Versuch doch, großzügiger zu geben als Gott.

„Gebt, so wird euch gegeben werden; ein gutes, vollgedrücktes und gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß schütten. Denn mit demselben Maß, mit dem ihr [anderen] zumesst, wird euch wieder zugemessen werden.“ (‭‭Lukas‬ ‭6‬:‭38‬)

In unserer Stadt gibt es eine Eisdiele, die für ihre geradezu unglaubliche Großzügigkeit bekannt ist. Bestellt man eine „Kinderportion“, bekommt man mehr als genug für zwei Erwachsene. Erstbesucher sind nicht nur erfreut, sondern regelrecht verblüfft, wenn sie sehen, wie die jugendlichen Angestellten Kugel um Kugel auf die kleine Waffel türmen, sie festdrücken und weitermachen – bis der Eisberg schließlich in einen Becher daneben kippt.

Es ist eine angenehme Überraschung – die Art, die mit einem Lächeln beginnt und in ein Lachen übergeht. Ich bekomme so viel mehr, als ich erwartet habe!

Gott ist es, der die Kugeln schöpft

Jesus zeichnet in Lukas 6:38 genau solch ein Bild übergroßer Großzügigkeit. Und die Überraschung besteht nicht darin, dass seine Nachfolger aufgefordert werden, hinter die Theke zu gehen und selbst zu schöpfen, sondern darin, dass Jesus die Eiskelle in die Hand seines Vaters legt. Er verspricht, dass „der Höchste“ sich freut, seinen demütigen Kindern großzügig zu geben – so sehr, bis sie vor Freude lächeln und lachen.

Ganz im Einklang mit dem Bild, das Jesus zeichnet, bemerkt J.C. Ryle:

Niemand wird auf lange Sicht durch Taten selbstverleugnender Wohltätigkeit und geduldiger, ausharrender Liebe ein Verlierer sein. Manchmal mag es scheinen, dass sie durch ihr Verhalten nichts gewinnen. Es mag den Anschein haben, dass sie nichts als Spott, Verachtung und Schaden ernten. Ihre Freundlichkeit mag andere dazu verleiten, sie auszunutzen. Ihre Geduld und Nachsicht kann missbraucht werden. Aber am Ende wird sich immer zeigen, dass sie einen Gewinn erzielen – oft, sehr oft, einen Gewinn in diesem Leben und mit Sicherheit einen Gewinn im kommenden Leben. (Lukas, 1:144)

Um zu verstehen, wie Jesu Nachfolger am Ende – und sogar schon jetzt – solche Gewinnenden sein werden, müssen wir ein paar Hinweise aus dem Kontext beachten. Tun wir das, sind wir bereit, diese Lehre nicht als strenge Forderung zu missverstehen, sondern (in den Worten von C.S. Lewis) als eines von Jesu „unverblümten Versprechen auf Belohnung“ anzunehmen.

Geben, um zu empfangen

In Lukas 6 weist Jesus seine Jünger an, wie sie andere behandeln sollen – mit einem klaren Blick darauf, wie wir im Gegenzug von unserem Vater im Himmel behandelt werden.

Jesu Vorgehensweise sieht folgendermaßen aus: Behandle andere gut, mit einem ausdrücklichen Blick auf den Segen, der von Gott kommt. Christi Ethik ist eindeutig nicht die natürliche menschliche Ethik, die sagt: „Behandle andere gut, und sie werden dich im Gegenzug gut behandeln.“ Dies lehnt er ausdrücklich in Vers 34 ab:

„Und wenn ihr denen leiht, von welchen ihr wieder zu empfangen hofft, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder leihen den Sündern, um das Gleiche wieder zu empfangen.“

Jesus ist kein Lehrer menschlicher Weisheit. Er gibt keine Strategien, wie man andere Menschen dazu bringt, etwas zurückzugeben. Vielmehr sagt Jesus: „Liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen; so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“ (Vers 35). Die Belohnung für eure Liebe und guten Taten wird nicht von anderen Menschen kommen. Die Belohnung wird von Gott kommen.

