Welchen Unterschied hat Pfingsten gemacht?

Zusammenfassung: Der Heilige Geist ist laut Jesus die beste aller Gaben vom besten aller Väter. Doch wie können Christen beginnen, die Person und das Wirken des Geistes zu verstehen, sowohl vor als auch nach Pfingsten? Vielleicht ist der beste Ausgangspunkt das Leben Christi vor und nach seiner Auferstehung. Während seines irdischen Dienstes lebte Jesus als der vollkommene, vom Geist erfüllte Mensch, das Vorbild der Menschheit, wie Gott sie geschaffen hat. Dennoch empfing Jesus nach seiner Auferstehung den Geist auf neue Weise: als königliches Erbe des erhöhten Königs. Und im neuen Bund hat der König begonnen, seine Beute mit seinem Volk zu teilen. 


Wenn ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der himmlische Vater den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten! (Lukas 11:13)

„Lehre uns beten“, bitten die Jünger Jesus (Lukas 11:1). Es ist eine großartige Bitte. Und Jesus kommt ihr gerne nach. Zuerst sagt er ihnen, worum sie beten sollen (Verse 2–4). Doch Jesus möchte seinen Jüngern weit mehr mitgeben als nur den richtigen Inhalt geordneter Gebete; er möchte auch, dass sie mit Eifer und Erwartung beten. Deshalb fügt er der Unterweisung über den Inhalt des Gebets zwei Ermutigungen hinzu, die anhaltendes, leidenschaftliches Gebet fördern sollen: (1) Beharrlichkeit zahlt sich aus (Verse 5–10), und (2) unser himmlischer Vater gibt gute Gaben (Verse 11–13). Jesu Ziel ist es, entschlossenes und leidenschaftliches Gebet zu fördern. Deshalb spricht er im zweiten Fall von der besten „guten Gabe“, die ihm einfällt, um die erstaunliche Güte und Großzügigkeit des Vaters zu zeigen, nämlich vom Heiligen Geist.

Diese beste aller Gaben vom besten aller Väter zu würdigen, ist alles andere als eine Nebensache. Der Glaube an den Gott, der uns in Christus durch die Kraft des Geistes ergreift, sollte eifrig danach streben, im Verständnis eben dieses Geistes zu wachsen. Leider ist diese Aufgabe voller Schwierigkeiten, der Weg ist von Ablenkungen geprägt, und die Fragen, die beantwortet werden müssen, sind zahlreich und komplex.

Herausfordernde, komplexe Fragen

Der Geist ist wohl das am schwersten greifbare Mitglied der Dreieinigkeit: Für einen Vater habe ich gedankliche Kategorien, einen Sohn kann ich mir leicht vorstellen aber wo beginne ich, einen Geist zu verstehen? Der Geist ist wohl auch das am meisten gemiedene Mitglied der Dreieinigkeit, zumindest auf populärer Ebene: Ich würde vermuten, dass außerhalb pfingstlicher Traditionen die meisten Gottesdienstbesucher niemals eine Predigtreihe oder Sonntagsschulreihe über die Person und das Wirken des Heiligen Geistes gehört haben. Wenn christliche Reflexion über den Dienst des Heiligen Geistes stattfindet, geschieht dies oft im Zusammenhang mit Kontroversen (zum Beispiel Meinungsverschiedenheiten über die sogenannten „charismatischen Geistesgaben“) und ist möglicherweise allzu bereit, diese Kontroversen die Form und den Schwerpunkt der Behandlung bestimmen zu lassen.

Zusätzlich zu diesen Umständen entstehen komplizierte biblisch-theologische Fragen über das Wesen des Wirkens des Geistes. Wir sprechen davon, dass der Geist an Pfingsten „ausgegossen“ wurde: Bedeutet das, dass er vorher irgendwie abwesend oder untätig war? Schließlich sagt Johannes 7:39, dass der Geist nicht gegeben wurde, bis Jesus „verherrlicht“ war. Wie sollen wir eine solche Aussage verstehen? Wie können wir den Unterschied, den das Werk Christi und das Ereignis von Pfingsten bewirken, wahrheitsgemäß beschreiben? Was bedeutet es für Christen, die Gabe des Heiligen Geistes zu besitzen und zu genießen, den eigentlichen Schatz des Reiches, gegeben vom Thron des erhöhten Königs? Dies sind schwierige Fragen, doch sie müssen beachtet werden, wenn wir die Gabe des Vaters, die Christus für uns errungen hat, richtig erkennen wollen.

