Der Ausdruck überraschte mich: Die Fremde wünschte mir, dass „Engel auf meinem Kopfkissen“ seien in jener Nacht.
So ungewöhnlich war diese Formulierung, dass ich danach suchte und entdeckte, dass sie aus einem Liedtext stammt. Sie meinte es ernst. Engel auf meinem Kopfkissen – wie kleine Feen, die um mich herumtanzen, während ich schlafe. „In derselben Nacht zog der Engel des HERRN aus und erschlug im Lager der Assyrer 185.000 Mann. Und als man sich am Morgen früh aufmachte, siehe, da waren sie alle tot“ (2 Könige 19:35). Ist das einer der Engel, die sie sich auf meinem Kopfkissen wünschte? Echte Engel töten, während wir schlafen. Der letzte Ort, an dem ich einen haben möchte, ist mein Kopfkissen.
Lieber Leser, ich lege dir eine Frage vor: Wie steht es heute um die christliche Vorstellungskraft in Bezug auf die unsichtbare Welt?
Aus schmerzlicher Erfahrung und einfacher Beobachtung scheint es, dass viele Christen in einer von zwei Welten leben.
In der ersten Welt existiert die unsichtbare Wirklichkeit praktisch nicht – oder sie ist zumindest nicht relevant. Wir würden es vielleicht nicht so offen sagen, aber das Unsichtbare erscheint uns unwichtig und bleibt deshalb unbeachtet. Wir haben genug mit den Geschöpfen zu tun, die wir sehen können, um denen, die wir nicht sehen, viel Aufmerksamkeit zu schenken. Unsere Bibeln wurden durch die Moderne nicht widerlegt, aber entmythologisiert. Notgedrungen schweben ein paar übernatürliche Aussagen in unseren Köpfen – Schöpfung aus dem Nichts, die Jungfrauengeburt, die Gottheit Christi, die Auferstehung –, doch wir leben nicht wirklich in einem übernatürlichen Kosmos.
Die zweite Welt, die heute (zumindest im Westen) weniger bevölkert ist, hat eine Atmosphäre des Glaubens an die unsichtbare Welt. Menschen in dieser Welt können vom Unsichtbaren besessen sein (zum Beispiel jede Sünde dämonischer Aktivität zuschreiben) oder sich lächerlichen Vorstellungen hingeben. Engel tanzen auf Kopfkissen. Teufel sitzen auf Schultern.
Doch was wir in der Schrift finden, ist eine übernatürliche Kosmologie – eine Welt, in der Natur und Übernatur, das Sichtbare und das Unsichtbare zusammen bestehen. Die Männer und Frauen, denen wir auf ihren Seiten begegnen, waren vielleicht weniger „aufgeklärt“, aber in gewisser Weise weiser. Als die Jünger Jesus auf dem Wasser gehen sehen, halten sie ihn für einen Geist (Mt 14:26). Schneller glauben sie, dass Petrus’ Engel am Tor steht, als dass der leibhaftige Petrus aus dem Gefängnis befreit vor ihnen steht (Apg 12:15).
Selbst die Welt wurde mit mythischen Augen gesehen – Berge, die für uns heute Orte sportlicher Herausforderungen sind, waren damals heilige Räume zwischen Himmel und Erde, Orte, an denen Propheten Gott begegneten. Die Meere galten als Heimat des Leviathan und anderer unerklärlicher Schrecken der Tiefe, voller geistlicher Bedeutung. Dunkle Wesen und die Geister der Verstorbenen wohnten in der Unterwelt, und rebellische „Götter“ herrschten über rebellische Nationen.
Indem wir die unsichtbare Welt verwerfen oder verzerren, übersehen wir oft eine ihrer erschreckendsten Realitäten: Dämonen.
Dämonen, lieber Leser, Dämonen!
Dämonen, lieber Leser – Dämonen. Was denkst du über sie? Denkst du überhaupt an sie? Wenn Pastoren dir versichern, dass du in Christus vor ihnen sicher bist, haben sie dann irgendeinen Grund anzunehmen, dass dich dieses Thema zuvor überhaupt erschreckt hat? Oder schütten sie Wasser auf ein Gebäude, von dem wir gar nicht wussten, dass es brennt?
Wäre es genauso sinnvoll zu predigen, dass Christus uns vor Dracula, Werwölfen und Voldemort schützt – zusammen mit all den grünköpfigen Außerirdischen hinter den Wolken? Viele Menschen heute würden die Außerirdischen ernster nehmen.
Die Bibel beschreibt eine Welt, die von Dämonen, unreinen Geistern, verführerischen Geistern und kosmischen Mächten bevölkert ist – Wesen, die denken, glauben und täuschen.
