Was ist der Unterschied zwischen Traurigkeit und Unzufriedenheit? 

Das Leben mit unerfüllten Wünschen ist eine universelle Erfahrung. Viele von uns haben ungewolltes Alleinsein oder Unfruchtbarkeit erlebt. Manche sehnen sich nach Freundschaft, Gemeinschaft, einem Mentor oder einer Gemeinde. Vielleicht wünschen wir uns einfach nur einen Job, der die Rechnungen bezahlt.

Wenn ein Gläubiger mit unerfüllten Wünschen ringt, hört er nicht selten: „Sobald du zufrieden bist, wird Gott dir ______ geben (ein Kind, einen Ehepartner, einen Job).“ Diese Denkweise ist aus mehreren Gründen problematisch, einer davon ist, dass sie uns glauben lässt, wir könnten Gottes Hand kontrollieren. Wenn wir nur zufrieden genug sind, wird er seine Hand öffnen und uns geben, was wir wollen.

Es gibt aber noch ein subtileres Problem. Diese Sichtweise setzt voraus, dass jemand mit unerfüllten Wünschen automatisch unzufrieden ist.

Die Schrift sagt: „Hingehaltene Hoffnung macht das Herz krank“ (Sprüche 13:12). Als ich alleinstehend war und mir einen Ehemann wünschte, habe ich diese Herzenskrankheit erlebt. Später, als ich ein Baby nach dem anderen verlor, spürte ich den Schmerz aufgeschobener Hoffnung und das Leid, das sie verursacht. Aber bedeutet diese Herzenskrankheit, dass ich unzufrieden war? Kann ein Gläubiger berechtigterweise Traurigkeit über unerfüllte irdische Hoffnungen empfinden, ohne zu sündigen?

Traurig und Zufrieden

Nicht lange vor seinem Tod weinte Jesus über Jerusalem und sagte:
„Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt und ihr habt nicht gewollt!“ (Matthäus 23:37).

Jesus meinte, was er sagte. Obwohl er gemeinsam mit dem Vater schon vor Grundlegung der Welt beschlossen hatte, Israels Ablehnung als Messias zuzulassen, um das Evangelium zu den Heiden zu bringen, beklagte Jesus diese Ablehnung dennoch. War Jesus deshalb unzufrieden? Natürlich nicht! Jesus hat nie gesündigt. Aber er hat geweint. Er war traurig.

Wir sind natürlich nicht sündlos wie Jesus. Aber es ist dennoch möglich, über unerfüllte Wünsche zu weinen und zugleich ein Herz zu haben, das sicher und zufrieden in Christus ruht.

Eine Witwe kann ihre Einsamkeit beklagen und trotzdem mit Gottes Wegen zufrieden sein. Ein Mann kann entmutigt sein, nachdem er sich erfolglos auf einen besseren Job beworben hat, und dennoch mit seiner aktuellen Arbeit zufrieden sein. Einige der zufriedensten Frauen, die ich kenne, sind in ihren Vierzigern, unverheiratet und sehnen sich nach einer Ehe. Traurigkeit über unerfüllte Wünsche ist nicht dasselbe wie Unzufriedenheit.

Zeichen von Unzufriedenheit

Traurigkeit wird zu Unzufriedenheit, wenn unsere guten Wünsche ungeordnet oder übersteigert werden, wenn wir bereit sind zu sündigen, um zu bekommen, was wir wollen, oder wenn wir sündigen, weil wir es nicht bekommen.

Wie die Israeliten in der Wüste werden wir zornig und anklagend gegenüber unserem Schöpfer (2. Mose 17:3). Wir geben Gott die Schuld, dass er uns keinen Ehepartner gegeben hat, um unsere sexuellen Wünsche zu erfüllen, und benutzen das als Rechtfertigung für Unreinheit. Wir sehen das Baby im Arm eines ungläubigen Familienmitglieds und denken neidisch: Wie kann Gott ihr ein Kind geben und mir nicht? Unsere Sünde entlarvt unsere Unzufriedenheit.

Anzeichen von Unzufriedenheit sind zum Beispiel ein fordernder Geist, das Infragestellen von Gottes Güte und Weisheit, Ungehorsam gegenüber seinen Geboten, der Versuch, Gottes Hand zu erzwingen, das kompromisslose Streben nach dem, was wir wollen, Neid und Götzendienst. Aber nicht Traurigkeit.

Wenn wir darüber nachdenken, ob wir traurig oder unzufrieden sind, können wir uns Fragen wie diese stellen:
Wenn Gott uns am Ende nicht gibt, was wir wollen, werden wir ihm trotzdem gehorchen? Glauben wir, dass er gut ist und dass er uns genügt?

Klage über unerfüllte Sehnsüchte

Wenn wir ehrlich unser Herz prüfen, werden wir wahrscheinlich irgendwo auch Unzufriedenheit entdecken. Es ist gut für uns, diese aufzudecken und dem Herrn zu bekennen. Aber es ist nicht sündhaft, traurig zu sein. Wir dürfen berechtigterweise klagen, wenn gute Wünsche unerfüllt bleiben.

Der Hebräerbrief zeigt uns, wohin wir gehen sollen, wenn Traurigkeit unser Herz ergreift: zum Thron der Gnade (Hebr. 4:16). Gott lädt uns ein, voller Zuversicht unseren Schmerz im Gebet und in der Klage zu ihm zu bringen. Wir dürfen zu ihm rufen und ihn demütig um die guten Gaben bitten, die wir uns wünschen, so wie ein Kind seinen guten Vater bittet. Wir können Psalmen zu Gott zurückbeten: „Wie lange noch, HERR? Willst du mich für immer vergessen?“ (Ps. 13:1).

So hält ein Gläubiger Schmerz und Vertrauen gleichzeitig in der Hand: indem wir unseren Schmerz zu Gott bringen und ihn bitten, uns mit der Zufriedenheit zu erfüllen, die nur er geben kann.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.

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