Im Jahr 2020 erklärte die Smithsonian Institution, eine „Betonung der wissenschaftlichen Methode“ sowie „objektives, rationales lineares Denken“ seien „Aspekte und Annahmen von “Weißen” und „weißer Kultur“.
Im Jahr 2022 veröffentlichte Christena Cleveland, eine ehemalige bekennende Christin, die von zahlreichen prominenten evangelikalen Organisationen eine Plattform erhalten hatte, das Buch God Is a Black Woman, in dem sie schrieb: „Wir müssen die Transphobie in uns selbst und in unseren Gemeinschaften ausrotten. Denn wenn Gott eine schwarze Frau ist, dann ist sie eine schwarze Trans-Frau. Offensichtlich.“
Im Jahr 2025 erklärte ein Meinungsbeitrag in USA Today: „Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Transgender-Frauen im Sport einen körperlichen Vorteil gegenüber cisgeschlechtlichen Frauen haben.“
Diese kulturellen Zeugnisse sind Ausdruck dessen, was landläufig als „Wokeness“ bezeichnet wird, die äußere Erscheinungsform einer Ideologie, die als Kritische Theorie bekannt ist. Die zeitgenössische Kritische Theorie behauptet, dass
- die Gesellschaft entlang der Linien von Ethnie, Klasse, Geschlecht und Sexualität in unterdrückende und unterdrückte Gruppen eingeteilt ist;
- die herrschende Klasse durch ihre hegemoniale Macht und ihren Einfluss ihre Normen und Werte allen anderen aufzwingt;
- Unterdrücker für die soziale Realität blind sind, während Unterdrückte durch ihre gelebte Erfahrung ein besonderes Verständnis dieser Realität besitzen; und
- soziale Gerechtigkeit erst dann erreicht wird, wenn die Systeme und Strukturen, die diese unterdrückenden Normen und Werte stützen, dekonstruiert werden.
Mehrere Werke von Evangelikalen haben die Kritische Theorie auf akademischer Ebene wirksam hinterfragt. Doch nur wenige Menschen geraten durch das Studium von Wissenschaftlern wie Judith Butler oder Kimberlé Crenshaw in den Bann der Wokeness; vielmehr haben sie schlicht ein kulturell allgegenwärtiges, falsches Narrativ von Unterdrückung und Befreiung übernommen.
Um diesem Narrativ zu begegnen, müssen Christen eine bessere Geschichte erzählen, eine Geschichte, die in einem biblischen Verständnis von Identität und Gemeinschaft, Objektivität und Erkenntnis sowie Sünde und Erlösung verwurzelt ist.
Wer bin ich?
Für zeitgenössische Vertreter der Kritischen Theorie ist unsere Identität in erster Linie horizontal; sie findet sich in der Zugehörigkeit zu verschiedenen demografischen Gruppen. In Bezug auf diese Gruppen zwingt uns die Kritische Theorie dazu, unseren Status entweder als Unterdrücker oder als Unterdrückte zu verinnerlichen.
So beklagt etwa die feministische Wissenschaftlerin Peggy McIntosh, die den Begriff „white privilege“ geprägt hat, dass sie, als weiße Frau, „dazu erzogen wurde, sich selbst als Individuum zu sehen, dessen moralischer Zustand von seinem individuellen moralischen Willen abhängt“, statt „sich selbst als Unterdrückerin zu sehen“.
In ähnlicher Weise lehrt die Kritische Theorie Menschen mit anderer Hautfarbe, sich als Opfer einer ungerechten Gesellschaft zu verstehen, die die Beschwerden aller anderen unterdrückten Gruppen unterstützen müssen. Diese intersektionale Solidarität erklärt, warum Organisationen wie Black Lives Matter offiziell LGBT+-Anliegen übernommen haben und warum ihre Zweigstelle aus Chicago nach den Terroranschlägen auf Israel am 7. Oktober 2023 seine Unterstützung für die Hamas auf Twitter bekundete.
