Warum es gut sein könnte, dass deine Gemeinde nicht wächst

Zusammenfassung: Caleb Davis ermutigt Pastoren, Gottes gute Absichten darin zu erkennen, wenn ihre Gemeinde nicht wächst, anstatt mit ihrer Größe unzufrieden zu sein. Gott könnte den Leitern helfen, sich auf die vorhandene Herde zu konzentrieren und sie auszurüsten, seinen Auftrag auszuführen. Eine Phase, die stagnierend wirkt, kann eine Gelegenheit zur Selbstprüfung sein und sollte zu größerer Abhängigkeit von Gott führen.


Ich hatte ihn seit Jahren nicht mehr gesehen. Nach etwas Smalltalk stellte er die Frage, die viele Pastoren fürchten: „Und, wie groß ist deine Gemeinde?“ Wenn du eine kleine Gemeinde leitest, kennst du die Gefühle: Unsicherheit, Verteidigungshaltung, die Versuchung zu übertreiben und der Wunsch, die Stärken deiner Gemeinde hervorzuheben.

Die durchschnittliche Gemeinde hat etwa sechzig Gottesdienstbesucher. Doch viele Pastoren fühlen sich trotzdem wie Versager. Sie leben in einem dauerhaften Zustand leichter Unzufriedenheit, beobachten, wie andere Gemeinden sich verdoppeln oder verdreifachen, während ihre eigene festzustecken scheint. Sie fragen sich, warum Gott ihre Gebete nicht erhört hat. Bitten wir nicht um etwas Gutes? Hat Jesus nicht versprochen, seine Gemeinde zu bauen oder meinte er damit andere Gemeinden?

Zu dieser geistlichen Verunsicherung kommen praktische Herausforderungen: zu wenige Mitarbeiter, knappe Finanzen, begrenztes Personal. Pastoren kleiner Gemeinden sehen, wie Menschen, die sie lieben, zu größeren Gemeinden mit mehr Angeboten wechseln, es ein ständiges Kommen und Gehen.

Ich habe sowohl in einer Megakirche mit allem, wovon Pastoren träumen, gedient als auch inzwischen über ein Jahrzehnt lang eine Gemeinde mit unter zweihundert Menschen geleitet. Ich bin nicht gegen Wachstum. Ich habe es mir gewünscht. Dafür gebetet. Darauf hingearbeitet. Aber meine jetzige Gemeinde hat nie dieses plötzliche Wachstum erlebt, das manche Gemeinden erfahren.

Ich habe das gehasst. Ich war entmutigt. Enttäuscht. Verwirrt. Und mit der Zeit habe ich gelernt, Gott sogar für diese Gnade zu danken.

So gut und berechtigt der Wunsch nach Wachstum auch ist, habe ich gelernt, mich darüber zu freuen, dass Gott sich entschieden hat, meine Gemeinde nicht in dem Tempo wachsen zu lassen, das ich mir einmal vorgestellt hatte.

Gezielte Seelsorge

In Sprüche heißt es: „Wo keine Rinder sind, bleibt die Krippe sauber; doch reicher Ertrag kommt durch die Kraft des Rindes“ (Spr 14:4). Wachstum bringt Fülle, aber auch einen unordentlicheren Stall. Diese Lektion habe ich in meinem ersten Job auf einer Ranch gelernt. Mehr Pferde bedeuteten mehr Mäuler, die gefüttert werden mussten, mehr Ställe, die ausgemistet werden mussten, und mehr Schubkarren voller Mist, die weggebracht werden mussten. Manchmal wünschte ich mir, es gäbe nur einen einzigen Stall zu säubern.

Gemeindewachstum kann eine ähnliche Wirkung haben. Im Moment hast du vielleicht ein Beratungsgespräch, eine kritische E-Mail, ein Paar, das mit Unfruchtbarkeit zu kämpfen hat. Multipliziere das nun entsprechend dem Wachstum, das du dir für deine Gemeinde wünschst. Mehr Menschen können mehr Probleme, mehr Bedürfnisse und mehr Belastung bedeuten.

Das heißt nicht, dass wir Wachstum fürchten sollten. Schließlich ist eine reiche Ernte etwas Gutes! Wir möchten sehen, dass mehr Menschen zu Jüngern werden. Wir sollten nicht absichtlich versuchen, alles klein zu halten, nur damit wir weniger Probleme haben. Doch es ist leicht, zu fantasieren und dabei das realistische Bild von Wachstum aus dem Blick zu verlieren. Ein Mangel an Wachstum kann Gottes Barmherzigkeit sein, um dir zu helfen, dich auf die Herde zu konzentrieren, die er dir jetzt anvertraut hat. Hüte die Schafe, die Gott dir heute gegeben hat, mit Sorgfalt, statt von den Schafen zu träumen, die du gern hättest.