Der „Verdienst“ oder „Nutzen“ (griechisch charis, im Neuen Testament meist mit „Gnade“ übersetzt), auf den Jesus ausdrücklich Bezug nimmt, besteht nicht darin, was andere dir zurückgeben werden, sondern darin, was dein himmlischer Vater für dich ist und tun wird. Du gibst anderen, ohne etwas von ihnen zurückzuverlangen, weil du auf die Belohnung schaust, die du von Gott erhalten wirst.

Also, merkt euch das genau: Christen sind nicht Menschen, die keine Gegenleistung erwarten. Vielmehr streben Christen bewusst nach Gegenleistung – aber nicht von bloßen Menschen. Wir lassen uns nicht so leicht zufriedenstellen. Wir suchen die Gegenleistung von Gott. Und wenn Gott gibt, hält er nichts zurück. Er knausert nicht. Er spart nicht an Ecken und Enden. Er rationiert nicht aus begrenzten Ressourcen wie der Mensch. Er überschüttet aus seinem unendlichen Reichtum als Gott.

Wer vergibt?

Als Nächstes kommt Vers 37, der unmittelbar unserem Text vorausgeht:

„Und richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet; verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt; sprecht los, so werdet ihr losgesprochen werden!“

Der Schlüssel liegt darin, sich daran zu erinnern, wer in der zweiten Hälfte dieser drei Paare der Handelnde ist. Der Zusammenhang macht es deutlich: Gott. Richtet nicht, und ihr werdet von Gott nicht gerichtet. Verurteilt nicht, und ihr werdet von Gott nicht verurteilt. Vergibt, und euch wird von Gott vergeben.

Also, nahtlos übergehend zu Vers 38: „Gebt, so wird euch [von Gott] gegeben werden.“ „Mit demselbem Maß, mit dem ihr anderen zumesst, wird euch wieder [von Gott] zugemessen werden“ – nicht von anderen Menschen, sondern von Gott selbst.

Und wenn dein himmlischer Vater zumisst, deckt er jedes einzelne Maß ab, das du gegeben hast, und überschüttet es mit seiner Gnade: „Ein gutes, vollgedrücktes und gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß schütten.“

Unser himmlischer Vater ist nicht wie ein Angestellter in einer gewöhnlichen Eisdiele, der nur eine Kugel auf eine offensichtlich leere Waffel setzt. Er häuft seine Gnade auf. Er drückt sie fest, um noch mehr Platz zu schaffen. Er türmt sie hoch, und wir lächeln. Und er häuft weiter auf, bis der Turm in unseren Schoß fällt und wir vor Freude lachen.

Glücklicher im Geben

Die klare Botschaft von Lukas 6:38, fest eingebettet in seinen Zusammenhang, lautet: Gott wird dich immer übertreffen im Geben. Und wenn man das weiß, ist man frei zu geben und frei zu lieben. Mit diesem überraschenden und wunderbaren Versprechen von Belohnung durch Jesus vor Augen bemerkt Ryle:

Nie gab es einen größeren Irrtum, als zu glauben, dass wahres Christentum das menschliche Glück beeinträchtigt. Es ist nicht zu viel Christentum, sondern zu wenig, das Menschen düster, elend und unglücklich macht. Wo Christus am besten bekannt und gehorcht wird, wird man immer die meiste wahre Freude und den größten Frieden finden. (145)

Jesus verspricht eine Belohnung auf diese Weise nicht, damit wir sie ignorieren, die Zähne zusammenbeißen und unsere freudlose Pflicht tun. Er lehrt so, damit wir seine Worte erinnern, uns ins Gedächtnis rufen und von ihnen motivieren lassen. Hört auf seine unverblümten Versprechen der Belohnung, wiederholt sie, lebt im Licht dieser Worte und trefft regelmäßig die Entscheidung, großzügig statt geizig zu sein. „Erinnert euch an die Worte des Herrn Jesus“, sagt Paulus, „wie er selbst sagte: ‚Geben ist glückseliger als Nehmen‘“ (Apostelgeschichte 20:35).


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Lynn Wiebe.
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Kommentare

Eine Antwort zu „Versuch doch, großzügiger zu geben als Gott.“

  1. Avatar von Markus Buller
    Markus Buller

    Wir brauchen die Adresse dieser Eisdiele;)

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