Angesichts der Schwierigkeit und Komplexität dieses Themas kann es hilfreich sein, den Fokus einzugrenzen. Anstatt zu versuchen, alle oder mehrere Problembereiche gleichzeitig zu behandeln, werden wir uns in diesem Aufsatz auf nur einen begrenzten, aber strategisch wichtigen Ausgangspunkt konzentrieren. Genauer gesagt werden wir den Heiligen Geist im Leben Christi betrachten. Mit anderen Worten: Wir werden einige christologische Orientierungspunkte für die Pneumatologie suchen. Dies ist nicht nur deshalb ein strategischer Ausgangspunkt, weil, wie wir sehen werden, das Leben Jesu von Anfang bis Ende (bis zu einem neuen Anfang) so sehr vom Geist erfüllt ist, dass der Geist sogar der Geist Christi genannt werden kann (Römer 8:9). Christus richtig zu erkennen bedeutet notwendigerweise auch, etwas vom Geist zu erkennen (und umgekehrt). Noch konkreter: christologische Hinweise zum Verständnis des Wirkens des Geistes im neuen Zeitalter sind besonders hilfreich, weil das Leben und Wirken Christi selbst sowohl Kontinuität als auch Diskontinuität in der Erfahrung des Geistes zeigt. Dies dient als Vorbild für ein angemessenes biblisch-theologisches Verständnis des Wirkens des Geistes durch die Zeitalter hindurch.

Perfekter geist-erfüllter Mensch

Wir bekennen regelmäßig (in der westlichen Kirche), dass der Geist vom Sohn ausgeht, doch wir müssen ebenso sagen, dass der Sohn durch die Kraft des Geistes in der Menschwerdung in die Welt kam. In Lukas 1:35 sagt der Engel Gabriel zu Maria, dass der Heilige Geist „über sie kommen“ und die Kraft des Höchsten sie „überschatten“ werde. Das Ergebnis? Sie wird einen Sohn gebären, der „Sohn Gottes“ genannt werden wird. Doch in der Schrift werden viele Gestalten „Sohn Gottes“ genannt (zum Beispiel Israel in 2. Mose 4:22–23, Israels König in Psalm 2:7, Engel in Hiob 1:6, Friedensstifter in Matthäus 5:9). In welchem Sinn möchte Lukas also verstanden wissen, dass Jesus „der Sohn Gottes“ ist?

Die Bedeutung wird einige Kapitel später bei der Taufe Jesu verdeutlicht. In Lukas 3:21–22 ist der Geist erneut gegenwärtig und im Leben Jesu wirksam: Er kommt in Gestalt einer Taube auf ihn herab und salbt ihn für die ihm von Gott gegebene Aufgabe. Die Salbung durch den Geist wird von einer mündlichen Erklärung über Jesu Identität begleitet: Er ist Gottes „geliebter Sohn“ (Vers 22). Unmittelbar danach wechselt Lukas scheinbar ohne Zusammenhang von der Erzählung zu einem Stammbaum (Verse 23–38). Doch der Gedankengang wird klar, wenn wir am Ende des Stammbaums ankommen: „… Seth, der Sohn Adams, der Sohn Gottes“ (Vers 38). Adam war der erste Sohn Gottes in der biblischen Heilsgeschichte. Jesus ist der zweite; das heißt, er ist ein zweiter Adam.

Lukas 3:22 und 38 (siehe auch 4:3.9) sind die wichtigsten Hinweise im Zusammenhang darauf, was die Worte an Maria in 1:35 bedeuten. „Sohn Gottes“ zu sein bedeutet, ein neuer Adam zu sein. Tatsächlich ist Adam der einzige andere Mensch in der Geschichte, der keinen menschlichen Vater hatte, sondern direkt durch den Odem (Geist) Gottes ins menschliche Leben gerufen wurde (1. Mose 2:7). Die jungfräuliche Empfängnis durch die Kraft des Heiligen Geistes ist daher nicht nur ein Beweis für Jesu Göttlichkeit. Sie ist in der biblischen Erzählung auch und besonders ein Hinweis auf Jesu wahre und vollständige Menschlichkeit als den neuen Adam, der den Anfang der neuen Schöpfung mit sich bringt.