Engagierte Arbeiter

Früher habe ich gebetet: „Gott, bring Menschen in unsere Gemeinde.“ Dann wurde mir klar, dass diese Art von Gebet so eigentlich nicht in der Bibel vorkommt. Jesus sagte, die Ernte sei „groß“; das Problem sei, dass es nur wenige Menschen gibt, die bereit sind, in die Ernte zu gehen. Deshalb sollen wir „den Herrn der Ernte inständig bitten, Arbeiter in seine Ernte auszusenden“ (Mt 9:37–38). Wir sind nicht dazu berufen zu beten, dass Gott Menschen in unsere Gemeinde schickt. Wir sind dazu berufen zu beten, dass Gott uns zu ihnen sendet.

Einige wachsende Gemeinden können leicht in der Evangelisation träge werden. Das ist besonders dann der Fall, wenn ein Großteil ihres Wachstums durch Google-Suchergebnisse, Sichtbarkeit oder sogenanntes „Transferwachstum“ entsteht.

Ich habe jedoch mit vielen sterbenden Gemeinden gesprochen, die früher volle Versammlungsräume hatten, Schulen für wachsende junge Familien und nationale Radiodienste. Manche geben zu, dass sie mit der Zeit nach innen gerichtet wurden, sich auf frühere Erfolge verließen und damit zufrieden waren, ihren Komfort zu bewahren.

Eine Phase der Stagnation bietet einer Gemeinde die Möglichkeit, sich selbst zu prüfen. Sie zwingt uns zu fragen: Sind wir wirklich im Kontakt mit unseren Nachbarn, Arbeitskollegen und unserer Stadt? Zeigen wir Gastfreundschaft, bauen wir Freundschaften auf und verkündigen wir das Evangelium? Teilen wir Gottes Herz für unsere Umgebung? Vielleicht entscheidet sich Gott, kein Wachstum zu schenken, solange keine grundlegende Neuausrichtung unserer Herzen stattfindet, damit wir Jesus ähnlicher werden, der gekommen ist, um das Verlorene zu suchen und zu retten (Lk 19_10).

Tiefere Abhängigkeit

Wenn das Wachstum ins Stocken gerät, suchen Pastoren oft hektisch nach Lösungen: Kurse, Facebook-Gruppen, Netzwerke, Bücher, Berater oder neue und innovative Methoden. Ich sage nicht, dass all diese Dinge wertlos sind, aber was ist, wenn Gott uns an den Punkt bringen möchte, an dem unsere besten Mittel nicht mehr ausreichen? Was ist, wenn er dir eine Zeit der „Fische und Brote“ gibt, in der du die begrenzten Menschen, Mittel, Mitarbeiter und Ressourcen zu ihm bringst und sagst: „Gott, tu, was nur du tun kannst. Verherrliche dich selbst.“

Er führt uns dazu, von ihm abhängig zu sein, nicht nur wegen seiner Kraft, sondern auch, weil er unsere wahre Quelle der Freude ist. Wie bei allen Prüfungen ist es Gottes Ziel, unseren Charakter zu formen, uns näher zu sich zu ziehen und in uns größere Ausdauer aufzubauen. Es zwingt uns, entscheidende Fragen zu stellen: Liegt meine größte Freude in Gott oder in einer beliebten Gemeinde? Besteht meine Gerechtigkeit in einer Zahl oder in Christus? Predige ich, um Gott treu zu sein und Menschen zu lieben, oder um mich selbst besser zu fühlen? Lebe ich treu, um den Dienst zu erfüllen, den er mir anvertraut hat?

Dies ist eine Gelegenheit, nicht das zu beklagen, was dir fehlt, sondern sich daran zu erinnern, was du bereits in Christus hast.

Zahlen steigen und fallen, ob um Tausende oder nur um Dutzende, doch unsere Berufung bleibt dieselbe. Wir beten Gott an, verkündigen das Evangelium, leben Gemeinschaft, rüsten die Gemeindemitglieder für den Dienst aus und erfüllen den Auftrag Christi.

Deine Gemeinde hat denselben Platz im Auftrag Christi wie jede andere christliche Gemeinde auf der Welt. Und Jesus ist genauso das Haupt deiner Gemeinde wie derjenigen mit dem neuen Gebäude. Er sorgt für deine Gemeinde und hat sie mit seinem Blut erkauft. Er enthält dir nichts Gutes vor.

Pastor, übersehe nicht das Gute, das Gott dir gegeben hat, indem du dich auf das konzentrierst, was er dir noch nicht gegeben hat. Langsames Wachstum ist keine Vernachlässigung Gottes. Es ist seine Güte.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei 9marks. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
Mehr Ressourcen von 9marks.

Avatar von Caleb Davis

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert