Im März 44 v.Chr. wurde der Diktator Julius Cäsar ermordet. Die politischen Feinde Cäsars hatten ihn aus dem Weg geräumt, aber seine Beliebtheit blieb. Sein späterer Nachfolger Augustus organisierte die Festspiele zu Ehren Cäsars, seines Adoptivvaters. Während der Spiele war im gesamten Mittelmeergebiet abends ein Komet zu sehen; er schreibt aus der Rückschau:
„Genau zur Zeit meiner Spiele wurde sieben Tage lang am Himmel in Richtung Norden ein Haarstern (= Komet) gesichtet. Er ging um die elfte Tagesstunde auf und war in allen Ländern deutlich zu sehen. Das Volk glaubte, der Stern zeige an, dass die Seele Caesars unter die Mächte der unsterblichen Götter aufgenommen worden sei […]“1
Dieser „Juliusstern“ stand also für den vergöttlichten Julius Cäsar, der als Mensch zu einem Gott wurde, und folglich dafür, dass Augustus der Sohn eines Gottes sei. Als diesen verehrten ihn die Bürger, vor allem im Osten des Römischen Reiches.
Die Römer sollten auch die Oberherrschaft über Israel erlangen. Dieses war im Jahrhundert vor der Zeitenwende geprägt von Krieg, Bürgerkrieg, sozialen und religiösen Krisen. Herodes wurde durch die Gunst der Römer jüdischer König. Er war zwar nur Halbjude, aber selbstbewusst, intelligent, machtbewusst und skrupellos, was zur Unzufriedenheit in der Bevölkerung führte. Einige Jahre nach Herodes‘ Tod sollten die Römer selbst die direkte Kontrolle über Israel übernehmen. Das sorgte für eine Sehnsucht der Menschen: sie erwarteten einen Retter, einen Messias, einen König, der sie militärisch von den auswärtigen Mächten befreien würde.
Simeon
Simeon war schon ein alter Mann, der die Wirren in seinem Land mitbekommen hatte und sich nichts sehnlicher wünschte als Rettung, Frieden und Freiheit. Seine Sehnsucht galt diesem Retter: er „war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels“ (Lukas 2:25). Das heißt, er lebte im Vertrauen auf seinen Gott. Außerdem heißt es weiter: „[…] und der Heilige Geist war auf ihm. Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen“ (Lukas 2:26). Er fieberte sein ganzes Leben auf diesen Moment hin. Nun war er schon ein alter Mann. Die Ankunft des Messias stand also kurz bevor. Auch eine junge Frau sollte die konkrete Verheißung Gottes auf den Messias erfahren; und zwar wortwörtlich am eigenen Leib.
Maria
Maria wuchs in Nazareth auf, einem kleinen, unbedeutenden Bauerndorf mit etwa 400 Einwohnern; Wahrscheinlich hatte sie einen normalen Familienalltag: Haushalt, Sorge für Geschwister, Hilfe bei Erntearbeiten, Sabbatfeier. Sie war verlobt mit einem Handwerker namens Josef. Plötzlich und unerwartet bekam sie eine Verheißung Gottes direkt von einem Engel:
„Du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“ Lukas 1:30-33
Was für eine Botschaft, die einer so jungen Frau zugebracht wurde! Es ging um den Messias, den Retter! Maria war perplex: wie konnte das sein, da sie ja noch eine Jungfrau war?! Sie war also interessanterweise die Erste, die an der Jungfrauengeburt zweifelte. Aber der Engel erklärte ihr, dass dieses Kind von Gott kommen sollte. So wie es beim Propheten Jesaja angekündigt worden ist:
„Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Immanuel nennen, was übersetzt ist: Gott mit uns.“ Jesaja 7:14
Josef
Josef, Marias Verlobter, kam ebenfalls aus Nazareth und war Zimmermann, was Arbeiten eines Schreiners, Architekten und Bauarbeiters miteinschließen konnte. Er war wahrscheinlich etwas älter als Maria. Als sie ihm von der Engelerscheinung erzählte, glaubte er ihr nicht. Die Tatsache, dass Maria schwanger war, bedeutete für ihn eine Zwickmühle: Blieb er mit Maria zusammen, konnten die Leute ihm vorehelichen Geschlechtsverkehr unterstellen oder dass Maria mit einem anderen Mann geschlafen hatte – beides eine große Schande in der damaligen Zeit. Wenn er sich von Maria trennen würde, hätten das die Menschen natürlich mitbekommen. Vielleicht wollte er sich aus Nazareth fortmachen, was ihn wie einen Feigling hätte aussehen lassen. Aber offensichtlich nahm er diese Möglichkeit für Maria gerne in Kauf. Denn es heißt:
„Josef, der schon als ihr Ehemann galt, war ein gewissenhafter und gottesfürchtiger Mann. Er nahm sich deshalb vor, den Ehevertrag stillschweigend rückgängig zu machen, um sie nicht bloßzustellen.“ Matthäus 1:19
Seine Gottesfürchtigkeit führte also dazu, nicht für sich selber, sondern für seine Verlobte Maria das Beste (bzw. am wenigsten Schlechte) herauszuholen. Er wollte von einer öffentlichen Anklage absehen und die Verlobung heimlich auflösen. Das hätte zwar auch Fragen aufgeworfen und die Tatsache der unehelichen Geburt wäre an Maria haften geblieben, allerdings nicht in der Schärfe wie bei einer öffentlichen Anklage. Durch einen Engel erfuhr Josef anschließend die Bestätigung von dem, was Maria ihm erzählt hatte, sodass er sie zur Frau nahm.