Jesus ist der vollkommene, vom Geist erfüllte Mensch, der alles, was er tut, durch die Kraft des Geistes tut. Er wurde als neuer Adam und davidischer König durch den Heiligen Geist gesalbt (Lukas 3:21–22; Matthäus 3:13–17) und anschließend vom Geist in seinen heiligen Kampf gegen den Teufel geführt (Markus 1:12–13). Jesu öffentlicher Dienst beginnt mit der Kraft des Geistes (Lukas 4:14.18). Er zog umher und „tat Gutes und heilte“ in der Kraft des Geistes (Apostelgeschichte 10:38; siehe auch Matthäus 12:28). Seine Gebete und seine Zuneigungen waren vom Geist durchdrungen (Lukas 3:21–22; 10:21–22). Er litt gerecht bis zum Tod durch Gottes ewigen Geist (Hebräer 9:14). Durch die Kraft des Geistes der Heiligkeit wurde Jesus von den Toten auferweckt (Römer 1:4) und dadurch vom Urteil der Welt, schuldig zu sein, gerechtfertigt (1. Timotheus 3:16). Und als der gerechtfertigte Menschensohn zur Rechten Gottes aufsteigt, um seinen rechtmäßigen Thron einzunehmen, kommt er „auf den Wolken“, eingehüllt oder getragen, könnte man sagen, von der Herrlichkeitswolke, die der Heilige Geist ist (Apostelgeschichte 1:9; vgl. Daniel 7:13–14). Alles, was Jesus tat, tat er in Unterordnung unter den Willen seines Vaters durch die Kraft des Heiligen Geistes, nicht in erster Linie, um zu beweisen, dass er Gott ist (was er natürlich ist), sondern um seine wahre Menschlichkeit zu zeigen. Jesus ist der vollkommene, vom Geist erfüllte Mensch, die vollkommene Erfüllung dessen, wozu der Mensch vom Schöpfer bestimmt war.

Derjenige also, der in Apostelgeschichte 1 zu seinem rechtmäßigen Thron aufsteigt, ist ein menschlicher König, der neue Adam, der geherrscht und unterworfen hat, wie Gott es von Anfang an vorgesehen hatte; der neue und wahre davidische König, der Israel verheißen wurde; der Herrscher und Wegbereiter einer neu geschaffenen Menschheit. Er hat den großen und endgültigen Sieg über seine Feinde errungen. Und er hat seinen Preis empfangen: die Beute seines Sieges als siegreicher und eingesetzter König.

Sein königliches Erbe

Was ist dieser Preis? Die Antwort wird in einer erstaunlichen und doch leicht zu übersehenden Aussage des Apostels Petrus an Pfingsten angedeutet:

„Nachdem er nun zur Rechten Gottes erhöht worden war und vom Vater die Verheißung des Heiligen Geistes empfangen hatte, hat er das ausgegossen, was ihr selbst seht und hört.“ (Apostelgeschichte 2:33)

Die Kürze und syntaktische Unterordnung dieses Partizipialsatzes können seine Herrlichkeit verdecken: Petrus führt uns, mit den Worten von Sinclair Ferguson, „für einen Augenblick hinter die Ereignisse der Geschichte, um uns einen Blick auf einen Vorgang zwischen dem Vater und dem Sohn als Mittler zu gewähren“. Konkret hebt Petrus hervor, dass der erhöhte Christus selbst zuerst die Gabe des verheißenen Geistes vom Vater empfängt, bevor er sie an Pfingsten über die Gemeinde ausgießt. Doch wir haben bereits reichlich biblisches Zeugnis gesehen, dass das Leben Christi von Anfang an vom Geist durchdrungen war. Was kann es also bedeuten, dass der erhöhte Christus nun den Geist „empfing“?

Ich bin der Meinung, dass Christus den Geist erst nach seiner Auferstehung (dem königlichen Sieg) und der Himmelfahrt (der königlichen Thronsetzung) als offiziell verliehenes königliches Erbe besaß. Es gibt einen Unterschied zwischen einem gesalbten König, der noch nicht gekrönt wurde, und einem gekrönten König, der volle Autorität hat, das Reich zu regieren. Es gibt einen Unterschied zwischen dem jungen David, der bereits von Samuel gesalbt wurde und königliche Eigenschaften und Aufgaben ausübt (zum Beispiel in 1. Samuel 17), aber Saul nicht töten will, weil Saul der rechtmäßig eingesetzte König ist, und dem reifen David, der das Reich als öffentlich eingesetzter König regiert. Um das Bild zu wechseln: Es gibt einen Unterschied zwischen einem Sohn, der Anspruch auf das Erbe hat und vielleicht sogar schon vorher davon profitiert (zum Beispiel auf dem Land lebt oder Geld erhält), und einem Sohn, dem schließlich das volle Erbe übertragen wird, sodass er frei darüber verfügen kann.

