Rezension: Ich pfeif auf deine Frömmigkeit!

Rezension des Buches: "Ich pfeif auf deine Frömmigkeit!" von Wolfgang Bühne

In diesem autobiographischen Werk erzählt Wolfgang Bühne vieles von dem, was er in fast 80 Jahren mit Gott erlebt hat. Er legt dabei ein Maß an Selbstreflexion und -kritik an den Tag, das mir – und vermutlich auch anderen Lesern – ein großes Vorbild war. Das 477 Seiten starke Buch ist 2023 im CLV Verlag erschienen – der übrigens aus der Buchhandlung des Autors entstanden ist.

Schonungslose Ehrlichkeit

Wolfgang Bühne wurde im Mai 1946 im zerbombten Schwelm geboren und erzählt in diesem Buch von seinem Aufwachsen als Kind gläubiger Eltern, seinem Doppelleben als Teenager, seiner Kehrtwende durch die Biografie Johannes Buschs und dem prägenden Zivildienst im “Haus Kapernaum”. Später dann von der Jugend- und Freizeitarbeit, sowie den vielen Reisen, die er unternehmen durfte, um Christen in Ländern zu unterstützen, in denen sie Verfolgung und Armut ausgesetzt sind. Einen Großteil seines Lebensberichts widmet er jedoch seiner Arbeit mit Jugendlichen, die einen mehr oder weniger ungeplanten Anfang nahm, aber mit der Zeit ausgebaut werden konnte und bis heute in ähnlicher Weise stattfindet.

Es ist bewundernswert wie ehrlich Wolfgang Bühne mit seinen eigenen Verfehlungen umgeht. Ein Beispiel dafür ist schon der Buchtitel “Ich pfeif auf deine Frömmigkeit”, der einer Situation entstammt, in der dem Autor gerade dieser Satz an den Kopf geworfen wurde, weil er so rücksichtslos mit seiner Verlobten umgegangen war. Ein Urteil, das der Autor in der Rückschau teilt und für das er dankbar ist (130). Somit ist der Titel auch Programm und Wolfgang Bühne setzt sich immer wieder kritisch mit seiner Vergangenheit auseinander, egal ob es um seine übermäßig kritische Beurteilung der Brüdergemeinden als Jugendlicher (97), seine Verfehlungen als Vater (439) oder um sein Verhalten gegenüber Christen geht, denen seine Vorhaben und Sichtweisen nicht geheuer waren (309). Dabei versinkt er nicht in einer Art Selbstkasteiung, in der er nur seine Fehler aufzählt und beklagt, was für ein schlechter Mensch er doch sei, sondern scheint einen sehr klaren Blick für die Dinge zu haben, die in seinem Leben gut waren, aber auch dafür, wo er Fehler gemacht hat. Dadurch wird das Buch sehr authentisch und wirkt nicht so, als ob hier jemand eine schöne Fassade aufrecht erhalten will.

Insgesamt kann man beim Lesen des Buches deutlich erkennen, welche Themen dem Autor besonders wichtig sind. So lässt sich unschwer erkennen, dass er Bücher liebt und auch in anderen eine Begeisterung für das Lesen wecken möchte. Ebenso wichtig scheint ihm zu sein, den Fokus seiner Autobiografie (so paradox das scheinen mag) nicht auf sich zu legen. Seine Erzählungen handeln häufig davon, was Gott durch andere gewirkt hat, wie z.B. durch Wolfgang Dyck (89-93, 149-157) oder “Tante Helmi” (125f, 390-393). Auch widmet er mehrere Seiten der Darstellung der Lebenswerke von Bakht Singh und William MacDonald, die in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben und berichtet, was sie alles für Gott getan haben.

Übermäßige Kritik?

Auch seine Berichte von Begegnungen mit der charismatischen Bewegung nehmen viel Raum ein. Während das natürlich völlig legitim ist, schließlich gehören diese Begegnungen ja zu seiner Biografie, so erscheinen mir seine Urteile doch immer wieder als übermäßig kritisch und sehr pauschalisierend. Besonders bedenklich ist es, dass Wolfgang Bühne meint ein Urteil darüber fällen zu können, dass in den charismatischen Bewegungen “auch ein anderer und oft unreiner Geist wirkt” (101). Bei aller berechtigten Kritik an charismatischen Praktiken ist es doch sehr schwierig pauschal einer gesamten Bewegung und einem nicht unbedeutenden Zweig der Christenheit zu attestieren, dass in ihr nicht der Heilige Geist, sondern ein “anderer” Geist wirkt. Leider lässt er sich hier von dem Trend mitreißen, dass man anderen Christen nicht bloß menschliche Verfehlungen, sondern dämonisches Wirken vorwirft. Ein Urteil, das mit sehr viel größerer Vorsicht ausgesprochen werden sollte, als der Autor es hier tut. Gleichzeitig glaube ich aber, dass die Kritik nur deshalb an Stellen übertrieben und auch unberechtigt erscheint, weil Wolfgang Bühne sich in diesem Buch natürlich nicht auf biblischer und lehrmäßiger Ebene mit der Bewegung auseinandersetzt. Sie wird hier vor allem aus seinen Erfahrungen heraus geäußert, was für eine Biografie auch durchaus berechtigt ist. Leider entsteht dadurch der Eindruck von ungerechtfertigten Pauschalisierungen und Kritik aus Verbitterung. Ich vermute aber, dass dieser Eindruck eher dem Genre des Buches, als der tatsächlichen Haltung des Autors entspringt.

Wer sollte das Buch lesen?

Die größte Stärke dieses Buches ist seine Ehrlichkeit. Der Leser wird auf jeden Berg, aber auch in jedes Tal unbeschönigt mitgenommen. Außerdem ist es nicht wirklich ein Buch über Wolfgang Bühne, sondern es ist sehr klar, dass es ein Buch über das Wirken Gottes in Wolfgang Bühnes Leben, sowie in dem Leben derer um ihn herum sein soll. Obwohl es gewisse Kritikpunkte gibt, die ich schon genannt habe, kann ich das Buch definitiv weiterempfehlen, besonders an alle, die einen Bezug zu Brüdergemeinden haben oder sich für die Entstehung des Christlichen Freizeithaus Schoppen und des CLV-Verlags interessieren. Es ist ein zugängliches und ehrliches Buch, von dem vermutlich jeder Leser in irgendeiner Art profitieren kann.

Das Buch ist unter anderem im CLV-Verlag und bei leseplatz.de erhältlich.

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Avatar von Jan Freitag

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