Maria und Josef
Durch eine Steuerschätzung veranlasst reisten die beiden (als sie verheiratet waren) schließlich nach Bethlehem, wahrscheinlich um eigenen Landbesitz den Behörden zu melden. Dabei kamen sie an Jerusalem vorbei, wo Herodes herrschte. Mit ihm ging es in dieser Zeit gesundheitlich und machtpolitisch bergab, sodass er jeden, der ihm verdächtig vorkam, beseitigen ließ und Spitzel im Land anheuerte, um etwaige Konkurrenten ausfindig machen zu können. Maria und Josef mussten also aufpassen, dass sie sich und die Zusage des neuen Retters und Königs auf ihrer Reise nicht verrieten. Wahrscheinlich kamen sie in Bethlehem bei Verwandten unter und mussten im Hauptraum schlafen, in dem nachts auch die Tiere untergebracht wurden; hier sollte Maria das Kind zur Welt bringen.
Die Hirten
In der Nähe von Bethlehem versorgte eine Gruppe Hirten ihre Schafe auf einer Weide. Diese hatten ein niedriges Ansehen in der Gesellschaft: Die meisten Hirten kümmerten sich nicht um ihre eigenen Tiere, sondern um die von reichen Bauern und einige verbesserten ihr Einkommen mit Gelegenheitsdiebstählen. Der gleiche Engel, der Maria das Kind ankündigte, erschien auch plötzlich den Hirten, sodass sie erschraken. Dann sprach der Engel:
„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ Lukas 2:10-12
Zusätzlich erschien noch ein Engelchor, der Gott lobte und Frieden verkündete. Die Hirten eilten in das Dorf herüber, fanden das Kind und erzählten Josef und Maria, was sie mit den Engeln erlebt hatten. Dann heißt es: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ (Lukas 2: 19). Die Hirten priesen Gott, weil diese Begegnung ihr Leben verändert hatte!
Nochmal Simeon
Vierzig Tage später begaben sich Maria und Josef zum Tempel in Jerusalem, um den kleinen Jungen Gott zu weihen und ein Opfer darzubringen. In diesen Tagen war auch Simeon im Tempel. Als er das Kind im Tempel sah, erkannte er, dass dies der zukünftige Retter sein wird und konnte nicht anders, als Gott zu loben und ihm zu danken:
„Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“ Lukas 2:29-32
Er erklärte weiter, dass viele dem, was er tun und lehren würde, widersprechen und sich gegen ihn auflehnen würden.
Die Weisen
Der Komet von Julius Cäsar war schon Jahrzehnte nicht mehr zu sehen; nun sollte ein neuer Stern aufgehen. In dem Zeitraum von Jesu Geburt gab es einige Himmelserscheinungen: einer davon der „Stern von Bethlehem“. Einige Sterndeuter aus dem Osten (Perser oder Araber) entdeckten diese Erscheinung und machten sich auf den Weg. Die Erscheinung muss außergewöhnlich gewesen sein! Sie kamen jedoch nicht direkt nach Betlehem, sondern in die Hauptstadt zu Herodes; wo sonst sollte der neue König geboren sein? Nachdem sie Herodes gefragt hatten, wo der neugeborene König sei, ergriff ihn in seiner Paranoia Entsetzen, da er schließlich weiterhin König bleiben wollte. Die Priester am Königshof gaben den Weisen den Tipp, dass sie den zukünftigen König in Bethlehem finden würden. Die Information entnahmen sie dem Propheten Micha:
„Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“ Micha 5:1
Als die Weisen das Kind sahen, beten sie es in Form der Proskynese an, eine Unterwerfungsgeste, die altorientalischen Herrschern oder Göttern vorbehalten war und überreichten ihm kostbare Geschenke. Diese Weisen mit enormem Weltwissen, die als Religionsexperten galten, somit ein hohes Ansehen genossen und reich waren, knieten nun vor diesem Kind als zukünftigem König und Herrscher nieder. Das bedeutete eine totale Kapitulation ihres Standes vor diesem kleinen Baby.
Herodes
Herodes hatte den Weisen aufgetragen, ihn über den Standort des Kindes zu informieren. Sein Vorwand war, dass er es selber anbeten wollte. Gott zeigte ihnen aber, dass sie nicht zurückkehren sollten; ein Engel warnte Maria und Joseph, dass sie nach Ägypten fliehen sollen. Herodes wurde wütend, als er keine Nachricht von den Weisen bekam und ordnete den Mord der Kleinkinder bis zwei Jahren in Bethlehem an. Er verfiel immer mehr dem Wahnsinn und starb schließlich an einer quälenden Krankheit. Seine Versuche zur Machterhaltung scheiterten letztlich.
