Tauche in die Bibel ein und lerne zu schwimmen

tauchen Bibelstudium

Amerikaner lieben die Bibel; sie lesen sie nur nicht genug. 

Laut einer Untersuchung der American Bible Society glauben die meisten Amerikaner, dass die Bibel inspiriert ist und dass ihre Prinzipien mehr Einfluss auf das öffentliche Leben haben sollten.

Achtundachtzig Prozent der Haushalte in Amerika besitzen mindestens eine Bibel, einschließlich nichtchristlicher Haushalte (68 Prozent). Die durchschnittliche Familie hat drei bis vier Exemplare von Gottes Wort. Vierundzwanzig Prozent der amerikanischen Familien geben an, mehr als fünf zu besitzen!

Bibel lesen

Der Besitz einer Bibel ist weit verbreitet. Beim Lesen der Bibel sieht es anders aus. Nur einer von sieben Erwachsenen liest die Bibel täglich.

Warum so wenige? Die meisten Amerikaner geben an, dass es an der Hektik ihres Lebensstils oder an ihrer eigenen Frustration beim Verstehen des biblischen Textes liegt.

Unter kirchlich aktiven Protestanten ist die Zahl der Bibelleser deutlich höher. Achtzig Prozent geben an, die Bibel mindestens einmal pro Woche zu lesen. Das ist ein hoffnungsvoller Ausgangspunkt, wenn man das Bibellesen in seiner Kirche neu beleben oder in diesem Jahr eine „täglich die Bibel lesen“-Routine einführen möchte.

Praktiken beim Bibellesen

In letzter Zeit habe ich einige unveröffentlichte Untersuchungen von LifeWay darüber durchgesehen, wie Menschen mit der Bibel umgehen. Viele der verfügbaren Hilfsmittel (Bibel mit Querverweisen, thematische Register usw.) helfen den Lesern, die Zusammenhänge zwischen Bibelstellen zu finden oder in schwierigen Zeiten ein passendes Wort zu entdecken. Die Menschen geben zu, dass sie eher nach Verheißungen in der Bibel suchen, wenn sie Ermutigung in ihrem Alltag brauchen.

Aber ich bin von diesen Berichten hin- und hergerissen.

Einerseits möchte ich, dass die Menschen aus welchem Grund auch immer zur Bibel greifen. Ich glaube, dass Gottes Wort Leben verändert. Ich glaube, dass sein Wort nicht leer zurückkehren wird. Ich vertraue darauf, dass Christus seine Ziele durch sein Wort erfüllt.

In der Kirchengeschichte sehen wir, wie Menschen durch scheinbar zufällige Abschnitte von Gottes Wort verwandelt wurden: die Augen des Augustinus, die auf Paulus’ Anweisung in Römer 13:13 fielen, oder das Zitat des Predigers aus Jesaja 45:22 („Blicke zu mir!“), das das Herz des jungen Charles Spurgeon ergriff.

Andererseits wünsche ich mir, dass Christen Gottes Wort nicht nur für praktische Lebenshilfen lesen. Zu viele von uns gehen zu Gottes Wort, um etwas daraus zu gewinnen. Ich möchte, dass mehr von uns zu Gottes Wort gehen, um in es einzutauchen.

Die Bibel ist eine Welt für sich.

Wir sollten die Bibel nicht so betrachten, als wäre sie ein gesunkenes Schiff, in das wir tauchen, um ein Artefakt oder einen Schatz zu bergen, den wir in unsere eigene Welt mitnehmen können. Stattdessen sollten wir unsere Zeit wie das gesunkene Schiff sehen und die Bibel als den Ozean, der uns umgibt. Christen müssen lernen, in der Bibel zu schwimmen.

Niemand sollte behaupten, dass dies leicht ist. Es stimmt, dass sich die Bibel für einen Neuling wie ein fremdes Land anfühlen kann. Der Tourist kann sich orientierungslos fühlen, wenn er ein anderes Land besucht, in dem die Sprache anders ist, die Schilder rätselhaft sind und die Gewohnheiten ungewohnt wirken.

