwer.
Vielleicht hättest du nicht erwartet, dass das der erste Satz eines Artikels über Gebet ist. Wenn wir nach Infos zu einem Thema suchen, wollen wir meistens die Meinung eines Experten, bewährte Tipps oder etwas Inspirierendes. Ich bin kein Experte, aber von allen geistlichen Disziplinen ist das Gebet die, in der ich in den letzten Jahren am deutlichsten gesehen habe, wie Gott in meinem Leben gewachsen ist.
Ich bin von jemandem gewachsen, der das mangelnde Feuer im Gebet mit „ist nicht meine Gabe“ abgetan hat, zu jemandem, der sich darauf freut, früh aufzustehen, um zu beten – und den ganzen Tag über betet.
Eines der wichtigsten Dinge, die ich darüber gelernt habe, im Gebet zu wachsen, ist, dass der beste Ausgangspunkt nicht darin besteht, ein neues Karteikarten-System oder Tagebuch zu finden – sondern Gott unseren Kampf einzugestehen und ihn zu bitten, uns beim Beten zu helfen.
Erkenne deine Bedürftigkeit
Während des irdischen Dienstes Jesu sprachen die Menschen mit ihm und kamen zu ihm, um Heilung und Errettung zu empfangen. In gewisser Weise haben diese Männer und Frauen im Neuen Testament vorgelebt, wie man betet, wie man mit Gott spricht.
Denke an den Vater, der seinen von einem Dämon besessenen Sohn in Markus 9 zu Jesus brachte. Dieser Mann kam mit gebrochenem Herzen wegen seines Sohnes. Er war erschöpft davon, seinen Sohn vor den wiederholten Versuchen des Dämons zu retten, ihm Schaden zuzufügen. Du kannst dir den Schmerz in der Stimme dieses Vaters vorstellen:
„Wenn du etwas kannst, so erbarme dich über uns und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Wenn du glauben kannst – alles ist möglich dem, der glaubt! Und sogleich rief der Vater des Knaben mit Tränen und sprach: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9:22-24)
Dieser Vater sprach nur fünf Worte, aber sie sind ein Beispiel für die richtige Herzenshaltung im Gebet. Er wusste nicht genau, was er sagen sollte, aber er wusste, dass seine Not nur durch Jesus gestillt werden konnte. Nur die Verzweifelten kommen zu Gott um Heilung, Errettung und tägliches Brot. Du musst nicht mit wohlklingenden Worten kommen, und du musst auch nicht mit vollkommenem Glauben kommen. Aber du musst deine Bedürftigkeit erkennen, sonst wirst du nie kommen.
Das Gebet zu einer Priorität – zu einer Disziplin – zu machen, gibt uns eine Möglichkeit, täglich an unseren wahren Zustand erinnert zu werden. Wenn du Schwierigkeiten hast zu beten, nimm dir Zeit, dich an deine Bedürftigkeit vor Gott zu erinnern. Denke an deine Abhängigkeit von Gott bei jedem Atemzug. Denke an deine Sündhaftigkeit und an die noch größere Gnade Christi. Komm wie dieser Vater zu Jesus und bitte ihn, deinem Unglauben zu helfen: Herr, ich glaube, dass Gebet wichtig ist. Ich weiß, dass ich dich brauche. Hilf meinem Unglauben. Hilf mir zu beten.
Suche Gottes Hilfe
Um Gottes Hilfe zum Beten zu beten, mag seltsam klingen, aber es ist ein Gebet, das wir mit Zuversicht darbringen können. Gott gibt kein Gebot, ohne auch die nötige Gnade zu schenken, es auszuleben. Er wird uns helfen zu beten. Er hat es bereits in seinem Wort getan.
Wir finden im ganzen Bibel Beispiele für Gebet, und wir können Hilfe dafür, wie wir beten sollen, in jedem der in der Schrift aufgezeichneten Gebete finden. Aber ein guter Ausgangspunkt ist das Gebet, das Jesus seine Jünger in Matthäus 6:9–13 lehrte, das allgemein als das Vaterunser bekannt ist.
Es gibt nicht den einen „richtigen“ Weg zu beten, aber im Vaterunser finden wir ein Gerüst für unsere Gebete. Wenn wir beten, kommen wir mit vielen Anliegen. Das Vaterunser lehrt uns, Gott zum Mittelpunkt unserer Gebete zu machen und alle unsere Bitten aus seinem Wirken und seinem Wesen hervorgehen zu lassen. Wir dürfen uns ihm freimütig als unserem Vater nahen und zugleich seinen Namen ehren.
Wenn wir dafür beten, dass sein Reich vorangetrieben wird und sein Wille oberste Priorität hat, bevor wir unsere eigenen Bedürfnisse ansprechen, hilft uns das, unsere Bitten in die richtige Perspektive zu setzen. Um tägliches Brot und Vergebung zu bitten, erinnert uns daran, dass Gott sowohl für unsere physischen als auch für unsere geistlichen Bedürfnisse sorgt. Außerdem werden wir daran erinnert, dass wir anderen ebenfalls Vergebung schenken müssen. Schließlich erinnert uns das Gebet um Befreiung von dem Bösen daran, dass wir uns dem Herrn zuwenden und auf ihn vertrauen müssen, um Versuchungen zu widerstehen.
Gott versteht unsere Schwäche und unseren Kampf im Gebet. Im Lukasevangelium lehrte Jesus das Vaterunser, nachdem die Jünger gesagt hatten: „Herr, lehre uns beten“ (Lukas 11:1). Sie gaben zu, dass Gebet schwerfällt – oder dass sie zumindest nicht wussten, was sie sagen sollten. Jesus tadelte sie nicht. Stattdessen gab er ihnen Worte für ihr Gebet. Und er gab diese Worte auch, um uns zu helfen.
Ruhen im Wirken des Geistes
Jesus tut mehr, als uns Worte zu geben, die wir beten können. Er betet auch für uns (Römerbrief 8:34), und sein Geist wirkt in uns. Paulus schreibt in Römer 8:26, dass der Geist „unserer Schwachheit hilft“, weil wir nicht immer wissen, was wir beten sollen. Wenn wir ratlos sind, betet der Geist für uns. Wenn unsere Worte versagen, versagt der Geist nie. Es gibt kein Gebet, das gesprochen (oder unausgesprochen) bleibt, das der Geist nicht leitet und durch seine Kraft vervollständigt.
Gott erwartet von uns, dass wir mit ihm reden, weil wir in Beziehung zu ihm stehen. Er möchte, dass wir unsere Anliegen vorbringen, Lob darbringen und unsere Sünden bekennen, aber er lässt uns nicht allein damit, alles selbst herauszufinden. Wenn wir im Gebet wachsen wollen, können wir die Bitte der Jünger zu unserem Gebet machen: „Herr, lehre uns beten.“
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzt von Lynn Wiebe. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.
















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