Im Gegensatz dazu lehrt das Christentum, dass unsere grundlegende Identität vertikal ist. Wir alle sind Geschöpfe, geschaffen im Ebenbild eines heiligen und liebenden Gottes. Wir alle sind in Adam gefallen und als Christen sind wir alle in Christus vereint. Auf einer grundlegenden Ebene besitzen wir eine Identität, die größer ist als Ethnie, Klasse und Geschlecht.
Diese beiden Identitätsverständnisse prägen das Gemeinschaftsleben tiefgreifend. Die Kritische Theorie fördert das, was der Psychologe Jonathan Haidt eine „Politik des gemeinsamen Feindes“ nennt: „Wir“ sind die Guten auf der richtigen Seite der Geschichte, während „sie“ die Ungerechten sind, die Engstirnigen, die Hasser, die Räuber, die Übeltäter und die Zöllner. Im Vergleich dazu fördert das Christentum eine „Politik der gemeinsamen Menschlichkeit“, nicht nur abstrakt in der Gesellschaft, sondern auch ganz konkret in der Gemeinde.
Obwohl Vertreter der Kritischen Theorie sich rühmen, inklusiv zu sein, bringen ihre Ansichten unweigerlich Menschen und Gemeinschaften hervor, die von Zorn, Feindschaft, Angst und Paranoia geprägt sind. Das Evangelium hingegen formt Menschen und Gemeinschaften, die von Liebe, Vergebung, Frieden und Geduld gekennzeichnet sind.
Was ist Wahrheit?
Durch ihren Rückgriff auf „gelebte Erfahrung“ macht die Kritische Theorie die Aussagen unterdrückter Menschen nahezu unangreifbar. Privilegierte Personen (ebenso wie „unwoke“ Mitglieder unterdrückter Gruppen, etwa lebensschützende Frauen oder schwarze Konservative) werden als Opfer eines falschen Bewusstseins abgetan, während die Behauptungen marginalisierter Menschen aufgewertet und autorisiert werden.
Diese Dynamik zeigt sich am deutlichsten innerhalb der Transgender-Bewegung, in der „Geschlechtsidentität“ vollständig subjektiv verstanden wird und jeder Rückgriff auf Biologie als voreingenommen und „transphob“ bezeichnet wird.
Der Wahrheitsansatz der Kritischen Theorie führt zwangsläufig zu einem Wettlauf nach unten, da ihre Anhänger danach streben, den autoritativen Status zu beanspruchen, der mit maximaler Unterdrückung einhergeht. Einige Detransitionierte haben sogar darüber geschrieben, dass die Annahme einer trans-Identität für sie ein Weg war, dem „Unterdrücker“-Etikett zu entkommen, das ihnen als „privilegierte“ weiße Jugendliche aus der Mittelschicht aufgezwungen wurde.
Im Gegensatz zur Kritischen Theorie besteht das Christentum darauf, dass wir alle fehlbare Sünder sind, die Wissen und Weisheit nicht in unserem Inneren, sondern außerhalb von uns selbst suchen müssen. Gott offenbart sich in der Schrift und in der Schöpfung, und wir sind aufgerufen, uns seiner Wahrheit zu unterstellen. Dieses Erkenntnisverständnis sollte in uns Demut, Neugier und Offenheit hervorbringen, da wir alle anerkennen, dass wir blinde Flecken haben, die sowohl durch die Schrift als auch durch andere Jesus-Gläubige herausgefordert werden sollten.
Was ist falsch mit der Welt?
Letztlich sieht die zeitgenössische Kritische Theorie das grundlegende Problem der Menschheit als ein äußeres: Bestimmte Gruppen haben kulturelle Macht an sich gerissen und ihre Werte allen anderen aufgezwungen. Die grundlegende Lösung hingegen ist innerlich. Diejenigen von uns, die privilegiert sind, müssen „die Arbeit tun“: Macht abgeben, aufhören, Raum einzunehmen, und marginalisierte Stimmen in den Mittelpunkt stellen. Die Kritische Theorie fordert zugleich, dass die Unterdrückten ihre Stimme erheben, aktiv werden, „ihre Wahrheit leben“ und die Gesellschaft radikal verändern.
