Schweigende Frauen, redende Frauen

Willkommen zurück zum Podcast. In all den Jahren eurer E-Mails ist Römer 9:22 der am häufigsten erfragte Bibeltext überhaupt. Es ist ein schwieriger Text – daher überrascht es nicht, dass er so viele Fragen aufwirft. Doch der zweithäufigste Text ist 1 Timotheus 2:12. Wir haben ihn diese Woche in unserem Bibelleseplan gelesen, und er beschäftigt mindestens eine Frau, die gerade zuhört – und vermutlich viele andere ebenfalls.


„Lieber Pastor John, danke für APJ (Ask Pastor John). In 1 Timotheus 2:12 schreibt Paulus: ‚Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre oder über den Mann Autorität ausübe, sondern sie soll sich still verhalten.‘ Ich versuche zu verstehen, was Paulus hier genau verbietet. Bedeutet das, dass Frauen niemals Männer lehren dürfen – auch nicht in Bibelstunden oder im Unterricht? Bezieht er sich nur auf das offizielle Amt von Pastoren oder Ältesten? Wie ist es mit Frauen, die in Kleingruppen Einsichten teilen oder Fragen stellen? Ich weiß, dass Frauen sowohl im Alten als auch im Neuen Testament für ihr prophetisches Reden gelobt werden.“ (Genannte Stellen sind u.a. 2 Mose 15:20; Ri 4:4–5; 2 Kön 22:14–20; Jes 8:3; Lk 2:36–38; Apg 21:8–9; 1 Kor 11:5.) „Wie bringen wir diese Realitäten mit dem Verbot in 1 Timotheus 2:12 in Einklang? Und wie kann ich diese Lehre treu ausleben und dabei Gottes Ordnung für Männer und Frauen in der Gemeinde ehren?“


Hier ist der zentrale Text, der uns – zu Recht – beschäftigt: 1 Timotheus 2:11–14:

„Eine Frau lerne in der Stille in aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre oder über den Mann Autorität ausübe, sondern sie soll sich still verhalten. Denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva. Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau wurde verführt und geriet in Übertretung.“

Es gibt nur wenige Bibelstellen, die so sehr gegen den Geist unserer modernen Kultur stehen wie diese. Das ist einer der Gründe, warum wir so viele Fragen dazu bekommen.

Dieser Text wirft mindestens fünfzig Fragen auf. Deshalb haben Wayne Grudem und ich versucht, unser großes blaues Buch über Männlichkeit und Weiblichkeit in einem kleineren Band mit dem Titel 50 Crucial Questions About Manhood and Womanhood zusammenzufassen. Er hat weniger als hundert Seiten, und ich empfehle ihn, weil es unser bester Versuch ist, fünfzig Arten von Fragen zu diesem Thema kompakt zu behandeln. Wirklich, ich würde mich freuen, wenn viele ihn lesen.

(Und nur zur Erinnerung: Ich erhalte keine Vergütung aus diesen Büchern. Das ist kein Verkaufsaufruf. Es verkauft sich ohnehin nicht besonders gut. Aber ich denke, ihr würdet euch selbst einen Gefallen tun, wenn ihr euch mit diesen fünfzig Fragen auseinandersetzt.)

Vielleicht kann ich in dieser Folge ein oder zwei dieser Fragen beantworten – dann bleiben noch 48 offen. Und ich hoffe wirklich, dass Hörer nach biblischen Antworten suchen, nicht bloß nach kulturell akzeptablen.

Autorität und die Schöpfungsordnung

Hier beginne ich: Als Paulus seine Aussage begründet, dass eine Frau nicht lehren oder Autorität über einen Mann ausüben soll, argumentiert er nicht kulturell, sondern von der Schöpfung her. Das ist mein Ausgangspunkt. Er sagt nicht: „Nun, in dieser Kultur des ersten Jahrhunderts wird von Frauen Unterordnung erwartet – und damit wir dem Evangelium kein Hindernis in den Weg legen, sollten wir uns vorübergehend anpassen.“ So argumentiert er nicht. Stattdessen verweist er auf Adam und Eva und auf Gottes Ordnung für Mann und Frau in der Weise, wie er die Welt am Anfang geschaffen und geordnet hat. Diese Ordnung durchzieht alle Kulturen (auch wenn ihre konkrete Gestalt selbstverständlich kulturell geprägt ist – dazu gleich mehr). Das ist mein Fundament.

Die Bibel ist sich durchaus bewusst, dass Kultur die Ausdrucksformen männlicher Leiterschaft und weiblicher Unterordnung beeinflusst. Das sehen wir in 1 Korinther 11:3–16, wo Paulus über Kopfbedeckung und Haarlänge spricht. Gott erwartet geistliche Unterscheidung, damit wir nicht das Kind – nämlich Gottes gute Schöpfungsordnung der Geschlechter – mit dem Badewasser wechselnder kultureller Symbole ausschütten.

