„Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind“ (Kolosserbrief 3:5)
Heute muss ich sterben.
Ist das einer deiner ersten Gedanken am Morgen? Hat es für dich hohe Priorität, dich selbst zu töten, unter all den Dingen, die dich im Laufe des Tages beschäftigen? Beschäftigst du dich mit Selbstverleugnung? Wenn wir auf die Worte des Paulus in Kolosserbrief 3:5 hören, dann wird der Tod täglich in unseren Gedanken sein.
Die Anweisungen von Paulus an die Gemeinde in Kolossä geben dem christlichen Leben das, was wir eine Form von Taufe nennen könnten. Während die Taufe nur einmal geschieht, ist das Glaubensleben nach diesem Hinabsteigen in die Wasser des Todes und dem Wiederaufstehen geprägt, um die Luft eines neuen Lebens zu atmen (Kolosserbrief 2:11–12). Der „Tod“ der Taufe ist also sowohl ein Ereignis als auch eine fortlaufende Handlung für alle, die durch den Glauben mit Christus vereint sind.
So ruft Paulus uns dazu auf, diese Form des Sterbens und Auferstehens im christlichen Leben anzunehmen: Du warst tot. Weil Christus gestorben ist, lebst du jetzt. Weil du lebst, musst du weiterhin sterben. Im Sterben lebst du wirklich.
Jetzt lebst du
Die hoffnungsvolle, gnadenreiche Botschaft vom Übergang der Heiligen vom Tod zum Leben durchzieht den Text des Kolosserbrief.
Die Gemeinde der Lebenden war einst ein Feld von verdorrten Gebeinen, „das Reich der Finsternis“ (Kolosserbrief 1:13). In diesem Reich existiert kein wahres Leben. Dieses „Leben“ ist schattenhaft, ohne Hoffnung oder bleibende Bedeutung. Es verwelkt in einem Augenblick und wird vergessen. Es ist, in den Worten des Psalmisten, ein tierisches Dasein (Psalmen 49:12, 20). Du warst tot.
Aber in Christus sind wir aus diesem Herrschaftsbereich herausgeführt worden. Die Finsternis wich dem Licht. Während wir tot waren, gab Gott seinen Sohn in den Tod, um uns Leben zu geben. Durch die Kreuzigung des Heiligen hat er die verdammende Schuldschrift ausgelöscht und uns dazu gebracht, in ihm zu leben (Kolosserbrief 2:13–14). Das ist es, was die Taufe bedeutet. Du wurdest mit Christus begraben. Als du unter das Wasser gingst, bist du in das Grab unseres Herrn eingetreten. Und durch seine Auferstehung wurdest du aus den dunklen Wassern heraus auferweckt und mit lebensspendendem Odem erfüllt (Kolosserbrief 2:12; vgl. Römerbrief 8:3–11). Weil Christus starb, lebst du nun.
Du musst sterben
Das auferstandene Leben ist jedoch nicht das Ende des Sterbens für den Heiligen. Paulus war besorgt, dass die Kolosser sich von ihrem wahren Leben abwandten, um tödliche Verhaltensweisen anzunehmen, die ihre Form nicht von Christus nahmen. Sie waren irdische, schattenhafte Zerrbilder und führten diejenigen, die sie annahmen, dazu, das Leben, das sie von Gott empfangen hatten, wieder niederzulegen.
Paulus fordert, dass wir unser altes, irdisches „Leben“ nicht wiederbeleben, sondern töten. Aktiv nach dem zu trachten, was droben ist, bedeutet, die Dinge unten aktiv zu verwerfen, wie „Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht“ (Kolosserbrief 3:5). Wenn wir weltliche Gewohnheiten als gar nicht so schlimm abtun, verlassen wir den Weg des Lebens, um auf dem breiten und tödlichen Weg zum Verderben umherzuirren.
„Geht nicht diesen Weg“, schreibt Bruder Paulus. Die alten Praktiken der Sünde – von der scheinbar harmlosesten Lüge bis zur gröbsten sexuellen Unmoral – haben keinen Platz im Reich des geliebten Sohnes (Kolosserbrief 3:5–9).
Das Muster des neuen Lebens, das wir in Christus empfangen haben, folgt weiterhin dem Eintauchen der Taufe in die Wasser des Todes. Ja, das Leben gehört uns, „verborgen mit Christus in Gott“ (Kolosserbrief 3:3). Aber wir sind noch nicht mit ihm in Herrlichkeit erschienen. Deshalb erfordert das gegenwärtige Glaubensleben, dass wir immer wieder den sündigen Mustern sterben, die noch in unserem eigenen Fleisch eingeprägt sind. Mit anderen Worten: Christ, weil du lebst, musst du weiter sterben. Das christliche Leben erfordert paradoxerweise das Absterben des Heiligen.