Das Christentum kehrt diese Sichtweise vollständig um. Nach der Bibel ist unser grundlegendes Problem innerlich: Wir sind Sünder. Wir alle haben gegen Gott rebelliert, vom Geringsten bis zum Größten. Wir alle verdienen seinen Zorn. Wir alle haben seine Herrlichkeit verfehlt. Und die grundlegende Lösung ist äußerlich: Gott musste seinen Sohn Jesus senden, damit er an unserer Stelle stirbt und von den Toten aufersteht, um uns zu retten.
Die Kritische Theorie fesselt uns an das Laufband der Werkgerechtigkeit. Statt Kathedralstufen zu küssen und Ablassbriefe zu kaufen, stellen wir heute Vorgartenschilder auf und kaufen Bücher von Robin DiAngelo. Doch die Motivation ist dieselbe. Ohne Christus spüren wir alle das unausweichliche menschliche Bedürfnis, uns selbst zu rechtfertigen; die Kritische Theorie bietet uns dafür einen gesellschaftlich akzeptierten Weg.
Die Bibel erzählt eine bessere und glaubwürdigere Geschichte. Die schlechte Nachricht ist: Wir können uns selbst nicht retten; wie Lady Macbeth werden wir diesen „verfluchten Fleck“ niemals abwaschen können. Die gute Nachricht ist: Was wir aus eigener Kraft nicht vermochten, das hat Gott für uns in Christus getan, damit wir vergeben und gereinigt werden können.
Die warnende Geschichte des neuen Atheismus
Die frühen 2010er-Jahre erlebten den Höhepunkt des Neuen Atheismus. Angeführt von Autoren wie Richard Dawkins, Sam Harris, Christopher Hitchens und Daniel Dennett wollten die sogenannten „Brights“ die Religion zerstören und eine neue Ära von Vernunft, Logik und Wissenschaft einläuten. Ein Jahrzehnt später ist diese Bewegung nahezu bedeutungslos. Was ist geschehen? Laut Atheisten wie Scott Alexander und Peter Boghossian wurde das Bündnis weitgehend von der Wokeness verschluckt.
Was die Neuen Atheisten nicht erkannten, ist, dass der Mensch nicht nur von Logik lebt. Menschen sind Geschichtenerzähler und Geschichtenfolger. Wir sehnen uns nach Schönheit, Sinn und Ziel. Epische religiöse Erzählungen durch trockene wissenschaftliche Fakten ersetzen zu wollen, ist in etwa so, als wolle man Der Herr der Ringe durch eine Bedienungsanleitung für eine Waschmaschine ersetzen.
Wokeness ist unter anderem deshalb so populär, weil sie eine fesselnde Geschichte erzählt. Sie sagt uns, wir seien Teil eines Krieges zwischen Gut und Böse. Wir seien in der Matrix gefangen gewesen, ahnungslos gegenüber dem Kampf, der um uns herum tobte. Doch nun seien wir erwacht und könnten uns der Revolution anschließen, um ein Zeitalter der Liebe, des Fortschritts und der Gleichheit herbeizuführen.
Christen dürfen nicht denselben Fehler machen wie die Neuen Atheisten. Wir müssen nicht nur zeigen, dass die Bibel der Kritischen Theorie grundsätzlich widerspricht, sondern auch, dass sie eine bessere Geschichte erzählt.
Ja, wir sind Teil eines kosmischen Kampfes zwischen Gut und Böse aber wir standen auf der falschen Seite. Wir waren gottlose Rebellen, zu Recht verurteilt und ohne Hoffnung. Durch ein großes Opfer kam unser großer Schöpfer in Menschengestalt auf die Erde, um unseren Feind zu besiegen und uns zu retten. Nun sind wir in sein Reich aufgenommen, wo wir mit Brüdern und Schwestern aus jedem Stamm, jeder Nation und jeder Sprache verbunden sind, bis er wiederkommt und alles neu macht (Offenbarung 7:9; 21:5).
Die Geschichte des Christentums ist die tatsächliche Geschichte der Wirklichkeit. Sie besitzt die Kraft, alle falschen Narrative zu verdrängen, die unsere Herzen und Gedanken gefangen genommen haben, auch jene, die von der Kritischen Theorie verbreitet werden.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.
















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