Von der Schöpfungsgrundlage aus gehe ich weiter zu Paulus’ Ausführungen darüber, wie sich diese Ordnung im Haus, in der Gemeinde und schließlich im ganzen Leben auswirkt. In Epheser 5 argumentiert Paulus erneut von der Schöpfung her: In der Ehe sollen Männer das Haupt ihrer Frauen sein und sie lieben, wie Christus die Gemeinde geliebt hat; und Frauen sollen sich dieser Leitung unterordnen, wie eine freudige und herrliche Gemeinde sich Christus unterordnet.

In Bezug auf die Gemeinde heißt es in 1 Timotheus 2:12, dass Frauen nicht lehren oder Autorität über Männer ausüben sollen. Ich denke, die erste und klarste Schlussfolgerung dieses Verses ist: Diese beiden Tätigkeiten – Lehren und Autorität ausüben – sind genau die beiden Kennzeichen des Amtes des Ältesten oder Aufsehers oder Pastors (für Paulus dasselbe Amt), im Unterschied zum Amt der Diakone. Vergleicht man die Qualifikationen für Älteste bzw. Aufseher oder Pastoren, dann sind „fähig zu lehren“ und die Fähigkeit, in der Gemeinde gut vorzustehen (Autorität weise auszuüben), die Merkmale, die sie von Diakonen unterscheiden. Die erste Qualifikation finden wir in 1 Timotheus 3:2, die zweite in 1 Timotheus 5:17: „Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre wert geachtet werden.“

Daraus folgere ich: Für Paulus besteht die erste und klarste Konsequenz der Schöpfungsordnung von Mann und Frau in der Gemeinde darin, dass geistlich qualifizierte Männer – nicht Frauen – als Aufseher, Älteste oder Pastoren dienen sollen. Ihre zentrale Aufgabe ist es, der Gemeinde leitende, autoritative Lehre zu geben – als Teil ihrer umfassenden Verantwortung und Leitung.

Frauen und fruchtbarer Dienst

Ich denke, man kann gut argumentieren, dass Paulus mit „nicht lehren“ nicht jede Art von Lehren in jeder Situation meint. Vielmehr scheint er in 1 Timotheus 2:12 das Lehren mit der Ausübung von Autorität über Männer zu verbinden. Die gemeinte Lehre richtet sich also spezifisch an Männer – und zwar in einer Weise, die eine Form von Autorität verkörpert, die im Blick auf Männer unpassend wäre, wenn eine Frau sie ausübte.

Dafür sprechen unter anderem Beobachtungen wie Sprüche 31:26, wo von einer Frau gesagt wird, „freundliche Lehre ist auf ihrer Zunge“. Titus 2:3–5 spricht davon, dass ältere Frauen jüngere Frauen unterweisen sollen. 1 Korinther 11:5 erwähnt Frauen, die in der Gemeinde prophetisch reden – unter Beachtung angemessener Zeichen der Unterordnung. In Apostelgeschichte 18:26 unterweisen Priscilla und Aquila gemeinsam Apollos im privaten Rahmen genauer. 2 Timotheus 1:5 und 3:14 erinnern Timotheus an die prägende Unterweisung durch seine Mutter und Großmutter. Und 1 Petrus 3:1–6 beschreibt die Unterordnung einer Frau unter ihren Mann so, dass sie dennoch eigenständig denkt und ihm nicht in Unglauben oder Sünde folgt.

Was bedeutet das nun für den weiteren Dienst von Frauen, besonders im Blick auf Lehren und Leiten? Wie gesagt – 48 Fragen bleiben offen. Aber ich möchte mit einer allgemeinen Aussage schließen, die Orientierung geben soll.

Geistlich reife Weiblichkeit wird eine Frau davon abhalten, Gelegenheiten zu suchen, Männer zu lehren (auch gemischte Erwachsenengruppen), wenn diese Rolle eine Art autoritative Stellung verkörpern würde, die dem Lehren und der Leitungsautorität eines Ältesten in der Gemeinde entspricht. Das ist das Prinzip, dem ich zu folgen versuche.

Positiv formuliert: Geistliche Frauen sollen ihr Leben mit Christus verherrlichenden Diensten füllen, die an der Seite geistlicher Männer stehen und ihre Fruchtbarkeit darin finden, diese Leitung zu unterstützen und zu ergänzen. In der Ordnung der Schöpfung – in Gottes gutem Design – liegt eine Angemessenheit, durch die Frauen aufblühen unter starker, demütiger, geistlicher Leitung von Männern. Dasselbe gilt nicht umgekehrt für Männer unter der Leitung von Frauen. Das ist – so meine ich – in diesen Texten impliziert. Und es geht dabei keineswegs um Kompetenz oder Begabung, sondern um das, was tief in die Seele von Mann und Frau hineingelegt ist, wenn sie entdecken, wie Gott sie geschaffen hat, miteinander zu leben und zu dienen.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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