Im sterben lebst du
Nekrose ist ein hässliches Wort. Es bezeichnet das Absterben von lebendem Gewebe, gewöhnlich infolge einer schweren Wunde oder des giftigen Bisses eines gefährlichen Geschöpfs. Um die Gesundheit des restlichen Körpers zu schützen, muss das tote und sterbende Gewebe abgeschnitten werden.
Gott ruft uns dazu auf, im Blick auf die Sünde nicht weniger entschlossen zu sein. Schneide sie ab. Tötet sie. Sie gehört zum alten Menschen und hat keinen Platz im neuen (Kolosserbrief 3:9–10). Wie ein Chirurg, der darauf bedacht ist, das Glied eines Patienten zu schützen, müssen wir schonungslos die nekrotischen Überreste der Sünde in unserem Leben wegschneiden. Was erfordert ein solches tägliches Sterben? Paulus ruft die Gläubigen zu den Praktiken der Betrachtung und der Kreuzigung auf.
Christus betrachten
Für die, die mit Christus auferweckt worden sind, gibt Paulus zwei Anweisungen: „suchen“ und „trachten“.
„Sucht das, was droben ist“ (Kolosserbrief 3:1)
„Trachtet nach dem, was droben ist“ (Kolosserbrief 3:2)
Übe deinen Sinn aktiv und unermüdlich darin, auf das zu schauen, was droben ist. Und was ist „droben“, wenn nicht Christus? Er ist derjenige, der „zur Rechten Gottes sitzt“ und „in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind“ (Kolosserbrief 3:1; 2:3). Er ist Licht, Brot, lebendiges Wasser, Weisheit, Kraft, Ruhe, Frieden, Leben – kurz gesagt alles, wonach unser Herz verlangt.
Unsere Herzen von den verderblichen Bestrebungen der Welt abzuwenden, erfordert, dass wir unseren Sinn auf den König in all seiner Schönheit ausrichten. Erstaunlicherweise sind wir nicht zum Verlust, sondern zum Gewinn berufen. Wende dich ab von dem, was geringer ist; empfange den Einen, aus dem eine Quelle ewiger Freude hervorströmt, weil er selbst Freude ist. Suche Christus; richte deinen Sinn auf ihn. Besinne dich darauf, wer er ist. Bedenke alles, was er für dich getan hat. Ruhe in dem Frieden, der aus dem Evangelium kommt. Lege die Gewohnheiten leerer Religion ab (Kolosserbrief 2:20–23) und richte deinen Blick auf deine herrliche Zukunft im Reich des geliebten Sohnes (Kolosserbrief 1:13).
Diese Besinnung erfordert tägliche Achtsamkeit. Wenn wir ihn in seiner Herrlichkeit betrachten, werden wir verwandelt (2. Korintherbrief 3:18).
Verderbnis kreuzigen
Paulus ruft uns nicht nur dazu auf, uns auf Christus zu besinnen, sondern auch die Verderbnis zu kreuzigen.
„Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind“ (Kolosserbrief 3:5)
Wenn wir aufmerksam auf den Geist hören, werden wir unsere eigenen „irdischen“ Sünden in dem tödlichen Spiegel erkennen, den Paulus uns vorhält: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde, die Götzenverehrung der Habsucht, Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, hässliche Redensarten, Lüge (Kolosserbrief 3:5–9). Solche Laster wachsen aus der verbleibenden Verderbtheit in unseren Herzen. In ihnen zu wandeln, sie auszuüben und sich nicht um ihre Gegenwart in unserem Leben zu kümmern, zeigt einen Sinn, der nicht auf Christus ausgerichtet ist, sondern auf sich selbst – Begierden, die nach innen gekehrt und verkümmert sind.
Diese zu töten ist eine tägliche, oft momentweise Glaubensanstrengung. Im Vertrauen darauf, dass Christus weit besser ist, bekennen wir unsere Sünde und wandeln durch das Wirken des Geistes als die Auserwählten, Heiligen und Geliebten Gottes (Kolosserbrief 3:12). Nekrose – das Abschneiden des alten Leibes der Sünde – geschieht nicht durch gesetzliche Praktiken oder selbstgewirkte Disziplin. Nein, sie geschieht, indem wir unter der Leitung des Geistes auf Christus schauen und im auferstandenen Leben wandeln und gute geistliche Frucht bringen (Kolosserbrief 3:12–17).
So hässlich die Nekrose auch sein mag, die fortwährende Heilung der Heiligen verlangt, dass wir die vergangene Sünde wegschneiden. Tägliches Sterben ist in Wahrheit tägliches Leben. Im Sterben lebst du wirklich.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzt von Lynn Wiebe. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von Desiring God.
















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