Was mir ein Militärseelsorger über Hoffnung beigebracht hat 

Wie können wir prüfen, ob das Evangelium bessere Ressourcen zum Umgang mit Leid bietet als die säkulare Kultur? Ein möglicher Ansatz ist, Tagebücher miteinander zu vergleichen.

Im Jahr 1899 diente ein ehemaliger Soldat namens Adam Tervit im Alter von 30 Jahren als Regimentsevangelist (ähnlich einem Militärseelsorger) bei britischen Truppen im Zweiten Burenkrieg. Über mehr als ein Jahr hinweg, ohne dass er davon wusste, wurden seine ermutigenden Tagebücher bearbeitet, veröffentlicht und verkauft, um den Dienst zu finanzieren. Tervit ist mein Vorfahre, und ich besitze (vermutlich) die einzigen erhaltenen Exemplare.

Im Jahr 2004 begann Colby Buzzell im Alter von 28 Jahren anonym im Internet über seine Erfahrungen als Infanterist der US-Armee im Irakkrieg zu schreiben. Diese offenen und farbigen Tagebucheinträge fanden schnell eine große Leserschaft. 2005 wurden sie bearbeitet und unter dem Titel My War: Killing Time in Iraq veröffentlicht.

Es gibt offensichtliche Gemeinsamkeiten zwischen ihren Erfahrungen. Beide Männer ließen geliebte Menschen zurück. Beide wurden Zeugen der Schrecken des Krieges: verstümmelte Körper, sinnlose Tragödien, menschliche Verderbtheit. Beide verloren Kameraden. Beide verwendeten den Namen Jesus Christus in ihren Berichten (wenn auch auf unterschiedliche Weise; Buzzells Sprache ist dabei durchgehend sehr derb). Beide waren in Konflikte verwickelt, die zunächst breite Unterstützung fanden, später aber stark umstritten wurden (der Zweite Burenkrieg ist berüchtigt dafür, einige der ersten Konzentrationslager der Welt hervorgebracht zu haben).

Doch die beiden Männer gingen unterschiedlich mit diesen Schrecken um. Die eine Herangehensweise wuchs aus dem Boden einer vom Evangelium geprägten Kultur, die andere aus dem modernen Säkularismus. Ein Vergleich ihrer Quellen der Freude, ihres Verständnisses vom Feind und ihres Sinnempfindens im Leid legt nahe, dass säkulare Deutungen, so ansprechend sie in mancher Hinsicht auch sein mögen, im Vergleich zur Leuchtkraft einer vom Evangelium getragenen Ausdauer schmerzlich leer wirken.

Humor vs. Anbetung

In den Berichten beider Soldaten findet sich etwas Licht. Buzzells Aufzeichnungen sind voller trockenem Humor, während Tervits Tagebücher von freudigem Lob geprägt sind. An einer Stelle wird Buzzell gebeten, einen „Abschiedsbrief“ an seine Familie zu schreiben, für den Fall, dass er im Einsatz fällt. Er schrieb:

Liebe Mom und Dad,
Ihr habt recht.
Ich hätte lieber aufs College gehen sollen.
In Liebe,
Colby.

Diese Art von Humor macht das Buch zu einer sehr lesenswerten Lektüre. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass er manchmal eine fragile Ressource ist, um Buzzell durch die wirklichen Schrecken zu tragen, die er erlebte.

Säkulare Deutungen sind zwar nicht ohne Reiz, wirken aber im Vergleich zur Leuchtkraft einer vom Evangelium getragenen Ausdauer schmerzlich leer.

Tervit hatte ebenfalls Sinn für Humor, doch im Gegensatz zu Buzzell scheint dieser für ihn keine zentrale Bewältigungsstrategie gewesen zu sein. Trotz der schrecklichen Umstände versammelte Tervit viele der Soldaten an den meisten Abenden zu kleinen Gottesdiensten. Er schrieb häufig davon, wie er Gottes Gegenwart genoss und bei diesen Treffen neue Kraft schöpfte. Er notierte: „Gottes Gegenwart ist sehr real“ und beschrieb Jesus als „kostbar“, „schön“ und „lieblich“. Das ist lebendiges, herzliches, Christus-verherrlichendes Christentum. Er sagte, dass Jesus „die beste Gesellschaft ist, die [er] hat“.