Was hat das mit uns heute zu tun?
Was hat diese Geschichte mit uns heute zu tun? Jesus kam als Gottes Sohn auf diese Welt; damit fing sein Wirken aber erst an: Er wird später am Kreuz von Golgatha sterben und vom Tod auferstehen, um unsere Schmerzen, unser Leid, unserer Sünden (Schuld) zu tragen und uns davon zu befreien (Jesaja 53:1-12). Nur durch diese Tat ist eine Verbindung zu Gott und ewiges Leben möglich. Der Evangelist Johannes beschreibt es so, dass Jesus voller Gnade und Wahrheit Mensch wurde, um uns ein Licht zu sein, um uns den Weg zu zeigen, um uns zu Kinder Gottes zu machen, wenn wir ihn in unserem Leben aufnehmen (Johannes 1:1-18).
Simeon wartete auf Erlösung, Rettung und Freiheit. An Weihnachten darfst du erfahren, dass Hoffnung Wirklichkeit wird.
Vielleicht bist du schon länger im Glauben an Jesus Christus dabei, empfindest aber keine große Freude mehr darüber. Dann bewahre wie Maria die Worte Gottes (neu) in deinem Herzen!
Joseph war gerecht, sodass er Gott gehorchte, selbst in Schwierigkeiten. Sein Gehorsam machte also seine Gerechtigkeit vor Gott offenbar. Das kann dir eine Motivation sein, auch auf Gott zu hören. Sei gespannt auf seine Belohnung!
Die Hirten waren verachtet und ausgeschlossen. Du darfst neu zu Jesus kommen, er stößt keinen aus: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11:28)
Die Weisen waren intelligent, angesehen und reich. Dies kann einen zwar im Leben einigermaßen zufrieden stellen, aber darüber hinaus nicht weiter helfen. Was ist nach dem Tod? Nur Jesus kann ewiges Leben schenken!
Herodes wollte das Kind umbringen, um ja nichts von seiner Macht abzugeben. Möchtest du die Kontrolle in deinem Leben haben? Nachvollziehbar! Aber überlege: wenn es diesen Gott gibt und du ihn ignorierst, sollte dies nicht Konsequenzen haben? Nur Jesus gibt dir die Garantie auf ein Leben in Gemeinschaft mit diesem Gott. Bringe deinen Stolz, deine Ich-Sucht, deine Schuld zu Jesus, er wird dir vergeben.
Genauso wie zur Geburt Jesu ist die gute Nachricht Gottes (er selbst wird Mensch, um den Menschen seine Liebe zu zeigen) nicht auf ausgewählte Personen beschränkt, sondern gilt allen Menschen, auch dir! Er sieht dich, deine Not, deine Sünde. Wenn du zu ihm kommst, kannst du diese Dinge bei ihm abladen und frei werden.
Gott wird Mensch, der König wird in einem schmucklosen Haus in einer Krippe geboren, was ein Kontrast: aber so handelt Gott in der Geschichte. Entgegen den Römischen Kaisern, die sich selber als Herren der Welt deklarierten, wurde der Herr der Welt klein, um „mit uns zu sein“ (Matthäus 1:23):
„Cäsar, auf dessen Namen die Wörter ‚Kaiser‘ und ‚Zar‘ zurückgehen, und sein Großneffe Augustus sind so etwas wie Gegenentwürfe zu Jesus. Genau wie Jesus begreifen auch sie sich als Sprösslinge des Allmächtigen, als ‚Gottessöhne‘. Aber ihre Vorstellungen davon, wie man Macht ausübt, könnten unterschiedlicher nicht sein. ‚Ich kam, sah und siegte‘ steht gegen ‚Ich kam, sah und liebte‘, der Lorbeerkranz gegen die Dornenkrone, der brutale Wille zur Macht gegen den sanftmütigen Willen zur Ohnmacht. Auf der einen Seite stehen Männer, die wie Gott sein wollen, auf der anderen Seite steht der einzige Gott, der ein Mensch wird.“2
Immanuel, Jesu Name, bedeutet „Gott mit uns“. Jesus hat die wichtigsten Schritte getan, um „mit uns zu sein“. Gehst du auch deinen Schritt auf ihn zu?
- Vgl. Plinius der Ältere, Naturalis Historia (Naturgeschichte) 2,94. Zitiert nach Huttner, Ulrich: Römische Antike, Tübingen 2013, S.196. ↩︎
- Spieker, Markus: Jesus. Eine Weltgeschichte, Basel 2020, S.153. ↩︎
Literatur: Spieker, Markus: Jesus. Eine Weltgeschichte, Basel 2020.
















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