Das deutet darauf hin, dass der Unterschied in Jesu Erfahrung des Geistes vor Auferstehung und Himmelfahrt und nach Auferstehung und Himmelfahrt weniger räumlicher Natur ist (Abwesenheit gegenüber Gegenwart), sondern vielmehr rechtlicher Art (königlicher Preis, bundgemäßes Erbe); weniger quantitativ (weniger gegenüber mehr), sondern vielmehr heilsgeschichtlich-dramatisch (der Beginn eines neuen Aktes im heilsgeschichtlichen Drama mit dem Start neuer bundesbezogener Berufungen). Ein Statuswechsel hat stattgefunden und mit ihm ein Wechsel der Zeitalter, was sich darin zeigt, dass Christus als erhöhter Herr den verheißenen Geist empfängt. In diesem Sinn unterscheidet sich Christi Empfang des Geistes als erhöhter Herr auf dem Thron qualitativ selbst von dem, was er in seinem vom Geist durchdrungenen Leben vor seiner Auferstehung und Himmelfahrt vom Geist genoss.

Der Schatz des Reiches

Eine der ersten königlichen Handlungen dieses erhöhten Königs von seinem Thron aus besteht laut Epheser 4:7 (unter Bezug auf Psalm 68:18) darin, seinem Reich Gaben zu geben: „Als er in die Höhe hinaufstieg, führte er Gefangene mit sich und gab den Menschen Gaben.“ Der König teilt die Beute seines königlichen Sieges mit dem Volk, das er regiert; er gibt großzügig an seine Erlösten. Die Gaben, die Paulus im Blick hat, sind das, was wir geistliche Gaben nennen (Epheser 4:11), Gaben, die durch den „einen Geist“ (Vers 4) für das Reich Christi gewirkt werden. Der Heilige Geist, der Preis oder das Erbe, das dem siegreichen König gegeben wurde, ist das, was der König bei seiner Thronbesteigung mit all seinen Untertanen teilt. Man könnte sogar sagen: Den Geist zu haben bedeutet, das Reich zu besitzen, das der König errungen hat. Zum Beispiel setzt die Sprache des Lukas in Lukas 11:13 und 12:32 die Gabe des Heiligen Geistes durch den Vater praktisch mit der Gabe des Reiches gleich:

„Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der himmlische Vater den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!“ (Lukas 11:13)

„Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben.“ (Lukas 12:32)

Manchmal wird angedeutet oder sogar ausdrücklich behauptet, dass neutestamentliche Gläubige durch den Besitz des Geistes Zugang zu einer Kraft oder einer Art von Wirklichkeit hätten, die in früheren Zeitaltern praktisch nicht verfügbar gewesen sei. Nach dieser Denkweise konnten die ersten Christen zum Beispiel deshalb viel mutiger und selbstbewusster auftreten als alttestamentliche Gläubige, eine Kühnheit, wie sie etwa in der Apostelgeschichte sichtbar wird. „Petrus war früher feige, wie bei seiner dreifachen Verleugnung des Herrn“, so lautet die Argumentation, „aber weil er an Pfingsten den Geist empfing, konnte er mutig vor Herrschern und Autoritäten auftreten.“ Wenn man die Sache einfach dabei belässt, verdeckt und verzerrt man mindestens ebenso viel, wie man einen Teil der Wahrheit ausdrückt.

Wir können einen besseren Weg vorschlagen, indem wir Christi Erfahrung des Geistes vor und nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt als Vorbild für die Kontinuität und Diskontinuität des Wirkens des Geistes in Gläubigen vor und nach Pfingsten betrachten. Jesus erhielt nach der Himmelfahrt nicht „mehr“ vom Geist, und ebenso genießen Christen heute, so ist meine Meinung, nicht „mehr“ vom Geist als alttestamentliche Gläubige. Aber Christus empfing den Geist auf neue Weise oder besser gesagt: in einem neuen Akt des heilsgeschichtlichen Dramas. Wieder müssen wir in rechtlich-bundeshaften und heilsgeschichtlich-dramatischen Kategorien denken.

