Verfolgung ist ein Thema, das uns fasziniert und zugleich verstört. Es ist gut und richtig, dass wir vom Glauben unserer Brüder und Schwestern inspiriert werden, die gelitten haben, auch wenn wir zugleich entsetzt sind über die Prüfungen, die sie ertragen mussten. Aber es gibt noch eine andere, ebenso natürliche Reaktion auf Verfolgung, die wir vermeiden sollten, nämlich die Tendenz, sie zu romantisieren.
Zum Beispiel ermutigen Missionare Menschen manchmal, in extrem gefährlichen Situationen zu bleiben, um ein „Licht“ für ihre Gemeinschaft zu sein, obwohl Jesus angewiesen hat, „in die nächste [Stadt] zu fliehen“ (Mt 10:23). Denkt einmal darüber nach, Pastoren: Würdet ihr einer misshandelten Ehefrau raten, nach Hause zu gehen und ein „Licht“ für ihren Mann zu sein, oder würdet ihr ihr helfen, eine sichere Unterkunft zu finden?
Verfolgung ist kein notwendiger Bestandteil geistlicher Reife. Dennoch habe ich sogar schon Menschen sagen hören, dass Verfolgung die Gemeinde nur schneller wachsen lasse und dass wir nicht dafür beten sollten, dass Verfolgung in den Regionen aufhört, in denen sie am stärksten ist, weil eine unverfolgte Gemeinde angeblich träge und selbstzufrieden werde.
Mein Anliegen ist nicht, Trägheit oder Selbstzufriedenheit zu entschuldigen, wo sie tatsächlich vorhanden sind. Aber so zu reden, als wäre Verfolgung für die Gesundheit der Gemeinde notwendig, legt nahe, Verfolgung als etwas Positives zu behandeln.Tatsächlich sagen die Schriften so etwas jedoch nicht:
- Das Neue Testament schreibt die Verfolgung von Jesus und seinem Volk wiederholt dem Wirken Satans zu (Joh 14:30; 1 Petr 5:8–9; Offb 2:10.13).
- Die frühe Gemeinde betet für die Freilassung der gefangenen Heiligen (Apg 12,5; Phlm 22).
- Jesus sagt seinen Jüngern, sie sollen vor Verfolgung fliehen (Mt 10:23).
- Jesus verhandelt die Freilassung seiner Jünger, bevor er sich selbst ausliefert (Joh 18:8–9).
- Paulus fordert Timotheus auf zu beten „für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können … Das ist gut und angenehm vor Gott, unserem Retter, der will, dass alle Menschen gerettet werden“ (1 Tim 2:2–4). Paulus glaubt also, dass Frieden und Ruhe, nicht Verfolgung, am förderlichsten dafür sind, dass Menschen gerettet werden.
Die neutestamentliche Gemeinde betrauerte Verfolgung, schrieb sie Satan zu, betete dagegen und versuchte, ihr auszuweichen. Dennoch wirkt Gott trotz der Verfolgung, ja sogar durch sie, um sein Reich im Neuen Testament voranzubringen. Paulus sagt zu Timotheus, dass er zwar „leidet und wie ein Verbrecher in Ketten liegt“, aber „das Wort Gottes ist nicht gebunden!“ (2 Tim 2:9), und gerade durch seine Gefangenschaft hört die Prätorianergarde des Kaisers das Evangelium (Phil 1:13; 4,22). Doch die Tatsache, dass Gott durch Verfolgung wirkt, macht sie nicht gut. Gott wirkt auch durch Krieg, Scheidung und Krebs aber wir romantisieren diese Dinge nicht.