Auch andere in Tervits Regiment fanden Freude mitten in den Schwierigkeiten. Eines Nachts traf Adam drei christliche Soldaten, die den Herrn in einem Sturm, ohne Mäntel oder Schutz, lobten. Sie waren vom Regen durchnässt und zugleich erfüllt von Anbetung.

Unterschiedliche Feinde

Für Buzzell war der „Feind“ die irakischen Aufständischen, auf die er seine Waffe richtete. Doch er begann auch, die Langeweile als einen Feind zu sehen: „Der Krieg war für mich bisher möglicherweise die langweiligste, unerquicklichste Erfahrung meines ganzen Lebens, und das Einzige, wogegen ich im Irak wirklich kämpfte, war Langeweile.“ Gegen Ende seines Berichts rief Buzzell Studenten, die auf einem Universitätsgelände für die Armee angeworben wurden, zu: „Das ist alles ein Haufen Lügen.“

Für Tervit war der „Feind“ niemals der Mensch, denn Soldaten auf beiden Seiten des Konflikts waren „kostbar in Gottes Augen“. Stattdessen ist sein Bericht durchzogen von Hinweisen auf die Feinde der Versuchung und den Teufel. Eines Tages, als sie angegriffen wurden, suchten er und ein Kamerad stundenlang Deckung, während die Kugeln über ihnen hinwegpfiffen. Tervit schrieb: „Gestern, mitten im Kugelhagel, war Jesus bei mir … aber ich brauche ihn heute genauso. Gefahren und Fallstricke sind nicht weniger real, Versuchungen sind noch realer, ja, stärker.“

Tervit erkannte, dass es einen Feind gibt, der gefährlicher ist als Kugeln. Säkular eingestellte Menschen mögen bei der Rede vom Teufel die Augen verdrehen, doch wir sollten nicht unterschätzen, wie sehr das Bewusstsein eines geistlichen Widersachers Menschen befähigt, selbst an den dunkelsten Orten in Liebe zu leben.

Verschiedene Meinungen

Buzzell beschrieb seinen Grund, zur Armee zu gehen, so:

Ich trat bei, weil ich, wie es in den alten Werbespots heißt, „alles werden wollte, was man sein kann“ und vor allem: „Es ist kein Job, es ist ein Abenteuer.“ Ich hatte es satt, mein Leben in Gleichgültigkeit zu verbringen, wo jeder verdammte Tag derselbe war wie der davor, immer dieselbe Routine. Essen, auf Toilette gehen, Arbeiten, Schlafen und dann alles wieder von vorn.

Am Ende seines Berichts klingt bei ihm eher ein gefestigter Nihilismus an: „Ich habe aufgehört zu erwarten, dass es Sinn ergibt.“

Tervit hingegen wurde zwar zunehmend kritisch gegenüber der Frage, ob der Krieg gerecht sei, verlor aber nie seinen Sinn für Hoffnung und Ziel. Ich war erstaunt, solche Aussagen von ihm zu lesen, selbst an einem schlechten Tag:

Mein Weg ist im Moment voller Verwirrung und Schmerz, Mühe und Erschöpfung, aber Gott hat ein weises Ziel in all seinem Führen; er wird mich auf den rechten Weg leiten. Lass mich ihm vertrauen, auch wenn ich ihn nicht verstehe. … Es ist gut, mit Jesus durch den Feuerofen zu gehen … man wird reicher in den Dingen Gottes.

Beim Lesen von Tervits Tagebüchern wurde ich immer wieder mit einer Freude konfrontiert, die selbst die dunkelsten Schrecken des Krieges nicht auslöschen konnten. Tervit wurde 88 Jahre alt und blieb ein entschiedener Gläubiger. Ein Freund unserer Familie erzählte, dass er Tervit als Kind einmal sprechen hörte und ihn für den inspirierendsten Redner hielt, den er je erlebt hatte.

Vielleicht ist es nicht ganz fair, diese Vergleiche zu ziehen. Tervit und Buzzell lebten in unterschiedlichen Zeiten und Kontexten. Oder vielleicht kann uns die Vergangenheit doch etwas lehren: Trotz großer Fortschritte in Medizin, Bildung und Gleichberechtigung ist die säkulare Kultur nicht besser darin geworden, Freude zu finden, besonders dann nicht, wenn geschossen wird.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler. Mehr von The Gospel Coalition.

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