Christen im letzten Akt

Kevin Vanhoozer argumentiert, dass Emotionen (wie Mut) als „bundesbezogene, theodramatische Deutungen“ verstanden werden sollten. Vereinfacht gesagt sind Emotionen eine Frage der erzählerischen Deutung (also wie wir die Wirklichkeit erzählen, zu der wir gehören) und der Überzeugungen über unseren bundesbezogenen Platz in dieser Erzählung (also unsere Einschätzung über unseren Ort, unseren Stand und unsere Rolle im Drama). Nach dieser Sichtweise beruhen die Gefühle mutiger Kühnheit nicht einfach auf bloßen Kräften, Substanzen oder chemischen Reaktionen in uns. Vielmehr sind mutig-kühne Christen diejenigen, die die Situationen, in denen sie sich befinden, zwar als furchteinflößend, zugleich aber auch hoffnungsvoll für die Söhne und Töchter des Reiches deuten.

Die Christen in der Apostelgeschichte konnten ihre Geschichte und die Geschichte der Wirklichkeit selbst auf eine Weise erzählen, wie es vor ihnen niemand konnte: Ihre Geschichte war die Geschichte, in der Sünde und Zorn endlich und entscheidend besiegt worden waren; die Geschichte, in der sogar der Tod überwunden worden war; die Geschichte, in der die Götzen der Welt schließlich als das entlarvt wurden, was sie sind: Wind und Leere; die Geschichte, deren Ende ein siegreicher König ist, herrlich in Gnade, auf dem Thron sitzend und die Beute seines Reiches an sein Volk austeilend. Und weil sie die Geschichte auf eine neue Weise erzählen konnten, weil sie ihres Platzes im Reich sicher waren, das im letzten Akt des Dramas gesichert wurde, konnten sie eine neue Art von Kühnheit besitzen. Es ist kein Zufall, dass in Apostelgeschichte 4:31 die Kühnheit der frühen Gemeinde gerade in der Freimütigkeit besteht, das Wort Gottes zu verkündigen, eine Kühnheit, die aus einer biblischen Deutung der Bedeutung von Jesu Leben, Tod und Auferstehung hervorgeht (siehe Apostelgeschichte 4:24–28).

Gleichzeitig war es eine Kühnheit, die durch den Heiligen Geist gewirkt wurde, der als Antwort auf Gebet gegeben wurde (siehe erneut Vers 31 als göttliche Antwort auf die Verse 29–30). Der himmlische Vater gibt seinen angenommenen und bittenden Kindern in Christus gute Gaben. Er gibt den Geist, der ihnen die Bedeutung des erlösenden Handelns Gottes in der Geschichte aufschließt, damit sie das Drama neu erzählen können. Er gibt ihnen den Geist, der ihnen ihren neuen bundesbezogenen Status als Bürger des Reiches bestätigt. Er gibt ihnen den Geist, der sie zumindest auf diese Weise befähigt, mit einer Kühnheit zu leben, die dem endzeitlichen Akt des Dramas entspricht, den Christi Tod, Auferstehung und Himmelfahrt eröffnet haben.

Den Heiligen Geist in uns wohnen zu haben „am Ende der Zeitalter“ lässt sich daher am besten nicht so beschreiben, als hätten wir Zugang zu einer mächtigen Substanz, die früheren Generationen nicht verfügbar war. Noch viel weniger ist die pfingstliche Gegenwart des Heiligen Geistes lediglich ein inneres, geschichtsloses Gefühl oder Empfinden. Den Geist vom erhöhten Herrn Jesus zu empfangen, seine innewohnende Gegenwart, Kraft und Gemeinschaft zu kennen, bedeutet vielmehr, in einem bestimmten Kapitel der Geschichte verwurzelt zu sein. Es bedeutet zu wissen, dass man selbst durch das Werk dieses Königs am Kreuz dem gekreuzigten, auferstandenen und erhöhten König bundesmäßig gehört. Es bedeutet, sicher in seinem Sieg über all unsere Feinde und in der Einweihung seines Reiches der Gerechtigkeit und des Friedens zu ruhen. Den Geist zu haben bedeutet, den Schatz des Reiches zu besitzen.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring GodÜbersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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