Sie können Menschen in Schrecken versetzen, durch Lügen lenken, uns zur Sünde verführen, uns bedrängen und quälen, und sie können uns blind machen für die Wahrheit, wie sie in Jesus zu finden ist. Sie sind körperlos, können aber die physische Welt beeinflussen und sogar in ihr wohnen; in den Evangelien sehen wir sie durch Wüsten wandern und nach Verkörperung verlangen, selbst in Schweinen. Manche ihrer Opfer erhalten durch sie übermenschliche Stärke, andere werden stumm, epileptisch oder selbstzerstörerisch. Eine ganze Legion kann sich auf eine einzige Person stürzen, und nachdem sie ausgetrieben wurden, können sie in größerer Zahl zurückkehren (es sei denn, jemand ist in Christus).
Sie unterscheiden sich auch in ihrer Art; einige sind hartnäckiger und lassen sich nur durch Fasten und Gebet austreiben. Und einige dieser Wesen werden sogar „Götter“ oder „Söhne Gottes“ genannt (geschaffene übernatürliche Wesen), die in ihrer Herrschaft über die verschiedenen Nationen, die ihnen zugeteilt wurden, verdorben sind (5 Mo 32:8–9).
Der Erzdämon, der Böse, ist ein Drache, ein Leviathan, ein umherstreifender Löwe, der Fürst der Macht der Luft, ein Mörder, der sich als Engel des Lichts verkleidet. Viele sind in seinem Netz gefangen, viele folgen seinen Wegen, viele sind seine Kinder, und viele werden sein Schicksal teilen, wenn Christus wiederkommt. In gewissem Sinne ist er der Gott dieser Welt, der Ankläger der Brüder, ein Mörder von Anfang an und der Vater der Lüge.
Er hasst Gott – und weil er Gott hasst, hasst er auch dich, Gottes Geschöpf. Er will, dass du an seinem Unglück teilhast, an seiner Qual, an seiner endgültigen Vernichtung. Wir wissen jedoch: Jesus ist erschienen, um die Werke dieses Widersachers zu zerstören und ein Volk aus seinem Verderben zu befreien.
Wir leben in einer Welt, die voller Teufel ist und die uns zu Fall bringen wollen. Wenn ich dir sagen würde, dass das größte Kopfgeld, das je ausgesetzt wurde, auf deinem Kopf liegt – oder dass jeder Mensch in der Menge dein Mörder sein könnte –, welcher gedankenlose Mensch würde durchs Leben gehen und sich mit allem beschäftigen, nur nicht mit dieser Tatsache?
Der übernatürliche Christus
Damit kommen wir zu Jesus, lieber Leser – Jesus. Was denkst du von ihm?
Dieser Artikel handelt letztlich nicht von Dämonen, diesen unsichtbaren Feinden deiner Seele, sondern von dem unsichtbaren Freund, den wir in Jesus haben. Martin Luther schrieb:
Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht’:
Ein Wörtlein kann ihn fällen.
Man kann darüber diskutieren, was dieses „eine Wörtlein“ ist – aber „Christus“ ist sicherlich ein überzeugender Kandidat. Unser Feind tobt und knirscht vor großem Zorn, weil er weiß, dass seine Zeit kurz ist (Offb 12:12). Und wer wird seiner Zeit ein Ende setzen? Als unser großer Champion das Lager des Feindes betrat, brach eine ganze Legion dunkler Soldaten aus der Reihe, fiel vor ihm nieder und rief: „Was haben wir mit dir zu schaffen, Sohn Gottes? Bist du hierhergekommen, um uns vor der Zeit zu quälen?“ (Mt 8:29). Durch das Kreuz hat Gott „die Mächte und Gewalten entwaffnet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in ihm“ (Kol 2:15).
Säkulare, kleine und banale Vorstellungen von geistlichen Feinden führen zu ebenso säkularen, kleinen und banalen Vorstellungen von dem übernatürlichen Christus, der diese Feinde besiegt hat. Den Helden erkennt man an dem Monster, das er erschlägt; was den Menschen erschreckt, erschrickt vor unserem älteren Bruder. Er ist derjenige, vor dem sich bald alle Dämonen und Teufel beugen werden (Phil 2:9–11). Christ, bleibe nahe bei ihm. Bete zu ihm. Suche ihn in seinem Wort. Bete ihn an, versammle dich mit der Gemeinde und setze dich unter treue Auslegungspredigt.
Möge den übernatürlichen Feinden mit einem festen, übernatürlichen Glauben an die Oberherrschaft des übernatürlichen Christus begegnet werden.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von John Schröder.
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