Und genauso wie die Übel von Krieg, Scheidung und Krebs führt Verfolgung nicht nur zu Wachstum. Sie fordert auch ihren Preis. Sie bringt Heilige ins Gefängnis und isoliert sie. Sie hinterlässt Hinterbliebene, verstümmelt und tötet. Gewiss bewirkt die Verfolgung in Apostelgeschichte 8, dass sich das Evangelium über Jerusalem hinaus ausbreitet, aber sie scheint auch die aufblühende Ausbreitung der Gemeinde in Jerusalem zu stoppen. Ähnlich haben wir in jüngerer Geschichte gesehen, wie sich die Gemeinde in China schnell ausbreitet, aber wir haben auch gesehen, wie Verfolgung die Gemeinde in Teilen Nordkoreas und der muslimischen Welt praktisch ausgelöscht hat.
Wir sollten alles tun, um Menschen vor den verheerenden Folgen der Verfolgung zu schützen. Wir sollten versuchen, sie zu vermeiden und zu verhindern. Wir sollten dagegen beten. Wenn Gott es für richtig hält, diese Gebete zu erhören, können wir sicher sein, dass er sein Reich auf sanftere Weise voranbringt. Missionare sollten verfolgten Gläubigen im Allgemeinen raten, „in die nächste Stadt zu fliehen“, wenn die Verfolgung zu schwer ist, selbst wenn ihre Abreise bedeutet, dass sie dort nicht mehr zum Wachstum der Gemeinde beitragen können.
Gibt es also noch einen Platz dafür, mutig standhaft zu bleiben? Natürlich! Jesus und seine Jünger fliehen nicht leichtfertig vor Verfolgung; sie „fliehen in die nächste“ Stadt nur dann, wenn es zivile Unruhen oder eine glaubwürdige Gefahr für Leben und Gesundheit gibt. Vor Verfolgung zu fliehen bedeutet nicht, an den sichersten oder weitest entfernten Ort zu gehen. Oft gingen Gläubige im Neuen Testament einfach in eine benachbarte Stadt, bis sich die Lage beruhigt hatte. Petrus verließ Jerusalem, nachdem Herodes versucht hatte, ihn zu töten, und kehrte zurück, als Herodes starb. Und wenn er der Verfolgung nicht ausweichen konnte, hatte er den Mut, für seinen Glauben zu sterben.
Doch Petrus selbst würde uns sagen, dass die Kraft, inmitten von Verfolgung freudig zu Christus zu stehen, daraus kommt, zu wissen, dass eine Belohnung wartet (1 Petr 4:13). Petrus wusste, dass Verfolgung nicht das Ziel ist. Sie ist nur ein Weg durch die Wüste, den Gott für uns bestimmen kann. Das Ziel, der Bestimmungsort, ist das verheißene Land auf der anderen Seite der Wüste. Die Hoffnung auf ewige Freude in diesem Land trägt uns durch unsere Leiden.
Ein Teil dieser Freude wird der Geschmack von Siegen sein, die auf dem Weg durch Leiden errungen wurden. Der Hebräerbrief sagt seinen verfolgten Lesern, dass Satan die „Furcht vor dem Tod“ benutzt, um Menschen in Knechtschaft zu halten (Hebr 2:14–15). Auch heute hält der Schrecken der Verfolgung weltweit Millionen Menschen in Knechtschaft. Unsere Leiden ermöglichen es uns, die Auferstehungskraft Jesu zu zeigen, nicht nur darüber zu sprechen. Deshalb sagte Paulus, dass wir in unseren Leiden „das Sterben Jesu am Leib tragen, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar werde“ (2 Kor 4:10). Menschen, die das Auferstehungsleben Jesu gesehen und seiner Kraft vertraut haben, können nicht länger durch Angst in Knechtschaft gehalten werden.
Ist Verfolgung also wünschenswert? Ganz entschieden: nein! Gott selbst ist dagegen. Wenn er sich manchmal entscheidet, seine Macht in der Verfolgung seines Volkes zu zeigen, dann tut er das, um andere für immer von der Angst vor Verfolgung zu befreien, in einer neuen Welt jenseits von Leiden. Kann die Verheißung ewiger Freude mit ihnen in dieser Welt uns genügend Kraft geben, alle Schwierigkeiten zu tragen, denen wir auf dem Weg begegnen? Darauf kannst du dein Leben verwetten.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei 9marks. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
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