Einer der Lieblingswitze meines Vaters geht ungefähr so:
Quizmaster: Nun zur 64.000-Dollar-Frage, sind Sie bereit?
Kandidat: Ja.
Quizmaster: Wo wurde Abraham geboren?
Kandidat: Ähm … äh …
Quizmaster: Richtig! Sie gewinnen 64.000 Dollar!
Auch wenn es kein besonders anspruchsvoller Humor ist (siehe 1. Mose 11:28, wenn du den Zusammenhang brauchst), stelle ich mir gern vor, dass mein Vater mich damit im Evangelium der Gnade unterwiesen hat. Der Witz funktioniert, weil Versagen belohnt wird. Der Kandidat zögert, stammelt und erhält trotzdem den Preis. Es ist ein kleines Gleichnis für die Rechtfertigung allein aus Gnade.
Wenn das das Evangelium ist, an das wir glauben, dann sollten Christen doch eine gewisse Leichtigkeit an sich haben. Keine Oberflächlichkeit und ganz sicher keinen Zynismus, sondern ein tiefes Vertrauen darauf, dass, wie Julian von Norwich sagte, „alles gut werden wird, und jede Art von Sache wird gut werden“.
Warum sind Christen dann nicht dafür bekannt, humorvoll zu sein? Irgendwann haben wir offenbar beschlossen, dass Heiligkeit ernst aussieht, dass Humor sorgfältig kontrolliert werden muss und dass es bedeutet, Gott ernst zu nehmen, sich selbst sehr ernst zu nehmen.
Den Glauben zu ernst nehmen
Die Belege dafür finden sich in der christlichen Vergangenheit. Wir haben eine Tradition geerbt, die moralisch ernsthaft, theologisch gewichtig und gegenüber Heiterkeit misstrauisch ist. Dieser Impuls hat alte Wurzeln.
Im fünften Jahrhundert warnte Johannes Chrysostomus, dass Lachen für das gegenwärtige Zeitalter unangebracht sei: „Die Menschen lachen und sie weinen, und es ist eine Sache des Weinens, dass sie lachen.“ Lachen gehöre nicht in das gegenwärtige böse Zeitalter, wohl aber das Weinen. Christliche Tränen sollen ein Gegengewicht zur Frivolität und Ausgelassenheit bilden, die das menschliche Bedürfnis nach Erlösung verdecken.
Darin liegt Weisheit. Ein Großteil des heutigen Humors verharmlost das, was uns eigentlich betrüben sollte. Die Bibel kennt den angemessenen Platz der Klage. Jesus selbst war „ein Mann der Schmerzen“ (Jes. 53:3). Der Christ ist nicht zu einer oberflächlichen Fröhlichkeit berufen, die die Zerbrochenheit der Welt ignoriert.
Gleichzeitig sollten wir ein schweres Herz nicht mit einem heiligen Leben verwechseln. Das Neue Testament setzt Freudlosigkeit niemals mit Frömmigkeit gleich. Die Frucht des Geistes schließt Freude ein (Gal. 5:22), und das Reich Gottes wird immer wieder als Festmahl beschrieben (z. B. Matth. 22,2) und nicht als Gerichtssaal oder Hörsaal. Wenn Ernsthaftigkeit zu unserer Grundhaltung wird, ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten.
Uns selbst zu ernst nehmen
Aber vielleicht liegt der tiefste Grund dafür, dass Christen nicht humorvoll sind, darin, dass wir uns selbst oft zu ernst nehmen. Das ist nicht einfach ein Mangel an Frömmigkeit, sondern auch ein kulturelles Erbe. In einem Zeitalter des ängstlichen Individualismus wird das Selbst zu einem zerbrechlichen Projekt, das ständig gepflegt und geschützt werden muss. Lachen ist hier gefährlich, weil es bloßstellen könnte und deshalb klammern wir uns stattdessen an Ernsthaftigkeit.
Theologisch gesehen ist das ein Problem. Augustinus und Thomas von Aquin verstanden Stolz als eine Art Anziehungskraft zum eigenen Ich hin. Von der eigenen Bedeutung, dem eigenen Ruf oder der eigenen Leistung besessen zu sein bedeutet, unter einer schweren Last zu leben. Demut hingegen schafft Raum für Lachen. Sie ermöglicht Selbstvergessenheit.
G. K. Chesterton brachte das mit charakteristischer Brillanz auf den Punkt: „Engel können fliegen, weil sie sich selbst leicht nehmen. Vergiss nie, dass der Teufel durch die Kraft der Schwere fiel. Wer den Glauben hat, hat auch den Spaß.“
Ein Christ, der nicht über sich selbst lachen kann, hat die Gnade vielleicht noch nicht vollständig erfasst. Wenn mein Stand vor Gott vollständig von Christus abhängt, dann sind meine Fehler nicht mehr katastrophal. Sie sind real, aber sie sind nicht das Letzte. Das befreit mich, Absurdität wahrzunehmen, statt sie zu fürchten, selbst dann, wenn ich sie in mir selbst entdecke.
Hier verändert das Evangelium alles. Die Rechtfertigung allein aus Gnade regelt nicht nur unseren Stand vor Gott, sondern formt auch unsere innere Haltung zum Leben neu. Christus trägt unsere schwersten Lasten auf seinen starken Schultern. Dieses Wissen sollte uns weniger defensiv, weniger verhärtet und weniger verzweifelt darum bemüht machen, beeindruckend zu wirken. Wir müssen unser Image nicht so krampfhaft kontrollieren.
Frei zu lachen
Das Evangelium schenkt die Freiheit, nicht nur über uns selbst zu lachen, sondern sogar die Versuche unseres Feindes zu verspotten, uns zu zerstören.
Martin Luther verstand das instinktiv. Von Depressionen geplagt und überzeugt, geistlich angefochten zu sein, sah Luther Humor als eine Form des Widerstands. Der Teufel, so glaubte er, lebte von Anklage und Verzweiflung. Das Gegenmittel war nicht ernste Selbstbeobachtung, sondern Spott: „Der beste Weg, den Teufel zu vertreiben, ist, ihn zu verhöhnen und zu verspotten, denn er kann Verachtung nicht ertragen.“
Für Luther war Lachen nicht belanglos; es war theologisch. Es war ein gelebtes Bekenntnis, dass das Böse nicht das letzte Wort hat.
Christliches Lachen ist in seiner besten Form weder grausam noch zynisch, herabsetzend oder überheblich. Es ist selbstbewusst demütig. Wir sind eingeladen, über Anmaßung zu lachen, auch über unsere eigene. Wir können die Absurditäten des Lebens unter der Sonne erkennen, ohne der Verzweiflung zu verfallen.
In einer Kultur, die von Angst und Selbstbezogenheit geprägt ist, wird eine solche Art von Lachen ungewöhnlich wirken. Doch vielleicht ist genau das unsere Berufung: leicht zu leben, nicht weil nichts von Bedeutung wäre, sondern weil Christus bereits das gesichert hat, was am wichtigsten ist.
Warum sind Christen nicht humorvoll? Vielleicht, weil wir vergessen haben, wie gut das Evangelium wirklich ist.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler. Mehr von The Gospel Coalition.
















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