Aber der beste Weg, eine Sprache zu lernen oder sich an eine andere Kultur anzupassen, ist das vollständige Eintauchen in ihre Rituale, Routinen und ihre Sprache. Deshalb brauchen wir ein vollständiges Eintauchen in die Welt der Schrift: Ihre Botschaft muss in Glaubensgemeinschaften gefeiert und verkündet werden, ihre Geschichten müssen als unsere eigenen erzählt werden, und ihre Gestalten sollen uns so vertraut wie Familienmitglieder sein.

Kosten vs. Genießen

Beim Essen gibt es einen Unterschied zwischen kosten und genießen. Fingerfood kostet man. Eine Mahlzeit genießt man.

Viele Christen sind es gewohnt, in der Bibel nur zu kosten; sie wissen, wie man hier und da einzelne Verse herausgreift. Stattdessen sollten wir die Schrift als etwas betrachten, das wir genießen – als eine Mahlzeit, die uns Nahrung und Kraft gibt, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. (Und wenn dir die Metapher vom „Essen“ von Gottes Wort seltsam vorkommt, verbringe etwas Zeit mit dem Psalmisten!)

In die Schrift eingetaucht

Ich liebe die Szene in Mary Poppins, in der Bert, der Schornsteinfeger, den Kindern seine Kreidezeichnungen zeigt, nur um dann zusammen mit Mary und den Kindern in die animierte Welt zu springen, die er geschaffen hat. Zuerst bewunderten sie alle die Zeichnung. Doch plötzlich waren sie in diese Welt eingetaucht.

Das ist es, was ich damit meine, in die Bibel hineinzugehen. Die Bibel ist mehr als Worte, die inspirieren; sie ist eine Welt, die wir bewohnen. Wenn Bibellesen nur der Versuch ist, etwas aus Gottes Wort herauszuholen, verpassen wir die Gelegenheit, dass Gottes Wort in uns wohnt.

Deshalb sollten wir uns in die große Geschichte der Bibel vertiefen. Deshalb sollten wir ihre Gedichte aufsagen und ihre Lieder singen. Deshalb sollten wir uns in ihre Geschichten hineinversetzen und ihren Trost wie auch ihre Herausforderung annehmen.

Welt der Bibel

Unzählige Welten werden uns heute angeboten – Zerstreuungen, die uns auf vielfältige Weise prägen. Wir bewohnen die „Welten“ beliebter Videospiele oder die Welt des Top-40-Radios. Wir tauchen ein in die Welten von Star Wars, von Mittelerde oder von Marvels Superheldenuniversum. Wir schauen Serien am Stück, die uns einladen, uns eine andere Epoche vorzustellen, vor einem apokalyptischen Szenario zu erschauern oder uns von unserem Alltag abzulenken.

Diese Geschichten prägen und formen unsere Vorstellungskraft. Deshalb brauchen wir, wenn wir in unserer Zeit treu sein wollen, Christen mit von der Schrift durchdrungener Vorstellungskraft – Gläubige, die sich einer vollständigen und regelmäßigen Vertiefung in Gottes Wort als der großen Geschichte unserer Welt verpflichtet haben.

Also lassen wir nicht zu, dass die Bibel verstaubt im Regal liegt. Mit Gottes Wort auf unseren Lippen und seinen Geschichten in unseren Herzen wollen wir eintauchen in die fremde, neue Welt der Bibel, bis wir ihre Sprache fließend sprechen und ihre Schönheit der Welt sichtbar machen.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Trevin Wax. Übersetzt von Lynn Wiebe.

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Kommentare

Eine Antwort zu „Tauche in die Bibel ein und lerne zu schwimmen“

  1. Avatar von Ulrich Wößner

    Abgesehen davon, dass ich auch Fingerfood nicht nur koste, sondern genieße:
    Dass die Bibel mehr Einfluss auf das öffentliche Leben haben sollte, ist der Irrglaube, dass die Welt sich ändern sollte.
    Dass die Bibel totalen Einfluss auf dein Leben will, damit du dich änderst, das ist der biblische Glaube.
    Warten darauf, dass die Welt sich ändert, damit du dich nicht ändern musst, das ist die pseudochristliche Bequemlichkeit.

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