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Du bist talentiert. Du hast Gaben, vielleicht vollbringst du sogar Erstaunliches. Du bist auf beeindruckende Weise begabt. Aber es gibt einen Haken: Du kannst Wunder wirken und deine Gaben trotzdem verschwenden. Geistliche Gaben sind wie Dynamit. In den richtigen Händen sprengen sie Felsen, um Tunnel und Straßen zu bauen. Sie können etwas bewirken. In den falschen Händen, in Händen, die sich selbst aufblähen wollen, sind geistliche Gaben zu nichts gut. Heute bei „Ask Pastor John“: vergeudete Talente.
Damit kommen wir zu dem Kapitel über die Liebe, 1. Korinther 13, das wir heute gemeinsam gelesen haben, und zu der Frage von Martha aus San Diego: „Pastor John, hallo und danke, dass Sie meine Frage beantworten. In 1. Korinther 13:1–3 lehrt Paulus, dass geistliche Gaben, obwohl sie wertvoll sind, ohne Liebe bedeutungslos sind. Er erklärt, dass egal wie beeindruckend oder nützlich eine Gabe erscheint, ob Zungenrede, Prophetie oder sogar das Verschenken all unseres Besitzes, alles nichts ist, wenn es nicht von Liebe motiviert ist. Eine geistliche Gabe plus deren Ausübung minus die Motivation der Liebe ergibt nichts. Das ist eine starke Warnung. Wie stellt das unser Verständnis von der Rolle geistlicher Gaben in der Gemeinde infrage? Und warum stellt Paulus die Liebe über selbst die mächtigsten geistlichen Fähigkeiten?“
Ich denke, der Grund, warum Paulus die Liebe zum Maßstab für den richtigen Gebrauch geistlicher Gaben macht, liegt darin, dass wir so leicht aus dem Blick verlieren, dass geistliche Gaben dazu bestimmt sind, andere aufzubauen und nicht dazu, unsere eigenen Fähigkeiten zu demonstrieren, selbst wenn es göttliche Fähigkeiten sind.
Mit anderen Worten: Geistliche Gaben sind wunderbar und zugleich gefährlich, genau wie Dynamit wunderbar und gefährlich ist. In den richtigen Händen kann es einen Berg aus dem Weg sprengen, um Platz für eine Straße zu schaffen. In den falschen Händen kann es dir den Kopf wegblasen. Und die Liebe ist das Kriterium, das Paulus anlegt, damit wir nicht unseren eigenen Untergang herbeiführen, sondern Wege bauen, Wege der christlichen Wahrheit und eines Christus erhöhenden Glaubens und Gehorsams.
In 1. Korinther 8:1 sagt Paulus: „Diese ‚Erkenntnis‘ bläht auf, aber die Liebe baut auf.“ Es gibt also einen falschen Gebrauch von Erkenntnis. Wenn sie den anderen nicht aufbaut, bläht sie den auf, der meint, etwas zu wissen. Der Maßstab für den richtigen Gebrauch von Erkenntnis ist die Liebe, denn die Liebe bläht nicht auf. Der Liebende baut den Geliebten auf.
Aufbauen
Wenn Paulus dann vier Kapitel später, in den Kapiteln 12–14, auf die geistlichen Gaben zu sprechen kommt, sagt er in 1. Korinther 14:26: „Lasst alles zur Erbauung geschehen“, was praktisch dasselbe ist wie in 1. Korinther 16:14: „Alles bei euch geschehe in Liebe.“ Da also alles in Liebe geschehen soll und Liebe aufbaut, statt aufzublähen oder niederzureißen, folgt daraus, dass alles zur Erbauung geschehen soll und damit wird die Liebe zum Maßstab für den richtigen Gebrauch aller geistlichen Gaben.
Man sieht, wie er diesen Maßstab anwendet. Zum Beispiel regelt er in 1. Korinther 14:4 den Gebrauch der Zungenrede so: „Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst; wer aber weissagt, erbaut die Gemeinde.“ Wenn es also keine Auslegung der Zungenrede gibt, sagt Paulus: „Wer weissagt, ist größer als der, der in Sprachen redet“ (1. Korinther 14:5). Das heißt: Er ist liebevoller. Warum ist er größer? Weil das Aufbauen anderer, also sie zu lieben, der Maßstab für den richtigen Gebrauch der geistlichen Gabe ist. Und in Vers 17 sagt er erneut: „Du magst wohl gut danken, aber der andere wird nicht erbaut.“ Das heißt: Er wird nicht geliebt.
„Paulus möchte, dass die Gemeinde, die Gemeinschaft und der Gebrauch der Gaben ganz auf Christus ausgerichtet sind, auf den Christus, dem wir vertrauen.“
Damit stellt sich die Frage: „Wenn Liebe bedeutet, aufzubauen, was heißt dann aufbauen?“ Viele halten das für selbstverständlich, aber das ist es nicht. Wenn man den Zusammenhang betrachtet, sind sich die meisten einig, dass es bedeutet, den Glauben eines Menschen aufzubauen, ihm zu helfen, stärker, fester, standhafter und tragfähiger im Glauben an Jesus, an sein Wort und an die Verheißungen Gottes zu werden. In Kolosser 2:6–7 heißt es: „Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so lebt auch in ihm, gewurzelt und aufgebaut in ihm und gefestigt im Glauben.“ Und Judas 20 sagt: „Erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben …“ Es ist daher richtig zu sagen, dass „aufbauen“ bedeutet, den Glauben eines Menschen aufzubauen, also den Glauben an Christus zu stärken und widerstandsfähiger zu machen.
Christus im Mittelpunkt
Im Kern geht es Paulus darum, dass die Gemeinde, die Gemeinschaft und der Gebrauch der Gaben ganz auf Christus ausgerichtet sind, auf den Christus, dem wir vertrauen. Geistliche Gaben sollen in Liebe ausgeübt werden. Liebe baut auf. Aufbauen bedeutet, den Glauben zu stärken. Und dieser Glaube richtet sich auf Jesus Christus. Darum geht es letztlich: um die zentrale Bedeutung der Herrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Schönheit und des Wertes Christi, dem wir vertrauen. Diesen Glauben zu stärken, dieses Wertschätzen zu vertiefen, diese Liebe zu Christus aufzubauen, das ist entscheidend. Christus wird geehrt, wenn wir ihm vertrauen, ihn wertschätzen und an ihn glauben.
Der richtige Gebrauch geistlicher Gaben läuft letztlich auf diese Frage hinaus: Stellst du dich selbst oder Christus in den Mittelpunkt?
Nun liegt das Herausfordernde, Durchdringende und Überraschende an 1. Korinther 13 darin, dass Paulus bis ins Zentrum unserer Motive vordringt und fragt, ob Christus wirklich im Mittelpunkt steht: Er sagt nicht nur, dass Zungenrede ohne Liebe wie ein dröhnender Gong ist und dass Prophetie und Erkenntnis ohne Liebe nichts sind. Er sagt auch und das ist wirklich erstaunlich, dass selbst ein Glaube, der Berge versetzt, nichts nützt, wenn er keine Liebe hat (1. Korinther 13:2). Und noch erstaunlicher: Man kann sogar seinen Leib hingeben, um verbrannt zu werden, was äußerlich wie höchste Liebe aussieht und dennoch keine Liebe haben und nichts gewinnen.
Mit anderen Worten: Selbst die Dinge, die eigentlich Maßstab für den richtigen Gebrauch der Gaben sein sollen, nämlich Glaube und Liebe, können als echt erscheinen, obwohl sie es nicht sind. In 1. Korinther 13:2–3 heißt es: „Und wenn ich allen Glauben hätte, sodass ich Berge versetzen könnte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe austeilte und meinen Leib hingäbe, damit ich verbrannt werde aber keine Liebe hätte, so nützte es mir nichts.“
Paulus ist so sehr von der Täuschungskraft der sündigen menschlichen Natur überzeugt, dass er darauf hinweist: Es gibt eine Art von „Liebe“, die sich selbst opfert und doch keine echte Liebe ist, und es gibt eine Art von „Glauben“, der Berge versetzen kann und doch kein rettender Glaube ist. Man kann sich selbst auf eine Weise opfern, die sich selbst erhöht – nicht, um andere aufzubauen, sondern um die eigene Opferbereitschaft zur Schau zu stellen. Ja, das ist möglich. Wie trügerisch ist doch unser Herz! Und beachte: Man kann Gott vertrauen, ein Wunder zu wirken, um den eigenen wundertätigen Glauben zu demonstrieren, ohne dass es einem darum geht, den christuszentrierten Glauben anderer zu stärken.
Am Ende läuft 1. Korinther darauf hinaus, ob unser Leben, einschließlich des Gebrauchs unserer geistlichen Gaben, von Selbsterhöhung oder von der Erhöhung Christi bestimmt ist.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von Desiring God.
















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